Zwischen Rathaus und St. Ulrich

Die Maximilianstraße von St. Ulrich aus mit Rathaus im Hintergrund

Zwischen Rathaus und St. Ulrich und Afra verläuft die Prachtstraße des alten Augsburgs, die heutige Maximilianstraße. Entlang dieser Straße lebten die reichen und einflussreichen Bürger der Stadt, etwa die Familie Fugger. Aber auch parallel zur Maximilianstraße finden sich in den Seitengassen und -straßen einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Museen der Stadt.

Beginnen möchte ich meinen Rundgang vor dem Rathaus, das 1615 bis 1624 vom großen Augsburger Statdbaumeister Elias Holl errichtet wurde.

Der erst durch die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges geschaffene Rathausplatz (vormals stand hier u.a. die Augsburger Börse) ist heute der wichtigste Platz der Stadt, auf dem z.B. Kundgebungen, Veranstaltungen und der Augsburger Christkindlesmarkt stattfinden. Auch die Cafés am Platz profitieren heute ungemein von der Möglichkeit der Außenbestuhlung.

Neben dem Prachtbau des Augsburger Rathauses, dem ein eigener Beitrag gewidmet ist, sticht hier vor allem der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Augustusbrunnen hervor. Als einer der drei Prachtbrunnen der Innenstadt (neben Merkur- und Herkulesbrunnen) ist er dem Patriziat und somit dem einflussreichsten Stand der ehemaligen Freien Reichsstadt Augsburg gewidmet. Die Statue von Kaiser Augustus erinnert zudem an die Gründung der Stadt in seinem Auftrag 15. v. Chr. und symbolisiert die Herrschaftstradition, in der sich der Stadtrat an der Wende des 16. zum 17. Jahrhundert sah.

Der Brunnen selbst entstand nach Entwürfen des niederländischen Bildhauers Hubert Gerhard 1588-1594 und die liegenden Figuren sind den vier Flüssen der Stadt gewidmet. Der bärtige Mann mir Floßruder und Wolfspelz steht für den Lech (Ruder für die Schifffahrt, Pelz für das wilde/ungebändigte des Flusses), links von ihm folgt eine Frau, die Singold, mit Getreideähren und Zahnradviertel (steht für Ackerbau und Mühlen). Als nächstes kommt wieder eine männliche Figur mit Fischernetz und Fisch, die für die Wertach steht (Fischfang) und abschließend eine weibliche Figur mit Füllhorn, der Brunnenbach (steht für Überfluss und Reichtum).

Parallel zur kurzen Maximilianstraße (dem Verlauf der römischen Via Claudia) führt heute vom Rathausplatz die Philippine-Welser Straße zum Fuggerplatz. Neben dem ehemaligen Fuggerkontor (heute zerstört/TK-Maxx) bietet vor allem der Fuggerplatz noch eine tolle historische Bebauung. Unter anderem der Komplex des Maximilianmuseums sticht hier hervor. Das zum Fuggerplatz weisende Gebäude entstand zwischen 1543 und 1546 und wurde bereits 1696 mit einem auf der Rückseite, ehemals der Familie Welser gehörenden Haus, zusammengefasst (heute getrennt durch den 2006 überdachten Viermetzhof mit den Originafiguren der Augsburger Prachtbrunnen).

Dem Maximilianmuseum fast genau gegenüber steht das Geburtshaus der Philippine Welser, der vielleicht bekanntesten Frau dieser Augsburger Großhandelsfamilie. Die urpsrünglich im 18. Jahrhundert gestaltete Fassade wurde nach dem Krieg wiederaufgebaut, der Kern des Hauses stammt aber bereits aus dem 16. Jahrhundert. Weiter geht es zu dem bereits vom Fuggerplatz (rechts des Welserhauses) sichtbaren Weberhaus am Moritzplatz.

Am Moritzplatz findet sich neben dem zweiten Prachtbrunnen der Stadt (dem Merkurbrunnen) vor allem auch das Weberhaus. Das ehemalige Zunftgebäude der Augsburger Weber zeugt noch heute, trotz der Zerstörungen und Verluste während des Zweiten Weltkrieges vom Wohlstand dieser Zunft. Heute ist das Weberhaus eines der wenigen Gebäude der Innenstadt, das noch voll (wenn auch modern) freskiert ist. Fresken an der Außenfassade waren vor einigen Jahrhunderten aber deutlich häufiger zu finden, war dies doch unübersehbarer Ausdruck von Wohlstand. Die Innenstadt von Trient in Norditalien (v.a. um den Dom) bietet heute noch einen ganz guten Eindruck davon, wie auch Augsburg zu dieser Zeit ausgesehen hätte.

Die Kirche St. Moritz wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Ursprünglich für Bischof Bruno, den Bruder Kaiser Heinrichs II. (letzter Ottonenkaiser gest. 1024) errichtet, wurde sie nach dem Krieg nur noch in vereinfachter Form wiederaufgebaut und in einen Kirchenraum der Moderne umgewandelt. Unbedingt besuchenswert sind allerdings die von Georg Petel vor allem in den 1630er Jahren geschaffenen Skulpturen. Gerade der 1630 entstandene Christus Salvator, der trotz des damals tobenden 30 jährigen Krieges die frohe Botschaft in den Vordergrund stellte, hat bis heute nichts von seiner Kraft/Ausstrahlung verloren. In der Langenmantelkapelle, dem einzigen noch gotischen Bauteil der Kirche steht eine kleine Silberschmiedemadonna von 1490.

Vom Moritzplatz geht es zunächst zum von Elias Holl 1602 bis 1607 errichteten Zeughaus, dem Waffenarsenal der Stadt Augsburg. Dies wird auch durch die Innschrift auf der Fassade verdeutlicht (pacis firmamento – belli instrumento; Zur Stärkung des Friedens, die Gerätschaften des Krieges). Das Zeughaus, das in seinen Kellergewölben auch bis zu 3000 Söldner beherbergen konnte, ist heute eines der herausragendsten noch erhaltenen Bauten der Renaissance. In seinem Inneren befindet sich momentan das römische Museum. Obwohl die Auslagerung ins Zeughaus nur als Provisorium gedacht war, entwickelt es sich leider zunehmend zur Dauereinrichtung, die aber bei weitem nicht allen Exponaten Raum bieten kann.

Nach dem Zeughaus betreten wir von der Rückseite aus die Fuggerhäuser. Der ehemalige Wohnkomplex der Familie Fugger ist das mit Abstand größte historische Wohngebäude der Stadt und damit bis heute unübersehbarer Beleg für den Reichtum, aber auch das Repräsentationsbedürfnis der bedeutendsten Augsburger Kaufmannsfamilie. Im Serenadenhof, den man zunächst betritt, liegt zum einen der Eingang in die Badstuben (Renaissance-Kabinetträume), zum anderen verbergen sich hinter dem Erker die Räumlichkeiten, die Anton Fugger für Kaiser Karl V. prachtvoll austatten ließ. Der Kaiser wohnte hier während der Reichstage 1547/48 und 1550/51 und ließ sich und seinen Sohn Philipp von Tizian portraitieren.

Durch einen weiteren Torbogen erreicht man den Mittelhof, von dem auf der linken Seite der Damenhof abgeht, der vielleicht schönste Renaissancehof nördlich der Alpen; zumindet aber der älteste Deutschlands. Errichtet 1515 wurde er, wie leider weite Teile der Fuggerprivathäuser, in den Bombennächten 1944 fast komplett vernichtet. Zum Glück konnte er in großen Teilen originalgetreu rekonstruiert werden und ist seit 1955 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das Schätzlerpalais mit Herkulesbrunnen

Ein weiterer Prachtbau der Maximilianstraße ist das 1764 errichtete Schätzlerpalais, dessen Rokokofestsaal zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zählt. Auch die Gemäldesammlungen des Hauses (Barockgalerie sowie Staatsgalerie Alte Meister) sind einen Besuch wert, findet man doch so namhafte Künstler im Original wie Albrecht Dürer, Hans Holbein d. Ä., Canaletto uvm.

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