Brixen

Blick auf den Brixener Dom

Die heute drittgrößte Stadt Südtirols (knapp 22.500 Ew.) ist günstig an zwei ehemals sehr wichtigen Verbindungswegen gelegen. Einmal die Strecke entlang des Eisack weiter gen Bozen und zum anderen von Brixen aus durch das Pustertal gen Toblach/Innichen als bis ins 15. Jahrhundert wichtigster Straße nach Venedig. Von dieser früherer Bedeutung zeugen heute noch einige im direkten Umfeld Brixens gelegene Stätten. Hier wären das Kloster Neustift, eines der größten seiner Art in Tirol, das Kloster Säben, Schloss Rodenegg oder die von Erzherzog Sigmund errichtete Mühlbacher Klause am Eingang des Pustertals zu erwähnen.

Die Innenstadt Brixens erinnert noch heute ebenfalls an den Reichtum der Stadt, den Handel und die Lage als Residenzstadt des Fürstbischofs von Brixen vor allem während Mittelalter und Früher Neuzeit. Die typischen Laubengänge unter den Häusern finden sich hier genauso wie in Meran, Bozen oder Neumarkt und sind sichtbarer Beleg für die zahlreichen Fuhrwerke die in diesen Straßen verkehrten und Waren anlieferten oder abholten. Durch mehrere verheerende Feuer-/Brandkatastrophen sowie die Kriegsschäden aus dem Bauernkrieg 1525 ist jedoch einiges der mittelalterlichen Substanz verloren gegangen.

Eine relativ seltene Art der Darstellung findet man an der Kreuzung zwischen Säbenertorgasse, Kleinen Lauben und den Großen Lauben. Die dreigesichtige Holzfigur des Wilden Mannes (oder dreikopfeter Mann), die der Sage nach am Karfreitag um zwölf Uhr mit allen drei Köpfen Geldstücke ausspuckt. Die Darstellung sog. Wilder Männer findet man im Mittelalter immer wieder, meist haben diese aber keine drei Köpfe. Normalerweise ähneln sich die bildlichen oder figürlichen Funde aber stets in der starken Behaarung des Wilden Mannes und seiner enormen Körpergröße. Darüber hinaus sind sie meist barfuß und tragen eine Keule, werden also ohne tierische Attribute (wie die Bocksbeine bei Teufeln etc.) dargestellt. Ganz in der Nähe von Brixen, auf Schloss Rodenegg im berühmten Iwain-Zyklus findet sich eine Freskodarstellung eines Waldmenschen (Wilden Mannes).

Der kirchliche Mittelpunkt der Stadt ist zweifellos der Dombezirk von Brixen, der neben dem Dom Mariä Himmelfahrt auch die Johanneskapelle, die Frauenkirche und den Domkreuzgang umfasst. Leider sind vor allem hier die barocken Einflüsse kaum mehr zu übersehen bzw. haben die ursprüngliche mittelalterliche Bausubstanz fast völlig ersetzt. Wer schon mehrere meiner Artikel gelesen hat, weis daher um meine innige Liebe zu dieser Stilepoche, weswegen sich meine Innenbesichtigung des Doms in wenigen Sekunden erledigt hatte. Urpsrünglich als ottonische Münsteranlage errichtet, musste der Bau nach einem schweren Brand 1174 im Stile der Hochromanik erneuert werden. Nach einigen kleineren Umbauten und Anbauten in der Gotik wurde unter Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl zwischen 1745 und 1748 der Dom quasi neu errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts kamen Neobarocke Erweiterungen dazu, etwa das Deckengemälde Paul Trogers, was in meinen Augen den Gesamteindruck erst recht nicht verbessern konnte.

Ein absolutes Highlight für mein barockgeschundenes Herz bietet der Brixener Dombezirk allerdings. Nämlich den Domkreuzgang, der fast vollständig mit Fresken der Gotik ausgeschmückt ist. Die Architektur mit dem Kreuzgratgewölbe der Arkaden entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und wurde seitdem fast nicht mehr verändert. Die Fresken des Kreuzganges stammen im wesentlichen aus drei Entstehungszeiten. Die früheste Malerei stammt aus der Zeit zwischen 1390-1440, der sog. „weiche Stil“ mit idealisierten Gestalten und Motiven (4. sowie 9. bis 13. Arkade). Darauf folgen Fresken aus der Mitte des 15. Jahrhunderts im Stil des beginnenden Naturalismus der Spätgotik (2., 3., 5., 14 und 15. Arkade) sowie Spätkunst des Mittelalters, die Landschaft und Körper beherrschte, im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts (1. sowie 6. bis 8. Arkade). Ich glaube allein hier im Kreuzgang habe ich genauso viel Zeit verbracht, wie im Rest der Stadt Brixen zusammen.

Die Hofburg

Am Rande der Altstadt und des Dombezirks liegt die Hofburg der Brixener Fürstbischöfe. Ein erster Bau entstand ab 1265, wurde aber dann von Andreas von Österreich im 16. Jahrhundert abgebrochen und an die Stelle der mittelalterlichen Burg trat eine Renaissanceresidenz. Diese wiederum wurde unter dem bereits genannten Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl im Stil des Barock erweitert und umgebaut. Seit der Säkularisation 1803 befand sich die Hofburg im Besitz des österreichischen Staates, wurde aber 1828 wieder den Brixener Bischöfen übergeben. Heute beherbergt die Hofburg das Diözesanmuseum und das Diözesanarchiv.

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