San Galgano

Die Ruine von San Galgano

Aus meiner Kindheit erinnere ich mich natürlich nicht mehr an vieles. Aber einige Orte, die ich in Urlauben habe sehen dürfen, haben mich nachhaltig beeindruckt und wahrscheinlich auch meinen weiteren Lebensweg (Studium der Geschichte etc.) beeinflusst. Dazu zählen die Templerburg Tomar in Portugal, die Mezquita von Cordoba und die Ruine von San Galgano in der Toskana.

Die Kirche mit ohne Dach, wie ich sie damals genannt habe, ist heute eines der Postkartenmotive der Region und touristisch weitaus stärker frequentiert als damals, was ihr leider einen nicht unerheblichen Teil ihres Charmes nimmt. Das wildromantische, alleine im Nirgendwo ist wohl auf immer verloren gegangen, was allein die Größe des Parkplatzes bereits eindrucksvoll belegt.

Die Abbazia San Galgano liegt knapp 35 Kilometer südwestlich von Siena in der Maremma. Hier hatte im 12. Jahrhundert der Einsiedler Galgano Guidotti eine Einsiedelei gegründet und der Legende nach sein Schwert in einen Stein gestoßen, um seine Abkehr vom alten Leben und den Kriegen in denen er gekämpft hatte, zu beweisen. Nach seinem Tod mit 33 Jahren ließen sich hier Zisterziensermönche nieder, denen die urpsrünglichen Gebäude schnell zu klein wurden, weswegen sie am Fuß des Montesiepi mit dem Bau der großen Abteikirche 1224 begannen.

Nichts desto trotz sollte man auch die ehemalige Einsiedelei besuchen, beherbergt sie doch einige schöne Fresken der Galgano-Legende. Das noch heute sichtbare Schwert ist allerdings nicht mehr das Original sondern stammt meines Wissens aus dem 19. Jahrhundert.

Der Bau von 1224

Die ab 1224 errichtete Kirche zeugt vom Reichtum der Mönche von San Galgano, die über großen Grundbesitz verfügten und maßgeblich am Bau des Doms von Siena beteiligt waren. Im Laufe des 14. Jahrhunderts änderte sich jedoch die wirtschaftliche Lage und Kriege sowie Hungersnöte ließen das Kloster verarmen. Nach der Auflösung 1783 stürzten im Laufe der Zeit Teile der Anlage (Glockenturm, Gewölbe, Klostergebäude) zusammen und Bauern aus der Umgebung nutzten die Kirche als Steinbruch. Erst ab 1881 wurde dem Verfall Einhalt geboten und erste Restaurierungsmaßnahmen begannen. Seit 1961 dient San Galgano sogar wieder als Kloster der Olivetaner.

Der Bau der Kirche stellt architektonisch eine Besonderheit in der Toskana dar, da es der erste wirklich gotische Bau dieser Zeit war, der sich zudem an der burgundischen Bauweise orientierte. Da sich diese Gotik in der Toskana nicht durchsetzen konnte, gibt es heute nichts vergleichbares in der Region, was San Galgano umso einzigartiger macht und die Wirkung der Ruine als fast magisch/außerirdischen Ort verstärkt.

Blick auf die benachbarte Ortschaft Chiusdino

Wer etwas mehr Zeit mitbringt als wir, kann in das wenige Kilometer entfernte Chiusdino fahren, dessen Ortskern aus dem 12. Jahrhundert stammt. In der Kirche San Michele Arcangelo befindet sich der Kopf des Heiligen Galgano als Reliquie. Die drei Mauerringe des Städtchen geben dem Ort zudem einen ganz eigenen Flair.

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