Kloster Pforta

Klosterkirche und Schulhaus

Gleich an unserem ersten richtigen Urlaubstag haben wir das Kloster Pforta besucht, einen der in unseren Augen schönsten und beeindruckendsten Orte der Straße der Romanik. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass wir ohne große Erwartungen anreisten, während Naumburg oder Quedlinburg „nur“ das erfüllt haben, was man bereits erwartet hatte.

Die ehemalige Zisterzienser-Abtei liegt nur wenige Kilometer vor Naumburg (von Süd-Westen kommend) und wurde 1137 an ihren heutigen Standort verlegt. Der Name Kloster Pforta stammt vom lateinischen Original claustrum apud Portam, sprich Kloster zur Pforte. Das Kloster entwickelte sich schnell zu einem der reichsten Ostthüringens und die Abteikirche von 1140 konnte so 1251 bis 1320 umfassend umgebaut werden. Nach der Aufhebung der Abtei 1540 gründete Herzog Moritz von Sachsen 1543 hier eine der drei sächsischen Fürstenschulen. An diese Tradition knüpft die noch heute bestehende Landesschule Pforta an.

Vom Parkplatz sieht mn bereits eines der älteren Gebäude der Anlage, das sog. Gotische Haus, das um 1516 errichtet worden war. Der Bau mit seiner offenen kreuzgratgewölbten Halle im Erdgeschoss diente vermutlich als Wagenremise. Im Obergeschoss befand sich wahrscheinlich eine bescheidene Unterkunft. Einige Schritte weiter erreicht man das Fürstenhaus von 1570, das auf den Grundmauern des klösterlichen Krankenhauses errichten wurde. Die lateinische Inschrift unter dem Dach zählt die Titel des Landesherrn und Erbauers Kurfürst August von Sachsen auf.

Auf der Rückseite des Fürstenhauses steht heute noch die ehemalige Abtskapelle, die direkt an das Krankenhaus anschloss. Der spätromanische Bau (um 1230) ist mit seinem anspruchsvoll geschmückten Inneren wohl der schönste erhaltene Raum des Klosters. Allerdings diente die Kapelle lange als Waschraum und Holzlager und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts restauriert. Die Kapelle galt als „wahrhaftes Kleinod romanischer Bauweise“, das den Übergang zwischen den streng romanischen, ab 1137 erbauten Gebäudeteilen der Anlage und der „herrlichen Frühgotik“ des um 1251 begonnenen Kirchenchors veranschauliche, wie der mit der Restaurierung betraute Regierungsbaumeister Max Leidich feststellte.

Der ursprüngliche Bau einer kreuzförmigen romanischen Pfeilerbasilika (1137-1150) wurde ab 1170 zunächst durch Erhöhung der Querhausarme und Abbruch und Neubau der Apsiden und um 1240 durch nochmalige Erhöhung der Querhausarme und Einfügung von Kreuzrippengewölben erweitert. Ab 1251 bis 1268 kam es zu einem gotischen Neubau der Kirche, der aber große Teile des romanischen Vorgängerbaus beibehielt. Die neue Fassade wurde bis 1300 fertiggestellt.

Im Kircheninneren, das typisch für die Zisterzienser sehr karg ist, gibt es aber zwei Objekte von überragender kunsthistorischer Bedeutung. Zum einen das beideitig bemalte Triumphkreuz (um 1268), das heute auf Höhe des 3. Joches im Mittelschiff aufgehängt ist. Leider haben die Zeiten des Verfalls des Klosters auch hier ihre Spuren hinterlassen, sodass von der Bemalung kaum noch etwas erhalten geblieben ist. Allerdings ist es eines von nur noch zwei in Europa existierenden Triumphkreuzen der Zisterzienser.

Fensterrose in Grisaille Technik

Am beeindruckendsten war in meinen Augen die große Fensterrose in Grisaille-Technik. Da den Zisterziensern die Verwendung farbiger Glasfenster durch den Orden verboten war, wurden nur graue, weiße und schwarze Farben verwendet. Die Fensterrose gehört zur ursprünglichen Ausstattung des im 13. Jh. gebauten Chores, dargestellt sind ornamentale und pflanzliche Motive wie Weinlaub. Dieses kunstgeschichtliche Kleinod, immerhin die einzige noch vollständig erhaltene Fensterrose aus der Zisterzienserzeit, wurde im Zweiten Weltkrieg ausgebaut und war seitdem eingelagert.

Der westliche, nördliche und südliche Trakt des Kreuzganges stammen im Wesentlichen noch aus dem 12. Jahrhundert. Generell profitierte der gesamte Komplex Koster Pforta von dem fast völligen Fehlen von Touristen, gerade aber der Kreuzgang konnte damit seine besondere, fast magische Atmosphäre zeigen.

Das neugotische Torhaus 1854-60

„Dummerweise“ bietet Kloster Pforta noch ein weiteres Highlight. Auf der Vorderseite des neugotischen Torhauses liegt der Eingang zum Landesweingut Kloster Pforta. Hier konnten wir natürlich nicht, ohne uns eingehend mit den dortigen regionstypischen Weinen des Saale-Unstrut-Gebietes vertraut zu machen, wieder gehen. Die Folge waren zwei Kisten Wein, die den restlichen Urlaub mit uns durch Sachsen-Anhalt gefahren sind.

Gerade der Heunisch, der weiße Riesling, der Rote Traminer und der André haben es uns angetan und wurden auch bereits wieder nachbestellt. Und andere Sorten wie der Graue Burgunder/Eulauer Heideberg warten noch im Keller auf das Probiertwerden. Für jeden Weinliebhaber, der sich mit den Weinen aus Sachsen-Anhalt vertraut machen will, ist Kloster Pforta ein Pflichtbesuch. Beim Heunisch hatten sie mich allein schon dadurch gewonnen, dass es sich dabei um eine mittelalterliche Rebsorte handelt, die in der Moderne lange in Vergessenheit geraten war und jetzt als Versuch wieder neu angebaut wird. Aus der Heunischtraube gingen z.B. Riesling und Chardonnay hervor.

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