St. Ulrich und Afra

St. Ulrich und Afra von der Maximilianstraße aus

Die heutige Kirche St. Ulrich und Afra steht an der Stelle, an der bereits in der Antike der Friedhof der Stadt lag. Direkt unter der Kirche lassen sich daher nicht nur mehrere Vorgängerbauten zur Verehrung der Heiligen nachweisen, sondern auch viele antike Gräber, da diese wie damals üblich, knapp einen Kilometer außerhalb der antiken Stadt Augusta Vindelicum lagen. Laut Google beträgt die Distanz zum Dom, um den herum sich das antike Augsburg befand, knapp 1,2 Kilometer.

Wie es der Name der Kirche aber schon zeigt, beherbergt die Kirche heute nicht allein das Grab der Heiligen Afra, sondern auch der beiden weiteren Bistumsheiligen. Der heilige Bischof Simpert und der Heilige Bischof Ulrich. Somit ist die Kirche auch heute noch eine wichtige Wallfahrtsstätte, vor allem anlässlich des Gedenktages der Heiligen Afra am 7. August.

Der heutige Kirchenbau entstand zwischen 1474 und 1500 und der Chor wurde gar erst um 1603/04 abgeschlossen. Somit vereint die Kirche spätgotische und Renaissanceformen miteinander, hat aber viel von ihrer einst prachtvollen Inneneinrichtung durch den reformatorischen Bildersturm (Zerstörung von Fenstern, Fresken, Bildern, Statuen oder liturgischen Objekten mit Heiligendarstellungen oder Darstellungen Christi in den Jahren 1522-66) verloren.

Da die Kirche ursprünglich Teil einer Klosteranlage war, blieben die Gestaltung der Außenfassade und der Portale sehr schlicht und erst durch die Säkularisation 1802 wurde St. Ulrich und Afra zur Stadtpfarrkirche, die sie bis heute geblieben ist. Seit 1937 ist sie zudem eine basilica minor (kleine Päpstliche Basilika), um ihren besonderen Rang und ihre Bedeutung für die Region, aber auch die Kirche als gesamtes hervorzuheben. Neben den sechs basilicae maiores (in Rom: Lateran, St. Peter, Santa Maria Maggiore sowie Sankt Laurentius und Sankt Paul vor den Mauern /in Assisi: San Francesco und Santa Maria degli Angeli) gibt es europaweit zahlreiche dieser basilicae minores. Diesen Ehrentitel führen allein in Deutschland etwa der Bamberger Dom, die Liebfrauenkirche in Trier und 75 weitere Kirchen.

Zu den Grablegen der Heiligen und den großen Altären schreibe ich weiter unten noch mehr, an dieser Stelle soll es zunächst um die weiteren sehenswerten Objekte der Kirche gehen. Zum einen ist hier die Ulrichsorgel zu nennen, deren Gehäuse aus dem Jahre 1608 stammt und die Empore, auf der sie steht, wurde von Jakob Fugger III. gestiftet. Auch die beiden bemalten Flügel der Orgel und der Prospekt stammen aus dieser Zeit. Das Eichenholzgitter , das den Hauptbereich der Kirche vom Eingang trennt, wurde 1712 von Ehrgott Bernhard Bendel geschaffen und beeindruckt vor allem durch die geschmiedeten Eisenteile, die optische Laubengänge vorgaukeln.

Auch mehrere Grablegen der Familie Fugger befinden sich in St. Ulrich und Afra. Während Jakob Fugger der Reiche und seine beiden Brüder Georg und Ulrich noch in St. Anna bestattet wurden, musste die Familie, nachdem St. Anna protestantisch geworden war, ins noch katholische St. Ulrich „umziehen“. Deswegen gibt es heute zwei Kirchen mit Grablegen der Familie Fugger.

Unbedingt vorab informieren sollte man sich über mögliche Öffnungszeiten der Heiltumskammer. Hier werden Kleinodien aus über 2000 Jahren Kirchengeschichte gezeigt. U.a. das Ulrichskreuz, das aus dem Holz des Kreuzes Christi bestehen soll, byzantinische Seidenstoffe, in die Ulrich bei seiner Grablegung gewandet war, die zu den weltweit am besten erhaltenen älteren Textilien zählen und Funde aus dem Frühchristentum in Augsburg.

Besonders ins Auge fallen die drei großen Altäre der Kirche, die am Ende des Hauptschiffes, bzw. der beiden Nebenschiffe angebracht sind. Diese sind den drei wichtigsten Feiertagen des christlichen Kalenders gewidmet: Weihnachten (Anbetung durch die Hirten), Ostern (Auferstehung) und Pfingsten (Pfingstwunder). Alle drei wurden in der Zeit von 1604 bis 1607 geschaffen und gelten heute als die größten und bedeutendsten Renaissancealtäre Süddeutschlands.

Als letztes wenden wir uns den drei Heiligengräbern der Kirche zu. Im rechten Seitenschiff befindet sich die Grablege Bischof Simperts, der zwischen ca. 750 und 807 gelebt hat und seit 778 Bischof von Augsburg war. Über das Leben Simperts sind nur fragmentarische Belege erhalten geblieben, sodass man nur ganz allgemein festhalten kann, dass er ein nicht ganz unwichtiger Bichof zur Zeit Karls des Großen gewesen sein muss, dessen Neffe er evtl. gewesen sein könnte. Sein Attributstier, der Wolf, verweist auf die Legende, dass er vom Wolf entführte Babies unversehrt aus dem Wald gerettet habe.

In der Krypta wiederum befinden sich die Grablegen von Afra und Ulrich. Bischof Ulrich war einer der wichtigsten Ratgeber Ottos des Großen gewesen und die Beschreibung in den Quellen (Thietmar von Merseburg oder Widukind von Corvey) legen sogar eine enge persönliche Freundschaft der beiden Männer nahe. Verbunden sind beide vor allem durch das wohl außenpolitisch wichtigste Ereignis der Ottonenzeit: die Lechfeldschlacht 955. Hier gelang es vor den Toren Augsburgs die damals noch heidnischen magyarischen (ungarischen) Reiterhorden, die fast jedes Jahr plündernd ins heutige Deutschland und Frankreich einfielen, militärisch zu besiegen. Bei einer Niederlage hätte die europäische Geschichte eine andere Wendung nehmen können und Otto wäre sicherlich nicht 962 vom Papst zum Kaiser gekrönt worden und das Heilige Römische Reich wie wir es heute kennen, wäre nicht entstanden.

Ulrich selbst wiederum soll nur mit dem Kreuz in der Hand den Feinden entgegen geritten sein und rein kraft seines Glaubens das Wunder eines Sieges gegen stark überlegene Gegner ermöglicht haben. In der Ulrichswoche (erste Juliwoche) pilgern heute noch tausende nach Augsburg um das im Stile des Rokoko gestaltete Grabmal zu besuchen.

Gegenüber liegt in einem antiken Steinsarkophag das Grabmal der Heiligen Afra, der einzigen der drei Heiligen, der keine konkrete historisch belegbare Person zugeordnet werden kann. Wahrscheinlich entstand die Heilige Afra aus mehreren unterschiedlichen Erzählungen, denn weder enstprach die Verbrennung im Jahre 304 bei St. Afra im Felde römischen Gepflogenheiten (der angebliche Ort der Verbrennung liegt viel zu weit außerhalb römischer Siedlungsstrukturen), noch kannte Hrabanus Maurus als Erzbischof von Mainz (Augsburg gehörte damals zum Erzbistum Mainz) im 9. Jahrhundert eine Heilige Afra. Zu diesem Thema möchte ich gerne auch auf Bernhard Schimmelpfennig, ehemaligen Ordinarius für Mittelalterliche Geschichte an der Uni Augsburg, verweisen: War die heilige Afra eine Römerin? In: Vera Lex Historiae. Studien zu mittelalterlichen Quellen. Festschrift für Dietrich Kurze zu seinem 65. Geburtstag. Köln / Wien / Weimar 1993, S. 277-303.

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