Zwischen Bitonto und Barletta

San Valentino in Bitonto

Nördlich von Bari erstreckt sich auf knapp siebzig Kilometern eine Kulturlandschaft, wie es sie in dieser Dichte in Apulien kein zweites Mal geben dürfte. Bitonto, Molfetta, Trani, Ruvo di Puglia, Andria und Barletta, alles Orte mit zum Teil herausragenden Zeugnissen der Geschichte Apuliens unter Normannen und Staufern. Während Trani einen eigenen Beitrag erhalten wird und von Andria an anderer Stelle die Rede sein wird, möchte ich hier von Bitonto über Molfetta, Rivo di Puglia nach Barletta fahren, was für einen Tag auch ein mehr als ausreichendes Programm darstellt.

Beginnen möchte ich mit San Valentino in Bitonto, der in meinen Augen, neben Trani, schönsten Kirche Apuliens aus der Zeit der Normannen und Staufer. Zwischen 1175 und 1200 erbaut, beherbergt sie einige wirklich einzigartige Stücke romanischer Steinmetzkunst in ihrem Inneren. Auch beachtenswert ist die noch erhaltene tolle Holzdecke mit ihren bemalten und verzierten Balken.

Das bedeutendste Kunstwerk der Kirche ist die Kanzel von 1229, die von Magister Nikolaus erschaffen wurde. Reich geschmückt mit Intarsien trägt die Figur eines Adlers das Lesepult. Am Aufgang sieht man ein Relief mit der Darstellung der vier Stauferherrscher (von links: Friedrich I., Heinrich VI., Friedrich II., Konrad IV./oder Heinrich (VII).). Eine Krone tragen nur der Begründer der Dynastie Friedrich I. (eigentlich wäre dies Konrad III.) und der gerade regierende Friedrich II. Diese Darstellung bringt das Selbstverständnis der Staufer als Geschlecht der Endkaiser zur Geltung. Dies Vorstellung lebt in den vielen falschen Friedrichen, die nach dem Tod Friedrichs II. im Heiligen Römischen Reich erschienen, sowie in der nationalen Verklärung des 19. Jahrhunderts auch in der Kyffhäuser Legende Barbarossas weiter.

Mosaik der Unterkirche

Auch einen Blick sollte man in der archäologischen Bereich unterhalb der heutigen Kirche werfen. Dort sind noch Reste frühchristlicher und vorromanischer Bauten erhalten geblieben. Antike Säulen, sog. Spolien, wurden dabei genauso gefunden, wie Fresken und Mosaike.

San Corrado in Molfetta

Direkt am Dom von Molfetta kann man bequem parken, was die Besichtigung der Kirche sehr vereinfacht. Leider war die Altstadt Molfettas fast komplett aufgegeben worden (heute kehrt langsam wieder Leben zurück), sodass der Besuch der Kirche und ein kurzer Spaziergang entlang der Hafenpromenade reichen. Zwischen 1150 und 1200 errichtet ist San Corrado eines der vielen erhaltenen Beispiele normannischer Sakralarchitektur in Apulien. Im Inneren sehr schlicht, wirkt aber die wieder massive Architektur der Kirche besonders spektakulär, wenn man vom Meer aus zur Kirche schaut.

Ruvo di Puglia würde heute sicherlich von den meisten Touristen gemieden werden, gäbe es nicht die Kathedrale Santa Maria Assunta aus dem 12. Jahrhundert. Ruvo selbst wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach teils komplett zerstört, weswegen die heutige Altstadt kaum als solche zählen kann. Umso beeindruckender liegt die Kirch Santa Maria Assunta mit ihrer typisch romanischen Hauptfassade und der tollen Fensterrose im Zentrum der Stadt. Oberhalb der Fensterrose erkennt man die sitzende Figur Roberts II. Bassavilla, Grafen von Conversano und Loritello, möglicherweise Bauherr der Kirche. Das Innere ist wieder sehr schlicht, einige Freskenreste des späten Mittelalters sind jedoch erhalten geblieben.

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch von Barletta. Während des Mittelalters erlebte die Stadt eine regelrechte Blüte, war sie doch einer der wichtigsten Treffpunkte der Kreuzfahrer vor der Überfahrt ins Heilige Land. Templer, Johanniter und Deutscher Orden unterhielten hier ständige Niederlassungen. Gerade aus der Zeit der Staufer stammen die noch heute prägendsten Bauwerke der Altstadt.

Zum einen ist dies die Kathedrale Santa Maria Maggiore, die eine der wenigen romanischen Kirchen Apuliens ist, die nachträglich größere Umbauten während der Gotik erlebt hat. Nach der Weihe 1267 wurde z.B. während des 14. Jahrhunderts im Hauptschiff ein gotisches Rippengewölbe eingezogen. Unterhalb der Kirche finden sich noch Reste des Neptun Tempels, auf dessen Fundament die Kirche steht, sowie Grotticella-Gräber aus dem 3. Jhd. v. Chr.

Am nachhaltigsten in Erinnerung ist mir aber die monumentale Festung von Barletta geblieben, an der über Jahrhunderte gebaut worden war. Begonnen hatten die Normannen den Bau im 10. Jahrhundert, ehe Friedrich II. zwischen 1225 und 1228 umfangreiche Erweiterungen vornahm. Ihre fast moderne Form mit den spitzig auslaufenden Eckbastionen erhielt die Festung erst unter Kaiser Karl V. im 16. Jahrhundert.

Optisch wenig beeindruckend, geschichtlich aber umso bedeutender. Unweit von Barletta fand eine der wichtigsten und für das Römische Reich verlustreichsten Schlachten der Antike statt. 216. v. Chr. gelang es dem Karthager Hannibal bei Cannae die Truppen der Römer vernichtend zu schlagen. Je nach Geschichtsschreiber fielen zwischen 50.000 (Livius) und 70.000 (Polybios) römische Soldaten, während Hannibal wohl nur knapp 6.000 Soldaten verlor. Für Militärs weltweit ist Cannae heute noch Lehrbeispiel und Vorbild zugleich.

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