Roms Kirchen 1

Santa Maria degli Angeli e dei Martiri

Allein um die wichtigsten Kirchen Roms alle zu besichtigen müsste man wahrscheinlich einen zweiwöchigen Urlaub planen und selbst dann könnte es schwierig werden. Ganz zu schweigen von der Aufnahmefähigkeit des Besuchers, wenn man die vierte Kirche an einem Tag, sechs Tage in Folge besichtigt hat. Soweit möglich habe ich einzelne Kirchen bereits in anderen Beiträgen besprochen (Petersdom, Santa Maria Sopra Minerva etc.), in dieser zweiteiligen Serie möchte ich nun die von mir besuchten Kirchen, die mich aus unterschiedlichen Gründen beeindruckt haben, vorstellen.

Dabei versuche ich die Kirchen halbwegs sinnvoll nach der Lage in der Stadt zu ordnen, empfehle es aber nicht, einen Tag nur um die hier präsentierten Kirchen herum zu planen.

Beginnen möchte ich mit dieser im Areal der ehemaligen Diokletianthermen liegenden Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri. Auch hier hatte wieder mein Lieblingskünstler seine Finger im Spiel. Ab 1563 begann nämlich Michelalngelo mit der Errichtung dieser Kirche, die in Teilen noch dem Verlauf der antiken Wasserbecken der Thermen folgt. Gerade dieses Neben- bzw. Miteinander der Epochen macht diese Kirche zu etwas Besonderem. Wenn man etwas mehr Zeit hat, sollte man anschließend die Ausgrabung der Diokletianthermen besuchen und auch einen Blick auf die Architektur der Piazza della Repubblica werfen.

Die Basilica Santa Maria Maggiore zählt zu den fünf Papstbasiliken in Rom und damit zu den wichtigsten Kirchen der Stadt – neben dem Petersdom, dem Lateran und San Lorenzo bzw. San Paolo fuori le Mura. Von dem um 432 n. Chr. entstandenen urpsrünglichen Kirchenbau zeugen heute noch die am Triumphbogen und im Hauptschiff erhaltenen Mosaike, die den einzig fast vollständig erhaltenen Mosaikschmuk des Frühchristentums aus dem 4. bzw. 5. Jahrhundert bilden. Neben mehreren Päpsten des Mittelalters und der Renaissance liegt hier auch der in Rom so fleißige Künstler Gian Lorenzo Bernini begraben.

Hinter der Kirche beginnt zudem die Via Merulana, die Santa Maria Maggiore mit dem Lateran verbindet und auf der angeblich die Päpstin ihr Kind geboren haben soll. Und die Familie meines Italienisch-Schulbuches lebte in dieser Straße…

San Pietro in Vincoli ist eines der von Außen eher unscheinbaren Highlights römischer Sakralbauten. Wie Santa Maria Maggiore bereits im 5. Jahrhundert erbaut, erfuhr San Pietro v.a. unter Giuliano della Rovere (Papst Julius II.) ab 1503 und noch einmal im Spätbarock umfassende Umbauarbeiten. Neben den angeblichen Ketten, die Petrus im Kerker trug (daher der Name der Kirche) und dem Grabmal für Nikolaus von Kues (Fürstbischof von Brixen und wahrscheinlich bedeutendster Theologe und Philosoph des 15. Jhd. aus der Nähe von Trier) zieht vor allem ein Kunstwerk die Besucher in Scharen an:

Das Grabmal Papst Julius II., das zwischen 1505 und 1545 von Michelangelo gefertigt wurde, gilt als eines der wichtigsten Kunstwerke der Renaissance weltweit. Zwar war der vollendete sechste Entwurf des Grabmals nur noch eine äußerst abgespeckte Variante des ursprünglichen Monumentalbaus, der einen Umbau des gesamten Petersdomes notwendig gemacht hätte (christliches Ideal der Armut war den Päpsten der Renaissance nur ein abstrakter Begriff), gerade aber die Figur des Mose zeigt bis heute das unfassbare künstlerische Genie Michelangelos.

Die anatomisch exakt ausgearbeiteten Muskeln, Sehnen und Adern geben der Figur eine Spannung, als ob sie jeden Moment ob des Frevels der um das goldene Kalb tanzenden Israeliten, aufspringen würde. Der Faltenwurf der Tunika, der gewellte Bart, alles nur aus einem Block Carraramarmor geschlagen, hat bereits die Zeitgenossen Michelangelos in Staunen versetzt.

Santa Maria in Aracoeli

Direkt auf dem Kapitol gelegen ist Santa Maria in Aracoeli durch ihre Nutzung im Mittelalter als Stadtparlament eine der geschichtsträchtigsten Kirchen der Stadt Rom. Besondere Beachtung verdient die Cappella Bufalini im rechten Seitenschiff mit ihren 1484 von Pinturicchio geschaffenen Fresken. Da sich viele Vertreter römischer Adelsfamilien hier haben begraben lassen, ist die Kirche überreich mit Seitenkapellen, Fresken, Grabmälern und Statuen geschmückt, die v.a. während des 15. und 16. Jahrhundert entstanden sind.

Santa Barbara alla Regola

Den Abschluss des ersten Beitrages zu den Kirchen Roms bildet die kleine Kirche der Buchhändler, Santa Barbara della Regola. 1680 neu errichtet, bietet sich im Inneren eher wenig, was man in meinen Augen unbedingt gesehen haben muss. Das Besondere ist die Einpassung des Hauptportales in die umgebenden Wohnhäuser, was fast wie in einer Puppenstube wirkt. Damit ein absoluter Kontrast zu den meist prunkvollen und repräsentativen Kirchenbauten, denen man in Rom sonst begegnet.

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