Schloss Tirol

Schloss Tirol von Dorf Tirol aus kommend

Landläufig wird als Unterscheidung zwischen den Begriffen Burg und Schloss gerne der Wehrcharakter des ersteren und der Repräsentationscharakter des Schlosses genannt. Wie bezeichnet man aber eine Anlage, die beide Funktionen gleichermaßen erfüllen sollte!? Meist wird die ehemalige Stammburg der Grafen von Tirol als Schloss bezeichnet, weswegen ich im Folgenden bei dieser Benennung bleiben werde.

Da die Besichtigung von Schloss Tirol bislang immer ein klassisches Schlechtwetter-Vorhaben war, kann ich nur mit grauem Himmel auf meinen Bildern dienlich sein. Generell bietet es sich an, wenn man mit dem Auto/Bus unterwegs ist, nach Dorf Tirol zu fahren, und von dort dem beschilderten und asphaltierten Weg zu folgen.

Blick auf die Brunnenburg

Etwas unterhalb von Schloss Tirol sieht man eine weitere mittelalterlich anmutende Anlage am Hang liegen, die sog. Brunnenburg. Diese wurde um 1250 vom Tiroler Adelsgeschlecht der Tarranten errichtet, verfiel aber ab dem 16. Jahrhundert zunehmend. Um 1900 wurde die Burg im Stile des Historismus wieder aufgebaut und von der Tochter des amerikanischen Dichters Ezra Pound (gilt sowohl als einer der herausragenden Vertreter der literarischen Moderne, als auch als persona non grata in den USA, wegen seiner Unterstützung des Faschismus in Italien) erworben.

Schloss Tirol

Die ältesten Bauteile der Burg (Südpalas und Kapelle) kann man anhand dendrochronologischer Untersuchungen auf die Zeit zwischen 1135 und 1138 datieren, während der größte Teil der noch heute erhaltenen Bausubstanz im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Um die deutlich oberhalb von Meran gelegene Burg mit Waren versorgen zu können, entstanden zwei Fuhrwege, einmal über Dorf Tirol und einmal aus dem Etschtal über Gratsch, Platzeid und St. Peter. Zur Absicherung dieser Wege wurden zudem die Brunnenburg, Schloß Thurnstein und Burg Rubein errichtet.

Als Stammburg der Grafen von Tirol (die damals sowohl über das heute österreichische Tirol, als auch das italienische Südtirol herrschten) und unter Graf Meinhard II. auch Herzöge von Kärnten und unter dessen Sohn Heinrich kurzzeitig sogar Könige von Böhmen wurden, verwundert es nicht, dass sich hier eine der größten Burganlagen der Region entwickelte. Aus den Rechnungsbüchern der Tiroler Landesfürsten für die Jahre 1292 und 1297 lassen sich 118 Personen nachweisen, die dem Hausgesinde zuzurechnen sind. Da in der damaligen Zeit die meisten Burgen nicht mehr als ein bis zwei Dutzend dieser Personen aufwiesen, kann man ganz gut einschätzen, wie bedeutend Schloss Tirol tatsächlich war.

Erst als Herzog Friedrich IV. (mit den leeren Taschen) 1420 die Residenz nach Innsbruck verlegte, endete die Blütezeit von Schloss Tirol.

Im Innenhof der Burg mit Blick auf Ost- und Südpalas

Da auch Schloss Tirol in der Neuzeit zunehmend verfiel (Teile der Burg stürzten in den sog. Köstengraben) und im späten 19. Jahrhundert erst wieder historisierend aufgebaut wurde, sind nicht mehr alle Bereiche der Anlage original. So wurde z.B. der Bergfried erhöht, was man noch ganz gut an der unterschiedlichen Mauerungstechnik erkennen kann.

Seit 2003 ist Schloss Tirol Sitz des Südtiroler Landesmuseums für Kultur- und Landesgeschichte. Dieses organisiert immer wieder umfangreiche Ausstellungen auf der Burg und 1995 wurde sogar die Tiroler Landesaustellung mit dem Themenschwerpunkt zu Meinhard II. hier abgehalten.

Von der originalen hochmittelalterlichen Ausstattung der Burg ist leider vieles nicht mehr erhalten geblieben. Umso bedeutender sind daher die romanischen Plastiken der Burkapelle und die Fensterkapitelle des anschließenden Rittersaals. Diese zählen zum bedeutendsten, was man in Tirol heute noch besichtigen kann. Zur Symbolik schreibt die Website von Schloss Tirol: „Bei der Betrachtung der Portale ist es ratsam, sich die grundlegende Mehrdeutigkeit der mittelalterlichen Symbolsprache vor Augen zu halten: bestimmte Figuren, Tier- und Pflanzensymbole können Träger einer, aber auch einer gegenteiligen Botschaft sein. So kann der Löwe sowohl für Christus, aber auch den Teufel stehen. Das Efeu an den Türrahmen gilt als Pflanze der Ewigkeit, die dauerhafte Erinnerung garantiert.

Für die Besichtigung sollte man mindestens eine Stunde einplanen, gerade wenn man auch Zeit für die Ausstellung im Bergfried zur wechselhaften Geschichte Südtirols zwischen Österreich, Deutschland und Italien aufbringen möchte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: