Troia und Canosa di Puglia

Santa Maria Assunta in Troia

Die mit nur knapp 7.000 Einwohnern sehr kleine Gemeinde Troia liegt lediglich knapp 25 Kilometer westlich von Foggia, aber gefühlt Lichtjahre von den Touristenrouten Apuliens entfernt. Um 1022 auf den Ruinen des antiken Aecae gegründet, wurde die Stadt bereits 1229 von Friedrich II. wieder zerstört. Zwar war die Stadt, wie es Falcone von Benevent überliefert, auch von den Normannen bereits verwüstet worden, aber die Zerstörungen von 1229 müssen ungleich schlimmer für die Stadt und ihre weitere Entwicklung gewesen sein.

Heute kennen Weinliebhaber die Stadt vielleicht von der ihren Namen tragenden autochtonen Rebsorte des Nero di Troia. Wie der Name bereits sagt ist diese Traube beinahe schwarz und da sie spät reift, enthalten die daraus gekelterten Rotweine viel Zucker. Daher weisen die Nero di Troia eine meist ausgeprägte Tanninstruktur und eine rubinrote Farbe auf. Auf Grund des geringen Ertrages den diese Rebsorte liefert, sind diese Weine allerdings außerhalb Apuliens noch relativ unbekannt.

Die große Sehenswürdigkeit des Städtchen ist die normannische Kathedrale Santa Maria Assunta. Sie gilt als eines der Hauptwerke der apulischen Romanik und wurde primär zwischen 1073 und 1120 errichtet. Damit zählt sie auch zu den ältesten Kirchen der Romanik in Apulien. Vor allem die Hauptfassade mit ihrer etwas später gefertigten, prächtigen Fensterrosette von 1160-80, machen die Kirche zu etwas Besonderem. Die Fensterrosette gilt in der Kunstgeschichte gar als die schönste Apuliens, gerade die unterschiedlich gearbeiteten, fast orientalisch anmutenden Transennen (ornamental durchbrochener Stein oder Marmor) sind einzigartig. Im Inneren Bogen über der Rosette kann man oben rechts sogar die Figur eines Jungen entdecken, der gerade seine Notdurft verrichtet.

Auch die Bronzetüren des Hauptportals, die von einem der bekanntesten Bronzegießer seiner Zeit, Oderisius von Benevent, im Jahre 1119 geschaffen wurden, sind ein kunsthistorischer Schatz. Die 28 Einzelfelder wurden in Niellotechnik (eingravierte und mit schwarzer Farbe aufgefüllte Zeichnungen) gearbeitet. Leider sind nur noch die Türklopfer, die kleinen geflügelten Drachenfiguren sowie die obersten vier Platten original erhalten, der Rest wurde v.a. während des 16. und 17. Jahrhunderts ausgetauscht.

Im Kircheninneren, das wie die meisten vergleichbaren Kirchen recht schlicht ist, stellt gerade die Kanzel von 1169 eine Besonderheit dar, gilt sie doch als eines der Hauptwerke dieser Zeit in Apulien. Das Relief, das einen Löwen zeigt, der ein Schaf reißt, seinerseits aber von einem Hund angefallen wird, hat altorientalische Vorbilder und zeigt, wie sehr die muslimische Kunst in den Stil der Normannen und Staufern Eingang gefunden hat.

Knapp 80 Kilometer entfernt von Troia, in der Nähe von Barletta liegt Canosa di Puglia. Das antike Canusium wurde Ende des 9. Jahrhunderts von den Sarazenen zerstört und gewann erst unter den Normannen ab dem 11. Jahrhundert wieder an Bedeutung. Durch mehrfache Zerstörungen unter den Anjou und darauf folgenden Erdbeben ist vom alten Kern der Stadt heute nicht mehr viel erhalten geblieben. Für mich persönlich ist Canosa trotzdem einer der wichtigsten Orte Apuliens geblieben, da hier das Grabmal von Bohemund von Tarent, einem Sohn Robert Guiskards liegt.

Bohemund war, neben dem Sohn seines Halbbruders, Roger II., die spannendste und faszinierendste Figur der normannischen Geschichte Süditaliens. Da ihm das Erbe seines Vaters verwehrt wurde, schloss er sich dem ersten Kreuzzug an und nach der Eroberung Antiochias beanspruchte er die Stadt für sich und zog gar nicht weiter bis Jerusalem. Damit wurde er zum dritten Begründer eines normannischen Reiches (Normandie/England, Sizilien und Antiochia) und ein Nachfahre von ihm war maßgeblich am Scheitern der Ehe zwischen Eleonore von Aquitanien und dem französischen König beteiligt, wenn man den Quellen glauben schenken mag.

Das Grabmal wurde um das Jahr 1111 errichtet und erinnert an syrische Grabbauten. Die heute in der Kathedrale zu sehenden Bronzetüren stammen vom Glockengießer Roger aus Melfi und sind nicht ganz so hochwertig wie das Portal von Troia, aber trotzdem sehr sehenswert. Die Kirche San Sabino selbst wurde leider im 19. Jahrhundert erweitert und mit einer klassizistischen Fassade „verschönert“, beherbergt aber mit der Kanzel und dem Bischofsthron noch zwei sehenswerte Objekte der Romanik. Ein kurzer Zwischenstopp lohnt also nicht nur für Bohemundfans wie mich. Dabei sollte man aber tunlichst NUR auf offiziell erlaubten Parkplätzen stehen (richtige farbliche Umrandung beachten!!! Blau gut, weiß und gelb schlecht wenn ich mich richtig erinnere), denn die ansonsten fällige Strafzettelgebühr macht Canosa zu einem sehr teuren Pflaster, wie wir erfahren mussten.

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