Neumarkt

Eingang zum Ortskern von Neumarkt

Neumarkt ist wahrscheinlich die bedeutendste mittelalterliche Ortschaft im heutigen Südtirol, die nie zur Stadt erhoben worden ist. Als wichtiger Marktort und Handelsplatz des Bistums Trient erwarb Neumarkt einen nicht unerheblichen Wohlstand, den man dem Ortskern bis heute ansehen kann. Vor allem der Neumarkter Gallusmarkt (am 16. Oktober) ist an dieser Stelle zu nennen. Neumarkt war zudem eine wichtige Station (nachweisbar ab 1308) der mittelalterlichen Rodfuhr gewesen, also des organisierten Warentransportes mit Hilfe von Fuhrwerken und/oder Saumtieren, die meist von Station zu Station zogen und dann immer wieder abluden und neu aufluden. Ein sehr langwieriges, aber für die beteiligten Stationen auch lukratives Geschäft mit den Kaufleuten des regionalen, vor allem aber überregionalen Handels.

Desweiteren etablierte sich Neumarkt Anfang des 15. Jahrhunderts als einer der wichtigsten Tuchumschlagplätze der Region, was auch zu einem Aufschwung der damit verbundenen Berufsgruppen (Schneider, Tuchschneider etc.) im Ort, aber auch den angrenzenden Gemeinden wie Vill, führte.

Auch die Laubengänge im Ortskern erinnern an die ehemals wichtige Rolle des Handels in Neumarkt, ermöglichten sie doch u.a. ein auch bei Regen trockenes Be- und Entladen der Fuhrwerke. Dieses Ortsbild mit seinen alten, meist gut erhaltenen Häusern dürfte vor allem während des 16. Jahrhunderts entstanden sein.

Fassade des Alten Schulhauses

Neben einem Spaziergang durch den historischen Ortskern kann man auch einen Blick in die Pfarrkirche St. Nikolaus werfen, deren heutige Form vor allem aus dem 15. Jahrhundert stammt. Es lohnt auch einige Schritte aus dem Ortskern hinauszugehen, wo man weitere schöne alte Häuser finden kann.

Bei einem Besuch von Neumarkt bietet es sich zudem an, auch den ein oder anderen Abstecher zu sehenswerten Objekten der direkten Umgebung zu unternehmen. Zum einen wäre das Pilgerhospiz von Klösterle zu nennen, das zwischen 1220 und 1300 errichtet wurde und eines der wenigen vollständig erhaltenen Gebäuder seiner Art in Europa ist. Zudem einer der wenigen Orte, die auch ich in Südtirol noch nicht kenne. Zur selben Zeit entstand auch die Burg Kaldiff, die nach einem Brand 1797 aufgegeben wurde ud daher heute nur noch als Ruine erhalten geblieben ist.

Ebenfalls in direkter Nähe zu Neumarkt befindet sich die Kirche Unsere Liebe Frau in der Vill, deren Bau durch Meister Konrad von Neumarkt 1412 begonnen wurde. Fertiggestellt wurde die Kirche aber erst 100 Jahre später, nämlich 1518 und durch ein Hochwasser 1767 schon wieder teilweise zerstört. Seit ihrer Instandsetzung 1956 zählt sie zu den stilreinsten gotischen Kirchen in Tirol.

Eine weitere sehr spannende Kirche findet sich einige Kilomter oberhalb von Neumarkt, in dem kleinen Weiler Pinzon. Um 1200 entstand hier bereits ein kleines romanisches Kirchlein, das knapp 200 Jahre später gotisiert wurde. Der große Kunstschatz der sich hier verbirgt stammt aus dem Jahre 1490. Es handelt sich dabei um einen prachtvollen Flügelaltar des Brixener Meisters Hans Klocker. Kunsthistoriker zählen ihn zu den fünf schönsten des Landes, also auf Augenhöhe mit Hans Schnatterpeck in Lana oder Michael Pachers Arbeit in Bozen. Die Öffnungszeiten der Kirche sind allerdings etwas schwierig, weswegen ich schon zweimal vor verschlossenen Türen stand. Laut Zettel von 2019 hat die Kirche fast jeden Tag von 09:30 bis 11:30 und von 14:30 bis 17:00 offen. Alternativ könne man auch den Pfarrer, oder den Mesner telefonisch erreichen.

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