Hansestadt Tangermünde

Der Eulenturm am Eingang zur Tangermünder Altstadt

Die Hansestadt Tangermünde stand überhaupt nicht auf unserem Reiseplan entlang der Straße der Romanik. Generell war jeder Reisetag voll verplant und wir mussten während der Rundfahrt das ein oder andere Ziel, wie Halberstadt oder Schloss Bernburg streichen, weil es nicht machbar war. Als wir aber von Havelberg/Kloster Jerichow kommend nach Stendal fuhren, konnten wir von der Bundesstraße aus in der Ferne die Türme einer Stadt erkennen. Diese sah so interessant aus, dass wir in Stendal angekommen gegoogelt haben und feststellten, dass das die Türme Tangermündes gewesen waren. Als wir dann noch weitere Bilder gesehen haben, stand fest, dass der nächste Tag umgeplant wird und wir einen Umweg zurück über Tangermünde einlegen müssen. Und dieser Umweg hat sich mehr als nur gelohnt, gilt Tangermünde doch zu Recht als Perle der Altmark.

Das erste große Highlight der Stadt und eines der mit Abstand schönsten Backsteingebäude, das ich je gesehen habe, war das Rathaus von Tangermünde. Wenig überraschend wird es auch zu den architektonisch wertvollsten Profangebäuden der Backsteingotik in Norddeutschland gezählt. Zwischen 1430 und 1480 erfolgte der Bau des heutigen Rathauses, das ursprünglich nur eine Erweiterung des eigentlichen Fachwerkrathauses war, das aber 1617 völlig abbrannte. Erst im 19. Jahrhundert wurde die 1618 angebrachte einfache Holzaußentreppe durch einen gemauerten Aufgang und Laubengang ersetzt. Gerade die prachtvolle Hauptfassade mit seinem durch Maßwerkrosetten geprägten Ziergiebel ist ein absoluter Blickfang.

Die Altstadt von Tangermünde lädt mit ihren Backsteinbauten und den zahlreichen, toll hergerichteten Fachwerkhäusern dazu ein, etwas links und rechts der Hauptstraße durch die Gassen zu schlendern und dieses wirklich wunderschöne Städtchen auf sich wirken zu lassen.

Von der Blütezeit Tangermündes im 15. Jahrhundert kündet heute nicht nur das Rathaus, sondern auch die monumentalen wie prachtvollen Tore und Mauern der Stadt. Diese hatten allerdings nicht nur einen Wehrcharakter, sondern sollten wohl auch dazu dienen, den Schmuggel auf der Elbe und in die Stadt zu unterbinden. Durch den Bedeutungsverlust Ende des 15. Jahrhunderts und vor allem durch den Dreißigjährigen Krieg, blieb die Altstadt Tangermündes größtenteils von Überformungen späterer Kunststile verschont und da die Stadtmauer zur Elbe hin auch gleichzeitig Böschungsmauer ist, blieb auch diese, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Städten Europas, im 19. Jahrhundert unangetastet.

Eingang zum Schloss Tangermünde

Im Jahre 1009 wird von Thietmar von Merseburg eine „civitate Tongeremuthi“ erwähnt, auf Grund der strategischen Lage gab es die Burg aber bereits seit ca. 925. Die heutige Burg entstand vor allem während des späten 14. und 15. Jahrhunderts, als hier Kaiser Karl IV. seine Zweitresidenz errichtete und Tangermünde sogar zur Hauptstadt des Reiches machen wollte. Seit 1415 residierten die Hohenzollern in Tangermünde, ehe sie 1442 in das heutige Berlin umzogen, das sich zu einem deutlich wichtigeren Handelsplatz entwickelt hatte, als das zunehmend im Schatten Magdeburgs stehende Tangermünde.

Die im Stile der norddeutschen Backsteingotik errichtete Kirche St. Stephan zählt zu den herausragenden Denkmalen dieses Stils in ganz Europa. Der Bau dauerte mehr als 100 Jahre und wurde zwischen 1350 (nördliche Langhauswand) bis 1475 (Deckung des Chordaches) vollzogen. Von der originalen Innenaustattung ist auf Grund des großen Stadtbrandes von 1617 wenig erhalten, die im 17. Jahrhundert erneuerte Austattung blieb aber bis heute nahezu unverändert. Ein Bronzener Taufkessel stammt von 1508, die steinerne Kanzel von 1619.

Das größte Kunstwerk der Kirche ist aber zweifellos die atemberaubend schöne Orgel von Hans Scherer dem Jüngeren aus den Jahren 1623/24. Der Prospekt in Tangermünde gleicht dabei im Aufbau einer Abbildung einer „idealen Orgel“, die schon 1619 bekannt wurde und zwar in der Geschichte und Lehre des Instrumentenbaus, die Michael Praetorius unter dem Titel De Organographia als zweiten Band des Syntagma musicum veröffentlichte. Trotz mehrfacher Umbauten und Anpassungen in späteren Jahrhunderten, habe ich selten eine vergleichbar gearbeitete und ähnlich schöne Orgel gesehen.

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