Volterra

Baptisterium und Dom von Volterra

Im Gegensatz zu Florenz, Siena oder San Gimignano gibt es in Volterra keine solche Masse an herausragenden Einzelkunstwerken. Dafür ist die Stadt selbst mit ihrem mittelalterlichen Kern und ihrer Lage auf einer Hügelkuppe mit herausragender Rundumsicht ein kleines Gesamtkunstwerk. Gegründet von den Etruskern entwickelte sich Volterra (etruskisch: Velathri) zu einer der bedeutendsten und größten Städte des Zwölferbundes. Unter den Römern hatte Volterra wegen seiner günstigen Lage vor allem eine strategische Bedeutung, die später auch half, während des 12. und 13. Jahrhunderts eine eigenständige Republik zu begründen. Erst im 14. Jahrhundert fiel die Stadt an Florenz.

Hat man sich an der grandiosen Fernsicht satt gesehen und man betritt die Stadt, so fallen sofort die unzähligen Geschäfte und kleine Werkstätten ins Auge, die Alabasterwaren verkaufen. Alabaster ist eine Varietät des Minerals Gips und trotz ähnlicher Optik kein Marmor oder vergleichbares Gestein. So fehlen Alabaster etwas die Wärmeleitfähigkeit und Wetterbeständigkeit des Marmor. Der Alabasterreichtum Volterras reicht Millionen von Jahre zurück, als die Region noch unter Wasser lag und sich konzentriertes Calciumsulfat aus dem Meereswasser ablagern konnte.

Im Herzen der Altstadt liegt die wunderschöne Piazza dei Priori mit ihren zahlreichen mittelalterlichen Gebäudefassaden. Am bedeutendsten ist zweifellos der Palazzo dei Priori der 1208-1254/57 errichtet wurde und damit der älteste noch erhaltene Palast der Toskana aus dieser Zeit ist. Damit baute man in Volterra erstmals diese Form eines monumentalen mehrgeschossigen Rathauses, dessen heute bekanntester Vertreter der Palazzo Vecchio in Florenz ist. Geschmückt ist der Palazzo dei Priori mit den Wappen der ehemaligen Florentiner Statthalter. Diese sind meist aus Stein, einge aber auch aus Terrakotta im typischen Majolica Stil der Künstlerfamilie della Robbia.

Die Kathredale von Volterra wurde im 12. Jahrhundert im Stil der Romanik erbaut und hat im Laufe der Zeit vor allem im Inneren umfangreiche Umbauten erlebt. Beginnend mit Erweiterungen im 13. Jahrhundert, erlebte der Umbau im Inneren erst im 19. Jahrhundert seine letzte Phase. Das macht den Dom leider zu einem recht wilden Sammelsurium an Stilen, Farben und Bauteilen, was es dem Besucher deutlich schwerer macht, eine Verbindung zu der Kirche aufzubauen. Im oktogonalen Baptisterium befindet sich ein äußerst sehenswertes Taufbecken von Andrea Sansovino aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Im Inneren der Kirche fällt sofort die tolle Kassettendecke aus den 1580er Jahren ins Auge, leider aber auch die rosa Granit imitierenden Stukkaturen des 19. Jahrhunderts an den Säulen der Kirchenschiffe. Ebenfalls in den 1580er Jahren wurde die Kanzel aus dem 12. Jahrhundert wieder zusammengesetzt. Ebenfalls in der Romanik (1228) entstand die Kreuzabnahme, das älteste original erhaltene Kunstwerk der Doms und ein Meisterwerk der romanischen Holzschnitzkunst.

An den Dom angebaut ist die Kapelle der Schmerzensmutter, in der sich neben zwei Figurengruppen aus Terrakotta, die Andrea della Robbia zugeschrieben werden auch zwei Fresken von Benozzo Gozzoli verbergen. Leider sind diese sehr schlecht zu sehen, da mit Gittern versperrt, sodass man nur Ausschnitte sehen kann. Gerade aber der Detailgrad der gemalten Pferde zeigt die klaren Spuren der Renaissance, die bei Gozzoli bereits sichtbar werden. Zudem zeigen die drei Könige, da sie vor 1500 entstanden sind noch den Typus der drei unterschiedlichen Lebensalter (junger König, mittelalter König und alter König), während wir heute meist drei alte Könige, von denen einer sichtbar aus Afrika stammt, darstellen.

Schlendert man gemütlich durch die Gassen und Straßen der Altstadt kann man neben unzähligen Alabastergeschäften auch einen Abstecher ins 1470 errichtete Oratorio di Sant’Antonio Abate machen. Am dortigen Trittichetto di Priamo della Quercia findet man auf dem rechten Flügel eine sehr seltene Darstellung Christi. Die des Volto Santo (Heilige Kümmerniss), die einen bekleideten Jesus mit offenen Augen stehend vor dem Kreuz zeigt. Nachempfunden sind solche Darstellungen dem gleichnamigen Holzkruzifix aus dem Dom von Lucca, jedoch eher selten zu finden. Ich habe, soweit ich weiß, auf meinen Reisen bisher erst eine weitere Darstellung dieser Art gesehen, nämlich in der Dominikanerkirche von Bozen. Man findet sie aber immer wieder, in Deutschland etwa in Münster, Braunschweig oder Aschaffenburg.

Aus der Antike sind in Volterra vor allem zwei Objekte erhalten geblieben. Die noch aus der Etruskerzeit stammende Porta all’Arco aus dem 4. Jahrhundert vor Christus und das zur Zeit Kaiser Augustus für knapp 2000 Besucher errichtete Theater. Der Abschnitt der noch stehende Bühnenwand, wurde allerdings rekonstruiert und ist so nicht im Original stehen geblieben. Da man für das Theater aber Eintritt zahlen muss, haben wir uns einen Besuch gespart, zumal man vor der Stadtmauer aus einen grandiosen Blick über das Areal hat.

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