St. Anna

St. Anna vom Martin Luther Platz aus gesehen

Wer auf den Spuren der Fugger durch die Blütezeit Augsburgs reisen möchte, muss der St. Anna Kirche einen Besuch abstatten. Dort befindet sich, neben anderen grandiosen Kunstschätzen, auch die Grablege für Jakob Fugger den Reichen und seine beiden Brüder Georg und Ulrich. Beginnen möchte ich aber zunächst chronologisch mit der Gründung des Klosters durch die Ansiedlung von Karmeliten im Jahre 1275.

Mit dem Jahre 1321 beginnt dann die eigentliche Geschichte von St. Anna, denn in diesem Jahr wurde der Grundstein für Kirche und Klostergebäude gelegt. Ab 1420 entstand anschließend an den eigentlichen Kirchenbau die Goldschmiedekapelle, die ab 1496 auch als Grablege für die Augsburger Goldschmiedezunft genutzt wurde.

Zwischen 1509 und 1518 baute man die Fuggerkapelle und während des Reichstages im Oktober 1518 wohnte Martin Luther im Kloster St. Anna. 1523 trat der Prior des Klosters zum Protestantismus über und seit diesem Moment bis heute blieb St. Anna eine protestantische Kirche. 1602 wurde der heute noch markant sichtbare Turm der Kiche von Elias Holl errichtet und im 18. Jahrhundert hielt leider der Barock Einzug in die Kirche.

Im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, ist es bis heute gelungen dieses Kleinod Augsburger Sakralkunst wieder herzurichten. Etwa sieben Millionen Euro haben alleine die Arbeiten zwischen 2007 und 2011 gekostet.

Heute betritt man die Kirche über den Annahof und muss zunächst den Kreuzgang des ehemaligen Klosters durchqueren. Dieser stammt baulich noch überwiegend aus der Gotik und die noch erhaltenen Wandfresken stammen zumeist aus dem 16. Jahrhundert. Das besondere am Kreuzgang sind jedoch die zahlreichen Grabplatten und Grabmonumente Augsburger Bürger- und Patrizierfamilien aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Liest man aufmerksam die gravierten Namen, findet man fast alles, was damals Rang und Namen hatte, wie etwa die Namen Welser oder Sulzer.

Vom Kreuzgang geht über die sog. Lutherstiege auch ein kleiner Museumsrundgang los, der sich mit der Rolle Luthers und Augsburgs in der Konfessionsgeschichte des 16. Jahrhunderts befasst. Hier wird recht eindrücklich gezeigt, wie zentral diese Rolle Augsburgs war, das damals so etwas wie die heimliche Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches war.

Porträtbilder von Lukas Cranach

Betritt man die Kirche und wendet sich sofort nach rechts fallen neben dem neugotischen Schnitzaltar die beiden Porträts aus der Hand Lukas Cranachs ins Auge. Beide 1529 entstanden, zeigt das linke Bild Martin Luther und das rechte Johann Friedrich I. Kurfürst von Sachsen. Auch in der Predella des Altars (unterer Teil) findet sich ein Gemälde von Lukas Cranach (Jesus segnet die Kinder) von 1531.

Gegenüber des Eingangs führt eine weitere Tür in die Goldschmiedekapelle von St. Anna. Diese ist während des Mittagsgebets um 12:00 für Besucher nicht zugänglich.

In der Goldschmiedekapelle befindet sich der umfangreichste noch erhaltene gotische Freskenzyklus Augsburgs, der in den späten 1480er Jahren entstanden sein dürfte. Weitere Malschichten datieren auf die Zeit von 1420-25 (etwa das Chorgestühl an der Südwand) und einige Reste auf die Zeit um 1620. Leider kann man am Jüngsten Gericht an der Stirnseite erkennen, wie wenig Rücksicht der Barock auf die gotische Ursprungsbemalung der Kirche genommen hat. Gestiftet wurde die Kapelle von Konrad und Afra Hirn (deren Grablege man mittlerweile im Dom unterhalb der Bischofsporträts findet).

Betritt man wieder das Langhaus und wendet den Blick nach oben, sieht man die von Johann Georg Bergmüller geschaffenen Fresken der Decke. Die Stuckaturen der Wände stammen von den Gebrüdern Feichtmayr und stehen im Stil der Wessobrunner Schule, die soviele Kirchenräume in Schwaben, Oberbayern, Mittelfranken, Mainfranken und Tirol nachhaltig geprägt hat.

An der Westseite schließt sich die Fuggerkapelle ans Langhaus von St. Anna an. Konfessionsgeschichtlich spannend ist, dass diese immer noch der katholischen Kirche gehört, auch wenn der Rest von St. Anna protestantisch ist. Sie gilt als erster Renaissancebau nördlich der Alpen und wurde 1509 bis 1518 von den namhaftesten Künstlern der Zeit konzipiert. Der Aufbau als Querhauskapelle orientiert sich klar an den Vorbildern der italienischen Renaissance, wie den Familien- und Grabkapellen von Santa Croce in Florenz (von 1430) oder in der Kapelle der Medici in San Lorenzo Florenz (1520).

Die Planung der Grablege geht wohl auf Albrecht Dürer zurück, die Ausführung auf einen archivalisch nicht fassbaren Augsburger Künstler. Der Altar dessen Figurengruppe den Titel „Der Leichnam Christi, dargeboten zur Beweinung“ trägt, wurde von Adolf Daucher 1512-17 geschaffen und gilt mittlerweile als eines der bedeutendsten bildhauerischen Früh-Renaissancewerke nördlich der Alpen.

Die Putti der Balustrade, die wohl Hans Daucher um 1530 schuf, sind besonders spannend, da jedem von ihnen durch Mimik und Gestik eine Stimmung zugeschrieben werden kann. Allein zwei solcher Putti haben einen Wert von knapp 2,5 Millionen Euro. Das kann man deshalb so genau sagen, da vor wenigen Jahren überraschend zwei verschollen geglaubte Putti wiederauftauchten und bei Sotheby’s dank finanzieller Unterstützung von Stiftungen und der Bundesrepublik Deutschland wieder nach Augsburg heimgekauft werden konnten.

Die Orgel der Kapelle ist ein Meisterwerk von 1512, das durch den böhmischen Orgelbauer Johan von Dobrau geschaffen und nach den Zerstörungen 1944 wieder rekonstruiert wurde. Die Flügel der Orgel wurden durch Jörg Breu d. Ä. bemalt und die Orgel als solche ist in den Farben der Familie Fugger (blau und gold) gehalten. Das Fenster über der Orgel zeigt auch das Wappen der Familie und die Lilien finden sich immer wieder auch auf der Orgel selbst.

Weitere beachtenswerte Werke der Kirche sind die Heiliggrabkapelle von 1508 links neben der Fuggerkapelle und vor allem Gemälde aus der Renaissance von Jörg Breu d. Älteren, Christoph Amberger und anderen Künstlern des 16. und 17. Jahrhunderts.

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