Zwischen Otranto und Gallipoli

Santa Annunziata in Otranto

Otranto ist ein kleines Fischerdorf südöstlich von Lecce, das auf eine lange Geschichte zurückblickt. Bereits seit der mittleren Bronzezeit besiedelt, entwickelte sich der Ort in der Antike zu einem wichtigen Hafen Richtung Epirus und wurde 1070 von den Normannen erobert und stark befestigt. Durch Türkeneinfälle während des 16. und 17. Jahrhunderts und die zunehmende Versumpfung der Gegend verlor Otranto immer weiter an Bedeutung und Einwohnern, was sich erst mit der Trockenlegung der Sümpfe im 20. Jarhundert wieder änderte.

Von besonderer kultureller Bedeutung ist neben der aragonesischen Festung und der kleinen byzantinischen Kirche San Pietro vor allem die Kathedrale Santa Annunziata aus dem 12. Jahrhundert.

Berühmt ist die Kirche in aller erster Linie wegen ihrem gigantischen und äußerst prächtigen Mosaikfußboden aus dem 12. Jahrhundert, der mit über 10 Millionen Steinen eine Fläche von 1596 m² bedeckt. Wenn man bedenkt, dass der gesamte Boden von einem Mann gelegt wurde, dem Mönch Pantaleone aus dem Kloster San Nicola di Casole, dann bekommt der Begriff Lebensaufgabe plötzlich eine ganz wortwörtliche Bedeutung. In über 700 Einzelgeschichten verbindet der Mönch dabei christliche Motive mit denen aus nordischen Sagen und griechischen Mythen, indem er z.B. auch Passagen der Artuslegende oder die Titanen der Griechen zeigt. Zudem werden in der Märtyrerkapelle die Gebeine der 800 im Jahre 2013 heilig gesprochenen Bewohner Otrantos aufbewahrt, die bei einem Türkeneinfall 1480 enthauptet wurden.

Von Otranto geht es weiter entlang der angenehm urpsprünglichen und nicht durch gigantische Hotel- und Ferienkomplexe verbauten Küste des Salento Richtung Santa Maria di Leuca, dem südlichsten Punkt Festlanditaliens. Neben kleinen versteckten Buchten zum Baden kann man dabei immer wieder auch Reste antiker und mittelalterlicher Wachtürme entdecken, die wie am Gargano rechtzeitig vor nahenden Gefahren vom Meer aus warnen sollten. Ich habe in Italien selten eine solch naturbelassene, unverbaute Küste gesehen, wie hier im Süden Apuliens.

Auf dem Weg nach Leuca fährt man an der völlig unscheinbaren Gemeinde Patù vorbei, die allerdings ein kleines Geheimnis verbirgt. Am 24. Juni 877 kam es hier zu einer Schlacht zwischen den Sarazenen und Truppen der Karolinger. Das Grab des Generals Geminiano erinnert noch heute an dieses Ereignis. Aus 100 Steinen errichtet (daher der Name) ist es eines der wenigen erhaltenen Gebäude/Grablegen des Frühmittelalters in Süditalien. Im Inneren befinden sich noch die Reste von Fresken, die zumeist Heiligenfiguren aus dem Orient zeigen und bis ins 14. Jahrhundert eine Nutzung des Ortes belegen. Später völlig in Vergessenheit geraten wurde er erst 1872 quasi wiederentdeckt.

Die Uferpromenade von Gallipoli

Nach Leuca geht es die westliche Küste des Stiefelabsatzes wieder nach oben bis man Gallipoli erreicht. Von griechischen Siedlern um das 3. Jahrhundert vor Christus gegründet, wechselten sich die Besitzer in den folgenden Jahrhunderten mehrfach ab. Heute ist der Ort für mich eines der Paradebeispiele entspannten südlichen Lebensstils. Entlang der Uferpromenade lässt sich angenehm zu Abend essen und der Flair des Örtchens hat etwas besonderes, ähnlich wie ich es auch in Trani erlebt habe. Gemütlich bummeln, einen Spritz oder Negrino trinken, gegrillten Fisch zum Abendessen und dabei dieses ruhige und entspannte Gefühl des Ortes genießen…

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