Rothenburg ob der Tauber

Blick auf die Altstadt Rothenburgs vom Burggarten aus

Rothenburg ob der Tauber ist zweifellos einer der touristisch bekanntesten Orte Deutschlands und liegt an der Romantischen Straße zwischen Würzburg und Füssen. Das merkt man vor allem an den Massen an Touristen die sich auch bei schlechtem Wetter durch die kleine Stadt (11.000 Ew.) schieben.

Nachdem König Konrad III. 1142 mit dem Bau der Rothenburg (heutiger Burggarten) begann, entwickelte sich auch die gleichnamige Stadt, die bis Mitte des 13. Jahrhunderts ihre noch heute intakte Stadtbefestigung erhielt. 1274 zur Reichsstadt erhoben, kam Rothenburg aber politisch wie wirtschaftlich nie über den Status einer Kleinstadt hinaus. Trotz der Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges und der schweren Bombardierungen kurz vor Kriegsende 1945 konnte die Stadt fast vollständig ihren urprünglichen mittelalterlichen Charme bewahren, was sie für knapp zwei Millionen Touristen jährlich zum Inbegriff des deutschen Mittelalters werden lässt. Dass die Bausubstanz Rothenburgs 1945 fast zu Hälfte zerstört wurde und wiederaufgebaut werden musste, sieht man ihr als Laie an keiner Stelle an.

Wenn man außerhalb der Stadt geparkt hat, betritt man durch die im 14. Jahrhundert gebaute äußere Stadtmauer die „Neustadt“, ehe man durch einen weiteren Mauerring aus dem 12. Jahrhundert die „Altstadt“ erreicht. Neben den tollen Fachwerkhäusern entlang der Gassen der Altstadt laden auch das mittelalterliche Kriminalmuseum, das deutsche Weihnachtsmuseum (Käthe Wohlfahrt) oder das Reichsstadtmuseum zum Besuch auch mit Kindern ein.

Wenn man durch die Hauptgassen Rothenburgs streift, dann fällt sofort auf, dass man sicherlich nicht Hungers sterben wird, denn so viele Restaurants auf so wenig Raum habe ich bislang selten gesehen. Wenn man sich allerdings den Marktplatz bei sehr mäßigem Wetter Anfang August ansieht, wird klar weshalb dieses Angebot notwendig ist.

Einer der kunstgeschichtlich größten Schätze der Stadt befindet sich in der Stadtkirche St. Jakob. Zwischen 1311 und 1484 erbaut, wurde die Kirche während der Jahre 2005 bis 2011 aufwendig (9 Millionen Euro) saniert. Neben dem spätgotischen Zwölf-Boten-Altar im Ostchor der Kirche ist vor allem der Heiligblutaltar Tilman Riemenschneiders ein Pflichttermin für jeden Kunstbegeisterten. Zwischen 1500 und 1505 für die Heiligblutreliquie geschnitzt (als ob ein Apostel beim letzten Abendmahl ein Fläschchen dabei hatte, um einen Tropfen des Abendmalkelches aufzufangen, weil könnt ja mal als Reliquie wichtig werden…) zeigt er Szenen des späten Lebens Jesu. Neben dem Einzug nach Jerusalem sind das das letzte Abendmahl sowie die Szene am Ölberg.

Die künstlerische Gestaltung der Figuren (die ausdrucksstarken Gesichter sowie der detaillierte Faltenwurf der Gewänder) zählt zum besten was am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance im heutigen Deutschland geschaffen wurde. Riemenschneider befindet sich ohne Frage auf Augenhöhe mit anderen Meistern dieses Faches wie Michael Pacher, Hans Multscher, Veit Stoß oder Hans Schnatterpeck, ist aber ungleich bekannter als diese und zieht daher heute auch mehr Touristen an.

Den Burggarten Rothenburgs sollte man nicht nur wegen des wirklich traumhaften Blickes auf die Altstadt besuchen, sondern auch, weil es eine wirklich schön angelegte Anlage ist, die zum Spazierengehen und Verweilen einlädt. Hier befand sich auch die von Konrad III. errichtete Burg von der heute noch die Blasiuskapelle (ehemals Palas der Hinterburg) erhalten geblieben ist. Hier residierte früher wahrscheinlich der Reichsvogt (Verwalter der Burg im Namen des Königs). Zwischen 1397 und 1400 wurde das Gebäude zum Sakralraum umgewidmet und mit Wandmalereien ausgeschmückt.

Wegen dieser Staufergründung der Burg befindet sich auch eine Stauferstele auf dem Gelände, deren Sinn sich mir allerdings nicht wirklich erschließt. Ursprünglich sollten diese Stelen Orte von besonderer Bedeutung für die Staufer kennzeichnen (Todesort Friedrichs II. in Castel Fiorentino/Apulien war daher auch die erste errichtete Stele). Rothenburg ob der Tauber war nun aber zweifellos kein besonders wichtiger Ort für die Staufer und allein die Gründung der Burg ist doch ein recht belangloser Aufhänger. Dann gäbe es hier im Süden kaum einen Ort, der nicht eine Stauferstele bekommen müsste. Vielmehr scheint man hier die Bekanntheit Rothenburgs als Touristenmagnet für das Projekt abgreifen zu wollen.

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