Lecce

Der barocke Bischofspalast von Lecce

Lecce wird gerne als das Florenz des Rokoko bezeichnet und ist neben Neapel die bedeutendste Barockstadt Süditaliens. Dabei hat sie ihren ganz eigenen Stil geprägt, den Lecceser Barock. Typisch sind die opulenten Fassaden mit ihrer Vielzahl an plastischen Dekorationen, die dabei aber nie das Gefühl für gestalterische Leichtigkeit und Harmonie verlor. Damit knüpft der Lecceser Barock stärker an Vorbilder der Renaissance an, als z.B. der Barock Süddeutschlands.

Abbazia Santa Maria di Cerrate

Bevor man Lecce selbst besichtigt, bietet sich ein kleiner Umweg über die wenige Kilometer nördlich gelegene Abtei Santa Maria di Cerrate an. Der Komplex gilt als eines der wichtigsten Beispiele der apulischen Romanik und wurde Ende des 12. Jahrhunderts vom Grafen Tankred von Lecce, dem späteren glücklosen König von Sizilien, errichtet. Später wurde die Abtei in einen landwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt und nach einem Überfall osmanischer Piraten 1711 aufgegeben.

Die Baustruktur und Innenausstattung der Kirche sind noch relativ original erhalten geblieben. Der Baldachin über dem Altar stammt von 1269 und die Fresken der Apsis wurden im 12. und 13. Jahrhundert gemalt.

Von der antiken Geschichte der Stadt Lecce erzählt heute vor allem das im Zentrum unter Mussolini freigelegte römische Amphitheater. Das Fassungsvermögen von knapp 20.000 Personen zeigt, dass Lecce sicherlich deutlich mehr Einwohner gehabt haben muss. Leider wurden bei der Freilegung einige mittelalterliche bzw. barocke Gebäude abgerissen.

Das heutige Stadtbild verdankt Lecce jedoch seiner Blütezeit zwischen 1550 und 1750. Mit ihrem Ausbau zur Festungsstadt unter Kaiser Karl V. ging auch die Erhebung zum Verwaltungszentrum des Salento (der Region des Stiefelabsatzes) einher. Dadurch erlebte die Stadt eine wirtschaftliche und damit verbunden eine kulturelle Blüte, von der heute noch die zahlreichen Bauwerke des Lecceser Barock künden.

Die Basilika Santa Croce gilt als Höhepunkt des Lecceser Barocks und wurde zwischen 1549 und Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut. Für Liebhaber dieses Kunststiles ein absoluter Pflichttermin, muss ich persönlich gestehen, dass mich die Kirche eher unbeeindruckt gelassen hat. Neben der Bischofsresidenz sind auch die Kirchen Sant’Irene (die Heilige Irene von Lecce war bis 1656 Schutzpatronin der Stadt) sowie San Niccolò e Cataldo sehenswert. Letztere wurde urpsrünglich 1180 von Tankred von Lecce (der selbe Tankred wie Santa Maria di Cerrate) gegründet und trotz der starken Überformung während des Barock sind noch Reste der romanischen Ursprungsgestaltung erhalten geblieben.

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