Roms Kirchen 2

San Giovanni in Laterano

Der zweite Beitrag zu den Kirchen Roms beginnt mit der ehemals wichtigsten Kirche der europäischen Christenheit: San Giovanni in Laterano.

Seit Kaiser Konstantin war der Lateran, zu dem San Giovanni gehört, Sitz der Päpste in Rom. Neben fünf Konzilen (1123, 1139, 1179, 1215 und 1512-1517) hatte im Jahr 897 im Lateran auch ein sehr makaberes Schauspiel stattgefunden. In der sogenannten Leichensynode ließ Papst Stephan VI. seinen Vorgänger Formosus exhumieren und posthum „in Anwesenheit“ verurteilen, die Leiche schänden und in den Tiber werfen. Erst nach der Rückkehr aus Avignon legte das Papsttum den Vatikan als neuen Sitz der Päpste fest und der Lateran wurde zunehmend vernachlässigt.

Die Lateranbasilika ist im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört/beschädigt worden, sodass der heutige Bau vor allem durch die Arbeit von Francesco Borromini ab dem Jahr 1646 geprägt worden ist. Die Benediktionsloggia im Norden entstand bereits 1586 und wird von prachtvollen Deckenfresken geschmückt. Das benachbarte achteckige Baptisterium ist das wahrscheinlich älteste Baptisterium der Christenheit und wurde ursprünglich noch als Rundbau von Kaiser Konstantin um 315 n. Chr. errichtet. Erst im 5. Jahrhundert hat es seine heutige oktogonale Struktur erhalten. Leider hatte es immer wenn ich in Rom war geschlossen.

Das Innere der Kirche wird heute durch die barocken Umbauten Borrominis dominiert, es sind aber noch einige Reste der älteren Bauteile erhalten geblieben. Gerade die Kassettendecke ist ein Paradebeispiel für den Manierismus zur Zeit Borrominis, das Apsismosaik stammt sogar erst aus dem 19. Jahrhundert und hat leider das Original aus dem 13. Jahrhundert ersetzt, ohne dabei annähernd eine ähnliche Kunstfertigkeit zeigen zu können.

Gerade das Ziborium über dem Hauptaltar, das die Reliquien der Häupter von Petrus und Paulus beherbergt zeigt, wie hoch die Kunstfertigkeit der Gotik entwickelt war. Zwischen 1367-68 entstanden, hat es die Jahrhunderte relativ unbeschadet überstanden. Die auf Wikipedia zu findende Zuschreibung als Werk von Giovanni di Stefano kann jedoch nicht stimmen, da dieser erst 1444 in Siena geboren wurde, während der angeblich ebenfalls beteiligte Barna da Siena wohl um 1360 bereits verstorben war.

Auch 28 Päpste haben in San Giovanni ihre letzte Ruhestätte gefunden. Mit Martin V. liegt in der Confessio (Bereich unter dem Altar, meist durch Treppen zugänglich) der erste unangefochtene Papst nach dem großen Abendländischen Schisma (Konstanzer Konzil). Im rechten Seitenschiff ruht einer der mir persönlich unsympathischsten Päpste des Mittelalters: Innozenz III. Dieser regierte von 1198 bis 1216 und gilt heute als eine der bedeutendsten Päpste des Mittelalters, denn unter ihm erreichte der weltliche Einfluss des Papsstums seinen Höhepunkt. Leider war er auch Zeitgenosse des Stauferkaisers Friedrichs II. dem er das Leben schwer machte und sein Aufruf zum Kreuzzug gegen die Katharer in Südfrankreich war Auftakt eines der blutigsten kirchlich sanktionierten Kriege in Europa.

In meinen Augen der mit Abstand schönste, ja sogar magischste Ort der Kirche ist der ab 1215 bis 1232 errichtete Kreuzgang. Vielleicht weil man, im Gegensatz zur Kirche, für den Kreuzgang 5€ Eintritt zahlen muss, verirren sich hierher nur ganz wenige Touristen, was zweifellos zur besonderen Stimmung des Ortes beiträgt. Das Brunnenbecken im Innenhof ist sogar schon ins 9. Jahrhundert zu datieren, die Kosmatenarbeiten (vgl. auch Santa Maria in Cosmedin) der Säulen gehören zu den schönsten dieser Art in Rom.

Unweit des Lateran befindet sich mit Santo Stefano Rotondo eine der bedeutendsten Kirchenbauten der Spätantike, die nur im 12. Jahrhundert einige größere Veränderungen erlebt hat. Da die Kirche etwas versteckt und abseits jeder der üblichen Touristenwege liegt, ist sie montags ganztags und ansonsten zwischen 13:00 und 14:00 geschlossen. Wer schon immer wissen wollte, wie Menschen anderen Menschen Leid zufügen können, wird dann in den Fresken der Kirche fündig. Entstanden ab 1582 wird hier in 32 Darstellungen gefoltert und exekutiert. Menschen werden gekocht, gerädert, unter Steinen zerquetscht, verbrannt und vieles mehr. In einer solchen Häufung kenne ich keine Kirche, die auch nur annähernd Vergleichbares zeigt.

In der Apsis der Kapelle der Heiligen Primus und Felicianus findet man noch das Mosaik des 7. Jahrhunderts, umgeben von den Fresken Antonio Tempestas (1580), die das Martyrium der Heiligen zeigen.

Als letzte Kirche steht San Clemente al Laterano auf dem Programm. Leider ist mittlerweile nicht nur in der Unterkirche und dem darunter liegenden römischen Wohnhaus mit Mithrasheiligtum das Fotografieren verboten, sondern auch in der Hauptkirche, weswegen ich nur ein altes Bild des Hauptschiffes von 2006 zeigen kann.

Die Oberkirche wurde 1108-1128 nach der Zerstörung durch die Normannen Robert Guiscards wieder aufgebaut und das Altarziborium und der Bischofsthron in der Apsis erhielten aufwendige Kosmatenarbeiten. Leider wurde auch San Clemente im Barock umfassend umgestaltet, weswegen das eigentliche Highlight der Kirche heute unterhalb der Oberkirche zu finden ist.

Die Unterkirche wurde 384 von Papst Siricius geweiht und beherbergt einen reichen Freskenschatz des 7.-11. Jahrhunderts. In den antiken Ausgrabungen noch eine Ebene tiefer, finden sich die Reste eines Mithrasheiligtums und des Wohnhauses des Titus Flavius Clemens. Auch den Wasserlauf der Antike, der damals das Haus speiste, kann man sowohl hören, als auch teilweise sehen. Der Preis von knapp 10€ ist allemal gerechtfertigt, trägt man damit doch auch zum Erhalt dieser Kulturschätze bei. In der Summe der Eintritte Gesamtroms fällt ein solcher Betrag eh nicht mehr auf.

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