Zwischen Montalcino und Montepulciano

Die Cantina Poliziano in Montepulciano

Neben dem Chianti Classico sind in der Toskana vor allem noch zwei Rotweine weit über die Grenzen hinaus bekannt. Der Brunello aus der Regio um Montalcino und der Vino Nobile di Montepulciano. Ähnlich wie der Chianti wird auch der Brunello aus Sangiovese Trauben gewonnen, aber aus einer speziellen Unterart, der Sangiovese Grosso. Da der Brunello nur in Montalcino selbst angebaut und vinifiziert werden darf, sowie der Ertrag pro Hektar 52 Hektoliter nicht überschreiten darf, zählt der Wein zu den renomiertesten, aber auch teuersten Rotweinen Italiens.

Unsere Rundfahrt durch das Val d’Orcia begann in Montalcino. Der Ort selber zählt sicher nicht zu den Hauptattraktionen der Toskana, aber seine Bedeutung für den Weinanbau macht die Gemeinde bis heute weit über ihre Grenzen hinaus bekannt. Wenn man Glück hat, erhält man direkt an der Festung einen Parkplatz, ansonsten gibt es noch zahlreiche weitere Autostellplätze unterhalb des Stadthügels, von denen aus man einige Meter nach oben steigen muss. Neben der Festung selbst, die bis 1361 errichtet wurde, beherbergen vor allem die Kirchen Sant Agostino und San Francesco einige sehenswerte Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Der eigentliche Grund, warum wir seit Jahrzehnten wann immer möglich nach Montalcino fahren, hat allerdings mehr mit kulinarischen Gründen zu tun.

Der Laden der Azienda Agricola Villa dei Cipressi in Montalcino

Bei Hubert Ciacci und seinem kleinen Laden in Montalcino (wenn ich es richtig im Kopf habe in der Via Ricasoli) kann man die ganzen Produkte seines Familienbetriebes erwerben. Darunter auch den in meinen Augen besten Kastanienhonig, den ich bislang gegessen habe, da er nicht zu süß, sondern wunderbar herb und intensiv im Geschmack ist. Auch das Olivenöl ist hervorragend und die Preise seiner Weine, auch der Brunelli, die mittlerweile international sehr gute Bewertungen erhalten, sind verhältnismäßig günstig.

Etwas südlich von Montalcino steht die Abtei von Sant‘ Antimo, eines der Postkartenmotive der Toskana schlechthin. Diesen Abstecher sollte man sich tunlichst nicht entgehen lassen.

Sant‘ Antimo mit charakteristischer Zypresse und Olivenbäumen

Nach der legendenhaften Gründung unter Karl dem Großen, wurde die heutige Kirche ab 1118 errichtet. Die Äbte des Klosters Sant‘ Antimo gewannen schnell an Bedeutung und zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert regierten sie sogar weite Gebiete zwischen Montalcino und der Maremma. Durch den Aufstieg Sienas und die dadurch erfolgende Eroberung Montalcinos 1212, begann der Niedergang des Klosters, weswegen der Bau der Kirche nie gänzlich beendet werden konnte, was etwa die unvollendete Fassade bis heute sichtbar macht. 1462 wurde das Benediktinerkloster dann gänzlich aufgehoben, weswegen heute weite Teile der Gebäude kaum bis gar nicht mehr erhalten geblieben sind.

Der romanische Kirchenbau wirkt in seiner Form und Ausgestaltung recht untypisch für die Toskana und dürfte seine Vorbilder deutlich stärker aus den Bauten in Frankreich (Cluny und Vignory in der Champagne) bezogen haben. Die mächtigen Travertinquader geben der Kirche zudem eine festungsartige Kompaktheit. An der Außenfassade ist vor allem die Figurengruppe der „Madonna mit den Evangelisten“ aus dem 12. Jahrhundert von Interesse. Ohne jegliche Bewegung, streng frontal ausgerichtet, handelt es sich hierbei um eine fast archaisch anmutende Darstellung, wie man sie aus früheren Jahrhunderten kennt, während das 12. Jahrhundert eigentlich bereits deutlich bewegter in seiner Art der Darstellung war.

Im recht schmucklosen Inneren der Kirche sind vor allem die Säulenkapitelle und die im Apsisumgang erhalten gebliebenen Fresken sehenswert. In einer nicht für Menschen über 1,80m gedachten kleinen Krypta liegt das Grabmal des Heiligen Antimo, der nach unterschiedlichen Legenden entweder aus Arezzo oder aus Sabina stammte.

Von Sant‘ Antimo ging es schließlich weiter zum letzten Stopp des Tages nach Montepulciano.

Blick auf Montepulciano

Da wir kurz nach ein Uhr Montepulciano erreicht haben, galt das erste Bedürfnis der Stärkung von Leib und Magen. Mit dem Restaurant La Grotta haben wir das Beste, allerdings nicht ganz preiswerte, Lokal unseres Urlaubs gefunden.

Direkt gegenüber des Restaurants liegt der Bau der vielleicht reinsten Renaissancekirche der Toskana. Das Meisterwerk Sangallos, die Madonna di San Biagio. Wahrscheinlich coronabedingt waren wir die einzigen Gäste an diesem Tag und hatten daher eine himmlische Ruhe im kleinen Garten des Lokals. Hoffentlich überlebt das Restaurant diese schweren Zeiten, da sie nicht nur herausragend gutes Essen servieren, sondern auch ein unglaublich gutes, eigenes Olivenöl verkaufen.

Madonna di San Biagio wiederum wurde 1519 bis 1540 nach Entwürfen des Florentiner Antonio da Sangallo dem Älteren auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtet. Der Innenraum ist einer antiken römischen Basilika nachempfunden, vielleicht stand sogar die damals noch bestehende Basilika Aemilia in Rom Pate für diesen Kirchenraum.

Der schon zur Ertruskerzeit existierende Ort Montepulciano (nachweisbar bis 715 v. Chr.) besitzt heute eine deutlich lohnendere Altstadt als das zu Beginn des Tages besuchte Montalcino. Gerade die Piazza Grande mit Dom, Palazzo Comunale, dem Palazzo Tarugi von Sangallo und der Cantina Poliziano ist wunderschön. Nur die unverputzte und schmucklose Fassade des Doms, die nie vollendet wurde, wirkt etwas deplaziert. Man sollte sich durchaus eine Stunde Zeit nehmen, in Ruhe die teils steilen Gassen des Ortes zu durchstreifen.

Neben dem schönen Ortskern ist Motepulciano natürlich auch für seinen Wein, den Vino Nobile di Montepulciano bekannt. Auch dieser Wein basiert auf der Sangiovese-Traube (genauer der Prugnolo Gentile), enthält aber einen maximal 30% betragenden Verschnitt aus Canaiolo, Trebbiano und Malvasia Bianca Lunga Trauben. Der Anteil an weißen Trauben darf wiederum die 5% nicht übersteigen. Der Name des „edlen Weines“ (Vino Nobile) stammt evtl. daher, dass zunächst nur Adelige oder Patrizier diesen herstellen durften. Einer der international renommiertesten Produzenten des Vino Nobile ist das direkt an der Piazza Grande liegende Weingut Poliziano mit seinem Asinone genannten Wein. Allerdings liegen wir hier bei Flaschenpreisen jenseits der 30 Euro, weswegen für uns ein berühmten Werbezitat galt: Nur gucken, nich anfassen…

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