Der Ritten

Blick vom Ritten auf die Dolomiten und den Schlern

Eine der zahlreichen Verbindungsrouten Tirols, die bereits in prähistorischen Zeiten genutzt wurde, ist der Weg über den Ritten. Auch die Römer nutzten diese Straße, konnten aber dank ihrer Sklaven als billigen Arbeitskräften auch die Passage zwischen Kollmann und Bozen unten im Tal jedes Jahr aufs Neue wieder gangbar machen/halten. Im Mittelalter änderten sich diese Voraussetzungen und der Abschnitt unten im Tal wurde auf Grund der jährlichen Beschädigungen bei Hochwasser unpassierbar.

Dadurch stieg die Bedeutung des Rittenweges, war er doch die natürliche Umgehung der unpassierbaren Passagen im Tal. In der Geschichtsforschung erhielt er auch den etwas übertriebenen Namen des „Kaiserweges“, da der Ritten auch mehrfach zur Überquerung der Alpen durch die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches genutzt wurde. 1191 etwa ist der Aufenthalt Heinrichs VI. in Bozen belegbar, für Klausen oder Brixen kann man sogar deutlich mehr Aufenthalte nachweisen.

Möchte man selbst auf den Spuren der Kaiser über den Ritten fahren, sollte man in Klausen die Brennerbundesstraße Richtung Villanders verlassen und im Ansitz Steinbock erstmal zum Mittagessen einkehren. Gehobene Tiroler Küche in 500 Jahre altem Ambiente mit grandiosem Ausblick über das Eisacktal belohnen diesen kleinen Abstecher.

Blick auf das Kloster Säben

Blickt man hinab ins Eisacktal, dann fällt vor allem das Kloster Säben ins Auge, das dort die Engstelle des Tals (daher auch der Ortsname Klausen von Klause/Engstelle) seit dem frühen Mittelalter bewacht. Zunächst noch als Bischofssitz genutzt, verlor Säben diesen Status, als die Stadt Brixen im 10. Jahrhundert zum neuen Bischofssitz wurde. Später war Säben nur noch als bischöfliche Wehrburg in Nutzung. Diese ehemals militärische Nutzung sieht man dem im 17. Jahrhundert zum Kloster umgewidmeten Areal nach wie vor an. Die Lage an der Talsperre von Klausen machte Säben auch zu einer wichtigen Zollstelle innerhalb Tirols, für deren Bestehen sich erstmals 1027 Belege finden lassen.

Fährt man von Villanders weiter Richtung Lengmoos passiert man die kleine Ortschaft Mittelberg, wo man an der Außenfassade der direkt an der Straße stehenden St. Nikolauskirche einen direkten Beleg für den früheren Warentransport auf dieser Route finden kann. Unterhalb der der Straße zugewandten Christophorusdarstellung befindet sich auf dem Fresko auch eine Darstellung eines mit einem großen Fass beladenen Fuhrwagens. Diese wohl aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammende Darstellung zeigt einen für die Zeit typischen Wagen, der sich in seiner Technik bis zu den Planwagen der amerikanischen Westbesiedelung im 19. Jahrhundert kaum mehr verändert hat.

Erdpyramiden am Ritten

Zwischen Mittelberg und Lengmoos kann man ein ganz besonderes Naturphänomen bewundern; nämlich die sog. Erdpyramiden. Diese geologischen Formationen entstehen dadurch, dass große Teile des Untergrundes am Ritten späteiszeitlicher Moränenlehm der damaligen Gletscher ist. Im trockenen Zustand ist das Material steinhart, wird aber bei Berührung mit Wasser wieder langsam zu einer breiigen Masse. Kommt dann ein großer Felsblock dazu, der auf der Spitze einer solchen langsam erodierenden Struktur liegen bleibt, entstehen diese Pyramidenformen. Einige dieser Pyramiden können eine Höhe von bis zu 30m erreichen und sind nur an wenigen Orten am Ritten zu finden. Im Finsterbachgraben zwischen Lengmoos und Mittelberg (siehe Bild), im Katzenbachgraben bei Oberbozen, im Gasterergraben in Unterinn und in der schwer zugänglichen Gasserlahn bei Oberinn.

Der Hauptort der Rittenregion war auch schon im Mittelalter Lengmoos. Seit 1211 ist das Bestehen eines Hospizes in Lengmoos bezeugt, das ad refectionem pauperum per stratam de Riten transeuntium Sorge tragen sollte (also zur Versorgung der Armen, die die Straße über den Ritten überqueren.). Am 13. Juli 1225 wurde zudem die Einweihung des neuen Kirchengebäudes von Lengmoos vollzogen und 1235 wurde das Hospiz vom Deutschen Orden übernommen. Lengmoos wurde in der Folge sogar kurzzeitig Sitz der „Ballei an der Etsch und im Gebirge“, also Zentrum des Deutschen Ordens in Tirol, ehe dieses wenige Jahre später nach Bozen verlegt wurde. Teile dieser Deutschordenskommende sind bis heute in Lengmoos erhalten geblieben, auch die Kirche steht noch.

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