Kloster Neustift

Im Stiftshof von Kloster Neustift

1142 wurde das Augustiner-Chorherrenstift Neustift bei Brixen gegründet und befand sich unweit einer wichtigen Verkehrsschnittstelle an der sich die Straße vom Brenner kommend entweder gen Bozen oder gen Pustertal trennte. Durch die Tiroler Landesherren wurde das Kloster von Beginn an gefördert, selbst Kaiser Friedrich I. verlieh dem Kloster 1177 Marktrechte auf dem Ritten und schenkte dem Kloster Erzgruben bei Villanders und die Eisengrube Fursil in Buchenstein. Eine erste kulturelle Blüte erlebte das Kloster daher bereits unter Probst Konrad II. von Rodank 1178-1200, dessen Familie von der unweit gelegenen Burg Rodenegg am Eingang des Pustertals stammte. Probst Konrad verdankte das Kloster auch seinen raschen Wiederaufbau nach einer verheerenden Feuersbrunst am 17. April 1190.

Am Eingang in das Klostergelände steht noch heute die wehrhafte Engelsburg, die in der Folge der Türkeneinfälle 1474 und 1476 (Klagenfurt und Kärnten) erweitert wurde, aber bereits um 1200 entstanden war. Dabei wurden Bauteile der abgetragenen gotischen Stiftskirche verwendet. Ebenfalls am Eingang des Klosters befindet sich der Verkaufsraum der Cantina Novacella (Stiftskellerei Neustift). Das Eisacktal in dem das Kloster liegt ist vor allem für den Anbau des Kerners bekannt, da dieser recht robust und vor allem frostbeständig ist. Mit dem Praepositus bietet die Cantina Novacella einen der in meinen Augen besten Vertreter dieser Rebsorte in Südtirol. Vom Kernergrappa waren wir allerdings nicht sonderlich begeistert, da gibt es in unseren Augen auch in Südtirol deutlich bessere Alternativen.

Im Stiftshof steht der achteckige Brunnen der Wunder, der die sieben antiken Weltwunder zeigt und das Kloster Neustift als achtes Weltwunder präsentiert. Vor dem Weiterlesen eine kleine Aufgabe: bekommen Sie die sieben Weltwunder aus dem Stehgreif zusammen? Spieler des Computerspiels Civilization sind dabei sicher im Vorteil.

Bildseite mit dem Mausoleum von Halikarnassos

Die sieben Weltwunder der Antike, nach denen ich oben gefragt habe sind:

-Die Hängenden Gärten der Semiramis : Der genaue Standort dieses Weltwunders ist bis heute nicht eindeutig geklärt, zumal die Gestalt der Semiramis mehr einer Legende als einer tatsächlichgen historischen Person entspricht. Die beiden gängigsten Interpretationen verorten die Hängenden Gärten entweder im Südpalast des antiken Babylon und damit in der Zeit des Nebukadnezar II. (605-562 v. Chr.). Eine andere, neuere Deutung geht von einer Lage in Ninive aus. Damit wären die Gärten Teil des Palastes König Sanheribs von Assyrien gewesen und somit knapp 100 Jahre älter als bei der Deutung in Babylon.

-Der Koloss von Rhodos: Diese über 30m hohe Bronzestatue des Sonnengottes Helios befand sich an der Hafeneinfahrt der Inselhauptstadt Rhodos und stürzte 227/226 v. Chr. in Folge eines Erdbebens zusammen.

-Das Mausoleum von Halikarnassos: Das Grabmal für König Maussolos (377-353 v. Chr.), einen persischen Kleinkönig im heutigen Bodrum ist noch heute namensgebend für Begräbnistätten. Von dem Bauwerk selbst ist noch die Vertiefung der Grabkammer etwa acht Meter unter dem heutigen Bodenniveau zu sehen sowie die noch begehbaren Reste des das Bauwerk umfassenden Kanalisationssystems. In einem daneben liegenden Saal sind Reste von Reliefs und Baumaterialien zu sehen

-Der Leuchtturm von Pharos: Auf einer kleinen Insel vor dem antiken Alexandria wurde 299-279 v. Chr. der mit 115-160m höchste Leuchtturm aller Zeiten errichtet. Mehrere Erdbeben im Laufe seiner Geschichte zerstörten den Turm sukzessive, sodass nach den schwersten im 14. Jahrhundert der Turm nicht wieder aufgebaut wurde, sondern die Steine unter dem Sultan der Mameluken Kait-Bay ab 1480 in die nach ihm benannte Festung integriert.

-Die Pyramiden von Gizeh: Das bis heute vielleicht bekannteste Weltwunder der Antike sind die noch immer existierenden Pyramioden von Gizeh, die schon Teil zahlreicher Spielfilme waren und sich etwa von den Transformern zerstören lassen mussten. Seit 1979 sind sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und liegen nur knapp 18 Kilometer südlich des Kairoer Statdzentrums.

-Tempel der Artemis in Ephesos: Dieser größte Tempelbau der Antike ist leider völlig zerstört und man kann nur noch seinen Standort, sowie einige minimale Reste nachweisen. Eine erste Bauphase lässt sich auf das 6- Jahrhundert vor Christus zurückdatieren, weitere wichtige Um-/Neubauphasen sind für das 4. Jahrhundet v. Chr. und die Zeit der Römer belegbar.

-Die Zeusstatue des Phidias: Die für den Zeustempel von Olympia 438-430 v. Chr. geschaffene sitzendes Statue war aus Gold und Elfenbein geschaffen und erreichte eine Höhe von 13 Metern. Auch dieses Weltwunder wurde leider zerstört, allein das Fundament blieb in Teilen erhalten.

Ein besonderes Highlight in Kloster Neustift ist aus meiner Sicht der um 1200 errichtete Kreuzgang mit seinen tollen spätgotischen Fresken. Diese werden oft dem großen Bildschnitzer und Maler Michael Pacher zugeschrieben, wobei ich auch von einer Urheberschaft des Johannes von Bruneck gelesen habe. Letzterer malte u.a. die Spitalkirche von Sterzing aus.

Die Klosterkirche von Neustift ist leider dem Barock zum Opfer gefallen, allein der Turm und das Langhaus sind architektonisch noch vom romanischen Ursprungsbau erhalten geblieben. Das Innere wurde 1734-38 von Joseph Delai aus Bozen barockisiert, die Fresken stammen vom Augsburger Matthäus Günther, was sie nicht unbedingt schöner macht, aber ein weiteres Mal die enge Verbindungen Augsburgs in den Südtiroler Raum beweist.

Eine Besichtigung des Klosters lässt sich hervorragend mit einem Abstecher ins nahegelegene Brixen verbinden oder einer Fahrt zur Burg Rodenegg am Eingang des Pustertals.

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