Havelberg

Blick über Havelberg

Die Hansestadt Havelberg war der nördlichste Punkt unserer Rundfahrt auf der Straße der Romanik. Unter Heinrich I. wurde die Region um Havelberg, in der bislang slawische Volksstämme lebten, erobert und sein Sohn Otto I. gründete wahrscheinlich 948 das Bistum Havelberg. Um 983 gelang es den Slawen Havelberg zurückzuerobern und erst 150 Jahre später, um 1130 sollte die Region endgültig zu einem Teil des Heiligen Römischen Reiches werden. Seit 1359 war Havelberg, wie fast alle Städte der Region, Mitglied der Hanse und um 1555 dürften nicht mehr als 1000 Menschen in der Stadt gelebt haben.

Die Altstadt Havelbergs liegt auf einer kleinen Insel in der Havel, die kurz hinter der Stadt in die Elbe mündet. Als wir die Stadt besucht haben war absolut tote Hose und man kam sich fast vor wie in einer Geisterstadt. Neben einigen schönen Kapitänshäusern, dem Beguinenhaus und Fachwerkhäusern ist vor allem die St. Laurentius-Kirche einen Blick wert, die allerdings leider während unserem Aufenthalt geschlossen hatte. Sie gilt trotz ihrer Umbauten als typischen Beispiel für die märkische Backsteingotik.

Das eigentliche Highlight Havelbergs ist aber aus kunsthistorischer Sicht zweifellos der Dom St. Marien. Die ehemalige Kathedrale des Bistums Havelberg wurde nach einen schweren Brand zwischen 1279 und 1330 im Stile der Gotik umgebaut. Anschließend an die Kirche sind noch der Konventsbau am Ostflügel aus dem 12. Jahrhundert und der aus dem 13. Jahrhundert stammende Refekturbau erhalten geblieben. Seine besondere architekturgeschichtliche Bedeutung verdankt die Kirche dem Westbau, der mit seiner völlig ornamentlosen, wuchtigen Form als fensterloser Block die entschiedenste Verwirklichung des sog. Sächsischen Westriegels in der deutschen Baukunst darstellt.

Das Kircheninnere zeigt sich als dreischiffige Basilika mit Kreuzrippengewölbe. Der Lettner und die seitlichen Chorschranken entstanden um 1400 und waren bei unserem Besuch leider in Teilen eingerüstet. Das aus Eichenholz gefertigte Chorgestühl stammt aus der Zeit um 1300. Die Buntglasfenster, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigen, datieren aus dem frühen 15. Jahrhundert und sind wirklich beeindruckend. Hinter dem Dom findet sich im kleinen Park immer wieder ein Uhu ein, der, wie uns die nette Dame an der Kasse erzählt hat, eine der Hauptattraktionen Havelbergs geworden ist. Bis aus Berlin kämen Menschen extra seinetwegen hergefahren.

Magdeburg

Der Magdeburger Dom

Magdeburg ist eine Stadt der Gegensätze. Neben einem der wichtigsten Gebäude des deutschen Mittelalters, steht hier das letzte von Friedensreich Huntertwasser entworfene Haus und leider auch ganz viel Plattenbau und moderne Funktionsgebäude. Ich habe selten einen solch historischen Ort gesehen, neben Berlin oder Tarent, der an vielen Ecken so hässlich war. Allerdings muss man die Geschichte der Stadt betrachten und kann dann fast nur noch dankbar sein, dass doch soviel noch erhalten geblieben ist.

Erstmals 805 als Magadoburg erwähnt entwickelte sich Magdeburg unter Kaiser Otto I. zu seiner vielleicht wichtigsten Kaiserpfalz. 1035 zur Messestadt erhoben, wurde Magdeburg ein wichtige Handelsstadt und das Magdeburger Recht vorbildhaft für große Teile Mittel- und Osteuropas. Das erste Schicksalsdatum der Stadt wurde der 20. Mai 1631. Auf dem Höhepunkt des Dreißigjährigen Krieges wurde Magdeburg von den kaiserlichen Truppen der katholischen Liga erobert. Dabei wurden bis auf wenige tausend Einwohner alle Menschen der Stadt massakriert und fast gesamt Magdeburg wurde ein Opfer der Brände. Bis heute existiert in diesem Kontext das Wort „Magdeburgisieren“ als Synonym für völlige Verwüstung/Vernchtung. Je nach Quelle vielen 20.000 bis 30.000 Magdeburger dem Wüten der kaiserlichen Truppen und den Bränden zum Opfer.

Es dauerte bis ins 19. Jahrhundert, bis sich Madeburg von den Folgen des Jahres 1631 erholt hatte. Keine hundert Jahre später folgte die zweite Zäsur der Stadtgeschichte. Seit 1943 schwer bombardiert, zerstörten die britischen Luftangriffe im Januar 1945 90% der historischen Altstadt Magdeburgs. Als wäre das noch nicht genug gewesen, erreichten am 11. April 1945 alliierte Truppen die Stadt und nahmen die Stadt unter Beschuss. Gerade für uns im Süden Deutschlands ist das etwas, was Gott sei Dank bei uns keine Realität war. Wir hatten „nur“ Bombenangriffe und keinen direkten Frontverlauf.

Die Magdeburger Johanniskirche, wo 1524 Martin Luther predigte, ist in meinen Augen so etwas wie der Kummulationspunkt all dieser Ereignisse. 1131 im Stile der Romanik errichtet, wurde sie unter andem 1631 zerstört und dann wieder aufgebaut. Auch 1945 wurde die Kirche erneut fast völlig zerstört und erst zwischen 1991 und 1999 wieder aufgebaut, nicht aber rekonstruiert. Das Kircheninnere wird von modernen Glasfenstern dominiert, die mir persönlich überhaupt nicht gefallen haben. Vom Turm der Kirche hat man jedoch einen tollen Blick über die Innenstadt Magdeburgs.

Von St. Johannis führte mich der Weg, entlang der Elbe zu zwei der wichtigsten Relikte des Magdeburger Mittelalters. Zunächst die gotische Magdalenenkapelle, die ab 1315 errichtet wurde. Nach Zerstörungen 1631 wurde die Kapelle erst 1711 wiederaufgebaut und in der Folge immer wieder umgestaltet, zuletzt umfassend in den 1960er Jahren. Direkt daneben befindet sich die Universitätskirche St. Petri, die im 12. Jahrhundert noch außerhalb des Stadtgebietes von Magdeburg errichtet worden war. Erst durch die Eingliederung des Fischerdorfs Frose 1380 wurde sie Teil der Stadt und weitgehend neu errichtet. Nur der Turm der Kirche ist noch vom romanischen Originalbau übrig geblieben. Auch hier haben die Jahre 1631 und 1945 schwerste Zerstörungen hinterlassen. Leider waren beide Objekte bereits geschlossen, als wir in Magdeburg angekommen waren.

Über das Denkmal für Otto von Guericke, einen bekannten deutschen Physiker aus Magdeburg (Experimente zum Luftdruck mit den Magdeburger Halbkugeln), erreicht man das Magdeburger Rathaus. In seiner heutigen Form wurde es nach der Zerstörung des alten Rathauses 1631 erst 1713 fertiggestellt und begrenzt den Alten Markt nach Osten. Vor dem Rathaus steht die vergoldete Figur des Magdeburger Reiters, der um 1240 entstanden war. Die Originale aus Sandstein kann man heute im Kulturhistorischen Museum der Stadt besichtigen, während auf dem Alten Markt eine vergoldete Kopie des 20. Jahrhunderts steht.

Normalerweise bin ich kein Freund der moderne Architektur des 20. Jahrhunderts. Bei den Gebäuden von Friedensreich Hundertwasser, ob in Wien oder eben hier in Magdeburg, muss ich gestehen, dass ich mich der Faszination dieser bunten und sehr ungeraden Architektur nicht entziehen kann. Für knapp 27 Millionen Euro wurde dieses letzte von Hundertwasser vor seinem Tod entworfene Gebäude im Zentrum der Magdeburger Innenstadt errichtet. Seit der Fertigstellung soll in den äußeren Zustand des Hauses möglichst nicht mehr eingegriffen werden. Durch das Wachsen der Bäume und das Verblassen der Außenfarbe soll es sich verändern und ein Gefühl des Wandels und Alterns eines Gebäudes vermitteln. Ebenerdig finden sich Geschäfte, Restaurants und Cafés, während in den oberen Etagen einige Gewerberäume und v.a. Wohnungen liegen. Jeder Bewohner hat auch das „Fensterrecht“ und darf, soweit seine Arme reichen, die Fassade seiner Fenster selbst gestalten.

Das Liebfrauenkloster

Direkt gegenüber unseres Hotels (Hotel One), das was die Ausstattung angeht, das Beste (weil auch Neuwertigste) Hotel unserer Rundfahrt war, liegt das Kloster Unser Lieben Frauen, das zu den bedeutendsten romanischen Anlagen Deutschlands zählt. Durch den Magdeburger Erzbischof Gero zwischen 1015 und 1018 gestiftet, wurde es in seiner heutigen Gestalt 1063/64 neu errichtet. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurden die Kirchtürme fertiggestellt und zwischen 1220 und 1240 kam es zu einigen gotischen Umbauten. Da es katholisch geblieben war, wurde das Stift im Rahmen der Plünderungen 1631 weitestgehend verschont, aber 1832/34 wie viele Klöster säkularisiert. 1945 wurden bei Luftangriffen der westliche Flügel der Klausur und das Dach der Kirche zerstört, womit das Kloster im Vergleich zur restlichen Stadt noch relativ glimpflich davon gekommen ist. Aus Zeitmangel hatten wir uns leider entscheiden müssen, keine Innenbesichtigung vorzunehmen, da die Kirche alleine nicht zugänglich ist, sondern nur im Rahmen des Gesamtkomplexes.

Das absolute Highlight der Besichtigung Magdeburgs war für mich der Magdeburger Dom St. Mauritius und Katharina. Der Dom ist die erste von Anfang an gotisch konzipierte und die am frühesten fertiggestellte Kathedrale dieser Epoche auf deutschem Boden. Er wurde ab 1207 oder 1209 bis 1363 errichtet und ist die Grabkirche Ottos des Großen. Schon 937 hatte Otto I. hier das Maritiukloster gegründet, in dem 946 seine erste Gemahlin Edith beigesetzt wurde. Der heutige Dom ist daher auch bereits der dritte Kirchenbau an dieser Stelle und wurde von den Verwüstungen des Jahres 1631 weitestgehend verschont. Im Zweiten Weltkrieg allerdings wurde der Dom leider sehr stark zerstört, sodass lediglich die östlichen Partien mit Chor, Chorumgang und Chorempore erhalten geblieben sind. Alle Glasfenster, ca. 300 m² Gewölbe und Teile der Fassade wurden zerstört.

Trotzem finden sich im Inneren nach wie vor einige besondere Kunst- bzw. Geschichtsschätze.

Paradiespforte von 1240/50

Die Figuren der zehn klugen bzw. törichten Jungfrauen (je fünf) sind ein in der kirchlichen Kunstgeschichte immer wieder dargestelltes Gleichnis. Im Mittelalter dienten die Jungfrauen als Mahnmal des allgegenwärtigen Todes. Die klugen Jungfrauen hatten genügend Öl in ihren Lampen, um diese brennen zu lassen, während die törichten leere Öllampen hatten und somit zurückgewiesen wurden. Menschen, die nicht so handeln wie die klugen Jungfrauen, kommen in die Hölle oder werden verdammt. Mit fast 130 cm sind sie die größte plastische Darstellung ihrer Art bis zu diesem Zeitpunkt.

Unbestreibar ergriffen war ich, als ich am Grabmal Kaiser Ottos I. stand, der auch für die Geschichte meiner Heimatstadt Augsburg (Schlacht auf dem Lechfeld 955, erste Blüte der Stadt nach Ende des weströmischen Reiches) so wichtig war. Dabei ist die Grablege Ottos das beste Beispiel dafür, dass nicht allein Opulenz oder allgegenwärtiger Reichtum die Bedeutung einer Person zeigen, sondern Schlichtheit und die innere Ergriffenheit des Betrachters völlig ausreichend sein können.

Weitere sehenswerte Objekte sind die Alabasterkanzel von 1597 (eines der bedeutendsten Kunstobjekte der Renaissance in Deutschland), das Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert oder die aus einem Stein böhmischen Marmors geschaffene Altarplatte des Hochaltars im Chor von 1363, mit den Maßen 4,30 Meter zu 1,95 Meter die größte der Christenheit. Das Herrscherpaar aus dem 13. Jahrhundert in der um 1250 entstandenen Sechzehneckigen Kapelle stellt dem Volksglauben nach Otto I. und seine erste Frau Edith (Editha von Wessex) dar.

Stiftsruine Walbeck

Blick von Norden kommend auf die Ruine der Stiftskirche

Walbeck ist heute ein kleiner verschlafener Ort am Rande des Lappwaldes im Landkreis Börde in Sachsen Anhalt. Urkundlich erstmals 929 erwähnt, verirren sich heute nur selten Touristen hierher. Wenn man der Landstraße durch den Ort folgt, sollte man das Auto möglichst im Ort parken, denn die nach links den Hügel hochführende Schotterpiste zur Stiftsruine ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

Die Kirche St. Marien von Südwesten aus

Das Stift wurde 942 gegründet, da Graf Lothar II. von Walbeck sich an einer Verschwörung Heinrichs I. von Bayern gegen König Otto I. (den Großen) beteiligt hatte. Nach der Niederschlagung der Verschwörung wurde auch Lothar zum Tode verurteilt, konnte aber durch die Fürsprache seiner Freunde dieser Strafe entgehen. Er verlor aber all seinen Besitz und musste in seiner Stammburg Walbeck die noch heute stehende Kirche bauen, deren Platzierung die Verteidigungsfähigkeit der Burg zudem stark verringerte.

Der wahrscheinlich bekannteste Mann der Stiftsgeschichte war der Enkel Lothars II., der spätere Bischof Thietmar von Merseburg, der zudem eine der wenigen überlieferten Chroniken dieser Periode geschrieben hat und daher für die Historiker zu den wichtigsten Quellen der Ottonenzeit zählt.

Zwischen 942 und 964 zunächst als einschiffige Saalkriche errichtet, wurden gegen 1000 und 1100 größere Umbauten vorgenommen, z.B. wurde die Kirche um sieben Meter nach Westen verlängert und um einige Meter erhöht. Auch um zwei Türme (die heute nicht mehr erhalten sind) wurde die Kirche erweitert. Vor allem die Bögen des Mittelschiffs stammen noch aus der ersten Bauphase des 10. Jahrhunderts.

Heute dient die malerische Ruine vor allem während der Sommermonate als Kulisse für Konzerte und vom Rand des Kalksteinfelsen auf dem die Burg und die Kirche errichtet wurden hat man einen schönen Blick über das Allertal.

Freyburg

Schloss Neuenburg oberhalb von Freyburg

Knapp 7 Kilometer nördlich von Naumburg, inmitten des Weingebietes Saale-Unstrut, liegt die Ortschaft Freyburg, aus der auch der Rotkäppchen-Sekt stammt. Oberhalb des Ortes liegt die Neuenburg, die die größte und eine der wichtigsten Burganlagen der Landgrafen von Thüringen war. Sie unterteilt sich in eine Vor- und eine Hauptburganlage und stammt in den ältesten Bauabschnitten vom Ende des 11. bzw. aus dem frühen 12. Jahrhundert. In der Vorburg befindet sich auch die Schlossbrennerei, die ganz hervorragende Tropfen bietet, u.a. haben wir selbst den Gin und einen Apfelbrand mitgenommen.

Noch vor der Kernburg steht der weithin sichtbare Bergfried, der sog. Dicke Wilhelm. Dieser Name stammt allerdings erst aus dem 20. Jahrhundert, während der Turm selbst bereits im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Bis in den Vorhof der Kernburg kommt man kostenfrei, für die zentralen Gebäude, die Museen und vor allem die grandiose romanische Burgkapelle, muss man Eintritt zahlen. Jedem Burgen- und/oder Romanikliebhaber kann ich dies aber nur wärmstens empfehlen.

Die Doppelkapelle der Neuenburg entstand im 12. Jahrhundert und ist auf zwei Ebenen angelegt worden. Im unteren Bereich liegt die eigentliche Kapelle und ein Stockwerk darüber die wohl dem Landgrafenpaar vorbehaltene zweite Kapelle, die über eine Fußbodenöffnung Sicht- und Höhrkontakt zur unteren Kapelle herstellte. Das vierfache Kreuzgratgewölbe wurde erst 1220/30 eingebaut und erinnert an vergleichbare Zackenbögen aus St. Andreas in Köln und könnte auf maurischen Einflüssen basieren. Der Restaurator Ferdinand von Quast (Restaurierung erfolgte 1842-55) nannte sie das „Vollendetste, was wir vielleicht aus der ganzen Ornamentik des Mittelalters besitzen.“

Rathaus von Freyburg mit Neuenburg im Hintergrund

Nach Besichtigung der Neuenburg sollte man auch einen kurzen Abstecher in den am Fuß des Burgbergs gelegenen Winzerort Freyburg unternehmen. Hier lohnt vor allem die Besichtigung der Stadtkirche St. Marien, die wegen ihrer Ähnlichkeit zum Naumburger Dom als „Klein-Naumburg“ gilt.

Die spätromanische Stadtkirche St. Marien entstand zeitgleich zum Naumburger Dom im 13. Jahrhundert und wurde während des 15. Jahrhunderts teilweise umgebaut. Das Spätgotische Hallenlanghaus sowie der Chorbereich sind die prägendsten Bestandteile des Umbaus, die Ähnlichkeiten zum Naumburger Dom bleiben aber trotzdem sichtbar. An der Westfassade kann man noch ein romanisches Tympanon mit einer Darstellung der thronenden Muttergottes mit dem Jesuskind, flankiert von Engeln mit Weihrauchfässern, sehen.

Der Altar stammt aus der Zeit um 1500 und zählt zu den hochwertigsten Arbeiten dieser Zeit im ehemals Thüringer Raum. Neben der zentralen Marienkrönung sind weitere Szenen der Mariengeschichte auf den Altarflügeln zu sehen (Verkündigung-Heimsuchung-Geburt Christi-Marientod).

Querfurt

Eine der großen positiven Überraschungen unserer Fahrt auf der Straße der Romanik war zweifellos Querfurt. Zwar hatten wir uns vorab über jede der Stationen informiert, aber Querfurt (die Burg aber auch die gleichnamige Kleinstadt) war deutlich schöner und beeindruckender als erwartet. Bereits Ende des 9. Jahrhunderts wird die Ortschaft erstmals erwähnt und war Stammburg der Edlen Herren von Querfurt. Zusammen mit der Kaiserpfalz von Memleben ist sie einer der westlichsten Punkte auf der Straße der Romanik und beide sind bequem an einem Tag zu besichtigen.

Bevor wir die Burg besichtigten, haben wir einen Rundgang durch die Altstadt von Querfurt unternommen. Dominiert wird diese vom Rathaus der Stadt, das erstmals 1455 als Gerichtssitz erwähnt wird. Nach mehreren Stadtbränden wurde 1699-1701 der Archivturm angebaut und die gotischen Fenster zugemauert und durch barocke Fenster ersetzt. Große Teile des Gebäudes wurden 2010-2015 saniert und heute sind das Rathaus und der Marktplatz wieder ein wirklich wunderschönes Gesamtensemble geworden. Auffällig war auch hier wieder das fast völlige Fehlen von Touristen. Vielleicht kann ich mit meinen Beiträgen zur Romanischen Straße zeigen, dass diese Orte wirklich sehenswert sind und mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Eingang zum historischen Friedhof

Auf der anderen Seite des kleinen Flüsschens der Querne befindet sich der historische Stadtfriedhof, der währen der Reformation im frühen 16. Jahrhundert angelegt wurde. Die steinernen Monumente aus fünf Jahrhunderten zeigen, dass die Steinmetze der Region schon immer hervorragende Handwerker waren.

Burg Querfurt

Die Burg Querfurt ist eine der größten Burganlagen Deutschlands und zum Beispiel sieben Mal so groß wie die Wartburg oberhalb von Eisenach. Spätestens seit 979 ist das Bestehen einer Befestigung an dieser Stelle nachweisbar. Aus dieser Zeit stammen auch die älteste erhaltene Bausubstanz der Burg, die zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert eine rege Bautätigkeit erlebte. Anfang des 12. Jahrhundert wurde der dicke Heinrich errichtet (massiver Rundturm der Anlage), 1162 folgte die romanische Kirche und Anfang des 14. Jahrhunderts der Pariser Turm. Gerade der äußere Verteidigungsring mit seinen Wällen, Bastionen und dem Westtor wurde Mitte des 15. Jahrhunderts angebaut. Nach dem Tod des letzten Herren von Querfurt 1496 fiel die Burg an das Erzbistum Magdeburg und wurde gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges mehrfach erobert.

Leider fanden während unseres Aufenthaltes im August 2019 umfangreiche Grabungsarbeiten des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie im Burggelände statt, weswegen der Innenbereich nicht besichtigbar war. Daher konnten wir auch die grandiose Burgkapelle nur aus der Distanz bewundern. Der kreuzförmige Bau der Kapelle erinnert dabei eindeutig an südöstliche, wahrscheinlich byzantinische Vorbilder und wurde im 14. Jahrhundert um eine gotische Seitenkapelle erweitert, in der sich die Grablege des Grafen Gebhard XIV. von Querfurt befindet. Andererseits sind uns so auch die ganzen barocken Innenumbauten erspart geblieben, die zwischen 1698 und 1716 erfolgten.

Auf Grund des hervorrganden Erhaltungszustandes der Burganlage und ihrer somit fast perfekten mittelalterlichen Kulisse dient(e) die Burg Querfurt schon häufiger als Drehort für Filme. Große Teile der Verfilmung des „Medicus“ oder „der Päpstin“ wurden hier gedreht, aber auch Dokumentationen oder Märchenverfilmungen von ARD und ZDF.

Klöster Drübeck und Ilsenburg

Klosterkirche St. Vitus in Drübeck

Nur wenige Kilometer von Wernigerode entfernt liegen die Klöster Drübeck und Ilsenburg in fast unmittelbarer Nähe zueinander. Obschon Teil der Straße der Romanik, verirren sich hier eher seltener Touristen hin. Das Nonnenkloster von Drübeck existiert seit dem Jahre 960 und schon 20 Jahre später lässt sich nachweisen, dass das Kloster über einen vergleichbaren Status verfügte, wie die Reichsabteien von Gandersheim und Quedlinburg. Während der Reformation erlosch kurzzeitig das Klosterleben und seit 1976 existiert auch kein evangelisches Damenstift mehr. Neben Gernrode gilt Drübeck als einer der wichtigsten Sakralbauten aus der frühen Ottonenzeit.

Nutzpflanzengarten des Klosters Drübeck

Um die Klosterkirche herum wurden unterschiedliche Gartenanlagen gestaltet, die heute Teil des Tourismusprojekts „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ sind.

Ein Großteil der heute zu besichtigenden Kirche stammt aus zwei Bauphasen. Die Mittelschiffwände mit ottonischen Säulen sowie der Südarm des Querhauses stammen aus der Zeit Heinrichs II. und wurden ab 1004 errichtet. Im 12. Jahrhundert schließlich wurden der Westriegel mit seinen beiden monumentalen Türmen, das Kirchengewölbe sowie die gestaffelte Choranlage gebaut. Der Altar von Kloster Drübeck stammt aus der Spätgotik (wahrscheinlich 15. Jahrhundert). Ein besonders sehenswerter Bereich ist die erst im 20. Jahrhundert wieder zur Hälfte freigelegte Krypta mit ihren für die frühe Ottonenzeit außergewöhnlich aufwendig gestalteten Säulenkapitellen. Hier kann man auch die angebliche Grabplatte der Äbtissin Adelbrin sehen, die als erste Leiterin des Klosters um 900 verstorben war.

Das ehemalige Benediktinerkloster Ilsenburg stammt aus dem 11. und 12. Jahrhundert und wurde in den letzten Jahren aufwendig restauriert. Bis ins 13. Jahrhundert entwickelte sich das Kloster zu einem der reichsten zwischen Weser und Elbe. Leider gingen auch hier die Bauernkriege 1525 nicht spurlos vorbei und große Teile des Klosterkomplexes sowie die Bibliothek gingen verloren. Im 17. Jahrhundert baute Graf Heinrich von Wernigerode das Kloster zum Witwensitz für seine Gemahlin Adriane um, später erfuhr es immer wieder wechselnde Nutzung. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage im neuromanischen Stil umgebaut, was in meinen Augen nicht unbedingt zur Aufwertung der Anlage geführt hat.

Von den Klostergebäuden ist heute wenig im Original erhalten geblieben. Das wieder hergerichtete und teilweise rekonstruierte Refektorium gibt aber einen guten Eindruck vom ehemaligen Wohlstand des Klosters und seiner Mönche. Persönlich sehr ansprechend fand ich das kleine Museum zur Straße der Romanik mit seinem großen Modelltisch. Wer noch unschlüssig ist, was man auf der Straße der Romanik besichtigen soll und z.B. sein festes Domizil in Wernigerode hat, kann sich hier inspirieren lassen und alle wichtigen Informationen sammeln.

Von der im 11. Jahrhundert erbauten Klosterkirche sind vor allem noch die wuchtigen Partien des Mittelschiffs erhalten geblieben. Eine fast einmalige Besonderheit ist der noch in Teilen erhaltene Gipsestrich als Sichtestrich des Fußbodens der Kirche der um 1200 entstand und zu den größten Kostbarkeiten romanischer Kunst im deutschsprachigen Raum gehört.

Auch in Kloster Ilsenburg gab es wieder mehr Nutztiere als Touristen, sodass man in völliger Ruhe das Klosterareal erkunden konnte und sich auch Zeit nehmen konnte die oben zu sehende Ziege mit den Früchten des Baumes an dem sie knabberte zu füttern. Der Blick auf die Wälder des Harzes wiederum war erschütternd, gab es doch im August 2019 gefühlt kaum einen Nadelbaum, der nicht völlig kahl die Trockenheit des Sommers bezeugte.

Kloster Hamersleben

Klosterkirche Hamersleben

Auf halber Strecke zwischen Halberstadt und Helmstedt liegt das romanische Kloster Hamersleben. Da es abseits der üblichen Verbindungswege der Romanischen Straße liegt und sicherlich auch nicht zu den Hauptattraktionen zählt, waren wir bei unserem Besuch mutterseelenallein. Für uns persönlich war das schön, die Kirche hätte aber durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient.

Das ehemaliger Augustiner-Chorherrenstift und die Stiftskirche St. Pankratius wurden 1108 von Bischof Reinhard von Halberstadt gestiftet. Der Bau der Kirche war bereits bis 1140 abgeschlossen, da reiche Schenkungen dem Kloster einen gewissen Wohlstand ermöglichten. Trotz Plünderungen und Brandschatzungen während der Bauernkriege und des 30 jährigen Krieges hielt sich das Kloster bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und wurde erst 1804 säkularisiert. Heute gehört die Kirche der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, die bis Ende 2018 umfangreiche Retsaurierungsarbeiten vollzogen hat und auch heute noch die Fresken der Hauptapsis zu retten versucht.

Die Säulenbasilika steht in der Tradition der Hirsauer Bauschule und zeichnet sich durch die schlanke Proportionierung des Mittelschiffs und eine besondere Perfektion in der Steinbearbeitung aus. Dies kann man auch an den fein gearbeiteten Würfelkapitellen von 1130 heute noch gut erkennen.Die Hamerslebener Kirche wird im Reichtum und der Qualität der Ausführung dieser Ornamentik nur noch von der Stiftskirche in Königslutter übertroffen. Die Hamerslebener Kirche wird sogar als der edelste hochromanische Bau in Mitteldeutschland bezeichnet. Auch das romanische Ziborium, das zu den ältesten Deutschlands zählt, zeugt von der hohen Kunstfertigkeit, die die Erbauer von Hamersleben besaßen.

Öffnungszeiten: Sommer: tägl. 9:00 bis 18:00 Uhr; Winter 09:00 Uhr bis zur Dämmerung. Der Eingang ist etwas versteckt in der Gartenmauer an der Hauptstraße.

Merseburg

Blick auf den Dombezirk von Merseburg

Merseburg gilt als eine der ältesten Städte im mitteldeutschen Raum und entwickelte sich unter Otto I. zur Königspfalz. Nach dem Sieg auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 gründete Otto das Bistum Merseburg, wie er es vor der Schlacht gelobt hatte. Bis zur Reformationszeit sollte Merseburg nun Bischofssitz und ein bedeutendes religiöses Zentrum an der östlichen Grenze des heutigen Deutschlands bleiben. Von 1656 bis 1738 war Merseburg Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Merseburg. Diese Zeit war mit reger Bautätigkeit und kulturellem Aufschwung für die Stadt verbunden. Durch die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges wurde die Innenstadt von Merseburg leider fast vollständig zerstört, sodass heute nur noch einge wenige Bauwerke außerhalb des Dombezirks an den ehemaligen Glanz dieser Stadt erinnern

Eines dieser erhaltenen prachtvollen Gebäude ist das alte Rathaus, das in seiner heutigen Form zwischen 1478 und 1568 in zwei Bauphasen entstanden ist. Bemerkenswert sind die zahlreichen Bischofswappen an der Rathausfassade. Erst 1692 kam als letztes das Stadtwappen dazu. Auch die Neumarktmühle, die alte Apotheke oder das Krumme Tor, das 1430 erbaut wurde und nach seinem Abriss 1822 romantisierend 1888 wieder errichtet wurde, zeugen noch vom ehemaligen Reichtum Merseburgs und seiner Bürger.

Der Dombezirk wird vom Dom selbst und dem direkt anschließenden Merseburger Schloss dominiert. Das Schloss weißt architektonische Einflüsse mehrerer Jahrhunderte auf. Bereits 1245-65 wurde mit dem Bau eines ersten Schlosses begonnen und unter Bischof Thilo von Trotha erfolgte etwa 1470 bis 1500 der Neubau des Schlosses als Dreiflügelanlage, wobei der Merseburger Dom einen vierten Flügel bildet. 1604/05 kam es zu weiteren Umbauten, aus dieser Zeit stammt auch der Neptunbrunnen im Innenhof. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Ostflügel des Schlosses wurde originalgetreu wieder aufgebaut.

Der Merseburger Dom schließlich war der Höhepunkt unseres Besuches in der Stadt. Die Kirche gilt als eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Romanik in Sachsen-Anhalt. Bischof Thietmar von Merseburg legte 1015 den Grundstein zur Errichtung der Kirche, von der heute nur noch Teile, wie die Krypta, die runden Chorbegleittürme oder das Untergeschoss der Westtürme erhalten geblieben sind. Vor allem unter Bischof Thilo von Trotha 1510-17 erfolgten umfangreiche Umbauten und Erweiterungen des Doms, in dem 1545 auch Martin Luther predigte.

Im Inneren der Kirche ist vor allem die grandios gerabeitete Kanzel aus der Renaissance (um 1517) hervorzuheben, die uns in ihrem Detaillreichtum und der Kunstfertigkeit der Ausführung enorm gut gefallen hat. Auch die noch erhaltenen seitlichen Chorschranken des nicht mehr erhaltenen Bühnenlettners sind sehr sehenswert. In den Nischen der nördlichen Schranke wurde um 1500 in Seccomalerei (Trockenmalerei) die 43 Vorgänger Bischof Thilos mit zugehöriger Umschrift abgebildet.

Für mich persönlich ein besonderer Ort war die Grablege Rudolfs von Rheinfelden. Rudolf war zwischen 1057 und 1077 Herzog von Schwaben gewesen und großer Gegenspieler Kaiser Heinrichs IV. 1077, am Siedepunkt des sog. Investiturstreites, wurde er sogar zum Gegenkönig gekrönt, verlor aber die entscheidende Schlacht (von Hohenmölsen 1080) gegen Heinrich und verlor dabei angeblich sogar seine Schwurhand, was den Zeitgenossen die Unrechtmäßigkeit seiner Herrschaft zeigte. In meinem ersten Unisemester hatte ich meine erste Hausarbeit unter anderem genau über diese Fürstenopposition gegen Heinrich IV. verfasst. Jetzt am Grab einer der Personen zu stehen, über die ich soviel gelesen hatte, über die ich mir auch versucht habe ein Urteil zu bilden, war etwas sehr besonderes.

Ein weiterer, ganz einzigartiger Schatz sind die Merseburger Zaubersprüche aus dem 9./10. Jahrhundert. Diese gehören neben dem Hildebrandslied zu den wenigen in Althochdeutsch überlieferten Texten mit Bezug auf Themen und Figuren der vorchristlichen germanischen Mythologie. Im Domschatz ist ihnen eine kleine Austellung gewidmet, die man unbedingt besuchen sollte.

Blick über die Saale auf die Neumarktmühle

Vom Domberg sollte man noch einen kurzen Abstecher über die Saale auf die andere Seite in die Neustadt unternehmen, die unter Friedrich Barbarossa angelegt worden war. Direkt am Flussufer steht ein weiterer interessanter Kirchenbau des Mittelalters. Die Neumarktkirche St. Thomae.

Zwischen 1173 und 1188 wurde diese dem Heiligen Thomas (Thomas Becket, ehemaliger Erzbischof von Canterbury, der in seiner Kirche von Soldaten des englischen Königs erschlagen wurde) geweihte Kirche errichtet. Beachtenswert wären das hölzerne Triumphkreuz aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und die lebensgroße Darstellung der Anna Selbdritt aus Holz vom Ende des 15. Jahrhunderts. Leider sind die Öffnungszeiten der Kirche nicht unser Freund gewesen, weswegen wir sie nur von Außen besichtigen konnten. Daher bei Interesse frühzeitig informieren, wann die Kirche offen hat.

Ein weiteres Problem in Merseburg war, dass während unseres Aufenthaltes fast jeder Gastro-Betrieb geschlossen hatte. Eigentlich wollten wir ins Domherrencafé & Weinkontor Veritas, die hatten jedoch geschlossene Gesellschaft, und die Ideen zwei bis sechs hatten komplett zu, sodass wir schlussendlich beim Inder in der Innenstadt landeten. Dort war das Essen ok, aber natürlich weit von regionaler Küche entfernt. Also auch hier kann es im August hilfreich sein, sich vorab zu informieren, was überhaupt offen hat.

Kloster Pforta

Klosterkirche und Schulhaus

Gleich an unserem ersten richtigen Urlaubstag haben wir das Kloster Pforta besucht, einen der in unseren Augen schönsten und beeindruckendsten Orte der Straße der Romanik. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass wir ohne große Erwartungen anreisten, während Naumburg oder Quedlinburg „nur“ das erfüllt haben, was man bereits erwartet hatte.

Die ehemalige Zisterzienser-Abtei liegt nur wenige Kilometer vor Naumburg (von Süd-Westen kommend) und wurde 1137 an ihren heutigen Standort verlegt. Der Name Kloster Pforta stammt vom lateinischen Original claustrum apud Portam, sprich Kloster zur Pforte. Das Kloster entwickelte sich schnell zu einem der reichsten Ostthüringens und die Abteikirche von 1140 konnte so 1251 bis 1320 umfassend umgebaut werden. Nach der Aufhebung der Abtei 1540 gründete Herzog Moritz von Sachsen 1543 hier eine der drei sächsischen Fürstenschulen. An diese Tradition knüpft die noch heute bestehende Landesschule Pforta an.

Vom Parkplatz sieht mn bereits eines der älteren Gebäude der Anlage, das sog. Gotische Haus, das um 1516 errichtet worden war. Der Bau mit seiner offenen kreuzgratgewölbten Halle im Erdgeschoss diente vermutlich als Wagenremise. Im Obergeschoss befand sich wahrscheinlich eine bescheidene Unterkunft. Einige Schritte weiter erreicht man das Fürstenhaus von 1570, das auf den Grundmauern des klösterlichen Krankenhauses errichten wurde. Die lateinische Inschrift unter dem Dach zählt die Titel des Landesherrn und Erbauers Kurfürst August von Sachsen auf.

Auf der Rückseite des Fürstenhauses steht heute noch die ehemalige Abtskapelle, die direkt an das Krankenhaus anschloss. Der spätromanische Bau (um 1230) ist mit seinem anspruchsvoll geschmückten Inneren wohl der schönste erhaltene Raum des Klosters. Allerdings diente die Kapelle lange als Waschraum und Holzlager und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts restauriert. Die Kapelle galt als „wahrhaftes Kleinod romanischer Bauweise“, das den Übergang zwischen den streng romanischen, ab 1137 erbauten Gebäudeteilen der Anlage und der „herrlichen Frühgotik“ des um 1251 begonnenen Kirchenchors veranschauliche, wie der mit der Restaurierung betraute Regierungsbaumeister Max Leidich feststellte.

Der ursprüngliche Bau einer kreuzförmigen romanischen Pfeilerbasilika (1137-1150) wurde ab 1170 zunächst durch Erhöhung der Querhausarme und Abbruch und Neubau der Apsiden und um 1240 durch nochmalige Erhöhung der Querhausarme und Einfügung von Kreuzrippengewölben erweitert. Ab 1251 bis 1268 kam es zu einem gotischen Neubau der Kirche, der aber große Teile des romanischen Vorgängerbaus beibehielt. Die neue Fassade wurde bis 1300 fertiggestellt.

Im Kircheninneren, das typisch für die Zisterzienser sehr karg ist, gibt es aber zwei Objekte von überragender kunsthistorischer Bedeutung. Zum einen das beideitig bemalte Triumphkreuz (um 1268), das heute auf Höhe des 3. Joches im Mittelschiff aufgehängt ist. Leider haben die Zeiten des Verfalls des Klosters auch hier ihre Spuren hinterlassen, sodass von der Bemalung kaum noch etwas erhalten geblieben ist. Allerdings ist es eines von nur noch zwei in Europa existierenden Triumphkreuzen der Zisterzienser.

Fensterrose in Grisaille Technik

Am beeindruckendsten war in meinen Augen die große Fensterrose in Grisaille-Technik. Da den Zisterziensern die Verwendung farbiger Glasfenster durch den Orden verboten war, wurden nur graue, weiße und schwarze Farben verwendet. Die Fensterrose gehört zur ursprünglichen Ausstattung des im 13. Jh. gebauten Chores, dargestellt sind ornamentale und pflanzliche Motive wie Weinlaub. Dieses kunstgeschichtliche Kleinod, immerhin die einzige noch vollständig erhaltene Fensterrose aus der Zisterzienserzeit, wurde im Zweiten Weltkrieg ausgebaut und war seitdem eingelagert.

Der westliche, nördliche und südliche Trakt des Kreuzganges stammen im Wesentlichen noch aus dem 12. Jahrhundert. Generell profitierte der gesamte Komplex Koster Pforta von dem fast völligen Fehlen von Touristen, gerade aber der Kreuzgang konnte damit seine besondere, fast magische Atmosphäre zeigen.

Das neugotische Torhaus 1854-60

„Dummerweise“ bietet Kloster Pforta noch ein weiteres Highlight. Auf der Vorderseite des neugotischen Torhauses liegt der Eingang zum Landesweingut Kloster Pforta. Hier konnten wir natürlich nicht, ohne uns eingehend mit den dortigen regionstypischen Weinen des Saale-Unstrut-Gebietes vertraut zu machen, wieder gehen. Die Folge waren zwei Kisten Wein, die den restlichen Urlaub mit uns durch Sachsen-Anhalt gefahren sind.

Gerade der Heunisch, der weiße Riesling, der Rote Traminer und der André haben es uns angetan und wurden auch bereits wieder nachbestellt. Und andere Sorten wie der Graue Burgunder/Eulauer Heideberg warten noch im Keller auf das Probiertwerden. Für jeden Weinliebhaber, der sich mit den Weinen aus Sachsen-Anhalt vertraut machen will, ist Kloster Pforta ein Pflichtbesuch. Beim Heunisch hatten sie mich allein schon dadurch gewonnen, dass es sich dabei um eine mittelalterliche Rebsorte handelt, die in der Moderne lange in Vergessenheit geraten war und jetzt als Versuch wieder neu angebaut wird. Aus der Heunischtraube gingen z.B. Riesling und Chardonnay hervor.

Roms Kirchen 2

San Giovanni in Laterano

Der zweite Beitrag zu den Kirchen Roms beginnt mit der ehemals wichtigsten Kirche der europäischen Christenheit: San Giovanni in Laterano.

Seit Kaiser Konstantin war der Lateran, zu dem San Giovanni gehört, Sitz der Päpste in Rom. Neben fünf Konzilen (1123, 1139, 1179, 1215 und 1512-1517) hatte im Jahr 897 im Lateran auch ein sehr makaberes Schauspiel stattgefunden. In der sogenannten Leichensynode ließ Papst Stephan VI. seinen Vorgänger Formosus exhumieren und posthum „in Anwesenheit“ verurteilen, die Leiche schänden und in den Tiber werfen. Erst nach der Rückkehr aus Avignon legte das Papsttum den Vatikan als neuen Sitz der Päpste fest und der Lateran wurde zunehmend vernachlässigt.

Die Lateranbasilika ist im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört/beschädigt worden, sodass der heutige Bau vor allem durch die Arbeit von Francesco Borromini ab dem Jahr 1646 geprägt worden ist. Die Benediktionsloggia im Norden entstand bereits 1586 und wird von prachtvollen Deckenfresken geschmückt. Das benachbarte achteckige Baptisterium ist das wahrscheinlich älteste Baptisterium der Christenheit und wurde ursprünglich noch als Rundbau von Kaiser Konstantin um 315 n. Chr. errichtet. Erst im 5. Jahrhundert hat es seine heutige oktogonale Struktur erhalten. Leider hatte es immer wenn ich in Rom war geschlossen.

Das Innere der Kirche wird heute durch die barocken Umbauten Borrominis dominiert, es sind aber noch einige Reste der älteren Bauteile erhalten geblieben. Gerade die Kassettendecke ist ein Paradebeispiel für den Manierismus zur Zeit Borrominis, das Apsismosaik stammt sogar erst aus dem 19. Jahrhundert und hat leider das Original aus dem 13. Jahrhundert ersetzt, ohne dabei annähernd eine ähnliche Kunstfertigkeit zeigen zu können.

Gerade das Ziborium über dem Hauptaltar, das die Reliquien der Häupter von Petrus und Paulus beherbergt zeigt, wie hoch die Kunstfertigkeit der Gotik entwickelt war. Zwischen 1367-68 entstanden, hat es die Jahrhunderte relativ unbeschadet überstanden. Die auf Wikipedia zu findende Zuschreibung als Werk von Giovanni di Stefano kann jedoch nicht stimmen, da dieser erst 1444 in Siena geboren wurde, während der angeblich ebenfalls beteiligte Barna da Siena wohl um 1360 bereits verstorben war.

Auch 28 Päpste haben in San Giovanni ihre letzte Ruhestätte gefunden. Mit Martin V. liegt in der Confessio (Bereich unter dem Altar, meist durch Treppen zugänglich) der erste unangefochtene Papst nach dem großen Abendländischen Schisma (Konstanzer Konzil). Im rechten Seitenschiff ruht einer der mir persönlich unsympathischsten Päpste des Mittelalters: Innozenz III. Dieser regierte von 1198 bis 1216 und gilt heute als eine der bedeutendsten Päpste des Mittelalters, denn unter ihm erreichte der weltliche Einfluss des Papsstums seinen Höhepunkt. Leider war er auch Zeitgenosse des Stauferkaisers Friedrichs II. dem er das Leben schwer machte und sein Aufruf zum Kreuzzug gegen die Katharer in Südfrankreich war Auftakt eines der blutigsten kirchlich sanktionierten Kriege in Europa.

In meinen Augen der mit Abstand schönste, ja sogar magischste Ort der Kirche ist der ab 1215 bis 1232 errichtete Kreuzgang. Vielleicht weil man, im Gegensatz zur Kirche, für den Kreuzgang 5€ Eintritt zahlen muss, verirren sich hierher nur ganz wenige Touristen, was zweifellos zur besonderen Stimmung des Ortes beiträgt. Das Brunnenbecken im Innenhof ist sogar schon ins 9. Jahrhundert zu datieren, die Kosmatenarbeiten (vgl. auch Santa Maria in Cosmedin) der Säulen gehören zu den schönsten dieser Art in Rom.

Unweit des Lateran befindet sich mit Santo Stefano Rotondo eine der bedeutendsten Kirchenbauten der Spätantike, die nur im 12. Jahrhundert einige größere Veränderungen erlebt hat. Da die Kirche etwas versteckt und abseits jeder der üblichen Touristenwege liegt, ist sie montags ganztags und ansonsten zwischen 13:00 und 14:00 geschlossen. Wer schon immer wissen wollte, wie Menschen anderen Menschen Leid zufügen können, wird dann in den Fresken der Kirche fündig. Entstanden ab 1582 wird hier in 32 Darstellungen gefoltert und exekutiert. Menschen werden gekocht, gerädert, unter Steinen zerquetscht, verbrannt und vieles mehr. In einer solchen Häufung kenne ich keine Kirche, die auch nur annähernd Vergleichbares zeigt.

In der Apsis der Kapelle der Heiligen Primus und Felicianus findet man noch das Mosaik des 7. Jahrhunderts, umgeben von den Fresken Antonio Tempestas (1580), die das Martyrium der Heiligen zeigen.

Als letzte Kirche steht San Clemente al Laterano auf dem Programm. Leider ist mittlerweile nicht nur in der Unterkirche und dem darunter liegenden römischen Wohnhaus mit Mithrasheiligtum das Fotografieren verboten, sondern auch in der Hauptkirche, weswegen ich nur ein altes Bild des Hauptschiffes von 2006 zeigen kann.

Die Oberkirche wurde 1108-1128 nach der Zerstörung durch die Normannen Robert Guiscards wieder aufgebaut und das Altarziborium und der Bischofsthron in der Apsis erhielten aufwendige Kosmatenarbeiten. Leider wurde auch San Clemente im Barock umfassend umgestaltet, weswegen das eigentliche Highlight der Kirche heute unterhalb der Oberkirche zu finden ist.

Die Unterkirche wurde 384 von Papst Siricius geweiht und beherbergt einen reichen Freskenschatz des 7.-11. Jahrhunderts. In den antiken Ausgrabungen noch eine Ebene tiefer, finden sich die Reste eines Mithrasheiligtums und des Wohnhauses des Titus Flavius Clemens. Auch den Wasserlauf der Antike, der damals das Haus speiste, kann man sowohl hören, als auch teilweise sehen. Der Preis von knapp 10€ ist allemal gerechtfertigt, trägt man damit doch auch zum Erhalt dieser Kulturschätze bei. In der Summe der Eintritte Gesamtroms fällt ein solcher Betrag eh nicht mehr auf.