Querfurt

Eine der großen positiven Überraschungen unserer Fahrt auf der Straße der Romanik war zweifellos Querfurt. Zwar hatten wir uns vorab über jede der Stationen informiert, aber Querfurt (die Burg aber auch die gleichnamige Kleinstadt) war deutlich schöner und beeindruckender als erwartet. Bereits Ende des 9. Jahrhunderts wird die Ortschaft erstmals erwähnt und war Stammburg der Edlen Herren von Querfurt. Zusammen mit der Kaiserpfalz von Memleben ist sie einer der westlichsten Punkte auf der Straße der Romanik und beide sind bequem an einem Tag zu besichtigen.

Bevor wir die Burg besichtigten, haben wir einen Rundgang durch die Altstadt von Querfurt unternommen. Dominiert wird diese vom Rathaus der Stadt, das erstmals 1455 als Gerichtssitz erwähnt wird. Nach mehreren Stadtbränden wurde 1699-1701 der Archivturm angebaut und die gotischen Fenster zugemauert und durch barocke Fenster ersetzt. Große Teile des Gebäudes wurden 2010-2015 saniert und heute sind das Rathaus und der Marktplatz wieder ein wirklich wunderschönes Gesamtensemble geworden. Auffällig war auch hier wieder das fast völlige Fehlen von Touristen. Vielleicht kann ich mit meinen Beiträgen zur Romanischen Straße zeigen, dass diese Orte wirklich sehenswert sind und mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Eingang zum historischen Friedhof

Auf der anderen Seite des kleinen Flüsschens der Querne befindet sich der historische Stadtfriedhof, der währen der Reformation im frühen 16. Jahrhundert angelegt wurde. Die steinernen Monumente aus fünf Jahrhunderten zeigen, dass die Steinmetze der Region schon immer hervorragende Handwerker waren.

Burg Querfurt

Die Burg Querfurt ist eine der größten Burganlagen Deutschlands und zum Beispiel sieben Mal so groß wie die Wartburg oberhalb von Eisenach. Spätestens seit 979 ist das Bestehen einer Befestigung an dieser Stelle nachweisbar. Aus dieser Zeit stammen auch die älteste erhaltene Bausubstanz der Burg, die zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert eine rege Bautätigkeit erlebte. Anfang des 12. Jahrhundert wurde der dicke Heinrich errichtet (massiver Rundturm der Anlage), 1162 folgte die romanische Kirche und Anfang des 14. Jahrhunderts der Pariser Turm. Gerade der äußere Verteidigungsring mit seinen Wällen, Bastionen und dem Westtor wurde Mitte des 15. Jahrhunderts angebaut. Nach dem Tod des letzten Herren von Querfurt 1496 fiel die Burg an das Erzbistum Magdeburg und wurde gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges mehrfach erobert.

Leider fanden während unseres Aufenthaltes im August 2019 umfangreiche Grabungsarbeiten des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie im Burggelände statt, weswegen der Innenbereich nicht besichtigbar war. Daher konnten wir auch die grandiose Burgkapelle nur aus der Distanz bewundern. Der kreuzförmige Bau der Kapelle erinnert dabei eindeutig an südöstliche, wahrscheinlich byzantinische Vorbilder und wurde im 14. Jahrhundert um eine gotische Seitenkapelle erweitert, in der sich die Grablege des Grafen Gebhard XIV. von Querfurt befindet. Andererseits sind uns so auch die ganzen barocken Innenumbauten erspart geblieben, die zwischen 1698 und 1716 erfolgten.

Auf Grund des hervorrganden Erhaltungszustandes der Burganlage und ihrer somit fast perfekten mittelalterlichen Kulisse dient(e) die Burg Querfurt schon häufiger als Drehort für Filme. Große Teile der Verfilmung des „Medicus“ oder „der Päpstin“ wurden hier gedreht, aber auch Dokumentationen oder Märchenverfilmungen von ARD und ZDF.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: