Burgenwanderung Eppan

Blick auf den Bozener Talkessel vom Aufstieg zur Burg Hocheppan

Die nahezu perfekte Möglichkeit Kultur und sportliche Betätigung zu verbinden, ist die Burgentour von Eppan. Diese ist auch für Kinder gut geeignet, denn es sind nur knapp 400 Höhenmeter zu überwinden, bei einer reinen Gehzeit von knapp zwei Stunden. Auf all den drei Burgen wird auch für das leibliche Wohl gesorgt, so dass man theoretisch ganz ohne Verpflegung unterwegs sein kann, auch wenn sich das Mitführen von Trinkwasser generell immer empfiehlt.

Blick von Schloss Korb gen Bozen

Je nach Verfügbarkeit der Parkplätze kann man direkt an Schloss Korb parken, ansonsten empfiehlt sich der öffentliche Parkplatz von Missian als Ausgangspunkt. Von dort folgt man während der gesamten Tour der Beschilderung Burgentour (Wanderweg 9 bzw. 9a) und kann sowohl zunächst über Hocheppan beginnen, als auch von Schloss Korb erst über die Burgruine Boymont wandern.

Schloss Korb

Der Wohnturm von Schloss Korb wurde um 1236 errichtet, verlor aber bereits ab dem 15. Jahrhundert an Bedeutung und wurde 1802 in äußerst schlechtem Zustand von der landesfürstlichen Kammer Tirols eingezogen. Seit 1918 befindet sich das Schloss wieder in Privatbesitz und beherbergt heute ein luxuriöses Hotel mit angeschlossenen Weinbergen. Von Korb aus geht es zunächst durch den Wald weiter Richtung Burgruine Boymont.

Zwischen 1220 und 1230 wurde diese Höhenburg auf einem Felsrücken errichtet. Vermutlich von einer Seitenlinie der Grafen von Eppan (zu dieser Familie später mehr bei Burg Hocheppan) erbaut, wechselte die Burg im 14. und 15. Jahrhundert mehrfach die Besitzer. Nach einem Brand 1425 wurde die Burg nicht mehr weiter ausgebaut, weswegen sich die überwiegend romanische Struktur der Burg bis heute erhalten hat. Auch wenn sie einige wehrhafte Formen hat, war Boymont wohl überwiegend als Wohnburg genutzt worden und dementsprechend mehr dem angenehmen Wohnen als dem mitlitärischen Nutzen folgend konzipiert.

Burg Hocheppan von Boymont aus kommend

Von Boymont an steigt der Weg deutlich steiler als bisher entlang massiver Porphyrfelsen empor, bleibt aber zu allen Zeiten gut gesichert und damit auch für Kinder ab 8 Jahren problemlos geeignet. Eine Schlucht überquert man mit 60 Metern gesicherter Metallstufen, was deutlich spektakulärer klingt, als es dannn tatsächlich ist.

Burg Hocheppan ist ohne jeden Zweifel eine der auch kulturhistorisch bedeutendsten Burganlagen Südtirols und sollte zum Pflichtprogramm für jeden halbwegs mittelalteraffinen Menschen zählen. Bevor die Grafen von Tirol unter Meinhard II. die Vorherschaft in Tirol erlangten gab es mit den Grafen von Eppan, deren Stammburg Hocheppan war, einen gleichwertigen Gegenspieler. Die Grafen von Eppan begegnen uns z.B. auf dem Kreuzzug Herzog Friedrichs I. von Österreich 1197/98 und erscheinen während des Zuges als Zeugen in Urkunden in Messina (Sizilien) und auf Zypern. Auch früh kan man sie im Gefoge der römisch-deutschen Könige und Kaiser 1116 in Treviso und Venedig, 1159 im Gefolge Barbarossas in Crema oder 1184 in Hagenau im Elsass nachweisen. Auch dies spricht für die Bedeutung und den Wohlstand der Familie, der sich heute noch ganz eindrucksvoll an der Burgkapelle von Hocheppan erkennen lässt.

Außenwand der Kapelle mit Jagdszene

Die Burgkapelle von Hocheppan zählt wahrscheinlich zu den größten Kunstschätzen des Alpenraums und ist ein Juwel mittelalterlicher Freskenmalerei. Auf der Außenmauer befindet sich die Profandarstellung eines jagenden Ritters, die nachträglich übermalt wurde und zu einem drachentötenden St. Georg wurde. Auffällig dabei ist die byzantinische Bügelkrone die der Reiter im Original trug, die wohl auf die persönlichen Erfahrungen dieser Kultur zurückgeht, die die Grafen von Eppan auf den Kreuzzügen gewonnen haben. Zudem verwendeten die Maler damals häufig sog. Formenbücher, deren Malereien sie quasi in groß nachmalten. Da diese häufig aus dem byzantinsichen Raum stammten, wäre auch dies eine valide Erklärung für eine im alpinen Raum eigentlich unbekannte Darstellungsart.

Das Innere der Kapelle, in der leider das Fotographieren verboten ist, ist vollständig ausfreskiert. Auch diese Fresken haben eine byzantinische Formensprache, da diese wie Thomas Steppan schreibt, „den Auftraggeber schmückte und in ihrem Ansehen herrschaftlich war und den Eindruck von Rang und Ansehen übertrug.“ (Vgl. Steppan: Zu den byzantinischen Einflüssen auf die romanische Wandmalerei in Tirol, in: Romanische Wandmalerei im Alpenraum, Bozen 2004, S. 127.). Man kan die Kapelle daher quasi als Statussymbol der damaligen Zeit betrachten. Ihre Anlage als Dreiapsidenkirche weist zudem auf die Verbindungen der Grafen in die heutige Schweiz hin, findet man doch einen ähnlichen Bautypus v.a. im churrätischen Raum.

Besichtigen kann man die Kapelle nur mit Führung, die meist stündlich angeboten wird. Diese sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen, zumal die Dame, die uns führte, sehr kompetent war. Das Warten kann man sich bei grandiosem Ausblick über das Bozener Becken, Etschtal und die Eppaner Region mit Tiroler Küche (Knödel, Speckbrettl usw.) und einem Gläschen Wein versüßen.

Der Kreideturm

Von Hocheppan führt der Weg teils recht steil abwärts gehend wieder ins Tal (vor allem unangenehm, wenn man den Weg ungekehrt nach oben läuft, das ist doch schweißtreibend). Dabei passiert man den sog. Kreideturm, einen im 13. Jahrhundert errichteten Turm, der als vorgelagerte Verteidigung der Hauptburg fungierte. Von dort konnte man z.B. durch Feuerzeichen (Kreidefeuer) vor anrückender Gefahr warnen. Im Tal angekommen, geht es entlang von Apfelplantagen und Weinbergen wieder zurück Richtung Parkplatz an Schloss Korb oder in Missian. Man kann auch entlang der Straße parken, die man jetzt sieht, allerdings bitte nicht, wie es leider viele tun, in den wenigen Ausweichen der Straße, da man sonst bei Gegenverkehr lange Rückwärts fahren muss.

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