Merseburg

Blick auf den Dombezirk von Merseburg

Merseburg gilt als eine der ältesten Städte im mitteldeutschen Raum und entwickelte sich unter Otto I. zur Königspfalz. Nach dem Sieg auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 gründete Otto das Bistum Merseburg, wie er es vor der Schlacht gelobt hatte. Bis zur Reformationszeit sollte Merseburg nun Bischofssitz und ein bedeutendes religiöses Zentrum an der östlichen Grenze des heutigen Deutschlands bleiben. Von 1656 bis 1738 war Merseburg Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Merseburg. Diese Zeit war mit reger Bautätigkeit und kulturellem Aufschwung für die Stadt verbunden. Durch die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges wurde die Innenstadt von Merseburg leider fast vollständig zerstört, sodass heute nur noch einge wenige Bauwerke außerhalb des Dombezirks an den ehemaligen Glanz dieser Stadt erinnern

Eines dieser erhaltenen prachtvollen Gebäude ist das alte Rathaus, das in seiner heutigen Form zwischen 1478 und 1568 in zwei Bauphasen entstanden ist. Bemerkenswert sind die zahlreichen Bischofswappen an der Rathausfassade. Erst 1692 kam als letztes das Stadtwappen dazu. Auch die Neumarktmühle, die alte Apotheke oder das Krumme Tor, das 1430 erbaut wurde und nach seinem Abriss 1822 romantisierend 1888 wieder errichtet wurde, zeugen noch vom ehemaligen Reichtum Merseburgs und seiner Bürger.

Der Dombezirk wird vom Dom selbst und dem direkt anschließenden Merseburger Schloss dominiert. Das Schloss weißt architektonische Einflüsse mehrerer Jahrhunderte auf. Bereits 1245-65 wurde mit dem Bau eines ersten Schlosses begonnen und unter Bischof Thilo von Trotha erfolgte etwa 1470 bis 1500 der Neubau des Schlosses als Dreiflügelanlage, wobei der Merseburger Dom einen vierten Flügel bildet. 1604/05 kam es zu weiteren Umbauten, aus dieser Zeit stammt auch der Neptunbrunnen im Innenhof. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Ostflügel des Schlosses wurde originalgetreu wieder aufgebaut.

Der Merseburger Dom schließlich war der Höhepunkt unseres Besuches in der Stadt. Die Kirche gilt als eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Romanik in Sachsen-Anhalt. Bischof Thietmar von Merseburg legte 1015 den Grundstein zur Errichtung der Kirche, von der heute nur noch Teile, wie die Krypta, die runden Chorbegleittürme oder das Untergeschoss der Westtürme erhalten geblieben sind. Vor allem unter Bischof Thilo von Trotha 1510-17 erfolgten umfangreiche Umbauten und Erweiterungen des Doms, in dem 1545 auch Martin Luther predigte.

Im Inneren der Kirche ist vor allem die grandios gerabeitete Kanzel aus der Renaissance (um 1517) hervorzuheben, die uns in ihrem Detaillreichtum und der Kunstfertigkeit der Ausführung enorm gut gefallen hat. Auch die noch erhaltenen seitlichen Chorschranken des nicht mehr erhaltenen Bühnenlettners sind sehr sehenswert. In den Nischen der nördlichen Schranke wurde um 1500 in Seccomalerei (Trockenmalerei) die 43 Vorgänger Bischof Thilos mit zugehöriger Umschrift abgebildet.

Für mich persönlich ein besonderer Ort war die Grablege Rudolfs von Rheinfelden. Rudolf war zwischen 1057 und 1077 Herzog von Schwaben gewesen und großer Gegenspieler Kaiser Heinrichs IV. 1077, am Siedepunkt des sog. Investiturstreites, wurde er sogar zum Gegenkönig gekrönt, verlor aber die entscheidende Schlacht (von Hohenmölsen 1080) gegen Heinrich und verlor dabei angeblich sogar seine Schwurhand, was den Zeitgenossen die Unrechtmäßigkeit seiner Herrschaft zeigte. In meinem ersten Unisemester hatte ich meine erste Hausarbeit unter anderem genau über diese Fürstenopposition gegen Heinrich IV. verfasst. Jetzt am Grab einer der Personen zu stehen, über die ich soviel gelesen hatte, über die ich mir auch versucht habe ein Urteil zu bilden, war etwas sehr besonderes.

Ein weiterer, ganz einzigartiger Schatz sind die Merseburger Zaubersprüche aus dem 9./10. Jahrhundert. Diese gehören neben dem Hildebrandslied zu den wenigen in Althochdeutsch überlieferten Texten mit Bezug auf Themen und Figuren der vorchristlichen germanischen Mythologie. Im Domschatz ist ihnen eine kleine Austellung gewidmet, die man unbedingt besuchen sollte.

Blick über die Saale auf die Neumarktmühle

Vom Domberg sollte man noch einen kurzen Abstecher über die Saale auf die andere Seite in die Neustadt unternehmen, die unter Friedrich Barbarossa angelegt worden war. Direkt am Flussufer steht ein weiterer interessanter Kirchenbau des Mittelalters. Die Neumarktkirche St. Thomae.

Zwischen 1173 und 1188 wurde diese dem Heiligen Thomas (Thomas Becket, ehemaliger Erzbischof von Canterbury, der in seiner Kirche von Soldaten des englischen Königs erschlagen wurde) geweihte Kirche errichtet. Beachtenswert wären das hölzerne Triumphkreuz aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und die lebensgroße Darstellung der Anna Selbdritt aus Holz vom Ende des 15. Jahrhunderts. Leider sind die Öffnungszeiten der Kirche nicht unser Freund gewesen, weswegen wir sie nur von Außen besichtigen konnten. Daher bei Interesse frühzeitig informieren, wann die Kirche offen hat.

Ein weiteres Problem in Merseburg war, dass während unseres Aufenthaltes fast jeder Gastro-Betrieb geschlossen hatte. Eigentlich wollten wir ins Domherrencafé & Weinkontor Veritas, die hatten jedoch geschlossene Gesellschaft, und die Ideen zwei bis sechs hatten komplett zu, sodass wir schlussendlich beim Inder in der Innenstadt landeten. Dort war das Essen ok, aber natürlich weit von regionaler Küche entfernt. Also auch hier kann es im August hilfreich sein, sich vorab zu informieren, was überhaupt offen hat.

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