Gossensaß

Knappenhaus in Gossensaß

Nur wenige Kilometer von Sterzing entfernt liegt die Marktgemeinde Gossensaß, die wie kaum ein anderer Ort Tirols vom Bergbauboom des 15. und 16. Jahrhunderts profitiert hat. Als man im benachbarten Pflersch Eisen- und Silbererz fand, zogen Bergleute aus ganz Europa nach Gossensaß (und Sterzing), weswegen bereits 1419 der damalige Landesherr von Tirol, Herzog Friedrich IV. (mit den leeren Taschen) seinem Kanzler die Vollmacht zusprach, Schürfrechte zu verleihen. Denn, so steht es in dieser Urkunde, beinahe täglich würden neue Bergwerke oder Erze in Tirol gefunden/errichtet und die Leute würden oft heimlich daran arbeiten und somit die Erträge des Landesfürsten schmälern.

1427 wurde schließlich die Bergordnung von Gossensaß beschlossen, die für ganz Tirol den Bergbau regeln sollte. Auch dies zeigt, welche Bedeutung dem Ort damals zukam. Die Gossensßer Bergordnung hatte bis etwa 1447/49 Bestand, ehe Schwaz im Inntal sich zum neuen Hauptort der Tiroler Montanwirtschaft entwickelte. Diese Blütezeit erkennt man im Ort heute noch an Hand der zahlreichen Knappenhäuser mit ihren Erzstufen über den Eingangstüren.

Erzstufe an einem der Knappenhäuser

Diese Berbaugeschichte des Ortes wird ebenfalls offensichtlich, wenn man sich die zweigeschossige Barbarakapelle ansieht.

Die Barbarakapelle wurde im Auftrag der Herren und Knappen des Bergerichts Gossensaß um 1510 von Adam Scheiter aus Sterzing errichtet. Der größte Kunstschatz der bei meinem Besuch leider verschlossenen Kapelle ist der spätgotische Flügelaltar der bayerisch-salzburgischen Donauschule. Die Predella des Altars wurde vom Sterzinger Meister Matheis Stöberl bemalt.

Da man für die Besichtigung der Ortschaft nicht viel Zeit veranschlagen muss, kann man noch zwei kleine Zwischenhalte auf dem Weg nach Sterzing unternehmen.

Zunächst passiert man, wenn man die Brennerbundesstraße von Gossensaß nach Sterzing nimmt zu seiner linken die Burgrunie Straßberg, die sich heute in leider zunehmend schlechter werdenden Erhaltungszustand befindet. Zwischen 1263 und 1280 errichtet, diente die Burg zunächst, trotz ihrer strategisch nicht idealen Lage, zur Bewachung der Straße über den Brenner. Bis ins 16. Jahrhundert diente die Burg dann als Gerichtssitz für die Region Gossensaß-Sterzing, ehe dieser endgültig nach Sterzing verlegt wurde. Daraufhin wechselten die Besitzer der Burg oft, zu denen kurzzeitig sogar die Augsburger Kaufmannsfamilie der Fugger zählte.

Das ehemalige Zollhaus Lurx

Die nicht nur heute enge Verbindung zwischen Tirol/Südtirol und dem südlichen Bayern/Augsburg beweist das nur noch in Teilen erhaltene Zollhaus Lurx, nur wenige 100 Meter nach der Burgruine Straßberg. 1288 wird urkundlich erstmals berichtet, dass dieser Zoll im Besitz des Hochstifts Augsburg war und damit einer der zahlreichen entlang dieser Strecke. Allein für die Strecke zwischen Bozen und Innsbruck lassen sich zeitgleich mindestens die Zölle von Bozen, Kuntersweg/Friedburg, Säben, Lurx, Lueg/Gries am Brenner und Innsbruck nachweisen. Diese gehörten den Tiroler Landesfürsten (Lueg, Bozen, Innsbruck), dem Bistum Brixen (Säben), dem Hochstift Augsburg (Lurx/bis kurz nach 1400, dann landesfürstlich) sowie Privatpersonen (Kuntersweg seit 1314, ebenfalls später landesfürstlich).

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