Septimerüberquerung

Der Septimerpass ist der einzige bereits in Antike und Mittelalter stark genutzte Alpenpass, der heute nicht durch eine Fahrstraße erschlossen worden ist. Nachdem in der Antike noch der Julier stärker genutzt wurde, entwickelte sich der Septimer während des Mittelalters zu einem der wichtigsten Alpenübergänge in der heutigen Schweiz. Schon um 1100 gründete der Churer Bischof Wido ein erstes Hospiz (St. Peter) auf der Passhöhe und sogar die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nutzten ab Heinrich VI. 1191 und 1194 den Septimer. Ab 1387 wurde durch Jakob von Castelmur zwischen Tinizong im Oberhalbstein und Plurs im Bergell die Straße gepflastert, eine der größten Straßenbaumaßnahmen des Mittelalters im Hochgebirge. Reste dieser Pflasterung und des Hospizes sind noch heute zu sehen.

Blick zurück zum Startpunkt in Bivio

Nachdem wir das Auto in Bivio auf dem Gemeindeparkplatz geparkt hatten (vorher hatten wir die Erlaubnis eingeholt) liefen wir über eine bis zu den letzten Höfen etwas oberhalb des Ortes noch gepflasterte Straße relativ steil nach oben, ehe sich das Hochgebirgstal in Richtung Septimerpasshöhe öffnete. Die reine Septimerüberquerung erfordert ohne Abstecher zur Innquelle o. Ä. festes Schuhwerk, das über die Knöchel geht und eine gute Kondition, legt man doch von Bivio auf 1769m über den Pass auf 2310m und den Abstieg nach Casaccia auf 1458m auf gut 13km Strecke fast 1400 Höhenmeter zurück.

Blick Richtung Passhöhe

Dieser Blick ist nicht nur wunderschön, sondern zeigt zugleich einen großen Vorteil für den Verkehr vergangener Jahrhunderte. Da die Berghänge auf beiden Seiten weit von der im Zentrum verlaufenden Straße entfernt waren, konnte man die Route trotz Hochgebirge den ganzen Winter lawinenfrei nutzen. Hier begegnet man neben Kühen immer wieder auch kleinen Bächen, an denen man den Trinkwasservorrat nachfüllen kann.

Wer die Passhöhe auf 2300m erreicht hat, kann dann entweder den direkten Abstieg nach Casaccia beginnen, oder wie wir über den Lunghinpass auf 2644m zur Innquelle, dem Lunghinsee auf 2485m weiterwandern. Auf dem Lunghinpass liegt die wichtigste Wasserscheide des europäischen Festlandes außerhalb Russlands.

Anschließend führte uns der Weg weiter auf den Piz Lunghin mit 2780m. Aber ACHTUNG! Dies ist eine Alpine Route (blau/weiß ausgeschildert) durch schwieriges teils wegloses Gelände. Hier ist neben absoluter Trittsicherheit und Schwindelfreiheit auch Kletterei der Schwierigkeitsgrade I bis III erforderlich. Als ungeübter Wanderer bitte diese Route nicht benutzen!

Blick auf den Piz Lunghin

Das Bild oben lässt bereits erahnen, welche Anstrengung notwendig ist, um die Spitze des Piz Lunghin zu erreichen. Wenn man aber dann oben steht, wird man mit einem absolut spektakulären Blick auf das Oberengadin mit den Orten Maloja und Sils belohnt.

Blick auf den Silsersee und den Silvaplanasee

Gestärkt durch eine mitgebrachte Brotzeit ging es dann den selben Weg über den Lunghinpass wieder zurück zur Septimerpasshöhe und der Abstieg nach Casaccia begann. Dieser ist jetzt deutlich steiler als der Aufstieg von Bivio, wer Knieprobleme hat, sollte daher über eine genau entgegengesetzte Überquerung des Passes, beginnend von Casaccia und in Bivio endend, nachdenken.

Neben den Relikten vergangener kriegerischer Zeiten in Europa sieht man auf dem Abstieg nach Casaccia immer wieder auch die Reste der antiken und mittelalterlichen Straßenpflasterungen, die heute noch in Teilen den Wanderweg bilden.

Von Casaccia kann man dann per Postbus wieder zurück nach Bivio fahren und das eigene Auto holen. Wir folgten aber am nächsten Tag dem Bergeller Panoramaweg weiter nach Soglio.

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