Wernigerode

Westernstraße Wernigerode

Die letzte Station auf unserer Rundfahrt entlang der Straße der Romanik war Wernigerode. Die genauen Ursprünge der Stadt sind bis heute nicht endgültig geklärt, das Stadtrecht erhielt sie erst 1229, also lange nach der Zeit der Ottonen. Trotz Plünderungen und Brandschatzungen während des Dreißigjährigen Krieges zeichnet sich die Altstadt Wernigerodes auch heute noch durch eine große Zahl wirklich toll hergerichteter Fachwerkhäuser aus.

Als wir die Stadt am Westerntorturm betreten haben, war es schon kurz vor Mittag gewesen, weswegen wir am Rathausplatz ein gemütliches Restaurant gesucht haben. Schlussendlich landeten wir im Ratskeller der Stadt, wo wir im Freien sitzend sehr gute Wildgerichte mit einem Gläschen Rotwein aus der Gegend zur Stärkung der Lebensgeister zu uns genommen haben. Das Rathaus selbst entstand in mehreren Bauphasen und erhielt seine heutige Form nach dem großen Brand von 1521. Besonders bemerkenswert sind die geschnitzten Figuren, mit denen die Geschoss- und Dachüberstände verziert sind. Es gilt als eines der schönsten Rathäuser Europas.

Oberhalb der Stadt erhebt sich das Schloss Wernigerode, das seine heutige Form erst im 19. Jahrhundert erhielt und dadurch zu einem Leitbau des norddeutschen Historismus wurde. Meine Begeisterung hielt sich in ähnlich überschaubaren Grenzen wie beim Vorzeigeschloss Bayerns (Neuschwanstein). Das Museum im Schloss wiederum ist durchaus beachtenswert. In annähernd 50 Räumen werden original eingerichtete Wohnräume des deutschen Adels vor 1918, sowie thematische Räume zur Geschichte der Familie Stolberg-Wernigerode und zum zweiten deutschen Kaiserreich gezeigt. Zusätzliche Schwerpunkte sind außerdem Kunsthandwerk und Möbel vom 16. bis ins 19. Jahrhundert.

Schloss Wernigerode

Für mich persönlich lag das eigentliche Highlight der Stadt außerhalb der ummauerten Altstadt, nämlich in der im 13. Jahrhundert im Nordosten anschließenden Neustadt. Dort befindet sich die spätromanische Pfarrkirche St. Johannis.

St. Johannis

Mit ihrer noch ursprünglichen romanischen Grundsubstanz ist sie heute die älteste erhaltene Kirche Wernigerodes und wurde 1279 fertiggestellt. Das romanische Langhaus der Kirche wurde im 15. Jahrhundert zur dreischiffigen Hallenkirche umgebaut und 1497 vollendet.

Ein wirklich ganz besonderes Kunstwerk ist der 1415 geschaffene Schnitzaltar der Gotik. Stilistisch weist der Altar auf eine traditionelle Schulung der Meister in Niedersachsen und auch auf böhmische Einflüsse hin. Heute zeigt seine prächtige Festtagsseite (mit den geschnitzten Figurengruppen) in die Kirche. Wenn man den Altar umrundet zeigt sich auf der Rückseite die bemalte Werktagsseite. Beide Seiten zeugen vom hohen künstlerischen Vermögen der Schaffer und sind dank mehrerer umfassender Sanierungen heute in einem hervorragenden Zustand. Dieses Meisterwerk sollte man sich unbedingt angesehen haben, auch die Holzkanzel aus der Zeit 1600-1615 ist ein beachtenswertes Werk der norddeutschen Spätrenaissance.

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