Kloster St. Johann/ Müstair

Die Klosteranlage von St. Johann im Val Müstair

Das 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Kloster St. Johann im Val Müstair ist Johannes dem Täufer geweiht, dessen Geschichte einen großen Teil der erhaltenen Fresken ausmacht. Der Mythos besagt, dass das Kloster von Karl dem Großen selbst gegründet wurde, tatsächlich aber dürfte es eher von einem Churer Bischof in der Zeit nach 775 gegründet worden sein. Von Beginn an war es ein wichtiges Verwaltungszentrum, da die Bischöfe von Chur sowohl Besitz im heutigen Engadin/Schweiz als auch im Oberen Vinschgau/Italien hatten. St. Johann liegt direkt an der Ofenpassstraße, der wichtigsten Verbindungsroute zwischen diesen beiden Zentren der Churer Bischöfe.

Torturm des Klosters von 1500

Die Klosterkirche ist eine Saalkriche mit drei Apsiden (sog. Dreiapsidenkriche) und steht damit klar in der karolingischen Bautradition Churrätiens im 8. und 9. Jahrhundert. Vergleichbare Bauweisen finden sich u.a. in St. Peter in Mistail bei Tiefencastel oder in St. Margareth in Lana.

Aber vor allem die Fresken der Kirche machen St. Johann zu einem einzigartigen Zeugnis karolingischer Bilddarstellungen in Europa. Erst zwischen 1947-1951 wurde diese um 800 entstandenen Fresken unter mehreren späteren Malschichten wiederentdeckt und in der Folge freigelegt. Diese befinden sich in meherern Streifen an der Nord- bzw. Südwand des Innenraums.

In der Mittelapsis wiederum hat sich ein Freskenband aus der Zeit um 1200 erhalten, das Szenen aus der Geschichte Johannes des Täufer erzählt (Gastmahl des Herodes, tanzende Salome, Enthauptung).

Gastmahl Mitte, tanzende Salome (auf dem Kopf stehend) und Enthauptung nach links anschließend
Steinigung des Heiligen Stephan

Wer zum Kloster St. Johann fährt und dabei aus dem Vischgau kommt sollte kurz vor der Schweizer Grenze einen Zwischenstopp in Taufers einlegen. Dort steht die um 1220 von Graf Albrecht III. von Tirol gestiftete kleine Kirche St. Johann mit angeschlossenem mittelalterlichen Hospizgebäude.

St. Johann in Taufers

Im für Tirol einzigartigen kreuförmigen Zentralbau sind noch beeindruckende Fresken aus der Zeit des Kirchenbaus erhalten geblieben.

Zusammen mit dem an der Kreuzung des Ofen und des Umbrailpasses gelegenen Hospiz von St. Maria in Silvaplana (heute St. Maria in Müstair), das fast zeitgleich 1228-32 errichtet wurde und der Herberge in St Johann in Müstair sind diese Einrichtungen bis heute sichtbarer Beleg für das hohe Verkehrsaufkommen dieser Route während des 13. Jarhunderts.

Kirche links und Hospizgebäude von Taufers rechts

Das rechts am Hospizgebäude zu sehende Fresko des Heiligen Christophorus zeigt nicht nur, dass früher die Straße nicht rechts, sondern links der Kirche verlief, sondern ist auch eines der ältesten monumentalen Fassadenbilder des Mittelalters.

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