Sterzing

Die Hauptstraße der Sterzinger Altstadt

Die Stadt Sterzing geht, trotz prähistorischer Funde die man im sog. Sterzinger Becken gemacht hat, vor allem auf die Gründung des römischen Vibidenum zurück. Dieser Name steckt auch heute noch in der italienischen Bezeichnung der Stadt: Vipiteno. Um 1280 wurde Sterzing von Meinhard II. zur Stadt erhoben und die Ausrichtung der Altstadt entlang der damals wichtigen Verbindungsstraße Richtung Brennerpass kann man noch heute sehr gut nachvollziehen. In der Folge erlebte die Stadt einen ersten Aufschwung, lag sie doch nicht nur günstig entlang der Strecke Innsbruck-Brennerpass-Brixen-Bozen, sondern auch am Anfang der Route über den Jaufenpass nach Meran und damit nach Schloss Tirol, dem Sitz der Tiroler Grafen.

Die für die Stadtgeschichte wichtigste Epoche begann aber erst mit den Erzfunden des 15. Jahrhunderts, sowie den neuen technischen Möglichkeiten des Bergbaus, mit denen man das Grundwasser aus den Stollen nach Oben leiten und somit aus dem Berg herausführen konnte und daher in größere Tiefen vorstoßen konnte. Das heutige Stadtbild wird daher fast ausschließlich durch die Architektur dieser Zeit geprägt.

Als Beginn der Blütephase Sterzings kann eine Urkunde Herzog Friedrich IV. von 1419 gelten, die feststellte, dass beinahe täglich neue Bergwerke oder Erze in Tirol gefunden bzw. errichtet würden. Seit 1456 lassen sich dann auch Augsburger Kaufmannsfamilien in der Tiroler Montanwirtschaft nachweisen, deren berühmteste Vertreter ohne Zweifel im 16. Jahrhundert die Familie Fugger war/wurde. Fährt man von Sterzing ins angrenzende Ridnauntal, erreicht man an dessen Ende den sog. Schneeberg. Dort befindet sich die älteste, seit 1237 nachweisbare, Silberförderstätte des Sterzinger Gebietes.

Als dann 1447 und 1449 auch im Inntal Bergbau im großen Stil begann, vor allem die Ortschaft Schwaz stand hier im Mittelpunkt, wurde der Bergbau der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsfaktor der Grafschaft. Allein der Reinertrag des Bergwerkes Gossensaß (nächste Ortschaft von Sterzing aus gen Brenner) machte 1427 knapp 12,7% (ca. 9.076 rheinische Goldgulden) der gesamte Einkünfte Friedrichs IV. aus.

Die Haidenschaft

Um den Boom der Montanwirtschaft zu lenken, entstanden die sog. Berggerichte. Der Sterzinger Bergrichter residierte in der sog. Haidenschaft, einem noch heute existierenden mittelalterlichen Bau knapp außerhalb der Altstadt, auf der gegenüberliegenden Flussseite. Der Reichtum der Bergleute zeigt sich aber auch in Sichtweite der Haidenschaft in der Altstadt.

Vor allem die Spitalkirche von Sterzing, mit ihrer wunderbaren spätgotischen Freskierung im Inneren zeugt heute noch vom Wohlstand der Stadt, die es sich leisten konnte berühmte Künstler für die Ausgestaltung ihrer Kirchen zu engagieren. Zwischen 1400 und 1415 wurde die Spitalkirche von Johannes (Hans) von Bruneck ausgemalt, dem Begründer der Pustertaler Malschule, der auch ein Michael Pacher zuzurechnen ist. Die Fresken zählen zu den bedeutendsten ihrer Art im Alpenraum, mussten aber im 20. Jahrhundert erst wieder von Übermalungen und Schäden befreit werden.

Auch viele Sterzinger Familien wurden durch den Bergbau reich und ließen sich in der Folge prachtvolle Stadthäuser errichten, wie etwa die Familie Flamm. Am prunkvollsten ist aber zweifellos der Ansitz der Familie Jöchl in der Sterzinger Neustadt. Dieses Ensemble, das heute Elemente von der Gotik bis in den Barock aufweist, befindet sich noch heute in Privatbesitz (Die Grafen von Enzenberg leben hier), weswegen die Fresken und die drei spätgotischen Holzdecken aus dem 15./16. Jahrhundert im Inneren leider nicht besichtigt werden können.

Vor den Toren Sterzings, vom Kreisverkehr nach der Autobahnausfahrt gut zu sehen, liegt die Deutschordenskommende Sterzing. Diese wurde 1254 gegründet, zählte aber nie zu den wohlhabenderen Niederlassungen des Ordens. Eine Besichtigung ist nicht zwingend geboten, da man außer von Außen nicht viel zu sehen bekommt. Nur für mich als Mittelalterhistoriker verströmt der Ort natürlich auch heute noch einen ganz eigenen Flair.

Die Bedeutung des Sterzinger Beckens zeigt sich auch darin, dass zu beiden Seiten des Wipptales zwei wehrhafte Burgen die Straße gen Brixen bewachen. Diese sind Schloss Sprechenstein und Burg Reifenstein. Während erstere nicht besichtigbar ist (in Privatbesitz) kann man bei Burg Reifenstein zumindest bis in die Vorburg gelangen. Um 1110 erbaut, gelangte sie 1470 in den Besitz des Deutschen Ordens, der sie weiter ausbaute und befestigte. Reifenstein wurde in seiner Geschichte niemals erobert und zerstört und gilt deshalb heute als besterhaltene mittelalterliche Burganlage Südtirols. Heute befindet sich die Burg im Besitz der Familie von Thurn und Taxis, kann aber mit Führung besichtigt werden.

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