Hansestadt Stendal

In der Altstadt Stendals

Stendal haben wir ehrlicherweise vor allem deshalb besichtigt, weil wir in Havelberg keine Übernachtung gefunden haben, die uns gefallen hätte und wir daher in die nächstgelegene größere Stadt ausweichen mussten. Und Stendal war mir als Hansestadt ein Begriff gewesen, weswegen sie die „logische“ Alternative war. Rückblickend muss man aber sicherlich sagen, den „touristischen Wert“ betreffend, hätte man Stendal in meinen Augen leider nicht besichtigt haben müssen. Die Stadt ist nicht hässlich, um Gottes Willen, aber im Vergleich zu den vielen wirklich beeindruckenden Orten entlang der Straße der Romanik ziemlich durchschnittlich. Wer nicht so viel Zeit hat, aber sich auch für die Backsteingotik interessiert, dem sei der Besuch von Tangermünde und/oder des Klosters Jerichow als Alternativen empfohlen, die beide doch deutlich beeindruckender waren, als Stendal.

Das Altstadthotel in dem wir übernachtet hatten, liegt sehr zentral und der Service sowie die Freundlichkeit des Betreibers waren angenehm überdurchschnittlich. Auch das Abendessen im Restaurant war einfache, aber handwerklich gute Küche.

In der Altstadt Stendals ist vor allem das pittoreske Ensemble des Rathauses der Stadt mit Rolandstatue und Pfarrkirche St. Marien sehenswert. Rathaus und Gerichtslaube wurden im 15. Jahrhundert errichtet, aber vor allem während des 19. Jahrhunderts mehrfach umgebaut und verändert. Trotzdem gibt der Komplex Rathaus, Gerichtslaube und Corpsflügel immer noch Aufschluss über den früheren Wohlstand der Hansestadt während der Renaissance. Die Rolandfigur ist eine Replik des Originals von 1525, das heute im Altmärkischen Museum zu sehen ist.

Die benachbarte Pfarrkiche St. Marien wurde ab 1420 als spätgotische Hallenkriche an Stelle der früheren romanischen Basilika errichtet. Sie ist ein typischen Beispiel der mittel- bzw. norddeutschen Backsteingotik und vor allem der acht Meter hohe Hochaltar von 1470 sowie der Taufkessel von 1474 wären sehenswert. Da wir erst am späten Nachmittag Stendal erreicht haben, war die Kirche bereits geschlossen und am nächsten Tag (einem Sonntag) mussten wir recht früh auch schon wieder weiter.

Das Uenglinger Tor, ist neben dem Tangermünder Tor, eines der beiden noch erhaltenen mittelalterlichen Stadttore Stendals und wurde zwischen 1450 und 1460 erbaut. Ich habe in Deutschland selten ein Gebäude zur Stadtverteidigung gesehen, dass gleichzeitig so prachtvoll und repräsentativ ist.

Die vielleicht prachtvollste Backsteinkirche Stendals ist St. Nikolaus am Rande der Altstadt. Zwischen 1423 und ca. 1450 entstand die noch heute existierende Kirche an Stelle des romanischen Vorgängerbaus. Vor allem die noch vorhandenen mittelalterlichen Glasfenster (1425-1480), von denen nach Restaurierungen im 19. Jahrhundert noch ca. 50% original erhalten sind, sollte man gesehen haben. Nach dem Erfurter Dom gibt es in Mitteldeutschland nirgends sonst eine vergleichbare Anzahl an mittelalterlicher Glasmalerei. Wegen der Sonntagsmesse war die Besichtigung der Kirche leider jedoch untersagt, weswegen wir nur von Außen einen Blick auf St. Nikolaus werfen konnten, ehe es nach Tangermünde weiterging.

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