Meran und Lana

An der Passerpromenade von Meran

Die ehemalige Landeshauptstadt der Grafschaft Tirol liegt sehr günstig am nördlichen Ende des Etschtals, am Scheideweg der Straßen durch den Vinschgau (Via Claudia über den Reschenpass) und der Straße durchs Passeier und den Jaufen nach Sterzing und somit zum Brennerpass. Auf dem benachbarten Zenoberg (Gemeinde Dorf Tirol) lassen sich die Siedlungsspuren daher bis in die jüngere vorrömische Eisenzeit zurückverfolgen. Auch die Römer gründeten hier ein befestigtes Lager, aus dem der heutige Stadtteil Merans, Obermais hervorgegangen ist.

Vor allem in der Zeit der Meinhardiner (13. – 14. Jahrhundert), der Blütezeit der selbstständigen Grafschaft Tirol, entwickelte sich Meran zum politischen Zentrum der Landschaft und zu einem wichtigen Handels- und Kunstknoten in den Alpen. Davon zeugen bis heute viele der noch erhaltenen Bauten der Stadt. Erst die Verlegung der Landeshauptstadt nach Innsbruck 1420 und etwas später der Tiroler Münzstätte nach Hall in Tirol beendeten diese Blütezeit Merans.

An der Passerpromenade

Dieses Bild zeigt ein wenig davon, warum für mich Meran eine der lebenswertesten Städte ist, die ich kenne. Eingebettet in ein (hier nicht sichtbares) grandioses Bergpanorama, wachsen neben einem sprudelnden Bergfluss (der Passer) zahlreiche bunte Blumen und mediterrane Palmen und Zypressen neben klassischen mitteleuropäischen Bäumen, deren Laub sich im Herbst in allen Schattierungen verfärbt. Skifahren, Wandern und „Strandfeeling“ liegen alle nur wenige (Kilo-)Meter auseinander. Begleitet wird das von einem italienisch geprägten Lebensgefühl des „Draußesitzens“ und „Espressotrinkens“. Etwas weiter stehen gleichberechtigt Pizza und grandiose Pasta-Gerichte neben Schlutzer (Schlutzkrapfen sind den Ravioli nicht unähnlich), Kasknödel und Wildgerichten auf den Speisekarten. Abgerundet wird das durch frischgepresste Apfelsäfte etwa aus dem Vinschgau, die grandiosen Weine der Region und mit der Brauerei Forst gibt es seit 1857 auch etwas für die Bierliebhaber.

Zudem ist die Altstadt Merans mit seinen mittelalterlichen Häusern, der Laubengasse (Einkaufstraße) und den Kirchen und Stadttoren eine wirklich wunderschöne Stadt, die nicht wie Bozen von einem Industriegürtel und Plattenbauten umsäumt ist.

Der in meinen Augen beste Weg eine Besichtigung der Stadt zu beginnen ist, wenn man das Auto im Parkhaus Therme abstellt und dann entlang der Passerpromenade nach Nord-Osten zum Steinernen Steg läuft. Diese Brücke wurde 1616-17 errichtet und stammt nicht, wie auch häufig angedeutet wird, aus römischer Zeit. Dies schließt natürlich nicht aus, dass auch die Römer evtl. bereits eine Brücke an dieser Stelle errichtet hatten. Von dort betritt man die Stadt Meran durch das Passeirertor, eines der ehemals vier (heute noch drei erhaltene) Stadttore Merans.

Das Hohe Haus

Fast direkt hinter dem Tor erreicht man eines der schönsten mittelalterlichen Häuser der Stadt, das sog. Hohe Haus. Ehemals als Amtshaus genutzt, bestand das Gebäude seit mindestens 1327 und erfuhr um 1530 einige Um- und Anbauten. Folgt man von dort weiter der Passeirergasse, erreicht man nach einigen Metern den Domplatz.

Die Bezeichnung Domplatz ist etwas irreführend, da die Stadtpfarrkirche von Meran (St. Nikolaus) nie Bischofskirche war und somit auch nicht als Dom bezeichnet werden darf. Die einzigen Bistümer im heutigten Südtirol waren damals das Bistum Chur (Besitz im Vinschgau, etwa die Gemeinde Mals), das Bistum Brixen und das Bistum Trient (Besitz bis Bozen). Kleinere Besitzungen etwa des Bistums Augsburg zählen nicht, da hiermit keine seelsorgerischen und verwalterischen Pflichten für die Menschen vor Ort einhergingen.

St. Nikolaus wurde an Stelle einer älteren Kirche errichtet und 1367 in seiner heutigen Form eingeweiht. Die spätgotische dreischiffige Hallenkirche beherbergt keine Kunstwerke von großer Bedeutung. Im Turmdurchgang auf der Innenseite jedoch findet sich ein Fresko Meister Wenzeslaus, der auch die Riffianer Friedhofskapelle ausgemalt hat.

Ebenfalls am Domplatz befindet sich die Barbarakapelle, die zwischen 1422 und 1450 entstand. Direkt links des Eingangs auf der Außenseite erkennt man ein Christophporus-Fresko aus der Zeit um 1450 und im Inneren kann man noch schön das gotische Sternrippengewölbe und Reste der originalen Freskierung erkennen. Der einzig wirklich „alte“ Altar ist der sog. Niedersächsische Flügelalter (Bild oben) aus dem 15. Jahrhundert, an dem jedoch einige Figuren während des Historismus ergänzt wurden. Sein Name weißt auf seine Herkunft hin, zudem wurde er erst 1911 in einem Antikenhandel eingekauft.

Die landesfürstliche Burg wurde um 1470 von Herzog Sigmund dem Münzreichen von Österreich-Tirol (u.a. auch Erbauer von Schloss Sigmundskron bei Bozen oder der Mühlbacher Klause) errichtet. Sie sollte ihm als Stadtresidenz dienen, war sie doch deutlich komfortabler als das bei Dorf Tirol trohnende Schloss Tirol. Auch Kaiser Maximilian I. war hier mehrfach zu Gast. Heute ist die Burg als Museum zugänglich und einige der Fresken und holzgetäfelten Stuben sind erhalten geblieben. Leider war die Burg während unseres Aufenthaltes geschlossen.

Direkt vor den Toren Merans liegt die Gemeinde Lana, die zwei ganz besonders eindrucksvolle Kirchenbauten bzw. -schätze zu bieten hat. Einmal wäre dies die Pfarrkirche von Lana (Mariä Himmelfahrt). Die äußerlich recht schmucklose Kirche bietet im Inneren einen, vllt. sogar den schönsten gotischen Kircheninnenraum Tirols und wird komplett von einem Meisterwerk der gotischen Holzschnitzkunst dominiert. Dieser 1503 bis 1511 entstandene Altar ist eines der größten Meisterwerke seiner Zeit. Häufig nur als Schnatterpeckaltar bezeichnet, war er jedoch eine Mehrpersonen-Arbeit, an der nachweislich neben Hans Schnatterpeck auch Hans Schäufelein (für die Flügelbilder) und der Bildschnitzer Bernhard Härpfer als Schöpfer der Plastik mitwirkten. Mit einer Höhe von 14,10 Metern ist er einer der fünf größten Holzschnitzaltäre im deutschsprachigen Raum.

Eine weitere sehr sehenswerte Kirche, die allerdings nur mit Führung besichtigt werden kann, ist St. Margareth in Lana, die wie St. Peter in Mistail (Graubünden) oder die Burgkapelle von Hocheppan eine Dreiapsidenkirche ist. Ihre Fresken zählen zu den bedeutendsten der Frühromanik (Anfang 13. Jahrhundert) in Südtirol und werden als Teil der sog. Marienberger Malschule betrachtet. Leider ist das Fotographieren im Inneren strengstens verboten.

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