Wanderung zur Ruine Neuhaus bei Terlan

Blick auf Terlan und das Etschtal Richtung Meran während der Tour

Eine relativ kurze aber bzgl. der Optik tolle Tour führt von Terlan zur Ruine der Burg Neuhaus und wieder zurück. Wenn man nicht in Terlan wohnt fährt man am besten mit dem Auto in den Ort und kann etwa an der Kirche oder am Bahnhof einen Parkplatz finden. Bevor man mit der eigentlichen Tour beginnt, sollte zumindest einen kurzen Blick in die Pfarrkirche von Terlan (Mariä Himmelfahrt) mit ihrem grandiosen Freskenschmuck aus dem 14. Jahrhundert riskiert werden.

Die Kirche selbst wurde im 14. Jhd. auf einer romanischen Vorgängerkirche errichtet, von der noch der Turm (der kleinere der beiden Türme) erhalten geblieben ist, während der große freistehende Turm erst um 1530 erbaut wurde. Im Inneren der Kirche ist einer der bedeutendsten Freskenzyklen Südtirols zu sehen.

Der Chorraum wurde um 1390 von Bozener Künstlern um Hans Stockinger in der Tradition Giottos bemalt (man nennt diesen Stil die sog. Bozner Schule), während das Langhaus etwas später gegen 1407 seinen Freskenschmuck erhielt. Die Kirche ist täglich 08:00 – 19:00 Uhr geöffnet.

Auf dem Weg durch Terlan

Direkt an der Kirche führt der Weg durch die Kirchgasse entlang der Weinberge und -güter Terlans sanft ansteigend nach oben, bis man die Kreuzung mit dem Margarethenweg erreicht. Dann folgt man diesem bis zur Möltnerstraße, die man überqueren muss und der Ausschilderung Burg Neuhaus/Margarethen Panoramaweg folgt. Wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist, sollte man sowohl hin als auch zurück den Panoramaweg nehmen, wer mehr als „nur“ einen kleinen Spaziergang unternehmen will, folgt dem Wanderweg 9 in den Wald. Diesen verlässt man auf der Kuppe des Burghügels oberhalb von Neuhaus und folgt der Ausschilderung zur Burg und dem Weg Nummer 3 zur Burg. Dabei erreicht man das kleine Plateau von dem aus der Blick auf Terlan am Anfang dieses Beitrages möglich ist. Der Abstieg zur Burg ist steil und für Personen mit starkem Höhen-Schwindel nicht zu empfehlen.

Ursprünglich als Grenzburg zum vom Bischof von Trient kontrollierten Bozen durch die Tiroler Grafen errichtet, verlor die Burg nach der Eroberung Bozens durch Meinhard II. (gest. 1295) zunehmend an Bedeutung. Laut einer Legende avancierte Neuhaus später zur Lieblingsburg der Grafin Margarethe von Tirol (der Beiname Maultasch wurde ihr wegen ihrer angeblichen Hässlichkeit verliehen), weswegen man sie dann auch Burg Maultasch nannte. Der zunehmende Verfall der Burg konnte erst unter Georg Graf Enzenberg 1990-96 aufgehalten werden, weswegen die Burg selbst heute vor allem durch ihren Blick über das Etschtal und die mit ihr verbundenen Legenden lebt.

Über den Panoramaweg geht es dann wieder zurück nach Terlan.

Kleiner Exkurs: Margarethe von Tirol war das einzige überlebende Kind Herzog Heinrichs von Kärnten und Grafen von Tirol (der kurzzeitig König von Böhmen war und ein Sohn Meinhards II. von Tirol). Durch das Fehlen eines erbberechtigten Sohnes wurde Margarethe nach dem Tod ihres Vaters Gräfin von Tirol und damit zu einer der begehrtesten Heiratspartien Europas. Tirol war nicht nur relativ wohlhabend sondern lag an einigen der wichtigsten Alpenstraßen des Mittelalters und hatte damit enormen strategischen Wert.

Da sie zunächst mit Johann Heinrich von Luxemburg verheiratet wurde, gelangte Tirol in den Besitz der gleichnamigen Familie, was wiederum Wittelsbachern und Habsburgern nicht besonders gefiel. In einem denkwürdigen Ereignis verschloss Margarethe ihrem Mann die Tore ihrer Burg, verkündete er sei impotent und die Ehe nie vollzogen worden und heiratete ein zweites Mal. Diesmal den Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern und somit einen Wittelsbacher, was zum Krieg mit den Luxemburgern und zum Zerwürfnis mit dem Papsttum inklusive Exkommunikation führte.

Der einzige gemeinsame Sohn mit dem Wittelsbacher Ludwig, der Markgraf von Brandenburg war, Meinhard III., verstarb aber bereits vor seinem 20. Geburtstag, weswegen Margarethe die Grafschaft schlussendlich 1363 an die Habsburger überschrieb. Dies wiederum führte zum Krieg mit den Wittelsbachern, die erst 1369 gegen hohe finanzielle Entschädigungen auf ihren Anspruch auf Tirol verzichteten.

In einer männerdominierten Welt war es quasi undenkbar, dass eine Frau sich so vehement ihres eigenen Willens bediente, weswegen gerade von papsttreuen Chronisten (z.B. Filippo Villani) dieser Zeit kaum eine Verleumdung ausgelassen wurde, um Margarethe in einem möglichst schlechtes Bild zu rücken. Vom Giftmord an ihrem Sohn, über liderliches Verhalten mit wechselnden Geschlechtspartnern wurde kaum eine Abscheulichkeit ausgelassen, die sie angeblich begangen habe. Dazu passt es natürlich, wenn man sie zudem als hässliche Frau beschreibt, galt doch das Hässliche als Ausdruck des Teufels und einer bösen Person. Dieses Bild hat sich bis in die Moderne gehalten, wie noch der Roman Lion Feuchtwangers „die hässliche Herzogin“ von 1923 beweist.

In Wahrheit war Margarethe wohl weder hässlich (im Gegenteil, von neutralen Chronisten wird sie sogar als ausgesprochen schöne Frau beschrieben), noch hat sie ihren Sohn vergiftet oder mit vielen unterschiedlichen Männern geschlafen. Sie war nur als Frau einige Jahrhunderte zu früh in entscheidender Position und hat die geballte Ablehnung ihrer männerdominierten Zeit erfahren.

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