Gargano und Vieste

Entlang der Küste des Gargano

Der Gargano ist eine der landschaftlich reizvollsten Regionen Apuliens und im Nationalpark Foresta Umbra gedeihen knapp 60% der europäischen Orchideenarten. Von den Pilgerorten San Giovanni Rotondo und Monte Sant’Angelo soll an anderer Stelle die Rede sein, in diesem Beitrag möchte ich ein bisschen die Landschaft und das Naturerlebnis Gargano in den Vordergrund stellen.

Der „Sporn“ des italienischen Stiefels ist geprägt durch seine Karstböden und Pinien- bzw. Buchenwälder. Das weiche Kalkgestein sorgt gerade im Verlauf der Küstenlinie immer wieder für grandiose Formationen, wie Torbögen oder kleine Inseln auf Stelzen. Entlang der Küste wurden zu Verteidigungszwecken in regelmäßigen Abständen bzw. an strategisch besonders wichtigen Positionen Türme errichtet, die vor allem eine flächendeckende Überwachung der Küste ermöglichen sollten. Die ältesten noch erhaltenen stammen aus dem 12. Jahrhundert, viele wurde erst während des 15. und 16. Jahrhunderts errichtet.

Orchideenwiese im Inneren des Gargano

Wer die Küstenlinie verlässt, dem bietet sich landschaftlich ein ganz anderes Bild. Dichte Wälder dominieren das Innere der Halbsinel. Für jeden Orchideenliebhaber sind die Wiesen des Gargano ein wahres Paradies. Vor allem Fingerwurze und Arten des Knabenkraut finden sich hier. Der Nationalpark Foresta Umbra (dunkler Wald) erstreckt sich über 400 ha und ist gerade im Zentrum komplett für Touristen gesperrt, um der einzigartigen Fauna und Flora des Gebietes einen geschützten Rückzugsraum zu sichern. Die zugänglichen Bereiche kann man im Rahmen kleiner Wanderungen bzw. Spaziergänge erschließen. Wenn man etwas Zeit hat, sollte man das auch unbedingt machen, vor allem wenn man nicht in der Hauptsaison oder im Frühjahr während der Blumen- und Orchideenblüte unterwegs ist.

Trabucco

Immer wieder stößt man in den Ortschaften des Gargano auf solche Holzkonstruktionen für Fischer. Ursprünglich wahrscheinlich von den antiken Phöniziern erfunden kamen diese Plattformen im Mittelalter nach Italien und dienten den Menschen gerade an steilen Küstenabschnitten dazu, ihre Netze gefahrloser zu Wasser lassen zu können. Leider finden sie heute kaum bis keine Verwendung mehr und obwohl sie auf dem Gargano geschützt sind, werden die Trabucchi wahrscheinlich verschwinden, da es fast niemanden mehr gibt, der soetwas heute noch bauen kann.

Wer einen Trabucco in Aktion erleben will und den dadurch gefangenen Fisch genießen möchte, der muss ab dem Frühjahr (vorher geschlossen) in die Localitá Punta San Nicola bei Peschici auf dem Gargano fahren und im Restaurant Al Trabucco da Mimì vorbeischauen.

Der Hauptort des Gargano ist Vieste und das ehemalige Fischerdorf mit seinen 14.000 Einwohnern lebt heute hauptsächlich vom Tourismus. Sehenswert ist vor allem der mittelalterliche Ortskern, der auf einer Felsspitze ins Meer ragt und ausschließlich zu Fuß besucht werden kann. Die schmalen Gassen würden eine Fahrt mit dem Auto auch sehr schnell unmöglich machen. Die Burg der Stadt wurde 1240 von Friedrich II. errichtet und später erweitert um Schutz gegen die Überfälle von Korsaren und den Osmanen zu bieten. 1554 half aber auch das nicht mehr und 7000 Einwohner wurden verschleppt und hunderte auf dem noch heute im Stadtzentrum zu sehenden Fels enthauptet.

Wahrzeichen der Stadt ist der Pizzomunno, der etwas unanständig wirkende Kalkfels am Strand von Vieste. Per Boot lassen sich auch einige der unzähligen Grotten des Gargano besuchen.

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