Bari

Castello di Bari

Die Hauptstadt Apuliens ist bereits seit der Bronzezeit besiedelt gewesen. Nach Ende des Weströmischen Reiches wechselten sich die Besitzer immer wieder ab; Byzantiner, Sarazenen, Langobarden oder Karolinger. Erst mit der Eroberung Baris durch Robert Guiscard 1071 endete endgültig die Zeit der Byzantiner und die Ära der Normannen begann, deren Spuren man heute noch prominent in der Stadt sehen kann. Eine Blütephase erlebte Bari unter dem Staufer Friedrich II., mit seinem Nachfolger Karl von Anjou begannn dann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt.

Beispiele des Figurenschmucks im Castello Svevo

Die Altstadt dominiert das Castello Svevo (Schwabenburg), das unter den Normannen 1131-32 auf den Mauern einer älteren, byzantinischen Anlage erbaut wurde. Ab 1233 wurden unter dem Staufer Friedrich II. umfangreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt. Ein Wassergraben, äußere Wehranlagen und zwei polygone Türme wurden errichtet, Säulen und Torbögen erhielten einen reichen Figurenschmuck, den maurische Steinmetze anfertigten. Aus dieser Zeit datiert auch der Name Castello Svevo.

Besonders zwei Kirchen prägen die Altstadt von Bari, eine davon ist Santa Sabina. In der Zeit des letzten normannischen Königs von Sizilien 1170-1178 errichtet, ist Santa Sabina eine typische Kirche der Normannenzeit. Ein monumentaler, fast festungsartiger Bau und eine relativ schlichte Innengestaltung sowie eine prachtvolle Fensterrose am Hauptportal dominieren das Bauwerk. Vor allem der Bischofsstuhl von 1098 und das rekonstruierte normannische Ziborium im Inneren sind sehr sehenswert. Die Krypta wurde leider barockisiert, einige mittelalterliche Fresken sind aber trotzdem erhalten geblieben.

Die zweite große Kirche der Altstadt ist die noch monumentalere und wirklich wie eine Burg wirkende Basilika San Nicola. Als eine der ersten großen Normannenkirchen Apuliens wurde sie 1087-1106 errichtet um den Gebeinen des Heiligen Nikolaus von Myra eine würdige Grablege zu sein. Seefahrern aus Bari war damit einer der bedeutendsten Reliquiendiebstähle des Mittelalters gelungen, lag der Heilige doch eigentlich in der gleichnamigen Kirche von Demre in der heutigen Türkei.

San Nicola in Bari ist heute eine päpstliche Basilica und bedeutendes Pilgerziel für römisch-katholische wie orthodoxe Christen. Krypta und Presbyterium sind mit prachtvollen Mosaiken geschmückt, das Ziborium zählt zu den ältesten erhaltenen der Region und in der Krypta befindet sich das Grabmal des Heiligen Nikolaus. Als wir die Kathedrale besuchen wollten, fand eine Beerdigung statt, weswegen ich es pietätlos gefunden hätte, im Inneren zu fotografieren.

Zwischen Otranto und Gallipoli

Santa Annunziata in Otranto

Otranto ist ein kleines Fischerdorf südöstlich von Lecce, das auf eine lange Geschichte zurückblickt. Bereits seit der mittleren Bronzezeit besiedelt, entwickelte sich der Ort in der Antike zu einem wichtigen Hafen Richtung Epirus und wurde 1070 von den Normannen erobert und stark befestigt. Durch Türkeneinfälle während des 16. und 17. Jahrhunderts und die zunehmende Versumpfung der Gegend verlor Otranto immer weiter an Bedeutung und Einwohnern, was sich erst mit der Trockenlegung der Sümpfe im 20. Jarhundert wieder änderte.

Von besonderer kultureller Bedeutung ist neben der aragonesischen Festung und der kleinen byzantinischen Kirche San Pietro vor allem die Kathedrale Santa Annunziata aus dem 12. Jahrhundert.

Berühmt ist die Kirche in aller erster Linie wegen ihrem gigantischen und äußerst prächtigen Mosaikfußboden aus dem 12. Jahrhundert, der mit über 10 Millionen Steinen eine Fläche von 1596 m² bedeckt. Wenn man bedenkt, dass der gesamte Boden von einem Mann gelegt wurde, dem Mönch Pantaleone aus dem Kloster San Nicola di Casole, dann bekommt der Begriff Lebensaufgabe plötzlich eine ganz wortwörtliche Bedeutung. In über 700 Einzelgeschichten verbindet der Mönch dabei christliche Motive mit denen aus nordischen Sagen und griechischen Mythen, indem er z.B. auch Passagen der Artuslegende oder die Titanen der Griechen zeigt. Zudem werden in der Märtyrerkapelle die Gebeine der 800 im Jahre 2013 heilig gesprochenen Bewohner Otrantos aufbewahrt, die bei einem Türkeneinfall 1480 enthauptet wurden.

Von Otranto geht es weiter entlang der angenehm urpsprünglichen und nicht durch gigantische Hotel- und Ferienkomplexe verbauten Küste des Salento Richtung Santa Maria di Leuca, dem südlichsten Punkt Festlanditaliens. Neben kleinen versteckten Buchten zum Baden kann man dabei immer wieder auch Reste antiker und mittelalterlicher Wachtürme entdecken, die wie am Gargano rechtzeitig vor nahenden Gefahren vom Meer aus warnen sollten. Ich habe in Italien selten eine solch naturbelassene, unverbaute Küste gesehen, wie hier im Süden Apuliens.

Auf dem Weg nach Leuca fährt man an der völlig unscheinbaren Gemeinde Patù vorbei, die allerdings ein kleines Geheimnis verbirgt. Am 24. Juni 877 kam es hier zu einer Schlacht zwischen den Sarazenen und Truppen der Karolinger. Das Grab des Generals Geminiano erinnert noch heute an dieses Ereignis. Aus 100 Steinen errichtet (daher der Name) ist es eines der wenigen erhaltenen Gebäude/Grablegen des Frühmittelalters in Süditalien. Im Inneren befinden sich noch die Reste von Fresken, die zumeist Heiligenfiguren aus dem Orient zeigen und bis ins 14. Jahrhundert eine Nutzung des Ortes belegen. Später völlig in Vergessenheit geraten wurde er erst 1872 quasi wiederentdeckt.

Die Uferpromenade von Gallipoli

Nach Leuca geht es die westliche Küste des Stiefelabsatzes wieder nach oben bis man Gallipoli erreicht. Von griechischen Siedlern um das 3. Jahrhundert vor Christus gegründet, wechselten sich die Besitzer in den folgenden Jahrhunderten mehrfach ab. Heute ist der Ort für mich eines der Paradebeispiele entspannten südlichen Lebensstils. Entlang der Uferpromenade lässt sich angenehm zu Abend essen und der Flair des Örtchens hat etwas besonderes, ähnlich wie ich es auch in Trani erlebt habe. Gemütlich bummeln, einen Spritz oder Negrino trinken, gegrillten Fisch zum Abendessen und dabei dieses ruhige und entspannte Gefühl des Ortes genießen…

Gargano und Vieste

Entlang der Küste des Gargano

Der Gargano ist eine der landschaftlich reizvollsten Regionen Apuliens und im Nationalpark Foresta Umbra gedeihen knapp 60% der europäischen Orchideenarten. Von den Pilgerorten San Giovanni Rotondo und Monte Sant’Angelo soll an anderer Stelle die Rede sein, in diesem Beitrag möchte ich ein bisschen die Landschaft und das Naturerlebnis Gargano in den Vordergrund stellen.

Der „Sporn“ des italienischen Stiefels ist geprägt durch seine Karstböden und Pinien- bzw. Buchenwälder. Das weiche Kalkgestein sorgt gerade im Verlauf der Küstenlinie immer wieder für grandiose Formationen, wie Torbögen oder kleine Inseln auf Stelzen. Entlang der Küste wurden zu Verteidigungszwecken in regelmäßigen Abständen bzw. an strategisch besonders wichtigen Positionen Türme errichtet, die vor allem eine flächendeckende Überwachung der Küste ermöglichen sollten. Die ältesten noch erhaltenen stammen aus dem 12. Jahrhundert, viele wurde erst während des 15. und 16. Jahrhunderts errichtet.

Orchideenwiese im Inneren des Gargano

Wer die Küstenlinie verlässt, dem bietet sich landschaftlich ein ganz anderes Bild. Dichte Wälder dominieren das Innere der Halbsinel. Für jeden Orchideenliebhaber sind die Wiesen des Gargano ein wahres Paradies. Vor allem Fingerwurze und Arten des Knabenkraut finden sich hier. Der Nationalpark Foresta Umbra (dunkler Wald) erstreckt sich über 400 ha und ist gerade im Zentrum komplett für Touristen gesperrt, um der einzigartigen Fauna und Flora des Gebietes einen geschützten Rückzugsraum zu sichern. Die zugänglichen Bereiche kann man im Rahmen kleiner Wanderungen bzw. Spaziergänge erschließen. Wenn man etwas Zeit hat, sollte man das auch unbedingt machen, vor allem wenn man nicht in der Hauptsaison oder im Frühjahr während der Blumen- und Orchideenblüte unterwegs ist.

Trabucco

Immer wieder stößt man in den Ortschaften des Gargano auf solche Holzkonstruktionen für Fischer. Ursprünglich wahrscheinlich von den antiken Phöniziern erfunden kamen diese Plattformen im Mittelalter nach Italien und dienten den Menschen gerade an steilen Küstenabschnitten dazu, ihre Netze gefahrloser zu Wasser lassen zu können. Leider finden sie heute kaum bis keine Verwendung mehr und obwohl sie auf dem Gargano geschützt sind, werden die Trabucchi wahrscheinlich verschwinden, da es fast niemanden mehr gibt, der soetwas heute noch bauen kann.

Wer einen Trabucco in Aktion erleben will und den dadurch gefangenen Fisch genießen möchte, der muss ab dem Frühjahr (vorher geschlossen) in die Localitá Punta San Nicola bei Peschici auf dem Gargano fahren und im Restaurant Al Trabucco da Mimì vorbeischauen.

Der Hauptort des Gargano ist Vieste und das ehemalige Fischerdorf mit seinen 14.000 Einwohnern lebt heute hauptsächlich vom Tourismus. Sehenswert ist vor allem der mittelalterliche Ortskern, der auf einer Felsspitze ins Meer ragt und ausschließlich zu Fuß besucht werden kann. Die schmalen Gassen würden eine Fahrt mit dem Auto auch sehr schnell unmöglich machen. Die Burg der Stadt wurde 1240 von Friedrich II. errichtet und später erweitert um Schutz gegen die Überfälle von Korsaren und den Osmanen zu bieten. 1554 half aber auch das nicht mehr und 7000 Einwohner wurden verschleppt und hunderte auf dem noch heute im Stadtzentrum zu sehenden Fels enthauptet.

Wahrzeichen der Stadt ist der Pizzomunno, der etwas unanständig wirkende Kalkfels am Strand von Vieste. Per Boot lassen sich auch einige der unzähligen Grotten des Gargano besuchen.

Heiliges Apulien

Blick auf Manfredonia

Neben der Grabstätte des Heiligen Nikolaus in Bari liegen noch einige weitere sehr wichtige Heiligtümer des Christentums in Apulien, genauer gesagt im Gebiet des Gargano. Begonnen hat unsere Tour damals an einem dem normalen Touristen eher unbekannten Ort: dem Convento di San Matteo Apostolo.

Wenige Kilometer östlich von San Marco in Lamis liegt auf einer Hügelkuppe das Benediktinerkloster des Apostels Matthäus (ursprünglich glaubte man, Apostel und Evangelist Matthäus seien die selbe Person gewesen, neuere Forschungen haben dies jedoch widerlegt.), das wahrscheinlich unter den Langobarden im 5. bis 6. Jahrhundert gegründet wurde. Einen ersten sicheren Beleg für das Bestehen des Klosters findet sich aber erst im Jahre 1007. Dieses Kloster ist einer der ältesten baulichen Belege für die im Frühmittelalter bereits großen Pilgerströme, die auf der hier verlaufenden Via Francigena unterwegs waren. Häufiger Endpunkt war das Michaelsheiligtum von Monte Sant’Angelo das ich etwas weiter unten vorstellen möchte.

San Matteo hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert, von der ursprünglichen Bausubstanz ist nur wenig erhalten geblieben. Freskenreste in der Kirche und vor allem der idyllische Kreuzgang sind aber einen Besuch wert.

Nur wenige Kilometer weiter östlich, ebenfalls direkt am Verlauf der Via Francigena gelegen erreicht man San Giovanni Rotondo. Hier kann man täglich erleben, wie sehr Glaube und Heiligenverehrung noch immer das Leben vieler Menschen bestimmt und leitet. Nach Guadalupe in Mexiko und Rom ist San Giovanni Rotondo der drittmeist besuchte Wallfahrtsort der Christenheit. Knapp 7 Millionen Menschen jährlich kommen hier her.

Hier in San Giovanni lebte und wirkte Pio von Pietrelcina (Santa Maria delle Grazie war seine Heimatkirche), der zu Lebzeiten die Fähigkeiten des Heilens, der Prophetie und der Seelenschau besessen haben soll und, wie etwa Franz von Assisi vor ihm, die Stigmata/Wundmale Jesu empfangen haben soll. Meist nur als Padre Pio bezeichnet starb er 1968 und schnell entwickelte sich ein Kult um ihn, der ihn mittlerweile zum wahrscheinlich wichtigsten Heiligen Italiens werden lies (seit 2002 heilig gesprochen). Die Forschung sieht die Person Padre Pios deutlich kritischer, etwa seine Nähe zum Faschismus und seine für einen Mönch völlig unüblichen geschäftlichen Aktivitäten.

Unabhängig dieser Widersprüche hat sich heute eine ganze Industrie um Padre Pio und San Giovanni Rotondo entwickelt. Diese Kommerzialisierung des Heiligen stößt auch innerkirchlich immer wieder auf Kritik, da Jesu ja einst die Händler aus dem Tempel vertrieben und nicht sie hineingebeten hätte. Dies sieht man auch in San Giovanni an allen Ecken und Enden.

Die schiere Größe der neugebauten Kirche San Pio da Pietrelcina zeigt aber auch, welche Menschenmassen dieser Heilige bewegt. 1991 bis 2004 vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano erbaut, bietet dir Kirche heute bis zu 6.500 Menschen gleichzeitig Platz, wenn man die Seitenwand öffnet und den Vorplatz mit einschließt, kommen hier regelmäßig bis zu 35.000 Gläubige zusammen. Für Liebhaber moderner Architektur ist diese Kirche zweifellos ein Leckerbissen, für Menschen wie mich war San Giovanni Rotondo ein Tripp in eine andere, fremde Welt, die ich gerne wieder verlassen habe.

Für mich das Highlight des Tages war das deutlich ältere Heiligtum des Erzengels Michael in Monte Sant’Angelo, wiederum einige Kilometer weiter östlich gelegen. 492 erschien hier einer Legende zu Folge der Erzengel einem Hirten, worauf sich hier das erste und lange Zeit wichtigste Michaelsheiligtum Europas entwickelte. Hier liegt zum Beispiel auch das Vorbild für das heute wohl bekannteste Michaelsheiligtum Europas am Mont Saint-Michel in der Normandie.

Eingang zur Grottenkirche des Heiligen Michael

Oberirdisch sind vom Heiligtum nur die Eingangshalle von 1395 und der achteckige Glockenturm von 1273/74 zu sehen, der Rest liegt unter der Erde in Form einer Grottenkirche. Seit 2011 zählt dieses Ensemble auch zum UNESCO-Weltkulturerbe der langobardischen Geschichte Italiens. Vor der Eingangshalle findet sich noch eine Bronzetür aus dem Jahre 1076 – die älteste dieser Art in Apulien. Wer die Grottenkirche selbst betritt, dem sollen alle Sünden vergeben werden.

Das Heiligtum war früher so wichtig, dass man es als Beginn der normannischen Geschichte in Süditalien bezeichnen kann. Denn viele Normannen pilgerten zunächst nur hierher, ehe sie sich in der dann für sie bekannten Region niederließen bzw. als Söldner anheuern ließen. Michael war zudem für die kriegerischen Normannen immer einer der wichtigsten Heiligen gewesen, konnte man sich als Soldat doch einfacher mit dem schwertschwingenden Erzengel identifizieren als mit vielen anderen eher friedlicheren Heiligen.

Santa Maria Maggiore

Das Heiligtum des Erzengels war aber auch während des Mittelalters ein Wirtschaftsfaktor gewesen, was man an weiteren eindrucksvollen Gebäuden des Städtchen erkennen kann. In der Tomba di Rotari, einem bis heute in seiner Funktion nicht ganz klaren Gebäude des 11. Jahrhunderts kann man noch einige beedinruckende Kunstobjekte des Mittelalters bestaunen. Gerade die figürlichen Darstellungen der Säulenkapitelle sind hier zu erwähnen.

Direkt daneben befindet sich, quasi als Teil eines Gesamtkomplexes, die Kirche Santa Maria Maggiore aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Besonders das romanische Portal mit seinen Blendarkaden und dem zentralen halbrunden Relief ist besonders sehenswert.

Dominiert wird das Städtchen, wie so oft in Apulien, von einer Burg aus der Zeit der Normannen und Staufer. Mitte des 9. Jahrhunderts vom damaligen Bischof von Benevent erbaut erfuhr das Kastell mehrfache Erweiterungen und Umbauten in der Folgezeit. Unter den Normannen etwa wurde der Torre dei Giganti errichtet, Friedrich II. nutzte die Burg als Wohnsitz für seine Geliebte Bianca Lancia und die Aragonesen verliehen der Anlage durch Anbau zweier mächtiger Rundtürme wieder ihren alten Festungscharakter. Von hier hat man einen tollen Blick über Monte Sant’Angelo, den Gargano gen Westen und bis ans Meer im Osten.

Den Abschluss des Tages bildete die unweit von Monte Sant’Angelo gelegene Abbazia di Pulsano. Bereits im Jahre 591 wurden hier auf den Ruinen eines antiken Tempels erste Gebäude errichtet. Egal welche Religion, die Orte zur Gott-/Götterverehrung gleichen sich allzuoft. Die Klosterkirche, die in Teilen auch eine Grottenkirche ist, entstand 1177 und beherbergt die Gebeine des Heiligen Giovanni da Matera (gest. 1139). Auch von hier hat man wieder einen traumhaften Blick über den Abbruch des Gargano auf die Adriaküste bei Manfredonia.

Massa Marittima

Der Palazzo del Podestà in Massa Marittima

Die in der Maremma gelegene Stadt Massa Marittima mit ihren knapp 9000 Einwohnern liegt auf einem Hügel der Colline Metallifere, dem Erzgebirge der Toskana. Hier haben bereits die Etrusker in großem Stil Eisenerz, Kupfer und Silber abgebaut. Zudem ermöglicht die Lage der Stadt einen Blick bis ans Meer bei Follonica. Seit im 9. Jahrhundert n.Chr. der Bischofssitz von Populonia nach Massa Marittima verlegt wurde, begann der Aufstieg der Stadt, die sogar über ein Jahrhundert selbstständig blieb, ehe sie 1335 von Siena erobert wurde. Nach der Eroberung durch Florenz 1555 sank die Zahl der Einwohner, vor allem Malaria bedingt, auf nur noch knapp 500. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Stadt wiederbelebt und hat heute wieder knapp so viele Einwohner wie im Jahr 1300.

Wenn man Glück hat, findet man direkt vor diesem Gebäude auf dem öffentlichen Parkplatz einen freien Stellplatz und hat damit nur wenige Sekunden, bis man das Zentrum Massa Marittimas erreicht hat. Am Parkautomaten muss man jedoch zuerst das Autokennzeichen eingeben, ehe man bezahlen kann, was uns einige Augenblicke des Verstehens gekostet hat, bis wir dies begriffen hatten.

Am ehemaligen Brunnenhaus und Waschplatz von Massa Marittima findet sich ein Kunstschatz, den es so in Europa bislang kein zweites Mal gibt. Zum einen sind generell wenige Profandarstellungen des Mittelalters außerhalb von Buchillustrationen (Codex Manesse z.B.) oder einigen Burgen (Runkelstein bei Bozen oder das Castello di Manta im Piemont) erhalten geblieben, was daher jeden Fund besonders macht. Zum anderen gibt es bislang nur zwei weitere bekannte gemalte Darstellungen eines Phallusbaumes in Europa, nämlich auf Schloss Moos-Schulthaus (um 1475) bei Eppan in Südtirol und einen weiteren Fund auf Burg Lichtenberg im Vinschgau, der heute jedoch nur als Rekonstruktion im Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck zu sehen ist. Andere findet man auf mehreren Buchseiten im Rosenroman (um 1235 Frankreich) und geschnitzt auf einer Truhe in Villingen-Schwenningen (Franziskanermuseum). Hierzu ganz allgemein die Arbeit von Dr. Stefan Hammerl (Strange fruits) aus dem Jahr 2018.

Der Baum von Massa Marittima ist der älteste der drei und dürfte zwischen 1270 und 1320 entstanden sein. Er zeigt einen Baum, an dem wie Früchte 25 männliche Geschlechtsteile hängen und darunter Frauen, die diese einsammeln bzw. sich um diese streiten. Die Interpretation der Szene ist nicht ganz so einfach, da es sich hierbei um Volkskunst handelt, die bewusst die Hohe Minne der damaligen Zeit konterkarieren möchte. Zudem war der Umgang des Mittelalters mit Nacktheit und Sex deutlich aufgeschlossener als heute, selbst in der Kirche. Dies ändert sich erst mit der Renaissance (Lendeschürze die dem Jüngsten Gericht von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle nachträglich aufgemalt werden mussten etc.). Inwieweit wir hier aber eine weitere politische Ebene im Fresko haben (Gegensatz Guelfen/Ghibellinen), ob wir Anspielungen auf Hexen (ähnliche Szenen bzw. Geschichten werden immer wieder in Hexenprozessen genannt –> oder im Hexenhammer erzählt) sehen, oder „nur“ eine Spielart der verkehrten Welt sehen (Frauen ernten Phalli und keine Früchte) ist jedoch nach wie vor nicht abschließend geklärt.

Die Piazza Garibaldi ist das Zentrum der Città Vecchia von Massa Marittima, an der neben dem Palazzo Comunale und dem Palazzo del Podestà auch der Dom San Cerbone und der Bischofspalast liegen. In meinen Augen gehört dieser Platz zu den schönsten Stadtplätzen der Toskana. Die Bausubstanz der einzelnen Palazzi stammt dabei überwiegend aus dem Mittelalter, wobei der Palazzo del Podestà mit einer Bauzeit um 1225 zu den ältesten Gebäuden der Stadt gehört.

Der zur basilica minor erhobene Dom San Cerbone wurde im 13. und frühen 14. Jahrhundert errichtet. Allein das Gewölbe im Inneren ist deutlich jüngeren Datums (17. Jhd.) und zerstört etwas den Inneneindruck der Kirche.

Dass das Gewölbe nicht zu den Mauern der Kirche passt, kann man ganz gut daran erkennen, dass die Fenster fast abgeschnitten werden, was bei der urpsrünglichen Decke zweifellos nicht der Fall gewesen wäre. Ein erstes Highlight der Kirche ist das Taufbecken aus dem Jahre 1267 mit seinen tollen Reliefs von Giroldo da Arogno. Das Tabernakel im Taufbecken ist ein Werk der Renaissance und stammt aus dem Jahr 1447.

Im linken Querschiff befindet sich die Capella della Madonna mit einer Madonnendarstellung aus dem Umfeld Duccio di Buoninsegnas um 1316. Duccio war ein Zeitgenosse Giottos und Vertreter der Sieneser Malschule, die er um byzantinische Einflüsse bereicherte. Seine Werke blieben für fast zweihundert Jahre stilprägend und beeinflussten u.a. die Gebrüder Pietro und Ambrogio Lorenzetti sowie Simone Martini.

Hinter dem Hauptaltar befindet sich der normalerweise in der Krypta stehende Sarkophag des Heiligen Cerbonius, der 1324 geschaffen wurde. Komplett mit Reliefs verziert, erzählt der die Geschichte des Heiligen. Dieser aus Afrika stammende Mann wurde dort von den Vandalen vertrieben, floh in die Toskana und wurde nach 540 Bischof von Populonia. Teil seiner Legende ist auch die Geschichte, dass er vom Ostgotenkönig Totila den Bären zum Fraß vorgeworfen wurde. Nachdem diese in aber nicht fraßen, sondern die Füße leckten, wurde er wieder freigelassen.

Einer etwas steileren Gasse folgend erreicht man von der Città Vecchia die Neustadt von Massa Marittima, die ab 1335 von den Sienesern errichtet wurde. Der Mauerteil, der nicht von den Habsburgern abgerissen wurde, ist begehbar und bietet sicherlich einen beendruckenden Rundumblick. In Coronazeiten war die Mauer jedoch für Besucher geschlossen.

In der Oberstadt einen Besuch wert ist die Kirche Sant Agostino, die zwischen 1299 und 1350 erbaut wurde. Das äußerst schlichte Äußere wird um einen nicht weniger schlichten und leider etwas heruntergekommen Kreuzgang erweitert. Zumindest aber ein schöner Granatapfelbaum hat dort überlebt und die Rückseite des ehemaligen Klosters mit dem Campanile von 1527 ist ein sehr schönes Motiv. Die wenigen in der Kirche noch erhaltenen Fresken stammen überwiegend aus der Renaissance und wurden u.a. von Lorenzo Lippi geschaffen.

San Galgano

Die Ruine von San Galgano

Aus meiner Kindheit erinnere ich mich natürlich nicht mehr an vieles. Aber einige Orte, die ich in Urlauben habe sehen dürfen, haben mich nachhaltig beeindruckt und wahrscheinlich auch meinen weiteren Lebensweg (Studium der Geschichte etc.) beeinflusst. Dazu zählen die Templerburg Tomar in Portugal, die Mezquita von Cordoba und die Ruine von San Galgano in der Toskana.

Die Kirche mit ohne Dach, wie ich sie damals genannt habe, ist heute eines der Postkartenmotive der Region und touristisch weitaus stärker frequentiert als damals, was ihr leider einen nicht unerheblichen Teil ihres Charmes nimmt. Das wildromantische, alleine im Nirgendwo ist wohl auf immer verloren gegangen, was allein die Größe des Parkplatzes bereits eindrucksvoll belegt.

Die Abbazia San Galgano liegt knapp 35 Kilometer südwestlich von Siena in der Maremma. Hier hatte im 12. Jahrhundert der Einsiedler Galgano Guidotti eine Einsiedelei gegründet und der Legende nach sein Schwert in einen Stein gestoßen, um seine Abkehr vom alten Leben und den Kriegen in denen er gekämpft hatte, zu beweisen. Nach seinem Tod mit 33 Jahren ließen sich hier Zisterziensermönche nieder, denen die urpsrünglichen Gebäude schnell zu klein wurden, weswegen sie am Fuß des Montesiepi mit dem Bau der großen Abteikirche 1224 begannen.

Nichts desto trotz sollte man auch die ehemalige Einsiedelei besuchen, beherbergt sie doch einige schöne Fresken der Galgano-Legende. Das noch heute sichtbare Schwert ist allerdings nicht mehr das Original sondern stammt meines Wissens aus dem 19. Jahrhundert.

Der Bau von 1224

Die ab 1224 errichtete Kirche zeugt vom Reichtum der Mönche von San Galgano, die über großen Grundbesitz verfügten und maßgeblich am Bau des Doms von Siena beteiligt waren. Im Laufe des 14. Jahrhunderts änderte sich jedoch die wirtschaftliche Lage und Kriege sowie Hungersnöte ließen das Kloster verarmen. Nach der Auflösung 1783 stürzten im Laufe der Zeit Teile der Anlage (Glockenturm, Gewölbe, Klostergebäude) zusammen und Bauern aus der Umgebung nutzten die Kirche als Steinbruch. Erst ab 1881 wurde dem Verfall Einhalt geboten und erste Restaurierungsmaßnahmen begannen. Seit 1961 dient San Galgano sogar wieder als Kloster der Olivetaner.

Der Bau der Kirche stellt architektonisch eine Besonderheit in der Toskana dar, da es der erste wirklich gotische Bau dieser Zeit war, der sich zudem an der burgundischen Bauweise orientierte. Da sich diese Gotik in der Toskana nicht durchsetzen konnte, gibt es heute nichts vergleichbares in der Region, was San Galgano umso einzigartiger macht und die Wirkung der Ruine als fast magisch/außerirdischen Ort verstärkt.

Blick auf die benachbarte Ortschaft Chiusdino

Wer etwas mehr Zeit mitbringt als wir, kann in das wenige Kilometer entfernte Chiusdino fahren, dessen Ortskern aus dem 12. Jahrhundert stammt. In der Kirche San Michele Arcangelo befindet sich der Kopf des Heiligen Galgano als Reliquie. Die drei Mauerringe des Städtchen geben dem Ort zudem einen ganz eigenen Flair.

Volterra

Baptisterium und Dom von Volterra

Im Gegensatz zu Florenz, Siena oder San Gimignano gibt es in Volterra keine solche Masse an herausragenden Einzelkunstwerken. Dafür ist die Stadt selbst mit ihrem mittelalterlichen Kern und ihrer Lage auf einer Hügelkuppe mit herausragender Rundumsicht ein kleines Gesamtkunstwerk. Gegründet von den Etruskern entwickelte sich Volterra (etruskisch: Velathri) zu einer der bedeutendsten und größten Städte des Zwölferbundes. Unter den Römern hatte Volterra wegen seiner günstigen Lage vor allem eine strategische Bedeutung, die später auch half, während des 12. und 13. Jahrhunderts eine eigenständige Republik zu begründen. Erst im 14. Jahrhundert fiel die Stadt an Florenz.

Hat man sich an der grandiosen Fernsicht satt gesehen und man betritt die Stadt, so fallen sofort die unzähligen Geschäfte und kleine Werkstätten ins Auge, die Alabasterwaren verkaufen. Alabaster ist eine Varietät des Minerals Gips und trotz ähnlicher Optik kein Marmor oder vergleichbares Gestein. So fehlen Alabaster etwas die Wärmeleitfähigkeit und Wetterbeständigkeit des Marmor. Der Alabasterreichtum Volterras reicht Millionen von Jahre zurück, als die Region noch unter Wasser lag und sich konzentriertes Calciumsulfat aus dem Meereswasser ablagern konnte.

Im Herzen der Altstadt liegt die wunderschöne Piazza dei Priori mit ihren zahlreichen mittelalterlichen Gebäudefassaden. Am bedeutendsten ist zweifellos der Palazzo dei Priori der 1208-1254/57 errichtet wurde und damit der älteste noch erhaltene Palast der Toskana aus dieser Zeit ist. Damit baute man in Volterra erstmals diese Form eines monumentalen mehrgeschossigen Rathauses, dessen heute bekanntester Vertreter der Palazzo Vecchio in Florenz ist. Geschmückt ist der Palazzo dei Priori mit den Wappen der ehemaligen Florentiner Statthalter. Diese sind meist aus Stein, einge aber auch aus Terrakotta im typischen Majolica Stil der Künstlerfamilie della Robbia.

Die Kathredale von Volterra wurde im 12. Jahrhundert im Stil der Romanik erbaut und hat im Laufe der Zeit vor allem im Inneren umfangreiche Umbauten erlebt. Beginnend mit Erweiterungen im 13. Jahrhundert, erlebte der Umbau im Inneren erst im 19. Jahrhundert seine letzte Phase. Das macht den Dom leider zu einem recht wilden Sammelsurium an Stilen, Farben und Bauteilen, was es dem Besucher deutlich schwerer macht, eine Verbindung zu der Kirche aufzubauen. Im oktogonalen Baptisterium befindet sich ein äußerst sehenswertes Taufbecken von Andrea Sansovino aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Im Inneren der Kirche fällt sofort die tolle Kassettendecke aus den 1580er Jahren ins Auge, leider aber auch die rosa Granit imitierenden Stukkaturen des 19. Jahrhunderts an den Säulen der Kirchenschiffe. Ebenfalls in den 1580er Jahren wurde die Kanzel aus dem 12. Jahrhundert wieder zusammengesetzt. Ebenfalls in der Romanik (1228) entstand die Kreuzabnahme, das älteste original erhaltene Kunstwerk der Doms und ein Meisterwerk der romanischen Holzschnitzkunst.

An den Dom angebaut ist die Kapelle der Schmerzensmutter, in der sich neben zwei Figurengruppen aus Terrakotta, die Andrea della Robbia zugeschrieben werden auch zwei Fresken von Benozzo Gozzoli verbergen. Leider sind diese sehr schlecht zu sehen, da mit Gittern versperrt, sodass man nur Ausschnitte sehen kann. Gerade aber der Detailgrad der gemalten Pferde zeigt die klaren Spuren der Renaissance, die bei Gozzoli bereits sichtbar werden. Zudem zeigen die drei Könige, da sie vor 1500 entstanden sind noch den Typus der drei unterschiedlichen Lebensalter (junger König, mittelalter König und alter König), während wir heute meist drei alte Könige, von denen einer sichtbar aus Afrika stammt, darstellen.

Schlendert man gemütlich durch die Gassen und Straßen der Altstadt kann man neben unzähligen Alabastergeschäften auch einen Abstecher ins 1470 errichtete Oratorio di Sant’Antonio Abate machen. Am dortigen Trittichetto di Priamo della Quercia findet man auf dem rechten Flügel eine sehr seltene Darstellung Christi. Die des Volto Santo (Heilige Kümmerniss), die einen bekleideten Jesus mit offenen Augen stehend vor dem Kreuz zeigt. Nachempfunden sind solche Darstellungen dem gleichnamigen Holzkruzifix aus dem Dom von Lucca, jedoch eher selten zu finden. Ich habe, soweit ich weiß, auf meinen Reisen bisher erst eine weitere Darstellung dieser Art gesehen, nämlich in der Dominikanerkirche von Bozen. Man findet sie aber immer wieder, in Deutschland etwa in Münster, Braunschweig oder Aschaffenburg.

Aus der Antike sind in Volterra vor allem zwei Objekte erhalten geblieben. Die noch aus der Etruskerzeit stammende Porta all’Arco aus dem 4. Jahrhundert vor Christus und das zur Zeit Kaiser Augustus für knapp 2000 Besucher errichtete Theater. Der Abschnitt der noch stehende Bühnenwand, wurde allerdings rekonstruiert und ist so nicht im Original stehen geblieben. Da man für das Theater aber Eintritt zahlen muss, haben wir uns einen Besuch gespart, zumal man vor der Stadtmauer aus einen grandiosen Blick über das Areal hat.

Siena

Palazzo Pubblico und Dom von Siena

Neben Florenz war Siena die bedeutendste Stadt der Toskana und kunsthistorisch ist sie heute einer der wichtigsten und beeindruckendsten Orte der Gotik weltweit. Die historische Altstadt wurde 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben und beherbergt mit der 1240 geschaffenen Universität von Siena einer der ältesten Bildungseinrichtungen dieser Art in Italien. Für einen Besuch der Stadt sollte man sich im Idealfall mehr als einen Tag Zeit nehmen, da ansonsten die unzähligen beeindruckenden Kirchen, Palazzi oder Museen gar nicht alle besichtigt werden können, da alleine der Domkomplex bereits einige Stunden frisst.

Stammhaus der Monte dei Paschi di Siena

Zu Beginn unseres Tages in Siena erreichten wir zunächst den Palazzo Salimbeni. Bereits im 12. und 13. Jahrhundert von der Sieneser Familie der Salimbeni errichtet, wurden diese nach mehreren erfolglosen Versuchen die Macht in der Stadt an sich zu reißen, entmachtet und vertrieben. Der Palazzo ging dann 1419 in den Besitz der Stadt über. Somit konnte sich 1472 in einigen der Räumen des Palazzo die älteste noch heute existierende Bank der Welt gründen: die Monte dei Paschi di Siena. Seit 1866 gehört das gesamte Gebäude der Bank, die auch die beiden angrenzenden Palazzi (Palazzo Spannocchi rechts und Palazzo Tantucci links) besitzt. In den Kunstsammlungen des Palazzo Salimbeni sind unter anderem Werke von Benedetto da Maiano, Raffaello Vanni oder Pietro Lorenzetti zu sehen.

Das Cafe Nannini

Einige der bekanntesten Spezialitäten der Stadt, den Panforte oder die Ricciarelli, erhält man u.a. im Cafe Nannini. Der Name Nannini ist uns Deutschen am ehesten durch die italienische Sängerin Gianna Nannini bekannt, die ein Spross dieser traditionsreichen Sieneser Konditorenfamilie ist. Lieder wie „Profumo“, „Bello e impossibile“ oder der Soundtrack der Fußball-WM 1990 erreichten in Deutschland hohe Chartplatzierungen.

Der Panforte ist ein Süßgebäck aus Mandeln, Mehl, kandierten Früchten wie Zitronat und Orangeat, Zucker, Honig und Gewürzen wie Zimt, Muskat, Koriander und Nelken. Schon im Mittelalter gab es erste Vorläufer des heutigen Panforte, aber erst der Handel mit dem arabischen Raum, der ab Beginn der Kreuzzüge zunahm, brachte die Gewürze nach Siena, die dem Panforte noch heute seinen ganz eigenen Geschmack verleihen. Neben dem klassischen Panforte (auch Bianco oder Margherita genannt) gibt es auch Variationen mit Marzipan oder Schokolade.

Die Ricciarelli wiederum sind hauchzarte Marzipanplätzchen, die unbedingt frisch gegessen werden müssen, da sie schnell austrocknen und damit hart werden. Für Süßwarenliebhaber darf man die Stadt Siena nicht verlassen haben, ohne zumindest eines dieser Plätzchen probiert zu haben.

Nachdem für das leibliche Wohl gesorgt war, bzw. die Absichtserklärung eines späteren Kaufes unterzeichnet war, ging es weiter in Richtung Palazzo Pubblico. Dabei passiert man die Loggia della Mercanzia, die zwischen 1417 und 1444 mit dem Palazzo della Mercanzia errichtet wurde. Die Halle der Händler (so der deutsche Name) hat dabei eindeutig die Loggia dei Lanzi in Florenz als Vorbild und die Statuen an den Pfeilern stellen neben Petrus und Paulus auch die drei Stadtpatrone Victor, Savino und Ansanus dar.

Der Palazzo Pubblico an der Piazza del Campo ist sicherlich neben dem Dom das bekannteste Motiv der Stadt. Das auch Palazzo Comunale (Rathaus) genannte Gebäude wurde vor allem in der Zeit zwischen 1299 und 1350 errichtet. Seit 1680 und nocheinmal Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Bau erweitert und aufgestockt. Der das Stadtbild prägende Torre della Mangia stammt aus den Jahren 1325 bis 1344 und die Spitze des Turmes wurde vom Sieneser Künstler Lippo Memmi gestaltet. Corona bedingt waren 2020 das Innere des Palazzos nur eingeschränkt sowie der Turm gar nicht zu besichtigen, weswegen wir es bei einem Blick von Außen belassen haben.

Die Piazza del Campo, malerisch von den Backsteinfassaden der Häuser umrahmt ist der Ort, an dem jährlich der berühmte Palio di Siena, das wohl härteste Pferderennen der Welt stattfindet. Hier kämpfen die 17 Contraden (Stadtteile Sienas) immer am 2. Juli und 16. August eines Jahres um das sog. Palio (von lat. Palium/Tuch), das der Sieger als Preis erhält. Die Ursprünge des Palio reichen weit bis ins Mittelalter zurück, denn bereits um 1200 finden sich Belege für einen „Palio di San Bonifazio“ in Siena.

Deutlich weniger spektakulär wie andere bedeutende Brunnen Italiens steht mitten auf der Piazza del Campo die Fonte Gaia des italienischen Frührenaissancebildhauers Jacobo della Quercia (1374/76-1437), der wegen seiner schon klar erkennbaren antiken Einflüsse als Wegbereiter der italienischen Renaissance gilt. Seine Hochreliefs an der Fonte Gaia entstanden zwischen 1409-1419 und befinden sich im Original heute im Museum von Santa Maria della Scala.

Von der Piazza del Campo führt der Weg Richtung Dom an einigen pachtvollen Palazzi vorbei. Einer, dessen Innenhof man gesehen haben sollte, ist der Palazzo Chigi. Der im gotischen Stil errichtete Palazzo stammt in seinen ältesten Beuteilen aus dem 12. Jahrhundert, während das Innere der Räume, sowie Innenhof und Loggia im Stil der Renaissance durch die neuen Besitzer (Familie Piccolimini-Mandoli) ab dem Jahr 1506 umgestaltet wurden. Gerade die Deckenbemalung der Loggia ist ein grandioses Beispiel der italienischen Renaissance.

Der Dom von Siena

In meinen Augen eine der kunsthistorisch spektakulärsten Kirchen der Christenheit ist der Dom von Siena, der in einer solchen Masse und Qualität Kunstschätze von europäischem Rang beherbergt, wie kaum eine andere Kirche der Welt. Allein die Fassade mit ihren unzähligen Figuren ist bereits ein Kunstwerk für sich, auch wenn Überformungen des Barock und während der Neugotik des 19. Jahrhunderts viel vom Original zerstört haben. Zusammen mit der Dom von Orvieto hat sich hier eine ganz eigene Form der Gotik entwickelt, inspiriert von der Kathedralgotik Frankreichs, die es so in Italien kein drittes Mal mehr gibt.

Dabei zeigen die heute noch erhaltenen Reste des Duomo Nuovo, dass die bereits respektable Größe des existierenden Kirchenbaus bei weitem nicht das Ende der Sieneser Baupläne darstellte. Zwischen 1260 und 1297 entstanden das Langhaus, das mehrschiffige Querhaus sowie der Campanile. Inwieweit die Außenfassade von Giovannio Pisano bis 1317 fertiggestellt war, ist bis heute nicht belegbar. Allerdings begannen zu dieser Zeit die Pläne einer umfangreichen Erweiterung, die in Konkurrenz zum Dom von Florenz treten sollte. Durch die Pest 1348 und die damit einhergehende Wirtschaftskrise konnten die bereits begonnen Arbeiten jedoch nie vollendet werden, weswegen die heute noch erhaltenen, sogar teilweise bereits mit Marmor verkleideten Abschnitte nur erahnen lassen, wieviel größer der Dom eigentlich hätte werden sollen.

Betritt man das Innere des Doms (hier empfiehlt sich vorab der Erwerb des Kombitickets mit Besuch Unterkirche, Baptisterium und Dommuseum) wird man von der Masse der Besucher (auch in Coronazeiten noch eine Menge) und der unfassbaren Fülle an Eindrücken fast erschlagen. Alleine der prächtige Fußboden der Kirche wäre überall anders DAS Higlight, das die Besucher in Scharen anlocken würde. Hier ist es nur eines von vielen… Nur zwischen Ende August und Ende Oktober sind weite Teile dieses über 60 Einzelmotive zeigenden und in sechs Jahrhunderten Arbeit (14.-19. Jhd.) entstandenen Meisterwerkes zu sehen. Ansonsten bleibt der Boden zu seinem Schutz weitestgehend verdeckt.

Zwischen 1266 und 1268 erschuf Niccolò Pisano mit Hilfe seines Sohnes Giovanni und Arnolfo di Cambios eines der bedeutendsten bildhauerischen Werke des europäischen Mittelalters und steht damit zudem am Beginn der Gotik in Italien. Im Gegensatz zu seinem Werk im Baptisterium des Doms von Pisa, treten hier noch deutlicher die Einflüsse der Gotik zu Tage, etwa in dem die dargestellten Körper nicht mehr ganz so steif sind. Auf acht Säulen ruhend, von denen wiederum vier auf Löwensockeln stehen, steht der eigentliche Kanzelkorb, der von sieben Reliefs geziert wird, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigen.

Durch die stark begrenzte Zahl der gleichzeitigen Besucher war es leider nicht möglich, sich diesem herausragenden Freskenschatz der Renaissance in Ruhe zu widmen, da man kaum mehr als zwei Minuten hatte, ehe die nächste Gruppe durchgeschleußt wurde. Die vom Sieneser Erzbischof und Kardinal Francesco Todeschini Piccolomini (dem späteren Papst Pius III.) erbaute Bibliothek (für die Bücher seines Onkels Papst Pius II.) wurde zwischen 1502 und 1507 von Pinturicchio und seinen Gehilfen, darunter der junge Raffael komplett freskiert. Jedes einzelne Bild ist von einer unfassbaren Detailverliebtheit geprägt. Auf dem Bild Enea Silvio Piccolomini, Bischof von Siena, stellt Eleonora von Portugal Kaiser Friedrich III. vor ist der Dom von Siena originalgetreu im Hintergrund zu sehen.

Damit wird ein klarer Wesenszug der Renaissance sichtbar, die u.a. für die Individualisierung des Menschen nicht nur die gemalten Figuren so darstellte, wie die lebenden Vorbilder auch tatsächlich aussahen, sondern, im Gegensatz zur Gotik, auch die Gebäude im Hintergrund nicht mehr als fiktive Idealbilder zeichnete, sondern reale Vorbilder darstellte.

Die zahlreichen teils aufwendig kalligrafierten Bücher mit prächtigen Bemalungen gehen bei all dieser Pracht fast etwas unter, obwohl sie für sich allein bereits ein wahrer Schatz sind.

Ich könnte jetzt an dieser Stelle noch zahlreiche weitere herausragende Kunstobjekte vorstellen, etwa die Reste des reich mit Intarsien versehenen Chorgestühls aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, die Kapelle der Madonna di Voto mit Figuren von Gian Lorenzo Bernini (der z.B. auch den Vierströmebrunnen an der Piazza Navona in Rom geschaffen hat) oder die Kapelle Johannes des Täufers mit einem Spätwerk von Donatello. Aber igendwo ist die Aufnahmefähigkeit eines Menschen begrenzt und es standen noch die Unterkirche, das Baptisterium sowie das Dommuseum auf dem Programm.

Erst bei Restaurierungsarbeiten 1999 wurde dieser unter dem heutigen Dom gelegene Bereich wiederentdeckt. Auf 180 m² hat man Fresken des 13. Jahrhunderts gefunden, die vor allem Szenen der Passion Christi zeigen. Sehr schön kann man den Übergang zwischen Gotik und Renaissance anhand der Gegenüberstellung dieser Malereien mit denen der Piccolomini-Bibliothek nachvollziehen.

Durch den ab 1316 erfolgten Ausbau des Domchors musste dieser mit einer aufwendigen Unterkonstruktion gestützt werden, die in der Folge zur Unterkirche wurde und als Baptisterium genutzt wurde. Neben den Deckenfresken, die Sieneser Maler in den Jahren 1450 bis 1460 malten, ist vor allem das Taufbecken beachtenswert. Dieses zählt zu den Hauptwerken der italienischen Renaissance-Skulptur. Die sechs aufwendig gestalteten Reliefs des Taufbeckens wurden von einigen der namhaftesten Künstler ihrer Zeit geschaffen, darunter Donatello, Jacopo della Quercia oder Lorenzo Ghiberti. Gerade die Tafel Donatellos von 1427 ist kunsthistorisch ein Meilenstein, gelingt es ihm doch mit wenig tatsächlicher Tiefe durch geschickte, fast zeichnerische Modellierung der Szene ein Maximum an Perspektive zu erzeugen.

Durch die Corona-Einschränkungen entwickelte sich der Besuch des Museo dell’Opera del Duomo zu einer Geduldsprobe, da nur eine bestimmte Anzahl an Menschen insg. ins Gebäude durfte und dann innerhalb auch nur eine bestimmte Zahl sich gleichzeitig auf einem Stockwerk aufhalten durfte. Aber allein für das Meisterwerk Duccio di Buoninsegnas im Ersten Stock lohnten sich die über eine Stunde Wartezeit.

Die Maestà des Hochaltars des Sieneser Doms steht am Beginn der großartigen Sieneser Kulturepoche und wurde zwischen 1308 und 1311 geschaffen. Duccio gilt als einer der bedeutendsten italienischen Maler seiner Zeit, der allerdings im Gegensatz zu seinem florentiner Zeitgenossen Giotto di Bondone (Erschaffer des Glockenturms des florentiner Doms und Maler etwa der Scroveni-Kapelle in Padua oder Oberkirche von San Francesco in Assisi) noch stärker dem byzantinisch-formelhaften verhaftet war und weniger eigene, freie Kreationen schuf.

Die Vorderseite seines Werke zeigt die thronende Madonna (die Stadtheilige Siena), umgeben von einem himmlischen Hofstaat, bestehend aus Engeln und Heiligen. Da diese Seite ins Kircheninnere blickte ist die Darstellung groß und daher auf Fernbetrachtung ausgelegt. Die Rückseite, die nur für die Domgeistlichen sichtbar war, zeigt zahlreiche kleine Tafeln, die Szenen der Passionsgeschichte Jesu zum Inhalt haben. Leider wurde das Werk 1771 zerlegt und in Einzelteile aufgeteilt, acht Tafeln liegen in anderen Museen weltweit, ein Feld der Predella ist verschollen, der Rest kann im Dommuseum besichtigt werden.

Santuario di Santa Caterina

In Relation zum Dom fast schon bescheiden und unauffällig liegt das Santuario di Santa Caterina auf der anderen Seite der Altstadt. Dieser Ort ist jetzt weniger wegen seiner Kunstschätze als wegen der Bedeutung seiner ehemaligen Bewohnerin für die Geschichte der christlichen Religion von Bedeutung. Hier wurde die Heilige Katharina von Siena geboren, eine der einflussreichsten Mystikerinnen des europäischen Mittelalters. Katharina wurde 1347 geboren, war maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Papsttum 1376 aus Avignon wieder nach Rom übersiedelte und verhinderte eine erneute Kirchenspaltung 1378. Sie wurde 1461 heiliggesprochen, 1939 zur Schutzpatronin Italiens erklärt, 1970 zur Kirchenlehrerin erhoben und 1999 als eine von nur sechs Heiligen zur Schutzpatronin Europas erklärt.

Zum Schluss führte uns der Weg noch nach San Domenico, von wo aus man einen grandiosen Blick auf den Dom und Richtung Palazzo Publicco hat. San Domenico selbst ist auch sehenswert, leider war dort aber das Fotografieren strikt verboten. In der 1927 zur basilica minor erhobenen Kirche, die ab 1226 erbaut wurde, befinden sich heute Haupt und ein Finger der Heiligen Katharina, die ihr Beichtvater Raimund von Capua 1383 hierher bringen ließ. Daher haben auch hier einge sehr bedeutende Künstler gearbeitet. Zu nennen wären Pietro Lorenzetti (Gemälde Madonna col Bambino und San Giovanni Battista e un cavaliere), das Ziborium des Hauptaltares von Benedetto da Maiano, zwei Fresken von Sodoma in der Capella di Santa Caterina oder die Apsisfresken von Arcangelo Salimbeni.

Weine der Toskana

Auch in meinen Beiträgen, etwa zu San Gimignano oder Montalcino, habe ich bereits einige Sätze zu den dort jeweils typischen Wein- und Rebsorten geschrieben. In diesem Beitrag nun möchte ich mich dem Thema der Weine der Toskana deutlich ausführlicher widmen und auch einige Weine, die ich bereits selbst getrunken habe, empfehlen.

Zunächst muss man sicherlich festhalten, dass die Toskana, wie kaum eine andere Region Italiens, berühmt ist für die Erzeugnisse ihrer Winzer. Einige dieser Weingüter und deren Weine, etwa Poliziano, Antinori oder Felsina sowie deren Spitzenprodukte wie Solaia, Tignanello oder Fontalloro besitzten Weltruf. Leider führt dies auch dazu, dass solche Weine für den Normalsterblichen kaum noch finanzierbar sind, kosten solche Flaschen doch auch gerne mal 70-100€. Selbst wenn man dieses Top-Niveau nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt und versucht ein, zwei Etagen darunter einzukaufen, muss man oft mit um die 20€ die Flasche rechnen.

Aber, und so ehrlich sollte man als „normaler“ Weintrinker zu sich selbst sein, schmeckt man noch wirklich die Unterschiede zwischen einer Flasche für 25€ und einer für 50€? Daher werden sich im Folgenden meine Empfehlungen fast ausschließlich im Segment zwischen 12€ und 25€ bewegen.

Typische Ortschaft in der Region des Chianti Classico

Beginnen möchte ich mit DEM klassichen Rotwein der Toskana, dem Chianti Classico. Dabei muss man prinzipiell unterscheiden, aus welcher Region der Toskana der Chianti kommt, da es nebem dem Chianti Classico auch den Chianti Ruffina oder die Colli Senesi gibt. Der historische Chianti ist der Chianti Classico, der am Zeichen des schwarzen Hahns (gallo nero) auch visuell erkennbar ist. Als einziger Chianti erlaubt er keinen Zusatz weißer Rebsorten und hat auch sonst die striktesten Regularien und Vorgaben. Dazu zählen u.a. ein Minimum an 80% Sangiovese Trauben, ein Gesamtzuckergehalt von max. 4 g/l und ein Volumenanteil Alkohol von min. 12% bzw. 12,5% beim Riserva.

All diesen Chianti-Weinen gemeinsam ist, dass sie im Wesentlichen aus der Sangiovese-Traube gekeltert werden, ob es nun min. 80% oder auch etwas weniger sind. Geschmacklich sind die Weine meist, je nach Jahrgang, Boden und Lagerungszeit sehr fruchtig mit Aromen von Brombeere, Preiselbeere oder Kirsche. Zusätzlich können Würzaromen wie Tabakblätter, Lakritz oder Nelken kommen. Die Weine kam man meist einige Jahre liegen lassen und erst nach fünf bis acht Jahren sind die besten Chianti voll ausgereift.

Die Badia a Passignano

In meinen Augen sehr gute Chianti wären:

Barone Ricasoli Rocca Guicciarda Chianti Classico Riserva: Dieser Wein besteht zu 90% aus Sangiovese und zu je 5% aus Merlot und Canaiolo. Aromatisch lassen sich Kirschen, Blaubeeren und Holunder erkennen, sowie ein leichter Lakritzenteil.

Chianti Classico del Castello di Verrazano: Hierbei werden sogar 95% Sangiovese Trauben verwendet und die restlichen 5%, laut Weingut, aus „komplementären“ roten Trauben gewonnen. Noch ein Stückchen dunkler als der Barone Ricasoli schmeckt der Wein stark beerig (v.a. Brombeere) mit leichter Eichenholznote. Der gleichnamige Riserva ist ebenfalls empfehlenswert, aber deutlich teurer (knapp 30€ die Flasche).

Chianti Rufina Nipozzano Riserva (Frescobaldi): Außerhalb des ursprünglichen Chiantigebietes wird dieser sog. Chianti Rufina nördlich von Florenz angebaut. Auf dem historischen Weingut Frescobaldi werden neben Sangiovese auch Malvasia nera, Merlot, Cabernet Sauvignon und Colorino beigemischt, was den Wein sowohl farblich (deutlich „heller“), als auch geschmacklich (etwas leichter) von den anderen beiden Vorschlägen unterscheidet. Gerade aber auch wegen seines geringeren Preises (je nach Jahrgang um die 13€) eignet sich dieser Chianti gut für einen ersten Einstieg in die Welt der Sangiovese-Traube.

Badia a Passignano Gran Selezione: Das genaue Gegenteil des Nipozzano ist dieser Spitzenwein der Badia a Passignano, die mittlerweile, wie soviele Weingüter, Antinori gehört. Dieser zu 100% aus Sangiovese-Trauben gekelterte Wein bedeutet auch geschmacklich einen deutlich Sprung nach oben. Sehr intensive Kirsch- und Schokoladearomen zeichen den Wein aus, der, je nach Jahrgang, allerdings zwischen 30€ und 40€ kostet.

Der einzige wirklich klassische Weißwein der Toskana ist der Vernaccia di San Gimignano. Auf Grund seines meist recht niedrigen Preises stößt man hier leider auch immer wieder auf weniger gute Vertreter, sodass man sich, wenn man keine Vorkenntnisse hat, dringend professionell beraten lassen sollte, oder auf ein bereits bekanntes Weingut zurückgreifen sollte. Der Name, der vom lateinischen Wort vernaculus (aus dem Ort stammend) herrührt, bezeichnet also nur die lokale Herkunft und wird in Italien häufig verwendet. Ein Beispiel wäre der Südtiroler Vernatsch. Daher hat diese Rebsorte den Zusatz „di San Gimignano“ erhalten, um eine klare Unterscheidung von den anderen Vernaccie des Landes zu ermöglichen.

Bereits seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar, verfügt der Vernaccia di San Gimignano über eine ausgeprägte Mineralität mit leichter Mandelnote. Auch Äpfel, Ananas oder Zitronenaromen kann der Wein beinhalten. Das Farbspektrum reicht von meist leicht blassem Goldgelb bis hin zu einem eher seltenen kräftigen Goldgelb, das z.B. einige Riserva-Varianten aufweisen. Höchstens 15% des Weines darf aus anderen Rebsorten gewonnen werden. Dazu zählen u.a. Riesling und Sauvignon blanc.

Vernaccia di San Gimignano Panizzi: Der Wein von Panizzi hat feine Fruchtnoten von grünem Apfel und Grapefruit und riecht leicht nach Ginster und Lindenblüten. Im Bereich der normalpreisigen Vernaccie war dies der Wein, der mir persönlich am besten geschmeckt hat.

Montenidoli Carato: Wahrscheinlich einer der besten Vernaccie ist der Carato von Montenidoli. Dieser wird 12 Monate im Fass ausgebaut und weitere 24 Monate in der Flasche gelagert und weißt einen deutlich kräftigeren Gelbton auf, als die meisten anderen Weine dieser Rebsorte. Der aus 100% Vernaccia-Traube gewonnen Wein hat intensive Zitronen- und Jasminaromen und kostet mit knapp 20€ bis 25€ (je nach Jahrgang, Verfügbarkeit etc.) auch relativ viel für einen Weißwein aus San Gimignano.

Die letzten beiden Weine, über die ich sprechen möchte, Vino Nobile di Montepulciano und Brunello di Montalcino haben leider ein großes Problem mit ihren Preisen. Hier braucht es extrem viel Zeit und gute Beratung überhaupt an Vertreter zu geraten, die „nur“ zwischen 20€ und 30€ die Flasche kosten, geschweige denn zusätzlich auch wirklich empfehlenswerte Vertreter zu sein.

Der Vino Nobile di Montepulciano ist bereits seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar und da er teilweise nur von Adeligen hergestellt werden durfte und ein großer Teil seiner Produktion an die Kurie und den Papst in Rom geliefert wurde, bürgerte sich im 18. Jahrhundert der Name des „Edlen Weins“ (Vino Nobile) ein. Auch er wird hauptsächlich aus der Sangiovese-Traube gewonnen (min. 70%), der Rest sind primär Canaiolo, Trebbiano und Malvasia Bianca Lunga. Der sehr köperreiche Wein wird bis zu drei Jahre (Riserva) in Eichen- oder Kastanienfässen ausgebaut und bringt meist starke Beerenaromen mit. Der Vino Nobile ist einer der Weine, den Jahre der Lagerung meist eher noch besser werden lassen. Bekanntes Beispiel für einen Vino Nobile wäre der Asinone von Poliziano, deren Palazzo direkt am Hauptplatz des Städtchens Montepulciano liegt.

Getrunken haben wir, da wir uns etwas gönnen wollten, den Salco von Salchetto, ein hervorragender Vino Nobile, der aber auch preislich über dem Budget liegt, das wir normalerweise für Weine bereit sind auszugeben.

Der dritte Sangiovese-Wein der Toskana ist der Brunello di Montalcino. Aus einer Spielart der Sorte, der sog. Sangiovese Grosso gewonnen gilt der Brunello, neben dem Barolo und dem Amarone als der Spitzenwein Italiens. Durch die rigorose Auswahl der Trauben und die strengeren Vorschriften bei der Vinifikation, weisen Brunellos komplexere und elegantere Aromen auf, als klassische Chiantis oder die Rosso die Montalcino. Die Aromatik eines Brunello di Montalcino ist geprägt von Fruchtnoten nach Kirschen, Pflaumen, Heidelbeeren, Cranberries oder Holunder. Erweitert wird das Bukett meist von Gewürz- bzw. Kräuteraromen, die an Eukalyptus, Minze oder Lorbeer erinnern.

Sowohl beim Brunello als auch beim Vino Nobile gibt es noch eine etwas einfachere Variante der Weine, die sog. Rosso. Diese reifen meist nicht so lange wie die großen Vorbilder und werden aus den weniger guten Trauben der Leese gewonnen. Dafür sind sie preislich meist deutlich günstiger, geschmacklich aber auch leichter und bei weitem nicht so intensiv.

San Gimignano

San Gimignano mit seinen charakteristischen Geschlechtertürmen

Wenn man über den Raccordo Florenz-Siena fährt, kann man die Geschlechtertürme von San Gimignano schon von weitem sehen. Dieser einzigartigen Stadtsilhouette hat San Gimignano seine heutige touristische Bekanntheit zu verdanken, auch wenn die Stadt weit mehr als „nur“ das zu bieten hat.

Direkt an der Via Francigena gelegen, ist der Aufstieg der Stadt untrennbar mit dieser Pilgerroute verbunden. Obwohl San Gimignano während des Mittelalters nie offiziell das Stadtrecht erhielt und eigentlich zur Diözese Volterra gehörte, ertrotzte sich die Kommune stadtähnliche Rechte und konnte sich zudem gegen seine Nachbarn Poggibonsi oder Castelfiorentino behaupten. Die Blütezeit, die untrennbar mit dem Safrananbau verbunden war, dauerte knapp 160 Jahre und als durch die Pest und die zunehmend mächtiger werdenden Nachbarn in Florenz und Siena die Eigenständigkeit nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte, blieb die Zeit in der Stadt quasi stehen. Daher präsentiert sich uns heute eine mittelalterliche Stadt von einer Reinheit, wie man sie andernorts dank Überformungen durch Renaissance und Barock kaum vergleichbar wiederfinden kann.

Die Kirche des Heiligen Augustinus war unser erster Stopp, nachdem wir das Auto außerhalb der Altstadt geparkt hatten. Die zwischen 1280 und 1298 errichtete gotische Kirche hat ein sehr schlichtes Äußeres, aber einge sehr bedeutende Fresken der Renaissance in ihrem Inneren.

An dieser Stelle ist u.a. im linken Kirchenschiff das Fresko eines Schutzmantel-Sebastians von Benozzo Gozzoli zu nennen. Gozzoli gilt als einer der produktivsten Freskenmaler seiner Zeit (1421-1497) und seine berühmtesten Arbeiten findet man in der Medici-Ricardi Kapelle in Florenz sowie auf dem Campo Santo in Pisa. Auf dem Fresko in San Gimignano schießt Gottvater Pfeile auf die Menschen, die durch den Mantel des Heiligen Sebastian geschützt werden. Jesus und Maria darüber entblösen ihre Wunden/Brüste um Gottvater zur Milde der Menschheit gegenüber zu bewegen.

Die vollfreskierte Apsis war leider coronabedingt nicht zugänglich, ist aber mit fantastischen Fresken voll ausgemalt. Auf der linken Seite sind Szenen der Augustinusgeschichte von Benozzo Gozzoli zu sehen, während rechts Fresken von Bartolo di Fredi (1374-75) mit Szenen u.a. der Mariengeschichte zu sehen sind. Dieser Freskenschmuck ist ein absolutes Highlight und gehört in meinen Augen zu den schönsten Ausmalungen der Toskana (zugegebenermaßen bin ich aber auch ein großer Gozzoli Fan).

San Gimignano ist jedoch nicht nur wegen seiner atemberaubenden Kunstschätze und des tollen mittelalterlichen Stadtbildes eine Reise wert, sondern auch Heimat des einzigen klassischen Weißweines der Toskana. Der Vernaccia di San Gimignano besitzt seit 1966 als erster italienischer Wein eine geschützte Herkunftsbezeichnung und darf zu maximal 15% andere weiße Rebsorten wie Sauvignon blanc und/oder Rießling enthalten. Entlang des Weges zur Piazza delle Erbe findet man daher zahlreiche Enotecen, bei denen man die ein oder andere Flasche (am besten auf dem Rückweg zum Auto) erwerben kann. Über die Weine der Toskana ganz allgemein möchte ich in einem separaten Beitrag einige Empfehlungen aussprechen.

Vom Eintritt für die Kollegiatskirche Santa Maria Assunta sollte sich bitte niemand abschrecken lassen, denn diese bietet einen der zweifellos beeindruckendstend freskierten Kircheninnenräume Italiens, vielleicht sogar Europas. Da San Gimignano nie Bischofssitz war, ist es nicht korrekt vom Dom der Stadt zu sprechen, auch wenn sich diese Bezeichnung immer wieder findet, da selbst der Platz vor der Kiche Piazza Duomo genannt wird.

1148 wurde die Kirche geweiht, 1239 umgebaut und unter Giuliano da Maiano 1460 vergrößert. Im Jahr 1932 erhob Sie Papst Pius XI. zur basilica minor. Die Pracht der Kirche rührt von ihrem komplett freskierten Inneren her, das größtenteils ein Werk Bartolo di Fredis ist. Allerdings finden sich auch einzelne Werke Benozzo Gozzolis, Domenico Ghirlandaios und anderer Künstler.

Auf den Wänden der beiden Seitenschiffe befinden sich Freskenzyklen zur Geschichte den Alten Testaments (etwa Szenen der Mose-Geschichte oder der Geschichte Hiobs) sowie Szenen aus dem Neuen Testament, die v.a. das Leben Jesu zum Thema haben. Von Domenico Ghirlandaio stammt das Fresko der Beerdigung der Heiligen Fina. Ghirlandaio war ein Florentiner Maler, zu dessen berühmtesten Schülern Michelangelo zählt, der für einige Zeit in der Werkstatt Ghirlandaios mithalf. Die Heilige Fina, die hier dargestellt wurde, ist die Stadtpatronin von San Gimignano und die ihr gewidmete Kapelle in der Kirche gilt als Kunstschatz von weltweiter Bedeutung.

Die Höllenszene des Jüngsten Gerichts

Das von Taddeo di Bartolo 1393 geschaffene Fresko des Jüngsten Gerichtes ist das, was mich persönlich in der Kirche am meisten beeindruckt hat. Die Darstellung der Hölle, in der all die gequält und gefoltert werden, die eine der sieben Todsünden begangen haben, lässt der Phantasie kaum Spielraum, was sich der Künstler und die Menschen seiner Zeit unter den Höllenqualen vorgestellt haben.

Von der Kollegiatskirche geht es weiter zur Piazza della Cisterna, dem vielleicht schönsten mittelalterlichen Stadtplatz der Toskana.

Wahrscheinlich durch Corona bedingt waren sowenige Menschen wie selten in San Gimignano unterwegs, so dass die Piazza della Cisterna so authentisch wirkte wie selten. Durch die fehlenden Besuchermassen kam die den Platz ungebende mittelalterliche Bausubstanz wunderbar zur Geltung und verlieh dem Ort fast etwas magisches. Da auch das Betreten der Geschlechtertürme dieses Jahr nicht möglich war (Abstand wäre bei den schmalen Treppenaufgängen unmöglich gewesen), endete hier unsere Tour durch die Stadt und wir haben nur noch einen Blick vom Rande der Stadt in die Umgebung geworfen.

Blick auf das Umland von San Gimignano