UNESCO-Welterbe Augsburg

Der Schwallech bei St. Ursula

Im Juli 2019 wurde das über 800 Jahre alte Augsburger Wassermanagement-System zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Dieses umfasst zahlreiche Einzelobjekte wie das Wasserwerk am Hochablass oder ganze Systeme, wie die Kanäle der Stadt. Im Folgenden möchte ich vor allem die im Altstadtbereich gelegenen Orte vorstellen, die bei einem touristischen Besuch der Stadt am einfachsten zu besichtigen/erlaufen sind. Zudem wird bereits hierbei deutlich, wie vielseitig Wasser in seiner Verwendung auch schon vor Jahrhunderten genutzt wurde.

Als Erstes dürfte man in der Innenstadt den Augsburger Prachtbrunnen begegnen. Diese um die Jahrhundertwende des 16. zum 17. Jahrhundert entstandenen Brunnen prägen heute noch die Maximilianstraße und den Rathausplatz. Da die aus einer Messinglegierung gefertigten Figuren im Laufe der Jahrhunderte Patina angesetzt haben, erscheinen sie heute sehr dunkel, auch wenn sie früher wie Gold geglänzt haben. Wenn man sich versucht, diese Brunnen bei Sonnenschein und wie Gold glänzend vorzustellen, erhält man einen ganz guten Eindruck von der immensen Repräsentationskraft dieser Brunnen vor 400 Jahren.

Die Originale der Figuren stehen heute, zum Schutz vor menschlicher Beschädigung und Witterungseinflüssen, im Maximilianmuseum. Dort erfährt man auch mehr über Hubert Gerhard und Adrian de Vries, die beiden niederländischen Bildhauer der Brunnen. Gerade de Vries war zu seiner Lebenszeit ein europaweit gefragter Bildhauer, stilistisch zwischen Renaissance, Manierismus und Barock einzuordnen. Zwar ist heute sein Lehrer Giovanni da Bologna (Giambologna) bekannter, de Vries arbeitete aber neben den Brunnen Augsburgs auch an den Höfen des Kaisers in Prag, am dänischen Königshof oder am Fürstenhof von Schaumburg-Holstein.

Die Brunnen können somit als Beispiel für Wasser als Mittel der Repräsentation gesehen werden.

Ein weiterer, und der für die Bedeutung Augsburgs im 15. und 16. Jahrhundert sicherlich wichtigste Aspekt, war die Nutzung des Wassers als Energieträger und Ressource für das Handwerk. Wasserräder in der Altstadt betrieben Schmiedehämmer oder Walkmühlen, Bäcker, Messerschleifer oder Schäffler brauchten Wasser um ihrem Handwerk nachgehen zu können. Vor allem auch dieser Standortvorteil, den die zahlreichen Lechkanäle der Altstadt lieferten, machte Augsburg ab den 1420er Jahren zur wichtigsten Barchent-Produktionstätte (Barchent ist ein Mischgewebe aus Leinen und Baumwolle) Europas und die Augsburger Gold- und Silberschmiede vor allem im 16. und 17. Jahrhundert zu einer der besten Adressen des Kontinents (Stichwort Zarensilber).

Von dieser einst großen Tradition zeugen heute noch die Kanäle, ein rekonstruiertes Mühlrad und einige bis heute mit dem Wasser der Kanäle arbeitende Handwerksbetriebe wie der Lederwaren Aigner oder der Betreiber des Bistros Brecht, der Papier noch von Hand schöpft.

Die Nutzung von Wasser als Energieträger in Augsburg ist bis heute ungebrochen. Knapp ein Drittel des benötigten Stroms wird immer noch aus Wasserkraft gewonnen. Selbst in der Altstadt gibt es mehrere kleine Wasserkraftwerke, die für 30 bis 50 Haushalte Strom erzeugen.

Eines dieser Kraftwerke findet man am Märzenbad in der Nähe des Elias Holl Platzes. Besonders spektakulär wird es, wenn man zur richtigen Zeit vor Ort ist (wie auf den Bildern) und der Seitenkanal geöffnet wird, in den dann das Wasser mit enormer Kraft einschießt (Fließgeschwindigkeit im Normalbetrieb bei 3000 Liter/Sekunde). Dabei nimmt das Wasser allen Dreck oder Geäst mit und reinigt somit das Gitter vor den Turbinen, damit das Wasser möglichst ungebremst in Normalgeschwindigkeit ins Kraftwerk einströmen kann.

Seit 1416 trennt die Stadt Augsburg Trinkwasser von Brauchwasser. Damit war man die erste Stadt Europas, die, nach der römischen Antike, eine solche Versorgung seiner Bürger gewährleisten konnte. Die noch heute sichtbaren Wassertürme, mit denen der Niveauunterschied zur Maximilianstraße ausgeglichen wurde, stammen in ihrer heutigen Form aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, da sie im Laufe der Zeit immer wieder umgebaut oder erhöht wurden. Der Kasten- oder Spitalturm wurde 1599 eigens für die Versorgung der Augsburger Prachtbrunnen geschaffen.

Ebenfalls zum Ensemble gehören das Obere und das Untere Brunnenmeisterhaus, sowie das Aqädukt am Roten Tor, über den der Brunnenbach (Trinkwasser) in die Stadt geleitet wurde. Das Obere Brunnemeisterhaus war das Wohnhaus des Brunnenmeisters, der sich um den reibungslosen Ablauf des Gesamtsystems zu kümmern hatte. Das Untere Brunnenmeisterhaus diente in erster Linie als Werkstatt und beherbergt heute das Schwäbische Handwerksmuseum. Führungen durch das historische Ensemble bietet nur die Regio Augsburg Tourismus an.

Da allein die Wassertürme am Roten Tor nicht zur Versorgung der gesamten Augsburger Altstadt reichten, entstanden mit der Zeit zahlreiche weitere Wassertürme, von denen einige bis heute erhalten geblieben sind. Dies wären z.B. der Untere Brunnenturm oberhalb des Kinos Liliom am Unteren Graben, der Turm am Schwibbogenplatz oder der Jakober Wasserturm am Stadtgraben.

Dort befindet sich auch die Augsburger Kahnfahrt, wo man in herrlichem Ambiente am Stadtgraben essen und trinken, sowie mit dem Boot über den Stadtgraben fahren kann. Somit kann man einen Tag mit dem Augsburger Wasser in sehr direkter Verbindung ausklingen lassen und zudem einen Eindruck von der Bedeutung des Wassers auch zur Stadtverteidigung bekommen.

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