Winterzauber

Am Fronhof Augsburg

Am 06.01.2021 war es endlich mal wieder soweit. Auch nach Augsburg hatte sich ein bisschen Schnee verirrt und die Stadt hatte wieder ein klein wenig weißen Winterzauber zu bieten. Da Schnee in den letzten Jahren dank des Klimawandels aber immer seltener geworden ist und meist auch nur wenige Stunden, vielleicht mal zwei/drei Tage liegen bleibt, muss man sofort raus und dieses Ereignis festhalten. Aufgrund der Corona-Einschränkungen und des Feiertages (Heilige Drei Könige) lag über allem eine relative Ruhe.

In meinen Augen einer der (vielen) Vorteile meiner Heimatstadt ist, dass man nicht groß rausfahren muss, um etwas Natur erleben zu können, sondern allein entlang des Augsburger Stadtgrabens bereits einige wunderschöne Ecken zu Fuß erreichbar sind. Natürlich bewegen wir uns immer noch in einer Großstadt und nicht im Wald, aber ich kenne wenige Städte mit ähnlich vielen Einwohnern (knapp über 300.000), die im Bereich der Altstadt so viele und weitläufige Grünanlagen und Naturbereiche haben, wie Augsburg.

Als unverbesserlichem Kulturliebhaber und speziellem Enthusiasten für unseren Dom, mussten wir natürlich auch einen Abstecher über den Hofgarten, Fronhof und den Dom (zumindest von Außen) machen. Zudem begegnet man auf diesem Weg weniger Menschen und kann wegen der weitläufigen Anlage auch gut Abstand halten, was in den heutigen Tagen sicherlich nicht von Nachteil ist.

Der Rathausplatz

Auch in Coronazeiten, in denen es keinen Christkindlesmarkt geben konnte, wurden zumindest wieder der Weihnachtsschmuck, der große Christbaum und der Adventskalender am Verwaltungsgebäude aufgebaut/eingerichtet, um ein gewisses Maß Normalität zu simulieren. Das ganze bei Dunkelheit, beleuchtet und mit Weihnachtsmarkt, inklusive der Gerüche nach Würstchen, heißen Maronen, Glühwein und gebrannten Mandeln muss man aber selbst erlebt haben.

Auch im Winter besonders stimmungsvoll ist ein Spaziergang durch das verschneite Lechviertel mit seinen kleinen Kanälen und den teils noch erhaltenen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handwerker- und Bürgerhäusern.

Wie sehr aber nicht nur die Häufigkeit des Schneefalls in Augsburg, sondern auch dessen Menge zurückgegangen sind, fällt auf, wenn man sich meine Bilder von vor 15 Jahren anschaut, die damals noch relativ normal waren.

Am besten kann man den Unterschied aber wohl daran festmachen, wenn man den selben Ort damals und heute gegenüberstellt. An unserem Teil des Stadtgrabens konnte man in meiner Kindheit noch jedes Jahr mit Schlittschuhen auf den zugefrorenen Graben oder Eishockey spielen. Mittlerweile friert der Graben in fast keinem Jahr mehr überhaupt zu, geschweige denn so, dass das Eis dick genug würde, Menschen tragen zu können.

Skifahren im Oberengadin

Blick auf die Oberengadiner Seen

An aller erster Stelle bin ich meinen Eltern zu großem Dank verpflichtet, die es mir ermöglicht haben, diese außergewöhnliche Skiregion rund um St. Moritz erleben zu dürfen. Nicht nur, dass während der Skisaison die Unterkünfte enorm teuer sind (und ich spreche hier nicht von den Luxushotels in St. Moritz oder Pontresina, sonderen von einfachen Ferienwohnungen), auch die normale Tageskarte etwa für den Piz Corvatsch liegt zwischen 74 und 85 Schweizer Franken. Das Abo für 10 Tage schlägt mit 690 Schweizer Franken zu Buche (Stand Januar 2020), dafür darf man aber im gesamten Oberengadin jedes der Skigebiete und kostenlos die Postbusse nutzen.

Dafür kann man in den 4 großen Skigebieten Corvatsch/Sils Furtschellas, Corviglia/Piz Nair, Diavolezza und Lagalb auf über 200 Pistenkilometern nicht nur unendlich viel Zeit auf unterschiedlichen Pisten verbringen, sondern auch ein grandioses Alpenpanorama mit über 4000m hohen Bergen genießen.

Auch der Ausblick von den Gipfelstationen und während der Abfahrt des Hahnensees (schwarze Piste) nach St. Moritz sind beeindruckend. Zudem ist die Region relativ schneesicher, da bereits die Ortschaften im Tal auf über 1800m liegen, trotzdem wird auch hier alles beschneit und der Lärm des Après Ski ist leider nicht zu überhören. Mit dieser, in meinen Augen, absoluten Unsitte der Rundumbeschallung bei gleichzeitig hohen Alkoholpegeln muss man heute wohl leider überall rechnen. Trotz der Preise sind auch die unangenehmen Seiten des Wintersports nicht spurlos am Oberengadin vorbeigegangen. St. Moritz selbst ist der Ort der Reichen und Möchtegernschönen, die sich auch gerne per Heli auf den Berg fliegen lassen, um nicht mit dem „Normalvolk“ die Gondeln nützen zu müssen. Hier wird dann auch Pelz getragen und bei den Preisen der Schaufenster von Cartier, Rolex etc. können ganze Familien ein Jahr lang gut leben.

Wenn man all dem entgehen möchte, sollte man mit dem Auto oder per Postbus zum Skigebiet Diavolezza/Lagalb fahren und die Abfahrt über den Morteratschgletscher nehmen. Diese ist allerdings nur für geübte Skifahrer zu empfehlen, da sie nicht präpariert wird und teils sehr steil ist. Auch das Verlassen der markierten Strecke sollte bei fehlender Ortskenntnis wegen Lebensgefahr tunlichst vermieden werden.

Blick über den Morteratschgletscher

Selten habe ich mich selbst so ergriffen von der Größe und Einzigartigkeit der Natur gefühlt, wie hier auf dem Gletscher umgeben von knapp 4000 Meter hohen Bergen. Wie man auf dem Bild aber leider sehen kann, hat der Gletscher seit 1900 knapp 2,5 Km an Länge verloren und selbst ich konnte in meiner Lebenszeit einen sichtbaren Rückgang erkennen. Trotzdem ist es noch der volumenstärkste Gletscher der Ostalpen und hat knap 6,4 Km Länge. Umgeben ist er u.a. vom Piz Palü 3900m, dem Piz Zupò 3996m, dem Piz Argient 3945m und dem Piz Bernina mit 4049m.

Blick auf die umgebenden Gipfel

Wenn man Glück hat kann man während man der Piste folgt beeindruckende Eiswülste, Höhlen und Wände aus grünem Eis sehen, deren Größe man erst wirklich nachempfinden kann, wenn ein Mensch als Vergleichsgröße davorsteht.

Rothenburg ob der Tauber

Blick auf die Altstadt Rothenburgs vom Burggarten aus

Rothenburg ob der Tauber ist zweifellos einer der touristisch bekanntesten Orte Deutschlands und liegt an der Romantischen Straße zwischen Würzburg und Füssen. Das merkt man vor allem an den Massen an Touristen die sich auch bei schlechtem Wetter durch die kleine Stadt (11.000 Ew.) schieben.

Nachdem König Konrad III. 1142 mit dem Bau der Rothenburg (heutiger Burggarten) begann, entwickelte sich auch die gleichnamige Stadt, die bis Mitte des 13. Jahrhunderts ihre noch heute intakte Stadtbefestigung erhielt. 1274 zur Reichsstadt erhoben, kam Rothenburg aber politisch wie wirtschaftlich nie über den Status einer Kleinstadt hinaus. Trotz der Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges und der schweren Bombardierungen kurz vor Kriegsende 1945 konnte die Stadt fast vollständig ihren urprünglichen mittelalterlichen Charme bewahren, was sie für knapp zwei Millionen Touristen jährlich zum Inbegriff des deutschen Mittelalters werden lässt. Dass die Bausubstanz Rothenburgs 1945 fast zu Hälfte zerstört wurde und wiederaufgebaut werden musste, sieht man ihr als Laie an keiner Stelle an.

Wenn man außerhalb der Stadt geparkt hat, betritt man durch die im 14. Jahrhundert gebaute äußere Stadtmauer die „Neustadt“, ehe man durch einen weiteren Mauerring aus dem 12. Jahrhundert die „Altstadt“ erreicht. Neben den tollen Fachwerkhäusern entlang der Gassen der Altstadt laden auch das mittelalterliche Kriminalmuseum, das deutsche Weihnachtsmuseum (Käthe Wohlfahrt) oder das Reichsstadtmuseum zum Besuch auch mit Kindern ein.

Wenn man durch die Hauptgassen Rothenburgs streift, dann fällt sofort auf, dass man sicherlich nicht Hungers sterben wird, denn so viele Restaurants auf so wenig Raum habe ich bislang selten gesehen. Wenn man sich allerdings den Marktplatz bei sehr mäßigem Wetter Anfang August ansieht, wird klar weshalb dieses Angebot notwendig ist.

Einer der kunstgeschichtlich größten Schätze der Stadt befindet sich in der Stadtkirche St. Jakob. Zwischen 1311 und 1484 erbaut, wurde die Kirche während der Jahre 2005 bis 2011 aufwendig (9 Millionen Euro) saniert. Neben dem spätgotischen Zwölf-Boten-Altar im Ostchor der Kirche ist vor allem der Heiligblutaltar Tilman Riemenschneiders ein Pflichttermin für jeden Kunstbegeisterten. Zwischen 1500 und 1505 für die Heiligblutreliquie geschnitzt (als ob ein Apostel beim letzten Abendmahl ein Fläschchen dabei hatte, um einen Tropfen des Abendmalkelches aufzufangen, weil könnt ja mal als Reliquie wichtig werden…) zeigt er Szenen des späten Lebens Jesu. Neben dem Einzug nach Jerusalem sind das das letzte Abendmahl sowie die Szene am Ölberg.

Die künstlerische Gestaltung der Figuren (die ausdrucksstarken Gesichter sowie der detaillierte Faltenwurf der Gewänder) zählt zum besten was am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance im heutigen Deutschland geschaffen wurde. Riemenschneider befindet sich ohne Frage auf Augenhöhe mit anderen Meistern dieses Faches wie Michael Pacher, Hans Multscher, Veit Stoß oder Hans Schnatterpeck, ist aber ungleich bekannter als diese und zieht daher heute auch mehr Touristen an.

Den Burggarten Rothenburgs sollte man nicht nur wegen des wirklich traumhaften Blickes auf die Altstadt besuchen, sondern auch, weil es eine wirklich schön angelegte Anlage ist, die zum Spazierengehen und Verweilen einlädt. Hier befand sich auch die von Konrad III. errichtete Burg von der heute noch die Blasiuskapelle (ehemals Palas der Hinterburg) erhalten geblieben ist. Hier residierte früher wahrscheinlich der Reichsvogt (Verwalter der Burg im Namen des Königs). Zwischen 1397 und 1400 wurde das Gebäude zum Sakralraum umgewidmet und mit Wandmalereien ausgeschmückt.

Wegen dieser Staufergründung der Burg befindet sich auch eine Stauferstele auf dem Gelände, deren Sinn sich mir allerdings nicht wirklich erschließt. Ursprünglich sollten diese Stelen Orte von besonderer Bedeutung für die Staufer kennzeichnen (Todesort Friedrichs II. in Castel Fiorentino/Apulien war daher auch die erste errichtete Stele). Rothenburg ob der Tauber war nun aber zweifellos kein besonders wichtiger Ort für die Staufer und allein die Gründung der Burg ist doch ein recht belangloser Aufhänger. Dann gäbe es hier im Süden kaum einen Ort, der nicht eine Stauferstele bekommen müsste. Vielmehr scheint man hier die Bekanntheit Rothenburgs als Touristenmagnet für das Projekt abgreifen zu wollen.

Nördlingen und Harburg

Blick auf Nördlingen

Entlang der Romantischen Straße in Bayern gibt es viele Orte und Plätze an denen sich ein Zwischenhalt lohnt. An einem Tag sehr gut zu verbinden sind die Besichtigung der Altstadt von Nördlingen und der gut 20km entfernt liegenden Harburg.

Nördlingen war 1215 durch Kaiser Freidrich II. zur Stadt erhoben worden und blieb bis 1802 freie Reichsstadt (und war damit kein Teil des Hzgt. Bayern). Geographisch liegt die Stadt inmitten des sog. Nördlinger Ries, eines gigantischen Einschlagkraters eines Meteoriten, der vor ca. 15 Millionen Jahren an dieser Stelle die Erde getroffen hat. Gerade auch für Kinder interessant ist daher der Besuch des RiesKraterMuseums in Nördlingen.

Architektonisches Wahrzeichen der Stadt ist der Daniel, der weithin sichtbare Turm der St. Georgs Kirche in Nördlingen. Von der Spitze des Turms hat man nicht nur einen fantastischen Blick auf die Altstadt, sondern kann bei gutem Wetter auch weit über das Nördlinger Ries bis zu den Kraterwänden schauen.

Die komplett erhaltene Stadtmauer, die eine Länge von gut 2,7km aufweist, wurde zwischen 1327 und 1400 errichtet und ist heute komplett begehbar. Zudem lohnt es sich wirklich gemütlich durch die Altstadt zu schlendern und die größtenteils erhaltene mittelalterliche und renaissancezeitliche Architektur auf sich wirken zu lassen. In St. Georg ist vor allem das Chorgestühl von 1500 sehenswert.

Die Harburg, oberhalb der gleichnamigen Ortschaft an der Wörnitz, existiert seit ca. 1100 und gehört heute dem fürstlichen Hause Oettingen-Wallerstein. Schon 1299 wurde die Burg an die Grafen von Oettingen verpfändet und seit 1731 gehört sie der Familie Oettingen-Wallerstein. Sie gilt als eine der ältesten und besterhaltenen Burganlagen Süddeutschlands.

Die Harburg von Außen

Das Innere der Burg kann nur in einer einstündigen Führung besichtigt werden, lediglich den Innenhof kann man auch alleine betreten. Das Ensemble Harburg stammt heute aus ganz unterschiedlichen Zeitepochen. Von der ursprünglichen Burg des 12. Jahrhunderts sieht man nur noch wenig, der Fürstenbau entstand im 16. Jahrhundert als Residenz, die ehemals romanische Schlosskapelle wurde im 18. Jarhundert nahezu komplett barockisiert.

Im Innenhof mit Blick auf den Fürstenbau

Goslar

Die Kaiserpfalz von Goslar

Direkt an der Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gelegen, war ein Besuch Goslars ein fast schon logischer Abstecher bei einer Fahrt entlang der Straße der Romanik. Durch den Silberbergbau im nahegelegenen Rammelsberg begann der Aufstieg Goslars 979 und 1290 erreichte die Stadt den Status einer freien Reichsstadt, den sie bis 1802 beibehielt. Obwohl Goslar nicht Teil der Straße der Romanik ist, kann man eigentlich keinen Grund finden, diese Stadt nicht trotzdem im Rahmen einer solchen Rundfahrt, etwa von Wernigerode aus, zu besichtigen.

Die wichtigste Zeit Goslars begann 1009, als sich der Ort bzw. die Pfalz zum Herrschaftsmittelpunkt der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches entwickelte. Unter Heinrich III. (Vater des „Canossa-Heinrichs“) wurde Goslar endgültig Zentrum des Reiches und der Bau der monumentalen Kaiserpfalz begann. Zwischen 1040 und 1050 entstand hier mit 54 m das längste weltliche Gebäude der damaligen Zeit. Bis ins 12. Jahrhundert, in die Zeit der Staufer, lassen sich weitere Baumaßnahmen nachweisen, ehe ab dem 13. Jahrhundert Goslar fast völlig an Bedeutung verlor.

Der ehemals direkt vor der Pfalz stehende Dom wurde leider 1819 abgerissen und weite Teile der Pfalz waren als Lagerhäuser oder Gefängnis umfunktioniert worden. Erst unter den Hohenzollern ab der Reichsgründung 1871 erfuhr Goslar wieder mehr Aufmerksamkeit, war es doch der perfekte Anknüpfungspunkt der neuen Kaiser an die mittelalterliche Kaiserherrlichkeit. Die Pfalz wurde grundlegend restauriert, der Kaisersaal erhielt seine heutige Ausmalung und die beiden monumentalen Reiterstandbilder Barbarossas (Altes Reich) und Wilhelms I. (Neues Reich) wurden vor der Pfalz aufgestellt. Goslar wurde zum achitektonisch-künstlerischen Propagandaort der Hohenzollern.

Der Komplex der Kaiserpfalz kostet Eintritt, bietet aber im Erdgeschoss ein wirklich schön gemachtes Museum zur Entstehung und Geschichte der Pfalz und beherbergt z.B. den Kaiserstuhl aus dem 11. Jahrhundert, der früher im Dom stand. Im 1. Stock dann kann man die Haupthalle besichtigen, die von Hermann Wislicenus 1877 bis 1890 ausgemalt wurde. Die Bilder zeigen wichtige Kaiserfiguren und Ereignisse des Heiligen Römischen Reiches (von Karl dem Großen bis Luther) und kumulieren im zentralen Gemälde, das die Verherrlichung der Hohenzollern zum Thema hat, die damit an die alten Kaisertraditionen anknüpfen wollten.

Über einen Verbindungsgang erreicht man dann die Ulrichskapelle, benannt nach dem Heiligen Bischof Ulrich von Augsburg, der 955 an der Seite Ottos I. auf dem Lechfeld gekämpft hatte. Als Doppelkapelle konzipiert, befindet sich in der unteren Kapelle das Grabmal Heinrichs III. (Deckplatte ziert eine Plastik des 13. Jahrhunderts), dessen Herz dort seit 1884 aufbewahrt wird. Seit 1992 ist der gesamte Komplex der Kaiserpfalz (das bis heute besterhaltene Profangebäude seiner Zeit in Deutschland) UNESCO-Weltkulturerbe. Dieser Titel erstreckt sich auch auf das Bergwerk am Rammelsberg und die gesamte Goslaer Altstadt, die einen ausgedehnten Besuch wert ist!

Von der mittelalterlichen Stadtbesfestigung Goslars ist heute nicht mehr viel erhalten geblieben. Allein das Breite Tor, das ehemals wichtigste Stadttor Goslars aus dem Jahre 1443, erinnert noch an die mächtigen Mauern und Festungswerke der Stadt.

Die gesamte Altstadt ist geprägt durch Fachwerkhäuser. Dabei sind es nicht einige wenige schöne Gebäude entlang der Hauptstraßen und -plätze, sondern wirklich die gesamte Altstadt die hier oft wunderschöne Häuser zu bieten hat. Deswegen verpasst man in der Tat einiges, wenn man sich nicht ein bisschen Zeit abseits der direktesten Verbindungswege nimmt. Hier wären das St. Annenhaus (ältestes vollständig erhaltenes Fachwerkaus von 1488), das Haus der Familie Siemens aus dem 17. Jahrhundert, das Haus der Bäckergilde von 1501, die Kemenate Röver, das Heilig Kreuz Spital oder die Lohmühle (frühes 16. Jahrhundert) als markanteste Beispiele zu nennen.

Auch einige Kirchen verdienen einen genaueren Blick. Zum einen wäre hier die Jakobikirche zu nennen, die zwischen 1054 und 1079 errichtet wurde. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden das Westwerk mit seinen Turmaufsätzen errichtet sowie die Flachdecke des Mittelschiffes durch ein Gewölbe ersetzt und das Langhaus erhöht. 1506-1512 wurden die Seitenschiffe abgerissen und höher wieder aufgebaut und das Gebäude in eine Hallenkirche umgewandelt. Große Teile der barocken Ausstattung stammen aus dem aufgehobenen Stift Riechenberg. Besondere Beachtung verdient die spätgotische Pietà von Hans Witten aus dem Jahre 1520. Gerade der äußerst grimmige Gesichtsausdruck Mariens und der fast unnatürlich gekrümmte Fuß Jesu sind mir in Erinnerung geblieben.

Direkt am Hauptplatz Goslars liegt die Marktkirche St. Cosmas und Damian, die erstmals 1151 urkundlich erwähnt wird. Besonders beachtenswert ist der Fensterzyklus von 1250, der der älteste erhaltene Zyklus mit Darstellungen aus dem Leben der Heiligen Cosmas und Damian ist. Leider waren diese bei unserem Besuch nicht zugänglich. Auch die Neuwerkkirche aus dem 12. Jahrhundert ist einen Besuch wert, für den uns damals aber die Zeit fehlte.

Der zentrale Platz Goslars ist der Marktplatz an dem unter anderem das 1484 errichtete Gildehaus der Gewandschneider, der heutige Kaiserworth steht. Noch heute zeugt der aufwändige Bau vom Reichtum der Gilde, auf den auch ganz unmittelbar die Figur der Abundantia, die Göttin des Überflusses, und das unter ihr hockende Dukatenmännchen verweisen. Seit 1831 wird das Gebäude als Gasthaus und Hotel betrieben. Auch am Marktplatz liegt das Rathaus von Goslar, was bei unserem Besuch wegen Bauarbeiten leider komplett geschlossen war. Im Rathaus befindet sich der Huldigungssaal, der von einem unbekannten Meister 1501 bis 1515 ausgemalt wurde. Diese ehemalige Ratsstube ist mit ihrer Ausmalung ein besonderes Beispiel profaner Raumkunst der Spätgotik in Deutschland, mit Anzeichen einer beginnenden Renaissance.

Abends waren wir im Brauhaus Golsar gegenüber der Kirche St. Cosmas und Damian und hatten mit Hannah eine der freundlichsten Kellnerinnen, die uns seit langem begegnet ist. Neben Gose-Bier aus dem Harz habe ich zum ersten Mal vom Harzer roten Höhenvieh kosten können.

Kloster Jerichow

Das Kloster Jerichow

Als ich mich vor Antritt unserer Reise mit der Straße der Romanik beschäftigt habe, hatte ich ehrlich gesagt noch nie etwas von Kloster Jerichow gehört. Nach meinem Besuch kann ich nicht mehr verstehen, wie mir etwas so Außergewöhnliches so unbekannt gewesen sein konnte. Der Name Jerichow leitet sich wohl aus dem Slawischen ab und bedeutet soviel wie „Burg der Tapferen“. Das ehemalige Prämonstratenser-Chorherrenstift wurde 1144 vom Bremer Erzbischof Hartwig I. gegründet. Die Stiftskirche St. Marien und St. Nikolaus ist das älteste Backsteingebäude östlich der Elbe und zählt zu den schönsten und wichtigsten Backsteinbauten der deutschen Romanik.

Über den 1220 bis 1230 errichteten Kreuzgang betritt man heute die Anlage und gelangt von dort in unterschiedliche noch erhaltene Räumlichkeiten des Klosters, wie das Winter- und das Sommerrefektorium oder Vorratsräume. Da das Kloster in der Reformation aufgehoben wurde und während des Dreißigjährigen Krieges verwüstet wurde, gingen viele der ursprünglichen Einrichtungsgegenstände verloren. Vor allem den Restaurierungsarbeiten Ferdinand von Quasts (siehe auch Gernrode) ist es zu verdanken, dass der Zerfall aufgehalten wurde. Zwische 1955 und 1960 wurde der Innenraum der Kirche stilrein romanisch wiederhergestellt. Trotzdem musste 1998 die gesamte Anlage vorübergehend wegen gravierender Schäden baupolizeilich gesperrt werden. Diesen ehemals besorgniserregenden Zustand kann man heute noch an manchen Stellen erahnen.

Die Stiftskirche ist eine fünfjochige flachgedeckte Säulenbasilika und zeigt das vollständige Bauprogramm einer romanischen Kirche mit Krypta, Querhaus und dreiteiligem Chor. Um 1172 dürfte der Bau, einer Urkunde folgend, beendet gewesen sein. Die um 1256 errichteten Türme und der zweigeschossige Ausbau des südlichen Nebenchores weisen bereits gotische Strukturen auf. In der Krypta zeugen die aufwendig gearbeiteten Sandsteinkapitelle der Säulen vom hohen kunsthandwerklichen Können der wahrscheinlich oberitalienischen Steinmetze, die am Bau der Stiftskirche von Jerichow mitgearbeitet haben.

Zu erwähnen ist weiterhin ein Taufstein aus Sandstein aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der an der sechzehnseitigen kannelierten Kuppa mit Halbkreisschilden und Blattwerk verziert ist. Ein zweiter achtseitiger Taufstein entstammt spätgotischer Zeit. Auch mehrere Grabplatten des 14. Jahrhunderts kann man in der Kirche noch besichtigen.

Wernigerode

Westernstraße Wernigerode

Die letzte Station auf unserer Rundfahrt entlang der Straße der Romanik war Wernigerode. Die genauen Ursprünge der Stadt sind bis heute nicht endgültig geklärt, das Stadtrecht erhielt sie erst 1229, also lange nach der Zeit der Ottonen. Trotz Plünderungen und Brandschatzungen während des Dreißigjährigen Krieges zeichnet sich die Altstadt Wernigerodes auch heute noch durch eine große Zahl wirklich toll hergerichteter Fachwerkhäuser aus.

Als wir die Stadt am Westerntorturm betreten haben, war es schon kurz vor Mittag gewesen, weswegen wir am Rathausplatz ein gemütliches Restaurant gesucht haben. Schlussendlich landeten wir im Ratskeller der Stadt, wo wir im Freien sitzend sehr gute Wildgerichte mit einem Gläschen Rotwein aus der Gegend zur Stärkung der Lebensgeister zu uns genommen haben. Das Rathaus selbst entstand in mehreren Bauphasen und erhielt seine heutige Form nach dem großen Brand von 1521. Besonders bemerkenswert sind die geschnitzten Figuren, mit denen die Geschoss- und Dachüberstände verziert sind. Es gilt als eines der schönsten Rathäuser Europas.

Oberhalb der Stadt erhebt sich das Schloss Wernigerode, das seine heutige Form erst im 19. Jahrhundert erhielt und dadurch zu einem Leitbau des norddeutschen Historismus wurde. Meine Begeisterung hielt sich in ähnlich überschaubaren Grenzen wie beim Vorzeigeschloss Bayerns (Neuschwanstein). Das Museum im Schloss wiederum ist durchaus beachtenswert. In annähernd 50 Räumen werden original eingerichtete Wohnräume des deutschen Adels vor 1918, sowie thematische Räume zur Geschichte der Familie Stolberg-Wernigerode und zum zweiten deutschen Kaiserreich gezeigt. Zusätzliche Schwerpunkte sind außerdem Kunsthandwerk und Möbel vom 16. bis ins 19. Jahrhundert.

Schloss Wernigerode

Für mich persönlich lag das eigentliche Highlight der Stadt außerhalb der ummauerten Altstadt, nämlich in der im 13. Jahrhundert im Nordosten anschließenden Neustadt. Dort befindet sich die spätromanische Pfarrkirche St. Johannis.

St. Johannis

Mit ihrer noch ursprünglichen romanischen Grundsubstanz ist sie heute die älteste erhaltene Kirche Wernigerodes und wurde 1279 fertiggestellt. Das romanische Langhaus der Kirche wurde im 15. Jahrhundert zur dreischiffigen Hallenkirche umgebaut und 1497 vollendet.

Ein wirklich ganz besonderes Kunstwerk ist der 1415 geschaffene Schnitzaltar der Gotik. Stilistisch weist der Altar auf eine traditionelle Schulung der Meister in Niedersachsen und auch auf böhmische Einflüsse hin. Heute zeigt seine prächtige Festtagsseite (mit den geschnitzten Figurengruppen) in die Kirche. Wenn man den Altar umrundet zeigt sich auf der Rückseite die bemalte Werktagsseite. Beide Seiten zeugen vom hohen künstlerischen Vermögen der Schaffer und sind dank mehrerer umfassender Sanierungen heute in einem hervorragenden Zustand. Dieses Meisterwerk sollte man sich unbedingt angesehen haben, auch die Holzkanzel aus der Zeit 1600-1615 ist ein beachtenswertes Werk der norddeutschen Spätrenaissance.

Wasserschloss Westerburg

Im Innenhof der Westerburg

Der Aufenthalt auf der ältesten Wassersburg Deutschlands sollte für uns der Höhepunkt und vor allem auch Ruhepunkt unserer Rundreise durch Sachsen-Anhalt sein. Traumhafte Kulisse und ein 4 Sterne Spa-Hotel, was soll hier noch schiefgehen!? Ehrliche Antwort: So gut wie alles. Ich habe selten ein so schlechtes Gesamterlebnis in einem Hotel zu solch gesalzenen Preisen erlebt wie dort. Die Zimmer haben seit mindestens 20 Jahren keine Erneuerung erfahren (Matratze hart, Putz blättert ab, Möbel bestoßen, Teppich fleckig) und bzgl. Sauberkeit muss man leider konstatieren, dass ich zu Hause besser putze, als es hier im Hotel wurde (Schimmel in den Fugen der Dusche, Staub auf den Schränken und in den Ecken etc.). Und wer mich kennt, ich bin alles anderer als ein Putzfanatiker… Den Spa-Bereich haben wir deshalb auch vorsichtshalber gar nicht erst besucht.

Das Essen war eines 4Sterne-Hauses nicht würdig. Das angeblich hausgemachte Kartoffel-Rösti kam erst gar nicht, dann aus der Verpackung, der Salat war nicht angemacht und der gebeizte Lachs war auch aus dem Supermarkt. Das Frühstück war in der Menge ordentlich, aber alles abgepackte Ware, nichts frisch. Und der Service war quasi nicht existent. Tische blieben eine halbe Stunde unabgeräumt, aufs Essen musste man über eine Stunde warten (auf unangemachten Salat, abgepackten Lachs und ein versprochenes aber nicht geliefertes Kartoffelrösti), während das Personal aber sichtbar in mehrfachen Raucherpausen verschwand…. Beim Check-Out wurde nicht mal gefragt, ob alles gepasst hätte bzw. wie es uns gefallen hätte. Da bieten manche 2 Sterne-Häuser mehr als dieses angebliche 4 Sterne Superior.

Stand August 2019, gilt daher für jeden die Empfehlung meinerseits; die Westerburg ist einen Abstecher wert, um die Burg als solches zu besichtigen, aber übernachten sollte man tunlichst woanders.

Wie man den Bildern oben entnehmen kann, die Kulisse ist ein Traum. Um 1180 wurde die Westerburg umfassend ausgebaut und die Regensteiner Grafen machte sie zu einem ihrer Hauptsitze. Aus dieser Zeit stammt auch der mächtige 33 m hohe Bergfried. Auf einem schmalen Weg durch den kleinen Wald kann man die Burg umrunden und von allen Seiten betrachten. Die Westerburg ist definitiv eine der schönsten Burgen auf der Straße der Romanik, umso ernüchternder ist es, dass man eine solche Destination, die ohne jeden Aufwand so viel bietet, so gegen die Wand fahren kann.

Helmstedt

Fachwerkhäuser in Helmstedt

Auf unserer Fahrt von Stendal zur Westerburg, wo wir übernachten wollten, war ein Zwischenstopp in Helmstedt sicherlich nicht eingeplant gewesen. Eher aus Verlegenheit, da wir auf der Suche nach einer Gelegenheit zum Mittagessen waren, haben wir diesen Abstecher unternommen. Wie sich noch herausstellen sollte war das eine der besten Entscheidungen des Urlaubs. Helmstedt selber ist ganz nett und hat einige wirklich schöne Fachwerkhäuser, aber eigentlich war das Mittagessen das wichtige. Da die Westerburg leider richtig mies war (in allen Belangen außer der Burgoptik), waren wir sehr froh, uns abends mit einem völlig ungenügenden Salat zufrieden geben zu können. Dazu an anderer Stelle mehr.

Die ehemalige Hansestadt (1426 bis 1518) ist heute vor allem für die über 400 Professoren- und Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert bekannt. Die Universität Academia Julia war 1576 von Herzog Julius zu Braunschweig-Lüneburg gegründet worden und prägte bis 1810 das Leben der Stadt. Hier lehrte neben Georg Calixt oder Hermann Conring auch der berühmte Italiener und Verfechter der Lehren des Kopernikus, Giordano Bruno. Dieser wurde später, wegen seiner Ansichten, in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Daran erinnert in der ewigen Stadt auf dem Campo dei Fiori bis heute die Statue Giordano Brunos.

Während der deutschen Teilung war Helmstedt-Marienborn einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen der BRD und der DDR.

Hansestadt Tangermünde

Der Eulenturm am Eingang zur Tangermünder Altstadt

Die Hansestadt Tangermünde stand überhaupt nicht auf unserem Reiseplan entlang der Straße der Romanik. Generell war jeder Reisetag voll verplant und wir mussten während der Rundfahrt das ein oder andere Ziel, wie Halberstadt oder Schloss Bernburg streichen, weil es nicht machbar war. Als wir aber von Havelberg/Kloster Jerichow kommend nach Stendal fuhren, konnten wir von der Bundesstraße aus in der Ferne die Türme einer Stadt erkennen. Diese sah so interessant aus, dass wir in Stendal angekommen gegoogelt haben und feststellten, dass das die Türme Tangermündes gewesen waren. Als wir dann noch weitere Bilder gesehen haben, stand fest, dass der nächste Tag umgeplant wird und wir einen Umweg zurück über Tangermünde einlegen müssen. Und dieser Umweg hat sich mehr als nur gelohnt, gilt Tangermünde doch zu Recht als Perle der Altmark.

Das erste große Highlight der Stadt und eines der mit Abstand schönsten Backsteingebäude, das ich je gesehen habe, war das Rathaus von Tangermünde. Wenig überraschend wird es auch zu den architektonisch wertvollsten Profangebäuden der Backsteingotik in Norddeutschland gezählt. Zwischen 1430 und 1480 erfolgte der Bau des heutigen Rathauses, das ursprünglich nur eine Erweiterung des eigentlichen Fachwerkrathauses war, das aber 1617 völlig abbrannte. Erst im 19. Jahrhundert wurde die 1618 angebrachte einfache Holzaußentreppe durch einen gemauerten Aufgang und Laubengang ersetzt. Gerade die prachtvolle Hauptfassade mit seinem durch Maßwerkrosetten geprägten Ziergiebel ist ein absoluter Blickfang.

Die Altstadt von Tangermünde lädt mit ihren Backsteinbauten und den zahlreichen, toll hergerichteten Fachwerkhäusern dazu ein, etwas links und rechts der Hauptstraße durch die Gassen zu schlendern und dieses wirklich wunderschöne Städtchen auf sich wirken zu lassen.

Von der Blütezeit Tangermündes im 15. Jahrhundert kündet heute nicht nur das Rathaus, sondern auch die monumentalen wie prachtvollen Tore und Mauern der Stadt. Diese hatten allerdings nicht nur einen Wehrcharakter, sondern sollten wohl auch dazu dienen, den Schmuggel auf der Elbe und in die Stadt zu unterbinden. Durch den Bedeutungsverlust Ende des 15. Jahrhunderts und vor allem durch den Dreißigjährigen Krieg, blieb die Altstadt Tangermündes größtenteils von Überformungen späterer Kunststile verschont und da die Stadtmauer zur Elbe hin auch gleichzeitig Böschungsmauer ist, blieb auch diese, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Städten Europas, im 19. Jahrhundert unangetastet.

Eingang zum Schloss Tangermünde

Im Jahre 1009 wird von Thietmar von Merseburg eine „civitate Tongeremuthi“ erwähnt, auf Grund der strategischen Lage gab es die Burg aber bereits seit ca. 925. Die heutige Burg entstand vor allem während des späten 14. und 15. Jahrhunderts, als hier Kaiser Karl IV. seine Zweitresidenz errichtete und Tangermünde sogar zur Hauptstadt des Reiches machen wollte. Seit 1415 residierten die Hohenzollern in Tangermünde, ehe sie 1442 in das heutige Berlin umzogen, das sich zu einem deutlich wichtigeren Handelsplatz entwickelt hatte, als das zunehmend im Schatten Magdeburgs stehende Tangermünde.

Die im Stile der norddeutschen Backsteingotik errichtete Kirche St. Stephan zählt zu den herausragenden Denkmalen dieses Stils in ganz Europa. Der Bau dauerte mehr als 100 Jahre und wurde zwischen 1350 (nördliche Langhauswand) bis 1475 (Deckung des Chordaches) vollzogen. Von der originalen Innenaustattung ist auf Grund des großen Stadtbrandes von 1617 wenig erhalten, die im 17. Jahrhundert erneuerte Austattung blieb aber bis heute nahezu unverändert. Ein Bronzener Taufkessel stammt von 1508, die steinerne Kanzel von 1619.

Das größte Kunstwerk der Kirche ist aber zweifellos die atemberaubend schöne Orgel von Hans Scherer dem Jüngeren aus den Jahren 1623/24. Der Prospekt in Tangermünde gleicht dabei im Aufbau einer Abbildung einer „idealen Orgel“, die schon 1619 bekannt wurde und zwar in der Geschichte und Lehre des Instrumentenbaus, die Michael Praetorius unter dem Titel De Organographia als zweiten Band des Syntagma musicum veröffentlichte. Trotz mehrfacher Umbauten und Anpassungen in späteren Jahrhunderten, habe ich selten eine vergleichbar gearbeitete und ähnlich schöne Orgel gesehen.