Schloss Runkelstein

Schloss Runkelstein

Unweit von Bozen am Eingang zum Sarntal gelegen, befindet sich Schloss Runkelstein, eine der kunsthistorisch bedeutendsten mittelalterlichen Befestigungsanlagen Südtirols. Erstmals eindeutig nachweisbar wird Runkelstein 1237, erlebte seine Blütezeit aber erst ab 1385, als die Brüder Franz und Niklaus Vintler die Burg erwarben und mit umfangreichen Umbaumaßnahmen begannen.

Die Gebrüder Vintler zählten damals zu dein reichsten Kaufleuten der Grafschaft und wollten sich durch den Erwerb und Aus-/Umbau der Burg einen adeligen Anstrich verpassen um ihre bürgerliche Herkunft zu überdecken.

Burgtor

Der unter der Familie Vintler geschaffene profane Freskenzyklus der Burg ist heute der umfangreichste des Mittelalters in ganz Europa. Zwischen 1388 und 1400 wurde nicht nur die Burgkapelle ausgemalt, sondern auch weite Teile der Wohnräume der Burg. Hier sind Szenen aus bekannten Ritterlegenden zu sehen, aber auch die Monumentalfiguren bedeutender Könige und Helden des Mittelalters. Von besonderer Bedeutung, auch für den heutigen Historiker, ist unter anderm die Szene des Lanzenturniers, auf der sich auch die extrem seltene Darstellung eines mittelalterlichen Zuschauerwagens findet. Somit ermöglichen diese Fresken Einblicke in das alltägliche Leben der damaligen Zeit, die man so nur ganz selten vergleichbar findet.

Da in Schloss Runkelstein das Fotographieren in den Innenräumen untersagt ist, kann ich nur die Heldengalerie als Beispiel für die Freskenpracht der Gesamtburg zeigen. Ich hoffe man kann erahnen, warum diese Burg ein absoluter „Pflichtbesuch“ für jeden kunsthistorisch Interessierten ist.

Die heute noch sehr gut erhaltene mittelalterliche Bausubstanz haben wir dem Verfall der Burg nach dem Ende der Vintlerdynastie während des späten 15. Jahrhunderts zu verdanken. Somit gab es keinen Anlass dazu, die Burg verändernde Umbauten im Stile der Renaissance oder des Barock zu unternehmen. Dadurch konnte in der Moderne die verfallene mittelalterliche Substanz wieder originalgetreu hergestellt werden. Eine weitere Besonderheit der Burg ist, dass sie eines der ersten Beispiele denkmalschützender Maßnahmen wurde, als Kaiser Maximilian I. Anfang des 16. Jahrhunderts über das Schloss vermerkte: Item daz Sloss Runcklstain mit dem mel lassen zu vernewen wegen der guten alten Istory und diesselb Istory in schrift zu wegen bringen. Dabei bezog sich Maximilian vor allem auf den Erhalt der Profanfresken, die seinem Ideal der ritterlichen Welt entsprachen. Aber auch er konnte den Verfall nicht aufhalten, zumal das Leben in der Stadt (z.B. Bozen) deutlich komfortabler wurde, als es auf den meist zugigen und schlecht beheizbaren Burgen der Fall war.

Bzgl. der Öffnungszeiten und Preise möchte ich gerne auf die offizielle Website verweisen.

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