Fuggerei

Die Augsburger Fuggerei mit Haupteingang im Hintergrund

Neben der Augsburger Puppenkiste ist zweifellos die Fuggerei die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt. Etwas mehr als 200.000 Besucher jährlich kommen in die älteste Sozialsiedlung der Welt. Trotzdem auch hier der Zweite Weltkrieg bis zu 60% der originalen Bausubstanz zerstört oder beschädigt hat, konnte durch den Wiederaufbau der ursprüngliche Charme der Fuggerei erhalten werden.

1521 schuf Jakob Fugger der Reiche in der Augsburger Jakobervorstadt, die auch damals die Heimat der eher finanzschwächeren Städter war, eine Sozialsiedlung, in der jeder unverschuldet in Not geratene Augsburger sich für einen Wohnplatz bewerben konnte. Da die Bezahlung für eine Fuggereiwohnung neben einem rheinischen Goldgulden Jahresmiete auch täglich drei Gebete umfasste (Vater Unser, Glaubensbekenntnis und Ave Maria), sorgte die weitere Entwicklung der Reformation dafür, dass auch das Katholischsein (Protestanten beten kein Ave Maria) als Voraussetzung dazukam. An diesen Vorgaben hat sich bis heute nichts geändert, nur dass die Jahresmiete heute 88 Cent beträgt (bei 60m² Durchschnittsgröße einer Wohnung).

Die St. Markus-Kirche

Diese drei Gebete kann man entweder in den eigenen vier Wänden beten, oder man besucht die in der Fuggerei errichtete St. Markus-Kirche, wo der eigene Fuggereipfarrer auch mehrfach die Woche die Messe liest oder die Beichte abnimmt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet, ist von der originalen Ausstattung leider nichts mehr erhalten geblieben, da die Kirche im Februar 1944 vollständig ausbrannte. Die heutige Kirche ist ein Sammelsurium unterschiedlicher Objekte, die Kasettendecke von 1550/60 etwa stammt ursprünglich aus dem Fuggerschen Stiftungshaus von St. Anna, ein Altar für Markus Fugger und seine Frau aus der Kapelle der Fuggerprivathäuser etc.

Einen ganz besonderen Charme hat der Innenhof der Fuggerei, wo sich auch der Eingang zum Weltkriegsbunker mit Ausstellung befindet. Hier kann man (zumindest an Tagen, wo nicht mehrere tausend Besucher die Fuggerei besichtigen) die Ruhe und den Frieden, den diese kleine grüne Oase inmitten der Augsburger Innenstadt ausstrahlt, erleben. Hier wird auch verständlich, warum früher auch nicht-Fuggereibewohner gerne im Sommer zum Buchlesen oder Eisessen hierherkamen, denn sowohl gab es in den 1990er Jahren noch keinen Eintritt, als auch kaum Touristen. Der wilde Wein, der an vielen der Gebäude emporrankt, ist gerade im Herbst ein absoluter Hingucker.

Den Charakter der Fuggerei als Stadt in der Stadt kann man gut an den Mauern und Toren erkennen, die das Areal vom Rest der Jakobervorstadt trennen. Das Ochsentor nimmt dabei eine besondere Rolle ein, ist es doch der einzige Eingang nach 22:00, an dem die Bewohner wieder in die Fuggerei zurückkommen können. Aber nur für einen Obulus von 50 Cent für den Torwächter und ab Mittenacht steigt dieser sogar auf einen Euro. Das bedeutet, einmal richtig lange wegbleiben ist teurer, als ein Jahr Miete für die eigene Wohnung zu bezahlen. Dafür herrscht in der Fuggerei Abends und Nachts eine himmlische Ruhe und keine grölenden Jugendlichen oder andere Nachtschwärmer können sich hierhin verirren.

Die Fuggerei bietet heute auch mehrere Museen, etwa zum Alltagsleben der Bewohner und eine Schauwohnung, die das Leben in der Fuggerei vor mehreren Jahrhunderten illustriert. Dabei sollte man aber stets im Hinterkopf behalten, dass die Fuggerei kein reines Museum ist, sondern auch heute noch knapp 150 Bedürftige in ca. 130 Wohneinheiten leben.

Wer nach der Besichtigung, für die man sicherlich 40 Minuten bis eine Stunde einplanen sollte, eine Stärkung benötigt, wird direkt am Eingang bei den Tafeldeckern fündig werden. Hier kann man bei schönem Wetter auch im Freien bayrisch-schwäbische Tapas genießen und sowohl die Qualität des Essens, als auch die der Weinkarte sind überdurchschnittlich gut.

Im Lochgäßchen

Obwohl die Jakobervorstadt schwer unter den Bombardierungen im Februar 1944 gelitten hat (mehr als alle anderen Altstadtareale Augsburgs), findet man gerade südlich hinter der Fuggerei noch einige wirklich schöne Ecken, die man nicht verpassen sollte, wie u.a. das oben zu sehende Lochgäßchen, das Kappeneck oder die Straße entlang des Stadtgrabens zwischen Jakober- und Vogeltor.

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