Auf den Spuren Friedrichs II.

Castel del Monte

Die Person Friedrichs II. stelle ich in vielen ihrer Facetten an anderer Stelle vor. Dort versuche ich auch zu zeigen, warum dieser Herrscher so außergewöhnlich war/ist und wieso schon Zeitgenossen ihn als stupor mundi, als Staunen der Welt, bezeichnet haben. In diesem Beitrag soll es vor allem um Orte und Monumente gehen, die für seine Biographie und die Geschichte Apuliens wichtig waren, oder wo er bis heute sichtbare Spuren hinterlassen hat.

Die Stauferburg von Gioia del Colle ist eines der weniger bekannten Objekte aus der Zeit Kaiser Friedrichs II. Fairerweise muss man auch sagen, dass Teile der Burg schon deutlich früher entstanden, nämlich zur Zeit der Byzantiner und Normannen. Durch die Zerstörung der Burg unter König Wilhelm von Sizilien ist die heutige Form aber in großen Teilen auf den Neu-/ Wiederaufbau unter Friedrich II. zurückzuführen. Gioia del Colle zählt zudem zu den schönsten und am besten erhaltenen Burgen dieser Epoche in Apulien.

Hier wurde auch der gemeinsame Sohn Friedrichs und Bianca Lancias, Manfred, geboren, der später zum Fürst von Tarent wurde und nach dem Tod seines Vaters 1258 bis 1266 König von Sizilien. Durch seinen Tod in der Schlacht von Benevent gegen die Truppen Karls von Anjou endete die Stauferherrschaft in Süditalien und der wirtschaftliche und kulturelle Abstieg der Region beschleunigte sich, da sowohl Karl von Anjou als auch die später herrschenden Aragoneser Süditalien als Provinz und nicht als Herrschaftszentrum verwalteten. Manfred lebt aber heute noch im Namen der von ihm gegründeten Stadt Manfredonia in Apulien weiter.

Die Innenausstattung von Gioia del Colle wurde überwiegend während den Restaurationen des 20. Jahrhunderts angebracht, gibt aber zumindest eine Vorstellung des früheren Lebens, die man in den anderen, zumeist völlig kahlen Burgen der Staufer in Apulien, nicht gewinnen kann.

Tor des Stadtpalastes Friedrichs II. in Foggia

Von der ehemaligen Residenzstadt Friedrichs II., Foggia, ist heute leider so gut wie nicht mehr erhalten geblieben. Da die mittlerweile knapp 150.000 Einwohner zählende Stadt durch ein Erdbeben 1731 und die Bombardierungen während des Zweiten Weltkrieges zweimal fast komplett zerstört wurde, lohnt sich ein Zwischenstopp nur für wirkliche Stauferenthusiasten wie mich.

Von der ehemaligen Residenz, dem Stadtpalast Friedrichs, ist heute nicht mehr als dieser Torbogen auf dem oberen Bild übrig geblieben. Trotzdem war es mir wichtig, dieses letzte Relikt kaiserlicher Pracht in Foggia gesehen zu haben, ehe es zum nächsten wichtigen Ort weiterging.

Leicht nordwestlich von Foggia, nur wenige Kilometer entfernt liegt Lucera. Dieser Ort wurde unter Friedrich II. wieder aufgebaut und diente in der Folge als Heimat für 20.000 von ihm aus Sizilien zwangsumgesiedelte Muslime. Zum einen endete dadurch die muslimische Geschichte Siziliens, zum anderen begann eine besonders enge Beziehung zwischen dem Kaiser und den Muslimen Luceras. Aus ihren Reihe rekrutierte Friedrich in der Folge seine Leibwache und viele der in seiner Armee kämpfenden Soldaten, waren doch die Muslime Luceras wegen ihrer Religion völlig unbeeindruckt von den Bannflüchen der Päpste.

Vom mächtigen Stauferkastell über dem heutigen Lucera sind lediglich die massiven Außenmauern und Teile der Türme erhalten geblieben, da, nach der Niederlage Manfreds in der Schlacht von Benevent, Karl von Anjou Lucera eroberte und die staufertreuen Muslime massakrieren ließ. Die Stadt wurde geschleift und auf den Trümmern der Moschee entstand die heutige Kathedrale von Lucera.

Aber die Monumentalität der Anlage von Lucera beeindruckt trotz der Zerstörungen des Anjou bis heute.

Nördlich von Lucera erreicht man mitten im Nirgendwo (entlang der SP 17 in der Nähe des Sterparone Airfield) die Ruine von Castel Fiorentino. Die Reste der seit Jahrhunderten unbewohnten Burg selbst sind relativ unbeeindruckend, wäre in ihren Mauern nicht am 13. Dezember 1250 Kaiser Friedrich II. verstorben. Dies macht Castel Fiorentino für jeden der auf den Spuren der Staufer durch Apulien fährt zu einem Pflichtbesuch (was aus eigener Erfahrung allerdings sehr wenige Menschen außer mir sind).

Gerade im Frühjahr hat man von hier einen wunderschönen Blick über die Apulische Ebene (Capitanata) und ihre bis an den Horizont reichenden Getreidefelder.

Den Abschluss dieses Beitrages bildet das sicherlich bekannteste Relikt der Stauferzeit in Apulien: Castel del Monte. Im Jahre 1240 begann man den Bau des Schlosses, durch den Tod Friedrichs II. 1250 blieb der Bau jedoch gerade in der Innenausstattung unvollendet. Auch die geplante Nutzung ist bis heute umstritten, insgesamt ist die Quellenlage zum Bau mehr als dürftig. Jagdschloss, Residenz, bloßer Repräsentationsbau oder steingewordener Machtanspruch, Deutungen gibt es viele, Belege keine.

Das Schloss ist achteckig und an jeder Ecke steht ein wiederum achteckiger Turm und symbolisiert damit die Vollkommenheit des Baus. Weitere oktogonale Bauformen finden sich vor allem in der Sakralarchitektur (Pfalzkapelle von Aachen, San Vitale in Ravenna, die meisten Baptisterien), da dies als Symbol für die Auferstehung Christi steht. In diesem Kontext sind sicherlich auch die Formen von Castel del Monte zu sehen, das 1996 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerben aufgenommen wurde.

Bei einem Besuch sind es vor allem die Geschichte des Ortes, die perfekten architektonischen Formen und die grandiose Aussicht, die beeindrucken. Das völlig schmucklose, geradezu kahle Innere der Burg und ihrer Räume kann unvorbereitete Besucher allerdings auch enttäuschen.

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