Weine der Toskana

Auch in meinen Beiträgen, etwa zu San Gimignano oder Montalcino, habe ich bereits einige Sätze zu den dort jeweils typischen Wein- und Rebsorten geschrieben. In diesem Beitrag nun möchte ich mich dem Thema der Weine der Toskana deutlich ausführlicher widmen und auch einige Weine, die ich bereits selbst getrunken habe, empfehlen.

Zunächst muss man sicherlich festhalten, dass die Toskana, wie kaum eine andere Region Italiens, berühmt ist für die Erzeugnisse ihrer Winzer. Einige dieser Weingüter und deren Weine, etwa Poliziano, Antinori oder Felsina sowie deren Spitzenprodukte wie Solaia, Tignanello oder Fontalloro besitzten Weltruf. Leider führt dies auch dazu, dass solche Weine für den Normalsterblichen kaum noch finanzierbar sind, kosten solche Flaschen doch auch gerne mal 70-100€. Selbst wenn man dieses Top-Niveau nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt und versucht ein, zwei Etagen darunter einzukaufen, muss man oft mit um die 20€ die Flasche rechnen.

Aber, und so ehrlich sollte man als „normaler“ Weintrinker zu sich selbst sein, schmeckt man noch wirklich die Unterschiede zwischen einer Flasche für 25€ und einer für 50€? Daher werden sich im Folgenden meine Empfehlungen fast ausschließlich im Segment zwischen 12€ und 25€ bewegen.

Typische Ortschaft in der Region des Chianti Classico

Beginnen möchte ich mit DEM klassichen Rotwein der Toskana, dem Chianti Classico. Dabei muss man prinzipiell unterscheiden, aus welcher Region der Toskana der Chianti kommt, da es nebem dem Chianti Classico auch den Chianti Ruffina oder die Colli Senesi gibt. Der historische Chianti ist der Chianti Classico, der am Zeichen des schwarzen Hahns (gallo nero) auch visuell erkennbar ist. Als einziger Chianti erlaubt er keinen Zusatz weißer Rebsorten und hat auch sonst die striktesten Regularien und Vorgaben. Dazu zählen u.a. ein Minimum an 80% Sangiovese Trauben, ein Gesamtzuckergehalt von max. 4 g/l und ein Volumenanteil Alkohol von min. 12% bzw. 12,5% beim Riserva.

All diesen Chianti-Weinen gemeinsam ist, dass sie im Wesentlichen aus der Sangiovese-Traube gekeltert werden, ob es nun min. 80% oder auch etwas weniger sind. Geschmacklich sind die Weine meist, je nach Jahrgang, Boden und Lagerungszeit sehr fruchtig mit Aromen von Brombeere, Preiselbeere oder Kirsche. Zusätzlich können Würzaromen wie Tabakblätter, Lakritz oder Nelken kommen. Die Weine kam man meist einige Jahre liegen lassen und erst nach fünf bis acht Jahren sind die besten Chianti voll ausgereift.

Die Badia a Passignano

In meinen Augen sehr gute Chianti wären:

Barone Ricasoli Rocca Guicciarda Chianti Classico Riserva: Dieser Wein besteht zu 90% aus Sangiovese und zu je 5% aus Merlot und Canaiolo. Aromatisch lassen sich Kirschen, Blaubeeren und Holunder erkennen, sowie ein leichter Lakritzenteil.

Chianti Classico del Castello di Verrazano: Hierbei werden sogar 95% Sangiovese Trauben verwendet und die restlichen 5%, laut Weingut, aus „komplementären“ roten Trauben gewonnen. Noch ein Stückchen dunkler als der Barone Ricasoli schmeckt der Wein stark beerig (v.a. Brombeere) mit leichter Eichenholznote. Der gleichnamige Riserva ist ebenfalls empfehlenswert, aber deutlich teurer (knapp 30€ die Flasche).

Chianti Rufina Nipozzano Riserva (Frescobaldi): Außerhalb des ursprünglichen Chiantigebietes wird dieser sog. Chianti Rufina nördlich von Florenz angebaut. Auf dem historischen Weingut Frescobaldi werden neben Sangiovese auch Malvasia nera, Merlot, Cabernet Sauvignon und Colorino beigemischt, was den Wein sowohl farblich (deutlich „heller“), als auch geschmacklich (etwas leichter) von den anderen beiden Vorschlägen unterscheidet. Gerade aber auch wegen seines geringeren Preises (je nach Jahrgang um die 13€) eignet sich dieser Chianti gut für einen ersten Einstieg in die Welt der Sangiovese-Traube.

Badia a Passignano Gran Selezione: Das genaue Gegenteil des Nipozzano ist dieser Spitzenwein der Badia a Passignano, die mittlerweile, wie soviele Weingüter, Antinori gehört. Dieser zu 100% aus Sangiovese-Trauben gekelterte Wein bedeutet auch geschmacklich einen deutlich Sprung nach oben. Sehr intensive Kirsch- und Schokoladearomen zeichen den Wein aus, der, je nach Jahrgang, allerdings zwischen 30€ und 40€ kostet.

Der einzige wirklich klassische Weißwein der Toskana ist der Vernaccia di San Gimignano. Auf Grund seines meist recht niedrigen Preises stößt man hier leider auch immer wieder auf weniger gute Vertreter, sodass man sich, wenn man keine Vorkenntnisse hat, dringend professionell beraten lassen sollte, oder auf ein bereits bekanntes Weingut zurückgreifen sollte. Der Name, der vom lateinischen Wort vernaculus (aus dem Ort stammend) herrührt, bezeichnet also nur die lokale Herkunft und wird in Italien häufig verwendet. Ein Beispiel wäre der Südtiroler Vernatsch. Daher hat diese Rebsorte den Zusatz „di San Gimignano“ erhalten, um eine klare Unterscheidung von den anderen Vernaccie des Landes zu ermöglichen.

Bereits seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar, verfügt der Vernaccia di San Gimignano über eine ausgeprägte Mineralität mit leichter Mandelnote. Auch Äpfel, Ananas oder Zitronenaromen kann der Wein beinhalten. Das Farbspektrum reicht von meist leicht blassem Goldgelb bis hin zu einem eher seltenen kräftigen Goldgelb, das z.B. einige Riserva-Varianten aufweisen. Höchstens 15% des Weines darf aus anderen Rebsorten gewonnen werden. Dazu zählen u.a. Riesling und Sauvignon blanc.

Vernaccia di San Gimignano Panizzi: Der Wein von Panizzi hat feine Fruchtnoten von grünem Apfel und Grapefruit und riecht leicht nach Ginster und Lindenblüten. Im Bereich der normalpreisigen Vernaccie war dies der Wein, der mir persönlich am besten geschmeckt hat.

Montenidoli Carato: Wahrscheinlich einer der besten Vernaccie ist der Carato von Montenidoli. Dieser wird 12 Monate im Fass ausgebaut und weitere 24 Monate in der Flasche gelagert und weißt einen deutlich kräftigeren Gelbton auf, als die meisten anderen Weine dieser Rebsorte. Der aus 100% Vernaccia-Traube gewonnen Wein hat intensive Zitronen- und Jasminaromen und kostet mit knapp 20€ bis 25€ (je nach Jahrgang, Verfügbarkeit etc.) auch relativ viel für einen Weißwein aus San Gimignano.

Die letzten beiden Weine, über die ich sprechen möchte, Vino Nobile di Montepulciano und Brunello di Montalcino haben leider ein großes Problem mit ihren Preisen. Hier braucht es extrem viel Zeit und gute Beratung überhaupt an Vertreter zu geraten, die „nur“ zwischen 20€ und 30€ die Flasche kosten, geschweige denn zusätzlich auch wirklich empfehlenswerte Vertreter zu sein.

Der Vino Nobile di Montepulciano ist bereits seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar und da er teilweise nur von Adeligen hergestellt werden durfte und ein großer Teil seiner Produktion an die Kurie und den Papst in Rom geliefert wurde, bürgerte sich im 18. Jahrhundert der Name des „Edlen Weins“ (Vino Nobile) ein. Auch er wird hauptsächlich aus der Sangiovese-Traube gewonnen (min. 70%), der Rest sind primär Canaiolo, Trebbiano und Malvasia Bianca Lunga. Der sehr köperreiche Wein wird bis zu drei Jahre (Riserva) in Eichen- oder Kastanienfässen ausgebaut und bringt meist starke Beerenaromen mit. Der Vino Nobile ist einer der Weine, den Jahre der Lagerung meist eher noch besser werden lassen. Bekanntes Beispiel für einen Vino Nobile wäre der Asinone von Poliziano, deren Palazzo direkt am Hauptplatz des Städtchens Montepulciano liegt.

Getrunken haben wir, da wir uns etwas gönnen wollten, den Salco von Salchetto, ein hervorragender Vino Nobile, der aber auch preislich über dem Budget liegt, das wir normalerweise für Weine bereit sind auszugeben.

Der dritte Sangiovese-Wein der Toskana ist der Brunello di Montalcino. Aus einer Spielart der Sorte, der sog. Sangiovese Grosso gewonnen gilt der Brunello, neben dem Barolo und dem Amarone als der Spitzenwein Italiens. Durch die rigorose Auswahl der Trauben und die strengeren Vorschriften bei der Vinifikation, weisen Brunellos komplexere und elegantere Aromen auf, als klassische Chiantis oder die Rosso die Montalcino. Die Aromatik eines Brunello di Montalcino ist geprägt von Fruchtnoten nach Kirschen, Pflaumen, Heidelbeeren, Cranberries oder Holunder. Erweitert wird das Bukett meist von Gewürz- bzw. Kräuteraromen, die an Eukalyptus, Minze oder Lorbeer erinnern.

Sowohl beim Brunello als auch beim Vino Nobile gibt es noch eine etwas einfachere Variante der Weine, die sog. Rosso. Diese reifen meist nicht so lange wie die großen Vorbilder und werden aus den weniger guten Trauben der Leese gewonnen. Dafür sind sie preislich meist deutlich günstiger, geschmacklich aber auch leichter und bei weitem nicht so intensiv.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: