Matera und Altamura

Blick über die Altstadt von Matera

Matera liegt direkt hinter der Grenze Apuliens zur Basilikata und gehört damit eigentlich nicht mehr zum Thema dieser Beitragsreihe. Da wir die Stadt aber von Apulien aus, zusammen mit dem apulischen Altamura, besichtigt haben, möchte ich es doch hier vorstellen. Das UNESCO-Weltkulturerbe und die europäische Kulturhauptstadt von 2019 ist ein ganz außergewöhnlicher Ort. Die karstige Hochebene der Murgia, auf der die Stadt liegt, verfügt über unzählige Höhlen und Vertiefungen im Fels (die sog. Sassi), die seit Jahrhunderten Wohnraum für die Menschen Materas darstell(t)en.

Schon in der Jungsteinzeit lassen sich erste Belege für eine auch zahlenmäßig größere menschliche Besiedlung der Region um Matera finden. Mit der normannischen Eroberung 1043 begann die Blütezeit der Stadt, auch da es zum Königssitz der normannischen Könige Siziliens auf dem Festland wurde. Erst etwa ab Mitte des 17. Jahrhunderts vollzog sich ein schleichender Niedergang der Stadt, der durch den Roman Carlo Levis 1944, Christus kam nur bis Eboli, nationale Aufmerksamkeit erfuhr. Mitte des 20. Jahrhunderts lebten noch über zehntausend Menschen in den Sassi, meist ohne Strom und fließend Wasser. Daher wurden während der 1950er und ’60er Jahre moderne Wohnblocks errichtet und die Bewohner umgesiedelt, was wiederum zum allmählichen Verfall der Sassi und Teilen der Altstadt führte.

Erst der Tourismus rettete Matera vor dem Verfall und Menschen ziehen wierder zurück in die historischen Sassi und Wohnungen, richten sie her und tragen dazu bei, diese einmalige Kulisse für die Zukunft zu erhalten. Auch Hollywood und der italiensiche Film haben Matera als Kulisse entdeckt und neben Pier Paolo Pasolinis berühmten Film das Matthäusevangelium wurden hier auch Szenen für Mel Gibsons Passion Christi 2004, Wonder Woman 2017 oder den Bondfilm Keine Zeit zu sterben gedreht.

Normalerweise stelle ich immer einzelne, besondere Gebäude vor, die einen Besuch lohnen, bei Matera ist jedoch die gesamte Altstadt als Kunstwerk zu sehen, für die man sich wirklich Zeit nehmen sollte. Ob man zusätzlich einzelne Sassi besichtigt, die Chiesa San Giovanni Batista, den romanischen Dom oder das Castell ist jedem selbst überlassen.

Nur knapp 20 Kilometer nördlich von Matera liegt die Stadt Altamura, ebenfalls noch im Karstgebiet der Murgia. Bereits in der Frühantike besiedelt, legten die Peutekier hier eine Akropolis an, die sog. Hohe Mauer gab der Stadt bis heute ihren Namen Altamura. Nach der Zerstörung im 9. Jahrhundert nach Christus gab erst Kaiser Friedrich II. 1230 die Neugründung der Stadt in Auftrag. Aus dieser Zeit stammt auch die Hauptsehenswürdigkeit Altamuras.

Die Kathedrale von Altamura ist die einzige im Auftrag Friedrichs II. erbaute Kirche Apuliens. Der ab 1232 begonnene Bau wurde leider durch ein schweres Erdbeben 1316 zerstört, der unter Karl von Anjou vollzogene Wiederaufbau schuf dann jedoch eines der schönsten Kirchenportale Apuliens. Dieses spätromanische Portal zeigt Szenen aus dem Leben Chrsti und ist alleine einen Besuch wert. Das Kircheninnere weist leider kaum noch Relikte der Romanik und Frühgotik auf, sondern wurde vor allem während des 17. bis 19. Jahrhundert stark verändert.

Einen Blick sollte man auch auf das kleine Kirchlein San Nicola dei Greci werfen, das zeitgleich zur Kathedral entstand und ein Taufbecken des 13. Jahrhunderts sowie mehrere schöne Skulpuren des 16. Jahrhunderts enthält.

Troia und Canosa di Puglia

Santa Maria Assunta in Troia

Die mit nur knapp 7.000 Einwohnern sehr kleine Gemeinde Troia liegt lediglich knapp 25 Kilometer westlich von Foggia, aber gefühlt Lichtjahre von den Touristenrouten Apuliens entfernt. Um 1022 auf den Ruinen des antiken Aecae gegründet, wurde die Stadt bereits 1229 von Friedrich II. wieder zerstört. Zwar war die Stadt, wie es Falcone von Benevent überliefert, auch von den Normannen bereits verwüstet worden, aber die Zerstörungen von 1229 müssen ungleich schlimmer für die Stadt und ihre weitere Entwicklung gewesen sein.

Heute kennen Weinliebhaber die Stadt vielleicht von der ihren Namen tragenden autochtonen Rebsorte des Nero di Troia. Wie der Name bereits sagt ist diese Traube beinahe schwarz und da sie spät reift, enthalten die daraus gekelterten Rotweine viel Zucker. Daher weisen die Nero di Troia eine meist ausgeprägte Tanninstruktur und eine rubinrote Farbe auf. Auf Grund des geringen Ertrages den diese Rebsorte liefert, sind diese Weine allerdings außerhalb Apuliens noch relativ unbekannt.

Die große Sehenswürdigkeit des Städtchen ist die normannische Kathedrale Santa Maria Assunta. Sie gilt als eines der Hauptwerke der apulischen Romanik und wurde primär zwischen 1073 und 1120 errichtet. Damit zählt sie auch zu den ältesten Kirchen der Romanik in Apulien. Vor allem die Hauptfassade mit ihrer etwas später gefertigten, prächtigen Fensterrosette von 1160-80, machen die Kirche zu etwas Besonderem. Die Fensterrosette gilt in der Kunstgeschichte gar als die schönste Apuliens, gerade die unterschiedlich gearbeiteten, fast orientalisch anmutenden Transennen (ornamental durchbrochener Stein oder Marmor) sind einzigartig. Im Inneren Bogen über der Rosette kann man oben rechts sogar die Figur eines Jungen entdecken, der gerade seine Notdurft verrichtet.

Auch die Bronzetüren des Hauptportals, die von einem der bekanntesten Bronzegießer seiner Zeit, Oderisius von Benevent, im Jahre 1119 geschaffen wurden, sind ein kunsthistorischer Schatz. Die 28 Einzelfelder wurden in Niellotechnik (eingravierte und mit schwarzer Farbe aufgefüllte Zeichnungen) gearbeitet. Leider sind nur noch die Türklopfer, die kleinen geflügelten Drachenfiguren sowie die obersten vier Platten original erhalten, der Rest wurde v.a. während des 16. und 17. Jahrhunderts ausgetauscht.

Im Kircheninneren, das wie die meisten vergleichbaren Kirchen recht schlicht ist, stellt gerade die Kanzel von 1169 eine Besonderheit dar, gilt sie doch als eines der Hauptwerke dieser Zeit in Apulien. Das Relief, das einen Löwen zeigt, der ein Schaf reißt, seinerseits aber von einem Hund angefallen wird, hat altorientalische Vorbilder und zeigt, wie sehr die muslimische Kunst in den Stil der Normannen und Staufern Eingang gefunden hat.

Knapp 80 Kilometer entfernt von Troia, in der Nähe von Barletta liegt Canosa di Puglia. Das antike Canusium wurde Ende des 9. Jahrhunderts von den Sarazenen zerstört und gewann erst unter den Normannen ab dem 11. Jahrhundert wieder an Bedeutung. Durch mehrfache Zerstörungen unter den Anjou und darauf folgenden Erdbeben ist vom alten Kern der Stadt heute nicht mehr viel erhalten geblieben. Für mich persönlich ist Canosa trotzdem einer der wichtigsten Orte Apuliens geblieben, da hier das Grabmal von Bohemund von Tarent, einem Sohn Robert Guiskards liegt.

Bohemund war, neben dem Sohn seines Halbbruders, Roger II., die spannendste und faszinierendste Figur der normannischen Geschichte Süditaliens. Da ihm das Erbe seines Vaters verwehrt wurde, schloss er sich dem ersten Kreuzzug an und nach der Eroberung Antiochias beanspruchte er die Stadt für sich und zog gar nicht weiter bis Jerusalem. Damit wurde er zum dritten Begründer eines normannischen Reiches (Normandie/England, Sizilien und Antiochia) und ein Nachfahre von ihm war maßgeblich am Scheitern der Ehe zwischen Eleonore von Aquitanien und dem französischen König beteiligt, wenn man den Quellen glauben schenken mag.

Das Grabmal wurde um das Jahr 1111 errichtet und erinnert an syrische Grabbauten. Die heute in der Kathedrale zu sehenden Bronzetüren stammen vom Glockengießer Roger aus Melfi und sind nicht ganz so hochwertig wie das Portal von Troia, aber trotzdem sehr sehenswert. Die Kirche San Sabino selbst wurde leider im 19. Jahrhundert erweitert und mit einer klassizistischen Fassade „verschönert“, beherbergt aber mit der Kanzel und dem Bischofsthron noch zwei sehenswerte Objekte der Romanik. Ein kurzer Zwischenstopp lohnt also nicht nur für Bohemundfans wie mich. Dabei sollte man aber tunlichst NUR auf offiziell erlaubten Parkplätzen stehen (richtige farbliche Umrandung beachten!!! Blau gut, weiß und gelb schlecht wenn ich mich richtig erinnere), denn die ansonsten fällige Strafzettelgebühr macht Canosa zu einem sehr teuren Pflaster, wie wir erfahren mussten.

Lecce

Der barocke Bischofspalast von Lecce

Lecce wird gerne als das Florenz des Rokoko bezeichnet und ist neben Neapel die bedeutendste Barockstadt Süditaliens. Dabei hat sie ihren ganz eigenen Stil geprägt, den Lecceser Barock. Typisch sind die opulenten Fassaden mit ihrer Vielzahl an plastischen Dekorationen, die dabei aber nie das Gefühl für gestalterische Leichtigkeit und Harmonie verlor. Damit knüpft der Lecceser Barock stärker an Vorbilder der Renaissance an, als z.B. der Barock Süddeutschlands.

Abbazia Santa Maria di Cerrate

Bevor man Lecce selbst besichtigt, bietet sich ein kleiner Umweg über die wenige Kilometer nördlich gelegene Abtei Santa Maria di Cerrate an. Der Komplex gilt als eines der wichtigsten Beispiele der apulischen Romanik und wurde Ende des 12. Jahrhunderts vom Grafen Tankred von Lecce, dem späteren glücklosen König von Sizilien, errichtet. Später wurde die Abtei in einen landwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt und nach einem Überfall osmanischer Piraten 1711 aufgegeben.

Die Baustruktur und Innenausstattung der Kirche sind noch relativ original erhalten geblieben. Der Baldachin über dem Altar stammt von 1269 und die Fresken der Apsis wurden im 12. und 13. Jahrhundert gemalt.

Von der antiken Geschichte der Stadt Lecce erzählt heute vor allem das im Zentrum unter Mussolini freigelegte römische Amphitheater. Das Fassungsvermögen von knapp 20.000 Personen zeigt, dass Lecce sicherlich deutlich mehr Einwohner gehabt haben muss. Leider wurden bei der Freilegung einige mittelalterliche bzw. barocke Gebäude abgerissen.

Das heutige Stadtbild verdankt Lecce jedoch seiner Blütezeit zwischen 1550 und 1750. Mit ihrem Ausbau zur Festungsstadt unter Kaiser Karl V. ging auch die Erhebung zum Verwaltungszentrum des Salento (der Region des Stiefelabsatzes) einher. Dadurch erlebte die Stadt eine wirtschaftliche und damit verbunden eine kulturelle Blüte, von der heute noch die zahlreichen Bauwerke des Lecceser Barock künden.

Die Basilika Santa Croce gilt als Höhepunkt des Lecceser Barocks und wurde zwischen 1549 und Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut. Für Liebhaber dieses Kunststiles ein absoluter Pflichttermin, muss ich persönlich gestehen, dass mich die Kirche eher unbeeindruckt gelassen hat. Neben der Bischofsresidenz sind auch die Kirchen Sant’Irene (die Heilige Irene von Lecce war bis 1656 Schutzpatronin der Stadt) sowie San Niccolò e Cataldo sehenswert. Letztere wurde urpsrünglich 1180 von Tankred von Lecce (der selbe Tankred wie Santa Maria di Cerrate) gegründet und trotz der starken Überformung während des Barock sind noch Reste der romanischen Ursprungsgestaltung erhalten geblieben.

Trani

Kathedrale von Trani

Trani entwickelte sich im Mittelalter zu einer der wichtigsten Hafenstädte Süditaliens und gerade während der Kreuzzüge brachen viele Pilger und Kreuzfahrer von hier ins Heilige Land auf. Vor allem unter den Normannen und Staufern prägte sich das heutige Bild der Altstadt mit ihren zahlreichen teils spektakulären Bauwerken. Als Mitglied der Gruppe Cittàslow für ein entspannteres und entschleunigten Stadtleben haben bewusste Umwelt- und Infrastrukturpolitik auch für eine Aufwertung der Lebensqualität in der Innenstadt gesorgt.

Impressionen aus dem Stadtpark

Gerade wenn man durch den Stadtpark (die Villa Comunale) schlendert, kann man auch als Tourist die positiven Auswirkungen dieser Politik in Trani erleben. Brunnen, Blumenbeete und viele Sitzgelegenheiten unter Bäumen mit Blick aufs Meer laden zum längeren Verweilen ein. Vor allem wird der Park auch von den Einheimischen genutzt und ist damit keine leeres Symbol, sondern belebtes Zeichen für das Miteinander in Trani.

Das Castello Svevo

Auch in Trani gibt es, wegen seiner wirtschaftlich wichtigen Rolle während des Mittelalters, natürlich ein Castell der Staufer. Wo gibt es das in Apulien nicht…? Die „Schwabenburg“ wurde unter Kaiser Friedrich II. 1233 bis 1249 errichtet und sein Sohn Manfred heiratete hier seine zweite Ehefrau Helena Angelina Dukas (Tochter des Archon von Epirus und Ätolien). Unter den Anjou wurde die Burg wegen der neuen Möglichkeiten der Waffentechnik (Kanonen etc.) deutlich ausgebaut und befestigt.

Das architektonische Highlight Tranis ist aber zweifellos die Kathedrale San Nicola Pellegrino. Ab 1097 in fast hundert Jahren Bauzeit (Da können wir in Berlin am BER noch laaange bauen) unter den Normannen errichtet, fasziniert dieser direkt am Meer gelegene Bau bis heute. Da es sich eigentlich um zwei Kirchen handelt (sog. Doppelkirche wie die Basilika San Francesco in Assisi) ist das Eingangsportal an der Hauptfassade nur über einen Treppenaufgang zu erreichen.

Die ganze Architektur ist vor allem auf Höhenwirkung ausgerichtet, was man speziell auf der Rückseite erkennen kann, wo die Mittelapsis bis zum Dach des Querhauses hochgezogen wurde. Auch die hohen Arkadenreihen an den Seiten der Kirche unterstützen diese Architektur.

Im Inneren ist vor allem das Bronzeportal von 1175 zu erwähnen, das ursprünglich natürlich außen angebracht war, zum Schutz aber in die Kirche verlegt wurde. Die Darstellungen in Reliefform sind noch relativ gut erhalten geblieben und Ausdruck der hohen Kunstfertigkeit des Bildhauers Barisanus von Trani. Auch das Bronzeportal des mit Abstand prachtvollsten Kirchenbaus der Normannen (Dom von Monreale auf Sizilien) stammt von ihm.

Von dem ursprünglich existierenden Freskenschmuck und dem Bodenmosaik sind leider nur noch Reste des Mosaiks im Chorraum erhalten geblieben und in Krypta und Unterkirche einige wenige Freskenreste.

Insgesamt ist die Kathedrale von Trani in meinen Augen die schönste der normannischen Kirchen Apuliens, da ihre Architektur und Lage direkt am Meer ein Gesamtensemble bieten, wie es keine andere Kirche dieser Zeit in Apulien vergleichbar besitzt.

Hafen von Trani

Am Hafen von Trani locken viele Restaurants mit frischem Fisch und einer relativ ruhigen Lage mit teils hervorragendem Blick auf die Kathedrale. Frisch gestärkt bietet sich ein Rundgang durch die Altstadt an, bei dem man einen Blick auf die mittelalterliche Synagoge, den Torre dell’Orologio (Uhrenturm) und den Palazzo Caccetta aus der Spätgotik werfen sollte.

Polignano a Mare und Conversano

Polignano a Mare

Nur wenige Kilometer nördlich von Monopoli direkt an der Küste liegt die Gemeinde Polignano a Mare. Vor allem die beeindruckende Lage direkt am Meer auf einem Steilvorsprung macht den Ort zu einem beliebten Zwischenstopp für Touristen. Zudem ist einer der berühmtesten italienischen Musiker hier geboren worden, Domenico Modugno. Diesem gelang 1958 mit „Nel blu dipinto in blu“ ein Welthit, der ihn für eine Woche auf Platz 1 der US-Charts katapultierte.

Im Stadtzentrum lohnt sich ein Blick auf die Chiesa Matrice aus dem Jahr 1295 und wer etwas mehr Zeit mitbringt kann unterhalb Polignanos einige tolle Grotten (teils nur per Boot) besichtigen.

Von Polignano geht es weiter in Landesinnere, in das nur 13 Kilometer entfernte Conversano.

Conversano war während des Mittelalters eines der wichtigsten herrschaftlichen Zentren Apuliens und die Grafen von Conversano waren familiär mit den normannischen Königen von Sizilien und England verbunden. Hugo von Brienne war als Graf von Conversano sogar mit den Königen von Zypern und Jerusalem verwandt, da seine Mutter aus dem Haus Zypern/Lusignan stammte. Daher bietet die Stadt auch heute noch einige tolle Objekte dieser und späterer Epochen, wie das oben zu sehende Castello, das von den Normannen und Staufern erbaut wurde, wo man auf dem vorgelagerten Parkplatz einen idealen Startpunkt für die Besichtigung der Stadt findet.

Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten ist die romanische Kathedrale Santa Maria Assunta. Sie ist im typisch romanisch-normannischen Stil Apuliens errichtet, mit schlichter Hauptfassade aber prachtvoller Fensterrose. Auch während späterer Epochen kaum verändert, kann man im Inneren noch Fresken und ein Holzkreuz aus dem 15. Jahrhundert und die Ikone der Madonna delle Fonte besichtigen.

Desweiteren lohnt ein Blick auf die barocke Kirche SS Cosma e Damiano und das ehemalige Benediktinerkloster San Benedetto. Dessen heutige Form entstand vor allem während des Barocks, aber die Krypta der Kirche und der wunderschöne Kreuzgang stammen noch aus dem Mittelalter. Leider war das Kloster während unseres Besuches geschlossen.

Auf den Spuren Friedrichs II.

Castel del Monte

Die Person Friedrichs II. stelle ich in vielen ihrer Facetten an anderer Stelle vor. Dort versuche ich auch zu zeigen, warum dieser Herrscher so außergewöhnlich war/ist und wieso schon Zeitgenossen ihn als stupor mundi, als Staunen der Welt, bezeichnet haben. In diesem Beitrag soll es vor allem um Orte und Monumente gehen, die für seine Biographie und die Geschichte Apuliens wichtig waren, oder wo er bis heute sichtbare Spuren hinterlassen hat.

Die Stauferburg von Gioia del Colle ist eines der weniger bekannten Objekte aus der Zeit Kaiser Friedrichs II. Fairerweise muss man auch sagen, dass Teile der Burg schon deutlich früher entstanden, nämlich zur Zeit der Byzantiner und Normannen. Durch die Zerstörung der Burg unter König Wilhelm von Sizilien ist die heutige Form aber in großen Teilen auf den Neu-/ Wiederaufbau unter Friedrich II. zurückzuführen. Gioia del Colle zählt zudem zu den schönsten und am besten erhaltenen Burgen dieser Epoche in Apulien.

Hier wurde auch der gemeinsame Sohn Friedrichs und Bianca Lancias, Manfred, geboren, der später zum Fürst von Tarent wurde und nach dem Tod seines Vaters 1258 bis 1266 König von Sizilien. Durch seinen Tod in der Schlacht von Benevent gegen die Truppen Karls von Anjou endete die Stauferherrschaft in Süditalien und der wirtschaftliche und kulturelle Abstieg der Region beschleunigte sich, da sowohl Karl von Anjou als auch die später herrschenden Aragoneser Süditalien als Provinz und nicht als Herrschaftszentrum verwalteten. Manfred lebt aber heute noch im Namen der von ihm gegründeten Stadt Manfredonia in Apulien weiter.

Die Innenausstattung von Gioia del Colle wurde überwiegend während den Restaurationen des 20. Jahrhunderts angebracht, gibt aber zumindest eine Vorstellung des früheren Lebens, die man in den anderen, zumeist völlig kahlen Burgen der Staufer in Apulien, nicht gewinnen kann.

Tor des Stadtpalastes Friedrichs II. in Foggia

Von der ehemaligen Residenzstadt Friedrichs II., Foggia, ist heute leider so gut wie nicht mehr erhalten geblieben. Da die mittlerweile knapp 150.000 Einwohner zählende Stadt durch ein Erdbeben 1731 und die Bombardierungen während des Zweiten Weltkrieges zweimal fast komplett zerstört wurde, lohnt sich ein Zwischenstopp nur für wirkliche Stauferenthusiasten wie mich.

Von der ehemaligen Residenz, dem Stadtpalast Friedrichs, ist heute nicht mehr als dieser Torbogen auf dem oberen Bild übrig geblieben. Trotzdem war es mir wichtig, dieses letzte Relikt kaiserlicher Pracht in Foggia gesehen zu haben, ehe es zum nächsten wichtigen Ort weiterging.

Leicht nordwestlich von Foggia, nur wenige Kilometer entfernt liegt Lucera. Dieser Ort wurde unter Friedrich II. wieder aufgebaut und diente in der Folge als Heimat für 20.000 von ihm aus Sizilien zwangsumgesiedelte Muslime. Zum einen endete dadurch die muslimische Geschichte Siziliens, zum anderen begann eine besonders enge Beziehung zwischen dem Kaiser und den Muslimen Luceras. Aus ihren Reihe rekrutierte Friedrich in der Folge seine Leibwache und viele der in seiner Armee kämpfenden Soldaten, waren doch die Muslime Luceras wegen ihrer Religion völlig unbeeindruckt von den Bannflüchen der Päpste.

Vom mächtigen Stauferkastell über dem heutigen Lucera sind lediglich die massiven Außenmauern und Teile der Türme erhalten geblieben, da, nach der Niederlage Manfreds in der Schlacht von Benevent, Karl von Anjou Lucera eroberte und die staufertreuen Muslime massakrieren ließ. Die Stadt wurde geschleift und auf den Trümmern der Moschee entstand die heutige Kathedrale von Lucera.

Aber die Monumentalität der Anlage von Lucera beeindruckt trotz der Zerstörungen des Anjou bis heute.

Nördlich von Lucera erreicht man mitten im Nirgendwo (entlang der SP 17 in der Nähe des Sterparone Airfield) die Ruine von Castel Fiorentino. Die Reste der seit Jahrhunderten unbewohnten Burg selbst sind relativ unbeeindruckend, wäre in ihren Mauern nicht am 13. Dezember 1250 Kaiser Friedrich II. verstorben. Dies macht Castel Fiorentino für jeden der auf den Spuren der Staufer durch Apulien fährt zu einem Pflichtbesuch (was aus eigener Erfahrung allerdings sehr wenige Menschen außer mir sind).

Gerade im Frühjahr hat man von hier einen wunderschönen Blick über die Apulische Ebene (Capitanata) und ihre bis an den Horizont reichenden Getreidefelder.

Den Abschluss dieses Beitrages bildet das sicherlich bekannteste Relikt der Stauferzeit in Apulien: Castel del Monte. Im Jahre 1240 begann man den Bau des Schlosses, durch den Tod Friedrichs II. 1250 blieb der Bau jedoch gerade in der Innenausstattung unvollendet. Auch die geplante Nutzung ist bis heute umstritten, insgesamt ist die Quellenlage zum Bau mehr als dürftig. Jagdschloss, Residenz, bloßer Repräsentationsbau oder steingewordener Machtanspruch, Deutungen gibt es viele, Belege keine.

Das Schloss ist achteckig und an jeder Ecke steht ein wiederum achteckiger Turm und symbolisiert damit die Vollkommenheit des Baus. Weitere oktogonale Bauformen finden sich vor allem in der Sakralarchitektur (Pfalzkapelle von Aachen, San Vitale in Ravenna, die meisten Baptisterien), da dies als Symbol für die Auferstehung Christi steht. In diesem Kontext sind sicherlich auch die Formen von Castel del Monte zu sehen, das 1996 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerben aufgenommen wurde.

Bei einem Besuch sind es vor allem die Geschichte des Ortes, die perfekten architektonischen Formen und die grandiose Aussicht, die beeindrucken. Das völlig schmucklose, geradezu kahle Innere der Burg und ihrer Räume kann unvorbereitete Besucher allerdings auch enttäuschen.

Egnazia

Blick über das Forum von Gnathia/Egnazia

Die Ausgrabungsstätte von Egnazia liegt am Meer in der Nähe der apulischen Stadt Fassano bzw. dem Vorort Savelletri di Fassano.

Egnazias Blütezeit begann während des 4. und 3. Jahrhunderts v. Chr., als der Ort, der seit der Bronzezeit besiedelt war, städtisch ausgebaut wurde. Waren es zunächst Peuketier und Messapier, die hier lebten, entwickelte sich die Stadt in der frühen Kaiserzeit zu einer wichtigen Station von Rom kommend nach Brindisi, dem wichtigsten Hafen für die Überfahrt nach Griechenland. Nach der Zerstörung der Ortes unter den Ostgoten König Totilas (Erinnerungen an Felix Dahns „Kampf um Rom“ werden wach), begann man ab den 1912er Jahren mit der archäologischen Erschließung des Areals. Von der noch im Mittelalter bis ins 10. Jahrhundert nachweisbaren Besiedlung ist allerdings so gut wie nichts erhalten geblieben.

Noch heute durchziehen die gut erhaltenen Reste der Via Traiana das römische Zentrum Egnazias. Die beiderseits der Straße erkennbare Bebauung (Forum, Geschäfte etc.) zeugt auch heute noch von der zentralen Rolle, die die Via Traiana im städtischen Leben der damaligen Zeit eingenommen hat. Im an die Ausgrabungsstätte angeschlossenen Museum bekommt man einen guten Überblick über die Fundstücke dieser Zeit und kann anhand von Luftbildern und Kartenmaterial die Ausdehnung und Entwicklung der Stadt im Lauf der Jahrhunderte nachvollziehen.

Ein besonderes Highlight ist die Nekropole von Egnazia mit ihren unterirdischen Grabkammern. Die reichen Grabbeigaben und die aufwendige Ausgestaltung der Kammern mit Malereien zeugen noch heute vom Wohlstand der Menschen während der vorrömischen Epoche (Messapier-Zeit). Die in den Gräbern gefundenen Keramiken gelten sogar als so einzigartig, dass sie einen eigenen Namen geprägt haben: die Egnazia-Keramik.

Zwischen Bitonto und Barletta

San Valentino in Bitonto

Nördlich von Bari erstreckt sich auf knapp siebzig Kilometern eine Kulturlandschaft, wie es sie in dieser Dichte in Apulien kein zweites Mal geben dürfte. Bitonto, Molfetta, Trani, Ruvo di Puglia, Andria und Barletta, alles Orte mit zum Teil herausragenden Zeugnissen der Geschichte Apuliens unter Normannen und Staufern. Während Trani einen eigenen Beitrag erhalten wird und von Andria an anderer Stelle die Rede sein wird, möchte ich hier von Bitonto über Molfetta, Rivo di Puglia nach Barletta fahren, was für einen Tag auch ein mehr als ausreichendes Programm darstellt.

Beginnen möchte ich mit San Valentino in Bitonto, der in meinen Augen, neben Trani, schönsten Kirche Apuliens aus der Zeit der Normannen und Staufer. Zwischen 1175 und 1200 erbaut, beherbergt sie einige wirklich einzigartige Stücke romanischer Steinmetzkunst in ihrem Inneren. Auch beachtenswert ist die noch erhaltene tolle Holzdecke mit ihren bemalten und verzierten Balken.

Das bedeutendste Kunstwerk der Kirche ist die Kanzel von 1229, die von Magister Nikolaus erschaffen wurde. Reich geschmückt mit Intarsien trägt die Figur eines Adlers das Lesepult. Am Aufgang sieht man ein Relief mit der Darstellung der vier Stauferherrscher (von links: Friedrich I., Heinrich VI., Friedrich II., Konrad IV./oder Heinrich (VII).). Eine Krone tragen nur der Begründer der Dynastie Friedrich I. (eigentlich wäre dies Konrad III.) und der gerade regierende Friedrich II. Diese Darstellung bringt das Selbstverständnis der Staufer als Geschlecht der Endkaiser zur Geltung. Dies Vorstellung lebt in den vielen falschen Friedrichen, die nach dem Tod Friedrichs II. im Heiligen Römischen Reich erschienen, sowie in der nationalen Verklärung des 19. Jahrhunderts auch in der Kyffhäuser Legende Barbarossas weiter.

Mosaik der Unterkirche

Auch einen Blick sollte man in der archäologischen Bereich unterhalb der heutigen Kirche werfen. Dort sind noch Reste frühchristlicher und vorromanischer Bauten erhalten geblieben. Antike Säulen, sog. Spolien, wurden dabei genauso gefunden, wie Fresken und Mosaike.

San Corrado in Molfetta

Direkt am Dom von Molfetta kann man bequem parken, was die Besichtigung der Kirche sehr vereinfacht. Leider war die Altstadt Molfettas fast komplett aufgegeben worden (heute kehrt langsam wieder Leben zurück), sodass der Besuch der Kirche und ein kurzer Spaziergang entlang der Hafenpromenade reichen. Zwischen 1150 und 1200 errichtet ist San Corrado eines der vielen erhaltenen Beispiele normannischer Sakralarchitektur in Apulien. Im Inneren sehr schlicht, wirkt aber die wieder massive Architektur der Kirche besonders spektakulär, wenn man vom Meer aus zur Kirche schaut.

Ruvo di Puglia würde heute sicherlich von den meisten Touristen gemieden werden, gäbe es nicht die Kathedrale Santa Maria Assunta aus dem 12. Jahrhundert. Ruvo selbst wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach teils komplett zerstört, weswegen die heutige Altstadt kaum als solche zählen kann. Umso beeindruckender liegt die Kirch Santa Maria Assunta mit ihrer typisch romanischen Hauptfassade und der tollen Fensterrose im Zentrum der Stadt. Oberhalb der Fensterrose erkennt man die sitzende Figur Roberts II. Bassavilla, Grafen von Conversano und Loritello, möglicherweise Bauherr der Kirche. Das Innere ist wieder sehr schlicht, einige Freskenreste des späten Mittelalters sind jedoch erhalten geblieben.

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch von Barletta. Während des Mittelalters erlebte die Stadt eine regelrechte Blüte, war sie doch einer der wichtigsten Treffpunkte der Kreuzfahrer vor der Überfahrt ins Heilige Land. Templer, Johanniter und Deutscher Orden unterhielten hier ständige Niederlassungen. Gerade aus der Zeit der Staufer stammen die noch heute prägendsten Bauwerke der Altstadt.

Zum einen ist dies die Kathedrale Santa Maria Maggiore, die eine der wenigen romanischen Kirchen Apuliens ist, die nachträglich größere Umbauten während der Gotik erlebt hat. Nach der Weihe 1267 wurde z.B. während des 14. Jahrhunderts im Hauptschiff ein gotisches Rippengewölbe eingezogen. Unterhalb der Kirche finden sich noch Reste des Neptun Tempels, auf dessen Fundament die Kirche steht, sowie Grotticella-Gräber aus dem 3. Jhd. v. Chr.

Am nachhaltigsten in Erinnerung ist mir aber die monumentale Festung von Barletta geblieben, an der über Jahrhunderte gebaut worden war. Begonnen hatten die Normannen den Bau im 10. Jahrhundert, ehe Friedrich II. zwischen 1225 und 1228 umfangreiche Erweiterungen vornahm. Ihre fast moderne Form mit den spitzig auslaufenden Eckbastionen erhielt die Festung erst unter Kaiser Karl V. im 16. Jahrhundert.

Optisch wenig beeindruckend, geschichtlich aber umso bedeutender. Unweit von Barletta fand eine der wichtigsten und für das Römische Reich verlustreichsten Schlachten der Antike statt. 216. v. Chr. gelang es dem Karthager Hannibal bei Cannae die Truppen der Römer vernichtend zu schlagen. Je nach Geschichtsschreiber fielen zwischen 50.000 (Livius) und 70.000 (Polybios) römische Soldaten, während Hannibal wohl nur knapp 6.000 Soldaten verlor. Für Militärs weltweit ist Cannae heute noch Lehrbeispiel und Vorbild zugleich.

Bari

Castello di Bari

Die Hauptstadt Apuliens ist bereits seit der Bronzezeit besiedelt gewesen. Nach Ende des Weströmischen Reiches wechselten sich die Besitzer immer wieder ab; Byzantiner, Sarazenen, Langobarden oder Karolinger. Erst mit der Eroberung Baris durch Robert Guiscard 1071 endete endgültig die Zeit der Byzantiner und die Ära der Normannen begann, deren Spuren man heute noch prominent in der Stadt sehen kann. Eine Blütephase erlebte Bari unter dem Staufer Friedrich II., mit seinem Nachfolger Karl von Anjou begann dann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt.

Beispiele des Figurenschmucks im Castello Svevo

Die Altstadt dominiert das Castello Svevo (Schwabenburg), das unter den Normannen 1131-32 auf den Mauern einer älteren, byzantinischen Anlage erbaut wurde. Ab 1233 wurden unter dem Staufer Friedrich II. umfangreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt. Ein Wassergraben, äußere Wehranlagen und zwei polygone Türme wurden errichtet, Säulen und Torbögen erhielten einen reichen Figurenschmuck, den maurische Steinmetze anfertigten. Aus dieser Zeit datiert auch der Name Castello Svevo.

Besonders zwei Kirchen prägen die Altstadt von Bari, eine davon ist Santa Sabina. In der Zeit des letzten normannischen Königs von Sizilien 1170-1178 errichtet, ist Santa Sabina eine typische Kirche der Normannenzeit. Ein monumentaler, fast festungsartiger Bau und eine relativ schlichte Innengestaltung sowie eine prachtvolle Fensterrose am Hauptportal dominieren das Bauwerk. Vor allem der Bischofsstuhl von 1098 und das rekonstruierte normannische Ziborium im Inneren sind sehr sehenswert. Die Krypta wurde leider barockisiert, einige mittelalterliche Fresken sind aber trotzdem erhalten geblieben.

Die zweite große Kirche der Altstadt ist die noch monumentalere und wirklich wie eine Burg wirkende Basilika San Nicola. Als eine der ersten großen Normannenkirchen Apuliens wurde sie 1087-1106 errichtet, um den Gebeinen des Heiligen Nikolaus von Myra eine würdige Grablege zu sein. Seefahrern aus Bari war damit einer der bedeutendsten Reliquiendiebstähle des Mittelalters gelungen, lag der Heilige doch eigentlich in der gleichnamigen Kirche von Demre in der heutigen Türkei.

San Nicola in Bari ist heute eine päpstliche Basilica und bedeutendes Pilgerziel für römisch-katholische wie orthodoxe Christen. Krypta und Presbyterium sind mit prachtvollen Mosaiken geschmückt, das Ziborium zählt zu den ältesten erhaltenen der Region und in der Krypta befindet sich das Grabmal des Heiligen Nikolaus. Als wir die Kathedrale besuchen wollten, fand eine Beerdigung statt, weswegen ich es pietätlos gefunden hätte, im Inneren zu fotografieren.

Zwischen Otranto und Gallipoli

Santa Annunziata in Otranto

Otranto ist ein kleines Fischerdorf südöstlich von Lecce, das auf eine lange Geschichte zurückblickt. Bereits seit der mittleren Bronzezeit besiedelt, entwickelte sich der Ort in der Antike zu einem wichtigen Hafen Richtung Epirus und wurde 1070 von den Normannen erobert und stark befestigt. Durch Türkeneinfälle während des 16. und 17. Jahrhunderts und die zunehmende Versumpfung der Gegend verlor Otranto immer weiter an Bedeutung und Einwohnern, was sich erst mit der Trockenlegung der Sümpfe im 20. Jarhundert wieder änderte.

Von besonderer kultureller Bedeutung ist neben der aragonesischen Festung und der kleinen byzantinischen Kirche San Pietro vor allem die Kathedrale Santa Annunziata aus dem 12. Jahrhundert.

Berühmt ist die Kirche in aller erster Linie wegen ihrem gigantischen und äußerst prächtigen Mosaikfußboden aus dem 12. Jahrhundert, der mit über 10 Millionen Steinen eine Fläche von 1596 m² bedeckt. Wenn man bedenkt, dass der gesamte Boden von einem Mann gelegt wurde, dem Mönch Pantaleone aus dem Kloster San Nicola di Casole, dann bekommt der Begriff Lebensaufgabe plötzlich eine ganz wortwörtliche Bedeutung. In über 700 Einzelgeschichten verbindet der Mönch dabei christliche Motive mit denen aus nordischen Sagen und griechischen Mythen, indem er z.B. auch Passagen der Artuslegende oder die Titanen der Griechen zeigt. Zudem werden in der Märtyrerkapelle die Gebeine der 800 im Jahre 2013 heilig gesprochenen Bewohner Otrantos aufbewahrt, die bei einem Türkeneinfall 1480 enthauptet wurden.

Von Otranto geht es weiter entlang der angenehm urpsprünglichen und nicht durch gigantische Hotel- und Ferienkomplexe verbauten Küste des Salento Richtung Santa Maria di Leuca, dem südlichsten Punkt Festlanditaliens. Neben kleinen versteckten Buchten zum Baden kann man dabei immer wieder auch Reste antiker und mittelalterlicher Wachtürme entdecken, die wie am Gargano rechtzeitig vor nahenden Gefahren vom Meer aus warnen sollten. Ich habe in Italien selten eine solch naturbelassene, unverbaute Küste gesehen, wie hier im Süden Apuliens.

Auf dem Weg nach Leuca fährt man an der völlig unscheinbaren Gemeinde Patù vorbei, die allerdings ein kleines Geheimnis verbirgt. Am 24. Juni 877 kam es hier zu einer Schlacht zwischen den Sarazenen und Truppen der Karolinger. Das Grab des Generals Geminiano erinnert noch heute an dieses Ereignis. Aus 100 Steinen errichtet (daher der Name) ist es eines der wenigen erhaltenen Gebäude/Grablegen des Frühmittelalters in Süditalien. Im Inneren befinden sich noch die Reste von Fresken, die zumeist Heiligenfiguren aus dem Orient zeigen und bis ins 14. Jahrhundert eine Nutzung des Ortes belegen. Später völlig in Vergessenheit geraten wurde er erst 1872 quasi wiederentdeckt.

Die Uferpromenade von Gallipoli

Nach Leuca geht es die westliche Küste des Stiefelabsatzes wieder nach oben bis man Gallipoli erreicht. Von griechischen Siedlern um das 3. Jahrhundert vor Christus gegründet, wechselten sich die Besitzer in den folgenden Jahrhunderten mehrfach ab. Heute ist der Ort für mich eines der Paradebeispiele entspannten südlichen Lebensstils. Entlang der Uferpromenade lässt sich angenehm zu Abend essen und der Flair des Örtchens hat etwas besonderes, ähnlich wie ich es auch in Trani erlebt habe. Gemütlich bummeln, einen Spritz oder Negrino trinken, gegrillten Fisch zum Abendessen und dabei dieses ruhige und entspannte Gefühl des Ortes genießen…