Meran und Lana

An der Passerpromenade von Meran

Die ehemalige Landeshauptstadt der Grafschaft Tirol liegt sehr günstig am nördlichen Ende des Etschtals, am Scheideweg der Straßen durch den Vinschgau (Via Claudia über den Reschenpass) und der Straße durchs Passeier und den Jaufen nach Sterzing und somit zum Brennerpass. Auf dem benachbarten Zenoberg (Gemeinde Dorf Tirol) lassen sich die Siedlungsspuren daher bis in die jüngere vorrömische Eisenzeit zurückverfolgen. Auch die Römer gründeten hier ein befestigtes Lager, aus dem der heutige Stadtteil Merans, Obermais hervorgegangen ist.

Vor allem in der Zeit der Meinhardiner (13. – 14. Jahrhundert), der Blütezeit der selbstständigen Grafschaft Tirol, entwickelte sich Meran zum politischen Zentrum der Landschaft und zu einem wichtigen Handels- und Kunstknoten in den Alpen. Davon zeugen bis heute viele der noch erhaltenen Bauten der Stadt. Erst die Verlegung der Landeshauptstadt nach Innsbruck 1420 und etwas später der Tiroler Münzstätte nach Hall in Tirol beendeten diese Blütezeit Merans.

An der Passerpromenade

Dieses Bild zeigt ein wenig davon, warum für mich Meran eine der lebenswertesten Städte ist, die ich kenne. Eingebettet in ein (hier nicht sichtbares) grandioses Bergpanorama, wachsen neben einem sprudelnden Bergfluss (der Passer) zahlreiche bunte Blumen und mediterrane Palmen und Zypressen neben klassischen mitteleuropäischen Bäumen, deren Laub sich im Herbst in allen Schattierungen verfärbt. Skifahren, Wandern und „Strandfeeling“ liegen alle nur wenige (Kilo-)Meter auseinander. Begleitet wird das von einem italienisch geprägten Lebensgefühl des draußen sitzens und Espresso trinkens. Etwas weiter stehen gleichberechtigt Pizza und grandiose Pasta-Gerichte neben Schlutzer (Schlutzkrapfen sind den Ravioli nicht unähnlich), Kasknödel und Wildgerichten auf den Speisekarten. Abgerundet wird das durch frischgepresste Apfelsäfte etwa aus dem Vinschgau, die grandiosen Weine der Region und mit der Brauerei Forst gibt es seit 1857 auch etwas für die Bierliebhaber.

Zudem ist die Altstadt Merans mit seinen mittelalterlichen Häusern, der Laubengasse (Einkaufstraße) und den Kirchen und Stadttoren eine wirklich wunderschöne Stadt, die nicht wie Bozen von einem Industriegürtel und Plattenbauten umsäumt ist.

Der in meinen Augen beste Weg eine Besichtigung der Stadt zu beginnen ist, wenn man das Auto im Parkhaus Therme abstellt und dann entlang der Passerpromenade nach Nord-Osten zum Steinernen Steg läuft. Diese Brücke wurde 1616-17 errichtet und stammt nicht, wie auch häufig angedeutet wird, aus römischer Zeit. Dies schließt natürlich nicht aus, dass auch die Römer evtl. bereits eine Brücke an dieser Stelle errichtet hatten. Von dort betritt man die Stadt Meran durch das Passeirertor, eines der ehemals vier (heute noch drei erhaltene) Stadttore Merans.

Das Hohe Haus

Fast direkt hinter dem Tor erreicht man eines der schönsten mittelalterlichen Häuser der Stadt, das sog. Hohe Haus. Ehemals als Amtshaus genutzt, bestand das Gebäude seit mindestens 1327 und erfuhr um 1530 einige Um- und Anbauten. Folgt man von dort weiter der Passeirergasse, erreicht man nach einigen Metern den Domplatz.

Die Bezeichnung Domplatz ist etwas irreführend, da die Stadtpfarrkirche von Meran (St. Nikolaus) nie Bischofskirche war und somit auch nicht als Dom bezeichnet werden darf. Die einzigen Bistümer im heutigten Südtirol waren damals das Bistum Chur (Besitz im Vinschgau, etwa die Gemeinde Mals), das Bistum Brixen und das Bistum Trient (Besitz bis Bozen). Kleinere Besitzungen etwa des Bistums Augsburg zählen nicht, da hiermit keine seelsorgerischen und verwalterischen Pflichten für die Menschen vor Ort einhergingen.

St. Nikolaus wurde an Stelle einer älteren Kirche errichtet und 1367 in seiner heutigen Form eingeweiht. Die spätgotische dreischiffige Hallenkirche beherbergt keine Kunstwerke von großer Bedeutung. Im Turmdurchgang auf der Innenseite jedoch findet sich ein Fresko Meister Wenzeslaus, der auch die Riffianer Friedhofskapelle ausgemalt hat.

Ebenfalls am Domplatz befindet sich die Barbarakapelle, die zwischen 1422 und 1450 entstand. Direkt links des Eingangs auf der Außenseite erkennt man ein Christophporus-Fresko aus der Zeit um 1450 und im Inneren kann man noch schön das gotische Sternrippengewölbe und Reste der originalen Freskierung erkennen. Der einzig wirklich „alte“ Altar ist der sog. Niedersächsische Flügelalter (Bild oben) aus dem 15. Jahrhundert, an dem jedoch einige Figuren während des Historismus ergänzt wurden. Sein Name weißt auf seine Herkunft her, wurde er doch erst 1911 in einem Antikenhandel eingekauft.

Die landesfürstliche Burg wurde um 1470 von Herzog Sigmund dem Münzreichen von Österreich-Tirol (u.a. auch Erbauer von Schloss Sigmundskron bei Bozen oder der Mühlbacher Klause) errichtet. Sie sollte ihm als Stadtresidenz dienen, war sie doch deutlich komfortabler als das bei Dorf Tirol trohnende Schloss Tirol. Auch Kaiser Maximilian I. war hier mehrfach zu Gast. Heute ist die Burg als Museum zugänglich und einige der Fresken und holzgetäfelten Stuben sind erhalten geblieben. Leider war die Burg während unseres Aufenthaltes geschlossen.

Direkt vor den Toren Merans liegt die Gemeinde Lana, die zwei ganz besonders eindrucksvolle Kirchenbauten bzw. -schätze zu bieten hat. Einmal wäre dies die Pfarrkirche von Lana (Mariä Himmelfahrt). Die äußerlich recht schmucklose Kirche bietet im Inneren einen, vllt. sogar den schönsten gotischen Kircheninnenraum Tirols und wird komplett von einem Meisterwerk der gotischen Holzschnitzkunst dominiert. Dieser 1503 bis 1511 entstandene Altar ist eines der größten Meisterwerke seiner Zeit. Häufig nur als Schnatterpeckaltar bezeichnet, war er jedoch eine Mehrpersonen-Arbeit, an der nachweislich neben Hans Schnatterpeck auch Hans Schäufelein (für die Flügelbilder) und der Bildschnitzer Bernhard Härpfer als Schöpfer der Plastik mitwirkten. Mit einer Höhe von 14,10 Metern ist er einer der fünf größten Holzschnitzaltäre im deutschsprachigen Raum.

Eine weitere sehr sehenswerte Kirche, die allerdings nur mit Führung besichtigt werden kann, ist St. Margareth in Lana, die wie St. Peter in Mistail (Graubünden) oder die Burgkapelle von Hocheppan eine Dreiapsidenkirche ist. Ihre Fresken zählen zu den bedeutendsten der Frühromanik (Anfang 13. Jahrhundert) in Südtirol und werden als Teil der sog. Marienberger Malschule betrachtet. Leider ist das Fotographieren im Inneren strengstens verboten.

Glurns

Das Tauferer Tor

Glurns ist die mit Abstand kleinste historische Stadt der ehemaligen Grafschaft Tirol, deren Charme aber bis heute erhalten geblieben ist. Ursprünglich als gräflicher Gegenpol gegen das bischöflich-churische Mals errichtet (eine erste Nennung liegt 1178 vor, 1290 wurde Glurns zum Marktort und zwischen diesem Datum und 1304 erfolgte die Erhebung zur Stadt), entwickelte sich Glurns schnell zu einem wichtigen Handelsort, liegt die Stadt doch ideal an mehreren wichtigen Verkehrsrouten der damaligen Zeit. Einmal kommt von Taufers der Verkehr des Ofenpasses und damit die wichtigste Verbindung nach Chur (dessen Bischof damals große Teile des Oberen Vinschgaus besaß) und entlang der Etsch, an deren Ufer Glurns steht, verläuft die Via Claudia über den Reschenpass ins Oberinntal.

Gegenüber des Tauferer Tors steht St. Pakratius

Wir hatten bei unseren Besuchen das Auto einmal vor dem Tauferer Tor geparkt, einmal direkt auf der anderen Seite der Stadt vor dem östlichen Tor. Am Tauferer Tor bietet sich ein kurzer Besuch der bereits seit 1227 nachweisbaren St. Pankratius Kirche an, deren heutige Form in der Spätgotik um 1481 entstand. Vor allem das Fresko eines Jüngsten Gerichtes von 1496 ist sehenswert.

Der Stadtplatz von Glurns

Da die Bedeutung der Stadt mit der von kaiserlichen Truppen gegen das Heer der Drei Bünde (Teil der späteren Eidgenossenschaft, v.a. im Gebiet des heutigen Graubünden) verlorenen Calvenschlacht 1499 rapide zurückging, hat sich das überwiegend mittelalterliche Stadtbild bis heute konserviert. Nicht nur der Stadtplatz, sondern nahezu die gesamte Altstadt wirken heute wie ein Bilderbuch des Tiroler Mittelalters. Zwar wurde die Stadtmauer nach der Zerstörung Glurns in der Folge der Calvenschlacht bis 1530 wieder aufgebaut, an seine ehemalige Bedeutung konnte die Stadt aber nie wieder anknüpfen.

So verfiel die Stadt in den folgenden Jahrhunderten zusehends, wurde mehrfach geplündert, überschwemmt oder brannte ab, sodass Mitte des 20. Jahrhunderts die Stadt dem Verfall preisgegeben war. Erst ab den 1970er Jahren wurde das malerische Stadtbild durch Mitwirkung mehrerer Universitäten und Hochschulen restauriert und saniert. Durch den in dieser Zeit zunehmenden Tourismus gelang es Glurns neue Einnahmequellen zu eröffnen und somit diesen Kleinod dauerhaft zu erhalten und als auch für die Bewohner lebenswerten Ort zu revitalisieren.

Der gesamte Ort ist wegen seiner geringen Größe bequem in maximal einer Stunde zu besichtigen und lässt sich daher ideal mit einem Besuch von Mals, den romanischen Kirchen des Vinschgaus oder einem Ausflug zum UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Müstair am Ofenpass verbinden.

Wanderung zur Ruine Neuhaus bei Terlan

Blick auf Terlan und das Etschtal Richtung Meran während der Tour

Eine relativ kurze aber bzgl. der Optik tolle Tour führt von Terlan zur Ruine der Burg Neuhaus und wieder zurück. Wenn man nicht in Terlan wohnt fährt man am besten mit dem Auto in den Ort und kann etwa an der Kirche oder am Bahnhof einen Parkplatz finden. Bevor man mit der eigentlichen Tour beginnt, sollte zumindest einen kurzen Blick in die Pfarrkirche von Terlan (Mariä Himmelfahrt) mit ihrem grandiosen Freskenschmuck aus dem 14. Jahrhundert riskiert werden.

Die Kirche selbst wurde im 14. Jhd. auf einer romanischen Vorgängerkirche errichtet, von der noch der Turm (der kleinere der beiden Türme) erhalten geblieben ist, während der große freistehende Turm erst um 1530 erbaut wurde. Im Inneren der Kirche ist einer der bedeutendsten Freskenzyklen Südtirols zu sehen.

Der Chorraum wurde um 1390 von Bozener Künstlern um Hans Stockinger in der Tradition Giottos bemalt (man nennt diesen Stil die sog. Bozner Schule), während das Langhaus etwas später gegen 1407 seinen Freskenschmuck erhielt. Die Kirche ist täglich 08:00 – 19:00 Uhr geöffnet.

Auf dem Weg durch Terlan

Direkt an der Kirche führt der Weg durch die Kirchgasse entlang der Weinberge und -güter Terlans sanft ansteigend nach oben, bis man die Kreuzung mit dem Margarethenweg erreicht. Dann folgt man diesem bis zur Möltnerstraße, die man überqueren muss und der Ausschilderung Burg Neuhaus/Margarethen Panoramaweg folgt. Wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist, sollte man sowohl hin als auch zurück den Panoramaweg nehmen, wer mehr als „nur“ einen kleinen Spaziergang unternehmen will, folgt dem Wanderweg 9 in den Wald. Diesen verlässt man auf der Kuppe des Burghügels oberhalb von Neuhaus und folgt der Ausschilderung zur Burg und dem Weg Nummer 3 zur Burg. Dabei erreicht man das kleine Plateau von dem aus der Blick auf Terlan am Anfang dieses Beitrages möglich ist. Der Abstieg zur Burg ist steil und für Personen mit starkem Höhen-Schwindel nicht zu empfehlen.

Ursprünglich als Grenzburg zum vom Bischof von Trient kontrollierten Bozen durch die Tiroler Grafen errichtet, verlor die Burg nach der Eroberung Bozens durch Meinhard II. (gest. 1295) zunehmend an Bedeutung. Laut einer Legende avancierte Neuhaus später zur Lieblingsburg der Grafin Margarethe von Tirol (der Beiname Maultasch wurde ihr wegen ihrer angeblichen Hässlichkeit verliehen), weswegen man sie dann auch Burg Maultasch nannte. Der zunehmende Verfall der Burg konnte erst unter Georg Graf Enzenberg 1990-96 aufgehalten werden, weswegen die Burg selbst heute vor allem durch ihren Blick über das Etschtal und die mit ihr verbundenen Legenden lebt.

Über den Panoramaweg geht es dann wieder zurück nach Terlan.

Kleiner Exkurs: Margarethe von Tirol war das einzige überlebende Kind Herzog Heinrichs von Kärnten und Grafen von Tirol (der kurzzeitig König von Böhmen war und ein Sohn Meinhards II. von Tirol). Durch das Fehlen eines erbberechtigten Sohnes wurde Margarethe nach dem Tod ihres Vaters Gräfin von Tirol und damit zu einer der begehrtesten Heiratspartien Europas. Tirol war nicht nur relativ wohlhabend sondern lag an einigen der wichtigsten Alpenstraßen des Mittelalters und hatte damit enormen strategischen Wert.

Da sie zunächst mit Johann Heinrich von Luxemburg verheiratet wurde, gelangte Tirol in den Besitz der gleichnamigen Familie, was wiederum Wittelsbachern und Habsburgern nicht besonders gefiel. In einem denkwürdigen Ereignis verschloss Margarethe ihrem Mann die Tore ihrer Burg, verkündete er sei impotent und die Ehe nie vollzogen worden und heiratete ein zweites Mal. Diesmal den Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern und somit einen Wittelsbacher, was zum Krieg mit den Luxemburgern und zum Zerwürfnis mit dem Papsttum inklusive Exkommunikation führte.

Der einzige gemeinsame Sohn mit dem Wittelsbacher Ludwig, der Markgraf von Brandenburg war, Meinhard III., verstarb aber bereits vor seinem 20. Geburtstag, weswegen Margarethe die Grafschaft schlussendlich 1363 an die Habsburger überschrieb. Dies wiederum führte zum Krieg mit den Wittelsbachern, die erst 1369 gegen hohe finanzielle Entschädigungen auf ihren Anspruch auf Tirol verzichteten.

In einer männerdominierten Welt war es quasi undenkbar, dass eine Frau sich so vehement ihres eigenen Willens bediente, weswegen gerade von papsttreuen Chronisten (z.B. Filippo Villani) dieser Zeit kaum eine Verleumdung ausgelassen wurde, um Margarethe in einem möglichst schlechtes Bild zu rücken. Vom Giftmord an ihrem Sohn, über liderliches Verhalten mit wechselnden Geschlechtspartnern wurde kaum eine Abscheulichkeit ausgelassen, die sie angeblich begangen habe. Dazu passt es natürlich, wenn man sie zudem als hässliche Frau beschreibt, galt doch das Hässliche als Ausdruck des Teufels und einer bösen Person. Dieses Bild hat sich bis in die Moderne gehalten, wie noch der Roman Lion Feuchtwangers „die hässliche Herzogin“ von 1923 beweist.

In Wahrheit war Margarethe wohl weder hässlich (im Gegenteil, von neutralen Chronisten wird sie sogar als ausgesprochen schöne Frau beschrieben), noch hat sie ihren Sohn vergiftet oder mit vielen unterschiedlichen Männern geschlafen. Sie war nur als Frau einige Jahrhunderte zu früh in entscheidender Position und hat die geballte Ablehnung ihrer männerdominierten Zeit erfahren.

Burgenwanderung Eppan

Blick auf den Bozener Talkessel vom Aufstieg zur Burg Hocheppan

Die nahezu perfekte Möglichkeit Kultur und sportliche Betätigung zu verbinden, ist die Burgentour von Eppan. Diese ist auch für Kinder gut geeignet, denn es sind nur knapp 400 Höhenmeter zu überwinden, bei einer reinen Gehzeit von knapp zwei Stunden. Auf all den drei Burgen wird auch für das leibliche Wohl gesorgt, so dass man theoretisch ganz ohne Verpflegung unterwegs sein kann, auch wenn sich das Mitführen von Trinkwasser generell immer empfiehlt.

Blick von Schloss Korb gen Bozen

Je nach Verfügbarkeit der Parkplätze kann man direkt an Schloss Korb parken, ansonsten empfiehlt sich der öffentliche Parkplatz von Missian als Ausgangspunkt. Von dort folgt man während der gesamten Tour der Beschilderung Burgentour (Wanderweg 9 bzw. 9a) und kann sowohl zunächst über Hocheppan beginnen, als auch von Schloss Korb erst über die Burgruine Boymont wandern.

Schloss Korb

Der Wohnturm von Schloss Korb wurde um 1236 errichtet, verlor aber bereits ab dem 15. Jahrhundert an Bedeutung und wurde 1802 in äußerst schlechtem Zustand von der landesfürstlichen Kammer Tirols eingezogen. Seit 1918 befindet sich das Schloss wieder in Privatbesitz und beherbergt heute ein luxuriöses Hotel mit angeschlossenen Weinbergen. Von Korb aus geht es zunächst durch den Wald weiter Richtung Burgruine Boymont.

Zwischen 1220 und 1230 wurde diese Höhenburg auf einem Felsrücken errichtet. Vermutlich von einer Seitenlinie der Grafen von Eppan (zu dieser Familie später mehr bei Burg Hocheppan) erbaut, wechselte die Burg im 14. und 15. Jahrhundert mehrfach die Besitzer. Nach einem Brand 1425 wurde die Burg nicht mehr weiter ausgebaut, weswegen sich die überwiegend romanische Struktur der Burg bis heute erhalten hat. Auch wenn sie einige wehrhafte Formen hat, war Boymont wohl überwiegend als Wohnburg genutzt worden und dementsprechend mehr dem angenehmen Wohnen als dem mitlitärischen Nutzen folgend konzipiert.

Burg Hocheppan von Boymont aus kommend

Von Boymont an steigt der Weg deutlich steiler als bisher entlang massiver Porphyrfelsen empor, bleibt aber zu allen Zeiten gut gesichert und damit auch für Kinder ab 8 Jahren problemlos geeignet. Eine Schlucht überquert man mit 60 Metern gesicherter Metallstufen, was deutlich spektakulärer klingt, als es dannn tatsächlich ist.

Burg Hocheppan ist ohne jeden Zweifel eine der auch kulturhistorisch bedeutendsten Burganlagen Südtirols und sollte zum Pflichtprogramm für jeden halbwegs mittelalteraffinen Menschen zählen. Bevor die Grafen von Tirol unter Meinhard II. die Vorherschaft in Tirol erlangten gab es mit den Grafen von Eppan, deren Stammburg Hocheppan war, einen gleichwertigen Gegenspieler. Die Grafen von Eppan begegnen uns z.B. auf dem Kreuzzug Herzog Friedrichs I. von Österreich 1197/98 und erscheinen während des Zuges als Zeugen in Urkunden in Messina (Sizilien) und auf Zypern. Auch früh kan man sie im Gefoge der römisch-deutschen Könige und Kaiser 1116 in Treviso und Venedig, 1159 im Gefolge Barbarossas in Crema oder 1184 in Hagenau im Elsass nachweisen. Auch dies spricht für die Bedeutung und den Wohlstand der Familie, der sich heute noch ganz eindrucksvoll an der Burgkapelle von Hocheppan erkennen lässt.

Außenwand der Kapelle mit Jagdszene

Die Burgkapelle von Hocheppan zählt wahrscheinlich zu den größten Kunstschätzen des Alpenraums und ist ein Juwel mittelalterlicher Freskenmalerei. Auf der Außenmauer befindet sich die Profandarstellung eines jagenden Ritters, die nachträglich übermalt wurde und zu einem drachentötenden St. Georg wurde. Auffällig dabei ist die byzantinische Bügelkrone die der Reiter im Original trug, die wohl auf die persönlichen Erfahrungen dieser Kultur zurückgeht, die die Grafen von Eppan auf den Kreuzzügen gewonnen haben. Zudem verwendeten die Maler damals häufig sog. Formenbücher, deren Malereien sie quasi in groß nachmalten. Da diese häufig aus dem byzantinsichen Raum stammten, wäre auch dies eine valide Erklärung für eine im alpinen Raum eigentlich unbekannte Darstellungsart.

Das Innere der Kapelle, in der leider das Fotographieren verboten ist, ist vollständig ausfreskiert. Auch diese Fresken haben eine byzantinische Formensprache, da diese wie Thomas Steppan schreibt, „den Auftraggeber schmückte und in ihrem Ansehen herrschaftlich war und den Eindruck von Rang und Ansehen übertrug.“ (Vgl. Steppan: Zu den byzantinischen Einflüssen auf die romanische Wandmalerei in Tirol, in: Romanische Wandmalerei im Alpenraum, Bozen 2004, S. 127.). Man kan die Kapelle daher quasi als Statussymbol der damaligen Zeit betrachten. Ihre Anlage als Dreiapsidenkirche weist zudem auf die Verbindungen der Grafen in die heutige Schweiz hin, findet man doch einen ähnlichen Bautypus v.a. im churrätischen Raum.

Besichtigen kann man die Kapelle nur mit Führung, die meist stündlich angeboten wird. Diese sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen, zumal die Dame, die uns führte, sehr kompetent war. Das Warten kann man sich bei grandiosem Ausblick über das Bozener Becken, Etschtal und die Eppaner Region mit Tiroler Küche (Knödel, Speckbrettl usw.) und einem Gläschen Wein versüßen.

Der Kreideturm

Von Hocheppan führt der Weg teils recht steil abwärts gehend wieder ins Tal (vor allem unangenehm, wenn man den Weg ungekehrt nach oben läuft, das ist doch schweißtreibend). Dabei passiert man den sog. Kreideturm, einen im 13. Jahrhundert errichteten Turm, der als vorgelagerte Verteidigung der Hauptburg fungierte. Von dort konnte man z.B. durch Feuerzeichen (Kreidefeuer) vor anrückender Gefahr warnen. Im Tal angekommen, geht es entlang von Apfelplantagen und Weinbergen wieder zurück Richtung Parkplatz an Schloss Korb oder in Missian. Man kann auch entlang der Straße parken, die man jetzt sieht, allerdings bitte nicht, wie es leider viele tun, in den wenigen Ausweichen der Straße, da man sonst bei Gegenverkehr lange Rückwärts fahren muss.

Kloster Marienberg

Kloster Marienberg

Oberhalb von Burgeis im Vinschgau erhebt sich mit Kloster Marienberg eine der bedeutendsten Klosteranlagen Südtirols. 1146 wurde das ursprünglich im Oberengadin von dem churrätischen Edelfreiengeschlecht derer von Tarasp in der Nähe der gleichnamigen Burg Tarasp gegründete Kloster an seinen heutigen Standort umgesiedelt. Damit begann auch der wirtschaftliche Aufschwung des Klosters, befand es sich doch nun, ähnlich wie später Glurns, am Schnittpunkt von Ofen- und Reschenpass.

Bereits aus Urkunden um 1178 lässt sich nachvollziehen, dass der Besitz des Klosters enorm gewachsen war und sogar vom damaligen Papst Alexander III. bestätigt wurde, was eine zusätzliche Legitimation für das Kloster und deren Gründer, die Herren von Tarasp, bedeutete. Um 1260 erstreckte sich der Besitz des Klosters bis ins Etschtal, mit Nachweisen aus Algund und Hafling.

Dieser rasche Aufstieg und der damit einhergehende Wohlstand des Klosters ließ hier einen Kunstschatz von europäischem Rang entstehen.

Während die oberirdische Klosterkirche von Marienberg leider völlig barockisiert wurde und daher in meinen Augen nicht mehr sonderlich schön anzusehen ist, versteckt sich der eigentliche Schatz des Klosters in der Krypta des Vorgängerbaus. Zwischen 1175 und 1180 entstand dort ein romanischer Freskenzyklus, von dem ich wegen dem strikten Fotografierverbot leider keine Bilder zeigen darf/kann (daher Beispiele hier), der zum bedeutendsten zählt, was der gesamte Alpenraum zu bieten hat.

Nachdem erste Reste der Malerei 1887 wiederentdeckt wurden, entfernte man 1980 die barocken Überformungen und legte den gesamten, sehr gut erhaltenen Freskenzyklus wieder frei. Das Alter der Ausmalung legt nahe, dass die Fresken ursprünglich die Vorbilder für eine ganze Reihe an weiteren Kirchenfresken in Südtirol waren. Beispiele hierfür wären St. Nikolaus in Burgeis, St. Margarethen in Lana, die Burgkapelle von Hocheppan, St. Jakob in Kastelaz in Tramin oder San Romedio im Nonstal.

Wer sich für romanische Kunst interessiert, muss diese Fresken gesehen haben und die fachkundigen Führungen des Klosters erschließen erst die ganzen Metaebenen der Ausmalung, wie Bedeutung von Farben, Gewandung etc.

Kloster St. Johann/ Müstair

Die Klosteranlage von St. Johann im Val Müstair

Das 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Kloster St. Johann im Val Müstair ist Johannes dem Täufer geweiht, dessen Geschichte einen großen Teil der erhaltenen Fresken ausmacht. Der Mythos besagt, dass das Kloster von Karl dem Großen selbst gegründet wurde, tatsächlich aber dürfte es eher von einem Churer Bischof in der Zeit nach 775 gegründet worden sein. Von Beginn an war es ein wichtiges Verwaltungszentrum, da die Bischöfe von Chur sowohl Besitz im heutigen Engadin/Schweiz als auch im Oberen Vinschgau/Italien hatten. St. Johann liegt direkt an der Ofenpassstraße, der wichtigsten Verbindungsroute zwischen diesen beiden Zentren der Churer Bischöfe.

Torturm des Klosters von 1500

Die Klosterkirche ist eine Saalkriche mit drei Apsiden (sog. Dreiapsidenkriche) und steht damit klar in der karolingischen Bautradition Churrätiens im 8. und 9. Jahrhundert. Vergleichbare Bauweisen finden sich u.a. in St. Peter in Mistail bei Tiefencastel oder in St. Margareth in Lana.

Aber vor allem die Fresken der Kirche machen St. Johann zu einem einzigartigen Zeugnis karolingischer Bilddarstellungen in Europa. Erst zwischen 1947-1951 wurde diese um 800 entstandenen Fresken unter mehreren späteren Malschichten wiederentdeckt und in der Folge freigelegt. Diese befinden sich in meherern Streifen an der Nord- bzw. Südwand des Innenraums.

In der Mittelapsis wiederum hat sich ein Freskenband aus der Zeit um 1200 erhalten, das Szenen aus der Geschichte Johannes des Täufer erzählt (Gastmahl des Herodes, tanzende Salome, Enthauptung).

Gastmahl Mitte, tanzende Salome (auf dem Kopf stehend) und Enthauptung nach links anschließend
Steinigung des Heiligen Stephan

Wer zum Kloster St. Johann fährt und dabei aus dem Vischgau kommt sollte kurz vor der Schweizer Grenze einen Zwischenstopp in Taufers einlegen. Dort steht die um 1220 von Graf Albrecht III. von Tirol gestiftete kleine Kirche St. Johann mit angeschlossenem mittelalterlichen Hospizgebäude.

St. Johann in Taufers

Im für Tirol einzigartigen kreuförmigen Zentralbau sind noch beeindruckende Fresken aus der Zeit des Kirchenbaus erhalten geblieben.

Zusammen mit dem an der Kreuzung des Ofen und des Umbrailpasses gelegenen Hospiz von St. Maria in Silvaplana (heute St. Maria in Müstair), das fast zeitgleich 1228-32 errichtet wurde und der Herberge in St Johann in Müstair sind diese Einrichtungen bis heute sichtbarer Beleg für das hohe Verkehrsaufkommen dieser Route während des 13. Jarhunderts.

Kirche links und Hospizgebäude von Taufers rechts

Das rechts am Hospizgebäude zu sehende Fresko des Heiligen Christophorus zeigt nicht nur, dass früher die Straße nicht rechts, sondern links der Kirche verlief, sondern ist auch eines der ältesten monumentalen Fassadenbilder des Mittelalters.

Bergeller Panoramaweg bis Soglio

Am Dorfausgang von Casaccia beginnt der Panoramaweg durch das Bergell

Bei noch hervorragendem Wetter begann der zweite Tag unserer Tour in Casaccia und führte uns über den Bergeller Panoramaweg nach Soglio. Allerdings verschlechterte sich im Laufe des frühen Abends das Wetter zusehends und die dritte Etappe bis Chiavenna musste ausfallen. Der Panoramaweg ist ein gemütlicher Wanderweg, der die meiste Zeit oberhalb des Tals auf der rechten Seite entlang führt und keine besondere Ausrüstung benötigt.

Blick auf die Ortschaft Bondo

Immer wieder bieten sich solche schöne Blicke hinunter ins Tal. Auch auf die Reste der Burg Castelmur, der Stammburg dessen, der 1387 den Ausbau des Septimerpasses vollzog, kann man einen schönen Blick erhaschen. Der noch erhaltene mächtige Bergfried wurde um 1300 errichtet, die Kirche wurde 988 erstmals erwähnt, stammt aber überwiegend aus dem 15. Jahrhundert. Der Glockenturm ist älter und dürfte um 1100 entstanden sein.

Das Ziel unseres Weges das Bergell hinab, führte uns schließlich nach Soglio, das 2015 zum schönsten Dorf der Schweiz gewählt worden war. So verwundert es kaum, dass auf knapp 200 Einwohner das hundertfache an Übernachtungsgästen kommt. Auch der große Dichter Rainer Maria Rielke lebte hier von 1919-1921 und vollendete u.a. seine „Duineser Elegien“.

Soglio

Wenn man durch die schmalen Gassen dieses für Autos unzugänglichen Alpendorfes läuft bekommt man einen guten Eindruck von der Romantik, die dieser Ort heute bietet; aber auch von der Einsamkeit und Schlichtheit des Lebens hier vor 100 Jahren.

Da die Schweizer Preise nicht für kleine Geldbeutel gemacht sind mussten wir den Palazzo Salis von Außen bestaunen. Das 1630 errichtete Gebäude wird seit 1876 als Hotel geführt und gilt als eines der Wahrzeichen des Bergells. Direkt am Hauptplatz von Soglio gelegen bilden Architektur, Innenaustattung, Garten und Panorama eine spektakuläre Symbiose.

Generell ist das Alpenpanorama von Soglio allein jede Minute des Besuchs wert. Wer nicht wie wir zu Fuß von Bivio kommend nach Soglio laufen möchte, kann entweder mit dem Auto bis an den Fuß des Plateaus von Soglio fahren und den Rest per Bus/zu Fuß zurücklegen, oder generell von St. Moritz bis Chiavenna auf das Postbusnetz zurückgreifen.

Septimerüberquerung

Der Septimerpass ist der einzige bereits in Antike und Mittelalter stark genutzte Alpenpass, der heute nicht durch eine Fahrstraße erschlossen worden ist. Nachdem in der Antike noch der Julier stärker genutzt wurde, entwickelte sich der Septimer während des Mittelalters zu einem der wichtigsten Alpenübergänge in der heutigen Schweiz. Schon um 1100 gründete der Churer Bischof Wido ein erstes Hospiz (St. Peter) auf der Passhöhe und sogar die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nutzten ab Heinrich VI. 1191 und 1194 den Septimer. Ab 1387 wurde durch Jakob von Castelmur zwischen Tinizong im Oberhalbstein und Plurs im Bergell die Straße gepflastert, eine der größten Straßenbaumaßnahmen des Mittelalters im Hochgebirge. Reste dieser Pflasterung und des Hospizes sind noch heute zu sehen.

Blick zurück zum Startpunkt in Bivio

Nachdem wir das Auto in Bivio auf dem Gemeindeparkplatz geparkt hatten (vorher hatten wir die Erlaubnis eingeholt) liefen wir über eine bis zu den letzten Höfen etwas oberhalb des Ortes noch gepflasterte Straße relativ steil nach oben, ehe sich das Hochgebirgstal in Richtung Septimerpasshöhe öffnete. Die reine Septimerüberquerung erfordert ohne Abstecher zur Innquelle o. Ä. festes Schuhwerk, das über die Knöchel geht und eine gute Kondition, legt man doch von Bivio auf 1769m über den Pass auf 2310m und den Abstieg nach Casaccia auf 1458m auf gut 13km Strecke fast 1400 Höhenmeter zurück.

Blick Richtung Passhöhe

Dieser Blick ist nicht nur wunderschön, sondern zeigt zugleich einen großen Vorteil für den Verkehr vergangener Jahrhunderte. Da die Berghänge auf beiden Seiten weit von der im Zentrum verlaufenden Straße entfernt waren, konnte man die Route trotz Hochgebirge den ganzen Winter lawinenfrei nutzen. Hier begegnet man neben Kühen immer wieder auch kleinen Bächen, an denen man den Trinkwasservorrat nachfüllen kann.

Wer die Passhöhe auf 2300m erreicht hat, kann dann entweder den direkten Abstieg nach Casaccia beginnen, oder wie wir über den Lunghinpass auf 2644m zur Innquelle, dem Lunghinsee auf 2485m weiterwandern. Auf dem Lunghinpass liegt die wichtigste Wasserscheide des europäischen Festlandes außerhalb Russlands.

Anschließend führte uns der Weg weiter auf den Piz Lunghin mit 2780m. Aber ACHTUNG! Dies ist eine Alpine Route (blau/weiß ausgeschildert) durch schwieriges teils wegloses Gelände. Hier ist neben absoluter Trittsicherheit und Schwindelfreiheit auch Kletterei der Schwierigkeitsgrade I bis III erforderlich. Als ungeübter Wanderer bitte diese Route nicht benutzen!

Blick auf den Piz Lunghin

Das Bild oben lässt bereits erahnen, welche Anstrengung notwendig ist, um die Spitze des Piz Lunghin zu erreichen. Wenn man aber dann oben steht, wird man mit einem absolut spektakulären Blick auf das Oberengadin mit den Orten Maloja und Sils belohnt.

Blick auf den Silsersee und den Silvaplanasee

Gestärkt durch eine mitgebrachte Brotzeit ging es dann den selben Weg über den Lunghinpass wieder zurück zur Septimerpasshöhe und der Abstieg nach Casaccia begann. Dieser ist jetzt deutlich steiler als der Aufstieg von Bivio, wer Knieprobleme hat, sollte daher über eine genau entgegengesetzte Überquerung des Passes, beginnend von Casaccia und in Bivio endend, nachdenken.

Neben den Relikten vergangener kriegerischer Zeiten in Europa sieht man auf dem Abstieg nach Casaccia immer wieder auch die Reste der antiken und mittelalterlichen Straßenpflasterungen, die heute noch in Teilen den Wanderweg bilden.

Von Casaccia kann man dann per Postbus wieder zurück nach Bivio fahren und das eigene Auto holen. Wir folgten aber am nächsten Tag dem Bergeller Panoramaweg weiter nach Soglio.

Winterzauber 2

Ensemble mit St. Ulrich und Afra, dem Roten Tor und dem Heilig-Geist Spital

Da habe ich mich in meinem Beitrag zum Schneefall am 06.01.2021 noch beschwert, dass Schnee und Sonne so selten geworden sind, dass man auch bei völlig bedecktem Himmel raus muss, um wenigstens den Schnee bildlich einfangen zu können. Nur einn knappen Monat später schenkt mir der Zufall am 11.02.2021 genau das, was ich bislang so vermisst habe. Schnee, Kälte (damit der Schnee auch liegen bleibt) sowie schönstes Wetter. Man muss sich offensichtlich nur genug beschweren…

Am Oblatterwall

Da ich im Januar bereits den Norden der Stadt besucht hatte, wollte ich diesmal bewusst das andere Ende Augsburgs erlaufen und habe mich daher über den Oblatterwall gen Süden in Richtung Rotes Tor, Puppenkiste und St. Ulrich gewendet.

Bei dem ganzen Spaziergang war es dank der Pandemiebestimmungen angenehm leer, was wenigstens ein kleiner Trost für das seit Monaten geltende Berufsverbot war. Wenn wir hoffentlich alle bald wieder im Tourismus arbeiten dürfen/in Urlaub fahren können, dann kann ich vielleicht mit Hilfe dieser Bilder zeigen, warum man dabei an Augsburg nicht vorbeifahren sollte 🙂

Auch bei diesem Spaziergang darf natürlich ein Bild eines der in meinen Augen schönsten Motive der Stadt nicht fehlen. Das Kloster St. Ursula mit dem Schwallech und den bunten Häuserfassaden der Altstadt zählt meiner Meinung nach zum Schönsten, was die Stadt Augsburg an Motiven zu bieten hat. Und wir haben viel zu bieten… 😉

Weiter ging es zu den Roten-Torwall-Anlagen, an deren Anfang von Norden kommend, der Kräutergarten liegt. In diesem wachsen gängige Heil- und Küchengräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Koriander oder verschiedene Salbeiarten. Jeder Bewohner der Stadt kann hier für den Hausgebrauch an den Kräutern partizipieren, man sollte nur stets daran denken, dass man nicht als Einziger dieses Recht besitzt. Bereits 1530 ist dieser Kräutergarten als Teil des Heilig-Geist Spitals nachweisbar und anlässlich der 2000 Jahr Feier Augsburgs 1985 wurde er wiedereröffnet.

Ein weiteres Highlight meines Spazierganges waren die Motive am Roten Tor und vor allem die Farben, die in der kalten und klaren Winterluft besonders zu strahlen schienen.

Am Elias Holl Platz mit Rathausrückseite

St. Peter Mistail/ Julierpass

Die Kirche von St. Peter in Mistail

Die ehemalige Klosterkirche St. Peter Mistail liegt auf einem kleinen Plateau oberhalb der Albulaschlucht, in der Nähe von Tiefencastel. Die Gründung des Klosters vermutet man für die Zeit um 800, dreihundertfünfzig Jahre später, 1154 wurde es bereits wieder aufgelöst. Die Saalkirche selbst wurde ebenfalls um 800 erbaut und weist die selbe dreiapsidige Bauform wie das zeitgleich entstandene Kloster St. Johann in Müstair auf.

St. Peter ist zudem die einzige nicht nachträglich veränderte Kirche dieser Zeit in der Schweiz, weswegen sich das Innere der Kirche noch nahezu genauso präsentiert wie dem Betrachter vor 1200 Jahren. Neben den drei karolingischen Blockaltären der Apsiden wurden in den 1970er Jahren auch die karolingischen Fresken wieder freigelegt. Deren Reste finden sich in der gesamten Kirche verteilt.

Die Mittelapsis wurde im 15. Jhd. neu ausgemalt und zeigt Christus in der Mandorla mit den Symbolen der vier Evangelisten, darunter die 12 Apostel. Im untersten Band sind der Heilige Georg, ein Ritterheiliger und die Anbetung der Hlg. drei Könige zu sehen. Die drei Bilder an der Norwand stammen aus dem 14. Jahrhundert und wurden von einem künstlerisch nicht sonderlich begabten Maler gefertigt.

Nach dem Besuch von St. Peter in Mistail ist eine Weiterfahrt über die landschaftlich beeindruckende Julierpassstrecke zu empfehlen. Über die Ortschaft Bivio (Zweiweg, da sich hier der Julier und der Septimer trennen), erreicht man die Passhöhe auf 2284 m Höhe.

Auf der Passhöhe mit Blick zurück Richtung Bivio

Trotz seiner Höhe wurde der Julierpass bereits seit ca. 1000 v. Chr. benutzt, zur Zeit der Römer fand das erste Mal eine wirklich dauerhafte und regelmäßige Nutzung statt. Gerade im Sommer kann man daher auf der Passhöhe römische Säulen sehen, die zu einem antiken Heiligtum gehörten. Selten fühlt man sich als Mensch auch so klein, wenn man sich, umgeben von mehr als 3000m hohen Bergen, mitten im Hochgebirge befindet.

Einmündung des Julierpasses ins Oberengadin bei Silvaplana