Das Lechviertel

Eingang ins Lechviertel bei St. Margareth

Das Augsburger Lechviertel ist das bekannteste Altstadtgebiet Augsburgs und war bzw. ist auch heute noch Heimat vieler kleinerer Handwerksbetriebe. Da diese durch die Lechkanäle (daher der Name) mit Energie für Mühlräder und später für Turbinen versorgt werden konnten, ist das Viertel heute zudem Teil des UNESCO-Weltkulturerbes der historischen Augsburger Wasserwirtschaft. Ich möchte das Lechviertel im folgenden von Süd- nach Nord vorstellen. Dazu beginnen wir vom Ulrichsviertel beginnend am ehemaligen Dominikanerkloster St. Margareth und betreten entlang des Schwallechs die Schwibbogengasse.

Durch die zahlreichen Lechkanäle (Schwallech, Brunnenlech, Vorderer, Mittlerer und Hinterer Lech) haben sich in diesem Altstadtviertel vor allem Handwerker mit erhöhtem Energie- oder Wasserbedarf niedergelassen. Wir finden Schäffler (anderer Name für Böttcher bzw. Küfner), Grob- und Feinschmiede, Scheren- und Messerschleifer, Ledergerber, Bäcker, Schlosser oder Flecksieder (Kuttler), deren Tätigkeit bis heute auch in den Straßen- und Gassennamen des Viertels fortlebt.

Für die Schäffler etwa war das Wasser wichtig, da die Holzplanken, aus denen man Fässer herstellte, zunächst in Wasser gekocht werden mussten, um das Holz weich und biegsam werden zu lassen. Bäcker brauchten Wasser für Mühlen und Trinkwasser für die Teige, Schmiede zum Betreiben der Schmiedehämmer und Schleifer zum Kühlen der Schleifsteine und Klingen.

Trotz der Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges finden sich im Lechviertel noch zahlreiche gut erhaltene Bürger- und Handwerkerhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Folgt man dem Schwallech weiter, erreicht man das Kloster St. Ursula, wo sich dieser in den Mittleren und den Hinteren Lech teilt. Aus den Quellen der Stadt weiß man auch, dass hier gerne nackt gebadet wurde, was nach Protesten der Nonnen von St. Ursula im 17. Jahrhundert tagsüber verboten werden musste. Die Klosterkirche stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, hat aber während der 1720er und ’30er Jahre leider einen barocken Umbau erlebt. Das Kloster selbst wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört und die heutigen Gebäude entstanden erst ab 1957.

Immer wieder zweigen aus dem Lechviertel Straßen und Gassen ab, die nach oben in die Oberstadt, also Richtung Maximilianstraße führen. Der Weg mit der wahrscheinlich schönsten erhaltenen Bausubstanz ist der Hunoldsberg relativ in der Mitte des Viertels. Neben Handwerkern lebten aber auch viele Künstler im Lechviertel. Eine der berühmtesten Augsburger Künstlerfamilien war zweifellos die Familie Holbein. Unter Hans Holbein dem Älteren, dessen Werke man heute in der Staatsgalerie Alte Meister im Schätzlerpalais oder im Dom besichtigen kann, entwickelte sich Augsburg im ausgehenden 15. Jahrhundert zu einem der Kunstzentren Europas. Sein Sohn Hans Holbein der Jüngere wurde gar Hofmaler Heinrichs VIII. von England.

Das Wohnhaus der Familie steht heute am gleichnamigen Platz und bietet Austellungen zumeist zu zeitgenössischen Künstlern. Zudem kann man am Holbeinplatz auf einen Blick Vorderen, Mittleren sowie Hinteren Lech sehen. Ehe man dann weiter nach Norden laufend zur Rückseite des Rathauses gelangt, findet man in der Pfladergasse die Alte Silberschmiede. Dieses seit dem späten 15. Jahrhundert existierende Haus beherbergte zwischen 1640 und 1920 eine Goldschmiedewerkstatt. Damit erinnert das Gebäude noch heute an die glorreiche Zeit Augsburger Gold- und Silberschmiede, die vor allem während des 16. und 17. Jahrhunderts zu den besten Europas zählten.

Über das Rathaus hinausgehend sieht man bereits die ebenfalls von Elias Holl errichtete Stadtmetzg. Diese war das zentrale Zunftgebäude der Augsburger Metzger, zeitgleich aber auch mit 126 Fleischbänken Hauptverkaufsort für Fleischwaren. Geschlachtet wurde nebenan im eigens errichteten Schlachthaus, weswegen die kleine Gasse zur rechten der Stadtmetzg bis heute Schlachthausgässchen heißt.

Rechts der Stadtmetzg kommt man in das kleine noch erhaltene Gebiet des ehemaligen Grobschmiedeviertels der Stadt Augsburg, wo sich das Geburtshaus eines weiteren bekannten Augsburgers befindet. Berthold Brecht wurde hier geboren und verbrachte seine Kindheit im heute zum Museum ausgebauten Brechthaus.

Möchte man wieder zum Ausgangspunkt zurück, bietet es sich an beim Eingang der Barfüßerkirche (gegenüber der Schmiedgasse) dem Verlauf des Hinteren Lechs bzw. der Schlossermauer zu folgen.

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