Matera und Altamura

Blick über die Altstadt von Matera

Matera liegt direkt hinter der Grenze Apuliens zur Basilikata und gehört damit eigentlich nicht mehr zum Thema dieser Beitragsreihe. Da wir die Stadt aber von Apulien aus, zusammen mit dem apulischen Altamura, besichtigt haben, möchte ich es doch hier vorstellen. Das UNESCO-Weltkulturerbe und die europäische Kulturhauptstadt von 2019 ist ein ganz außergewöhnlicher Ort. Die karstige Hochebene der Murgia, auf der die Stadt liegt, verfügt über unzählige Höhlen und Vertiefungen im Fels (die sog. Sassi), die seit Jahrhunderten Wohnraum für die Menschen Materas darstell(t)en.

Schon in der Jungsteinzeit lassen sich erste Belege für eine auch zahlenmäßig größere menschliche Besiedlung der Region um Matera finden. Mit der normannischen Eroberung 1043 begann die Blütezeit der Stadt, auch da es zum Königssitz der normannischen Könige Siziliens auf dem Festland wurde. Erst etwa ab Mitte des 17. Jahrhunderts vollzog sich ein schleichender Niedergang der Stadt, der durch den Roman Carlo Levis 1944, Christus kam nur bis Eboli, nationale Aufmerksamkeit erfuhr. Mitte des 20. Jahrhunderts lebten noch über zehntausend Menschen in den Sassi, meist ohne Strom und fließend Wasser. Daher wurden während der 1950er und ’60er Jahre moderne Wohnblocks errichtet und die Bewohner umgesiedelt, was wiederum zum allmählichen Verfall der Sassi und Teilen der Altstadt führte.

Erst der Tourismus rettete Matera vor dem Verfall und Menschen ziehen wierder zurück in die historischen Sassi und Wohnungen, richten sie her und tragen dazu bei, diese einmalige Kulisse für die Zukunft zu erhalten. Auch Hollywood und der italiensiche Film haben Matera als Kulisse entdeckt und neben Pier Paolo Pasolinis berühmten Film das Matthäusevangelium wurden hier auch Szenen für Mel Gibsons Passion Christi 2004, Wonder Woman 2017 oder den Bondfilm Keine Zeit zu sterben gedreht.

Normalerweise stelle ich immer einzelne, besondere Gebäude vor, die einen Besuch lohnen, bei Matera ist jedoch die gesamte Altstadt als Kunstwerk zu sehen, für die man sich wirklich Zeit nehmen sollte. Ob man zusätzlich einzelne Sassi besichtigt, die Chiesa San Giovanni Batista, den romanischen Dom oder das Castell ist jedem selbst überlassen.

Nur knapp 20 Kilometer nördlich von Matera liegt die Stadt Altamura, ebenfalls noch im Karstgebiet der Murgia. Bereits in der Frühantike besiedelt, legten die Peutekier hier eine Akropolis an, die sog. Hohe Mauer gab der Stadt bis heute ihren Namen Altamura. Nach der Zerstörung im 9. Jahrhundert nach Christus gab erst Kaiser Friedrich II. 1230 die Neugründung der Stadt in Auftrag. Aus dieser Zeit stammt auch die Hauptsehenswürdigkeit Altamuras.

Die Kathedrale von Altamura ist die einzige im Auftrag Friedrichs II. erbaute Kirche Apuliens. Der ab 1232 begonnene Bau wurde leider durch ein schweres Erdbeben 1316 zerstört, der unter Karl von Anjou vollzogene Wiederaufbau schuf dann jedoch eines der schönsten Kirchenportale Apuliens. Dieses spätromanische Portal zeigt Szenen aus dem Leben Chrsti und ist alleine einen Besuch wert. Das Kircheninnere weist leider kaum noch Relikte der Romanik und Frühgotik auf, sondern wurde vor allem während des 17. bis 19. Jahrhundert stark verändert.

Einen Blick sollte man auch auf das kleine Kirchlein San Nicola dei Greci werfen, das zeitgleich zur Kathedral entstand und ein Taufbecken des 13. Jahrhunderts sowie mehrere schöne Skulpuren des 16. Jahrhunderts enthält.

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