Heilig Kreuz

Das Ensemble aus evang. Heilig Kreuz links und kath. Heilig Kreuz rechts

Eine der touristisch fast unbekannten Kirchen Augsburgs ist die Heilig Kreuz Kirche in der Altstadt. Das liegt zweifellos zum einen an ihrer Lage am Rande der Altstadt, aber auch an der fast vollständigen Zerstörung der Kirche in den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges. Dabei stellt das Ensemble der beiden Heilig Kreuz Kirchen auf sehr eindrucksvolle Weise das seit Jahrhunderten praktizierte paritätische Miteinander der beiden Konfessionen in Augsburg dar. Generell war Augsburg eine der wichtigsten Stätten der Reformation, davon an anderer Stelle mehr, und die Architektur der Stadt zeigt immer wieder, wie dieser für die damalige Zeit durchaus besondere Weg des Miteinanders spätestens ab 1555 gelebt wurde.

Die ursprünglich romanische Kirche, die an der Stelle des Armen- und Pilgerhospizes um 1194 entstanden war, musste zwischen 1492 und 1508 einer spätgotischen Hallenkirche weichen. Von dieser sind heute auf Grund späterer barocker Umbauten und der Bombardierungen 1944 nur noch wenige Reste erhalten geblieben. Gerade unter der Orgelempore ist noch ein Teil des spätgotischen Netzrippengewölbes zu sehen. Der spätgotische Bau galt zu seiner Zeit als vorbildhaft und wurde etwa in der Innsbrucker Hofkirche 1553-63 imitiert.

Da durch die Bombardierungen 1944 ein großer Teil des Dachtragewerkes und der Gewölbe einstürzte, ist von den ehemals in der Kirche befindlichen Wandfresken Johann Georg Bergmüllers leider nichts mehr erhalten geblieben. Das ist besonders schade, da Bergmüller als der Meister des Augsburger Barocks galt und sich weit über die Stadt hinaus einen Ruf als einer der einflussreichsten Barockmaler seiner Zeit erworben hatte.

Lediglich einige der beweglichen Kunstobjekte konnten gerettet werden, darunter das prachtvolle Barockgitter von 1744, das Vorhalle und Langhaus der Kirche trennt und heute nur für Gottesdienste geöffnet wird.

Tafelbild von Peter Paul Rubens

Da man das Langhaus nicht betreten kann, sondern nur von hinter dem Gitter einen Blick in die Kirche werfen kann, muss man den größten Kunstschatz von kath. Heilig Kreuz aus der Distanz würdigen. Das Tafelbild von Peter Paul Rubens (1627) zur Himmelfahrt Mariens. Der flämische Maler gilt als einer der bekanntesten Barockmaler überhaupt und seine Werke hängen heute in den wichtigsten Museen der Welt. Aber auch Matthias Kager, der die Bilder des Goldenen Saals im Rathaus geschaffen hat, war Urheber eines Tafelbildes in Heilig Kreuz: Der Tempelgang Mariens von 1616.

Von Georg Petel stammt das Holzkruzifix von 1626, das man im Langhaus rechts vorne sehen kann. Petel, der gerne als der Michelangelo des deutschen Frühbarocks bezeichnet wird, schuf auch die grandiosen Figuren von St. Moritz in Augsburg.

Kath. Heilig Kreuz mit für Schwaben charakteristischer Zwiebelhaube

Aber auch die evangelische Kirche Heilig Kreuz sollte man, wenn sie geöffnet ist, nicht unbeachtet lassen. Neben einem Fresko von Johann Georg Bergmüller von 1730 ist hier vor allem das Gemälde der Taufe Jesu von Jacopo Tintoretto 1570, einem der wichtigsten Maler des italienischen Manierismus, zu besichtigen. Mit Tizian und Veronese zählte er zu den bedeutendsten Malern Venedigs im 16. Jahrhundert. Sein Werk in Augsburg ist eines der ganz wenigen in Deutschland, die außerhalb einer Gemäldegalerie/eines Museums zu sehen sind.

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