Kloster Jerichow

Das Kloster Jerichow

Als ich mich vor Antritt unserer Reise mit der Straße der Romanik beschäftigt habe, hatte ich ehrlich gesagt noch nie etwas von Kloster Jerichow gehört. Nach meinem Besuch kann ich nicht mehr verstehen, wie mir etwas so Außergewöhnliches so unbekannt gewesen sein konnte. Der Name Jerichow leitet sich wohl aus dem Slawischen ab und bedeutet soviel wie „Burg der Tapferen“. Das ehemalige Prämonstratenser-Chorherrenstift wurde 1144 vom Bremer Erzbischof Hartwig I. gegründet. Die Stiftskirche St. Marien und St. Nikolaus ist das älteste Backsteingebäude östlich der Elbe und zählt zu den schönsten und wichtigsten Backsteinbauten der deutschen Romanik.

Über den 1220 bis 1230 errichteten Kreuzgang betritt man heute die Anlage und gelangt von dort in unterschiedliche noch erhaltene Räumlichkeiten des Klosters, wie das Winter- und das Sommerrefektorium oder Vorratsräume. Da das Kloster in der Reformation aufgehoben wurde und während des Dreißigjährigen Krieges verwüstet wurde, gingen viele der ursprünglichen Einrichtungsgegenstände verloren. Vor allem den Restaurierungsarbeiten Ferdinand von Quasts (siehe auch Gernrode) ist es zu verdanken, dass der Zerfall aufgehalten wurde. Zwische 1955 und 1960 wurde der Innenraum der Kirche stilrein romanisch wiederhergestellt. Trotzdem musste 1998 die gesamte Anlage vorübergehend wegen gravierender Schäden baupolizeilich gesperrt werden. Diesen ehemals besorgniserregenden Zustand kann man heute noch an manchen Stellen erahnen.

Die Stiftskirche ist eine fünfjochige flachgedeckte Säulenbasilika und zeigt das vollständige Bauprogramm einer romanischen Kirche mit Krypta, Querhaus und dreiteiligem Chor. Um 1172 dürfte der Bau, einer Urkunde folgend, beendet gewesen sein. Die um 1256 errichteten Türme und der zweigeschossige Ausbau des südlichen Nebenchores weisen bereits gotische Strukturen auf. In der Krypta zeugen die aufwendig gearbeiteten Sandsteinkapitelle der Säulen vom hohen kunsthandwerklichen Können der wahrscheinlich oberitalienischen Steinmetze, die am Bau der Stiftskirche von Jerichow mitgearbeitet haben.

Zu erwähnen ist weiterhin ein Taufstein aus Sandstein aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der an der sechzehnseitigen kannelierten Kuppa mit Halbkreisschilden und Blattwerk verziert ist. Ein zweiter achtseitiger Taufstein entstammt spätgotischer Zeit. Auch mehrere Grabplatten des 14. Jahrhunderts kann man in der Kirche noch besichtigen.

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