Rathaus

Rathaus und Perlachturm

Das Augsburger Rathaus ist bis heute Wahrzeichen der Stadt und nach wie vor das größte Renaissance-Profangebäude nördlich der Alpen. Darüber hinaus war es bis 1917 das größte Profangebäude Deutschlands, was recht eindrucksvoll zeigt, welches Selbstverständnis die Stadt 1615-24, als das Rathaus errichtet wurde, besaß.

Während des gesamten 16. Jahrhunderts fanden zahlreiche Reichstage des Heiligen Römischen Reiches in Augsburg statt. Am bedeutendsten waren sicherlich die Jahre 1518, als Martin Luther in Augsburg war, 1530 als Melanchton die Confessio Augustana auf dem Reichstag vorlegte, oder 1555 als der Augsburger Religionsfriede beschlossen wurde. Von vielen dieser Reichstage wissen wir bis heute nicht genau, wo sie stattgefunden haben. Daher ist es wenig verwunderlich, dass die Stadt Augsburg einen repräsentativen Rahmen schaffen wollte, in dem von nun an alle Reichstage stattfinden sollten. Leider kam diesem Vorhaben der 30 jährige Krieg dazwischen, sodass kein einziger Reichstag in dem eigens dafür errichteten Gebäude stattgefunden hat, da mit Ende des Krieges auch das Ende der Augsburger Blütezeit erreicht war.

Neben dem Rathaus befindet sich der im selben Stil umgebaute Perlachturm, der ursprünglich der Turm des Stadtwächters war, von dem aus dieser nach Feinden oder Brandherden innerhalb der Stadtmauern Ausschau gehalten hat. Heute wird er oft auch als Kirchturm von St. Peter am Perlach fehlinterpretiert.

Die kleine Kirche St. Peter am Perlach wurde in ihrer heutigen Form ab 1182 errichtet und wie das gesamte Ensemble des Rathauses im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Im Inneren der Kirche sind vor allem in der südlichen Kapelle des Westjoches die Figur des Christus Pantokrator aus den 1060er Jahren sehenswert, sowie das weit über die Grenzen Augsburgs hinaus bekannte Gemälde der Maria Knotenlöserin in der südlichen Apsis.

Auf der Rückseite des Rathauses liegt der Elias Holl Platz von dem aus man einen sehr guten Eindruck vom Höhenunterschied der beiden Fassaden des Augsburger Rathauses gewinnen kann, liegt doch der Eingang am Rathausplatz mehr als zwei Stockwerke höher, als der am Elias Holl Platz.

In der Februarnacht des 25ten auf den 26ten Februar 1944 wurde bei den schwersten Bombardierungen Augsburgs während des Zweiten Weltkrieges das komplette Rathaus durch Brandbomben zerstört. Erst anlässlich der 2000-Jahr Feier 1985 konnte mit dem Beginn der Rekonstruktion des Goldenen Saales begonnen werden. So gelang es diesen Höhepunkt der Renaissance-Innenraumgestaltung nördlich der Alpen bis 1996 wieder originalgetreu zu rekonstruieren.

Reste der Originalbemalung

Bewusst verzichtete man bei der Rekonstruktion die wenigen, meist schadhaften, originalen Reste des Saales ebenfalls zu rekonstruieren. Daher kann man auch heute noch sehr genau nachvollziehen, was original und was rekonstruiert ist. Dies lässt zumindest noch erahnen, was über 90 Prozent Verlust bedeuten.

Auf 552 m² Grundfläche bei einer Deckenhöhe von 14 Metern entstand einer der bedeutendsten Renaissancesäle nördlich der Alpen. Das in Augsburg verbaute Prinzip einer abgehängten Holzdecke (daher keine tragenden Säulenelemente) wurde weltweit nur einmal vorher verbaut, nämlich im Dogenpalast von Venedig. Dies zeigt deutlich, wie fortschrittlich und nahe am Zeitgeist die Stadt sich damals bewegte/war.

Generell diente all der Prunk der Raumgestaltung der Repräsentation, war doch der Goldene Saal als Tagungsort der Reichstage geplant worden. Hier sollten der Kaiser, der König von Böhmen, Herzöge und Erzbischöfe zusammenkommen, also Männer, die alle von ein bisschen Gold nicht zu beeindrucken waren. Daher dieses für die damalige Zeit absolut einzigartige Raumkonzept eines Saales, dessen Inneres, trotz für die damalige Zeit beeindruckender Raumhöhe, durch keinerlei Säulen zerteilt wurde.

Blick in eines der Fürstenzimmer

Vom Goldenen Saal gehen vier Fürstenzimmer ab, die den Teilnehmern der Reichstage als Rückszugsorte dienen sollten. Von diesen sind bis heute lediglich zwei wieder rekonstruiert worden, für die beiden anderen fehlen nach wie vor die finanziellen Mittel. Dies zeigt deutlich, welch immense Summen für den Bau des Rathauses notwendig waren, wenn dessen komplette Rekonstruktion auch fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht realisiert werden konnte.

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