Fronhof und Residenz

Im Areal der fürstbischöflichen Residenz Augsburg

Direkt westlich an den Dom anschließend befinden sich der Fronhof, die fürstbischöfliche Residenz und der Hofgarten. Dabei handelt es sich um einen der bedeutendsten Orte Augsburgs, an dem 1530 europäische Konfessionsgeschichte geschrieben wurde. Während des 16. Jahrhunderts, also der Blütezeit der Stadt und der Fugger, fanden zahlreiche Reichstage des Heiligen Römischen Reiches in Augsburgs statt. Oft finden wir in den Quellen seitenlange Berichte über den Herrschereinzug, die Kleidung der Reichen und Fürsten, selten aber über die tatsächlichen Tagungsorte der Reichstage. Eine Ausnahme bildet der Reichstag 1530, der in der damals noch mittelalterlichen Bischofsresidenz am Fronhof stattgefunden hat.

Dreizehn Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers war der Protestantismus ein ernstzunehmender Rivale der Katholiken geworden und die Spannungen zwischen den Konfessionen nahmen immer weiter zu. Daher wollte der Philosoph und lutherische Theologe Philipp Melanchthon auf dem Reichstag 1530 ein Papier zur Güte vorlegen, indem zwar die lutherischen Bekenntnisse festgehalten wurden (zu denen sich auch ausdrücklich die protestantischen Reichsstände bekannten), aber eine Brücke gebaut werden sollte, die es auch dem katholischen Kaiser Karl V. ermöglichen sollte, ein friedliches Miteinander der Konfessionen zu erlauben.

Trotzdem Karl V. die Confessio Augustana Melanchthons ablehnte, wurde das Augsburger Bekenntnis Grundlage des schmalkaldischen Bundes, war Toleranzgrundlage des Augsburger Religionsfriedens von 1555 und ist bis heute einer der zentralen Texte der lutherischen Kirchen.

Vom Gebäude des Reichstages 1530 existiert heute nur noch der Turm der fürstbischöflichen Residenz. In diesem soll Albrecht Dürer Kaiser Maximilian I. 1518 porträtiert haben. Der Rest des Komplexes wurde speziell unter Fürstbischof Joseph Landgraf von Hessen-Darmstadt im Stile des Spätbarocks umgebaut. Die Anlage gibt aber durch ihre Dimension auch heute noch einen guten Eindruck vom Reichtum und der Bedeutung des Augsburger Bistums schon während des Mittelalters. Im heutigen Rokokosaal der Residenz befand sich ursprünglich der Kapitelsaal in dem 1530 der Augsburger Reichstag stattfand.

Wenn man vom Fronhof kommend das Residenzgebäude, indem heute die Regierung von Schwaben ihren Sitz hat, durchquert, kommt man in den hinteren Teil der Anlage und zum Augsburger Hofgarten.

Auch dieser wurde im Rahmen der Umbaumaßnahmen des Spätbarocks 1739-44 angelegt und ist heute wegen seiner Blütenpracht und ruhigen Lage ein beliebter Entspannungsort für die Einheimischen. Seit 1817 im Besitz des Landes Bayern zahlt die Stadt Augsburg bis 2032 nur 55 Euro Miete jährlich und verpflichtet sich weitere 50.000 Euro in die Bepflanzung und Pflege des Areals zu investieren. Neben Tulpen- und Blumenbeeten, Ginkobäumen, Hibiskussträuchern oder Blauregen findet man auch einen Teich mit Zierfischen und europäischen Wasserschildkröten. Die Groteskenfiguren der „Zwerge“ stammen von Johann Wolfgang Schindel aus den Jahren 1744/45.

Eine kleine Besonderheit ist der Bücherschrank des Hofgartens, aus dem jeder Augsburger sich ein Buch mitnehmen kann, solange er ein anderes Buch zum Ausgleich hinterlässt. Dadurch wird der einst exklusive Garten des Fürstbischofs zum Naherholungs- und Begegnungsort für jeden Bewohner der Stadt.

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