Naumburg

Das UNESCO-Weltkulturerbe Naumburger Dom

Unser erstes Übernachtungsziel auf der Straße der Romanik war Naumburg. Nachdem wir am Anfahrtstag noch Eisenach/Wartburg sowie Kloster Pforta besichtigt hatten, haben wir den Rest des Tages in unserem Hotel (Gasthaus zur Henne) verbracht, in dem wir sehr gut zu Abend gegessen haben (Wild). Erst am nächsten Tag in der Früh, ehe es nach Freyburg weiterging haben wir uns einen halben Tag Naumburg angeschaut. Leider war das Wetter mäßig bis schlecht, was nicht unbedingt zu längeren Spaziergängen eingeladen hat. Geparkt hatten wir direkt am Rande der Altstadt und sind von dort einmal quer durch das historische Naumburg zum Dom gelaufen. Ich zweimal, um den Schirm, den wir vergessen hatten aus dem Auto zu holen…

Naumburg wurde erstmals 1012 urkundlich erwähnt und seit 1028 bis zur Reformation 1568 war Naumburg Bischofssitz. Während des Mittelalters war Naumburg eine wichtige Handelsstadt, lag sie doch direkt an der Via Regia (Sie verband das Rheinland über Frankfurt am Main und Leipzig mit Schlesien.). Aus dieser Blütezeit der Stadt stammen auch die meisten noch heute prägenden Gebäude und Sehenswürdigkeiten Naumburgs.

Das Marientor

Das Marientor am Naumburger Marienplatz ist das einzige erhaltene Stadttor und ein seltenes Beispiel einer Doppeltoranlage mit Barbakane (Die Barbakane ist ein dem Tor einer spätmittelalterlichen Stadtmauer vorgelagertes Verteidigungswerk in Form einer runden Bastei.) und Innenhof. Es wurde in seinen Ursprüngen bereits im 14. Jahrhundert angelegt. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten kann man das Tor und eine darin untergebrachte Dauerausstellung besichtigen.

Durch die Altstadt Naumburgs ging es vom Marientor aus weiter, bis man den zentralen Marktplatz mit Rathaus und Stadtkirche St. Wenzel erreicht. Beachtenswert sind das Renaissancerathaus (1517-1528) und einige der nach dem Stadtbrand 1517 errichteten Bürgerhäuser. Charakteristisch sind die Rundbogenerker mit spätgotischem Blendmaßwerk, die mehrere Gebäude am Markt zieren. Neben Martin Luther hat sich auch Kaiser Karl V. in Naumburg aufgehalten und dabei in unterschiedlichen Häusern am Marktplatz residiert. Die barockisierte Stadtkirche St. Wenzel, die bei unserem Besuch leider geschlossen war, besitzt eine wertvolle Innenausstattung wie den barocken Hochaltar von 1680 sowie zwei Gemälde aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä.

Blick auf den Naumburger Dom

Mit auch hier auffällig wenig anderen Touristen (in Naumburg dachten wir noch das liege am Wetter) ging es weiter zum Naumburger Dom. Das Wahrzeichen der Stadt und UNESCO-Weltkulturerbe (seit 2018) ist die mit Abstand bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt und eines der wichtigsten Etappenziele der Straße der Romanik. Er gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Spätromanik in Sachsen-Anhalt und entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf den Mauern einer älteren Vorgängerkirche.

Kreuzgang

Nach dem man den Eintritt und die Fotogenehmigung bezahlt hat, gelangt man über den heute zentralen Kreuzgang in die einzelnen Gebäude des Ensembles Naumburger Dom: Eigentliche Domkirche, Spätromanische Vorhalle, Klausurgebäude und spätgotische Dreikönigskapelle.

Um 1160/70 wurde im heute nicht mehr existierenden frühromanischen Dombau eine dreiteilige Hallenkrypta angelegt, die in die heutige spätromanische Kirche integriert wurde. Besonders sehenswert sind die Kapitelle der Säulen, welche den typischen romanischen Palmettendekor mit Diamantbändern zeigen. Sie gehören zu den herausragenden Leistungen hochromanischer Bauornamentik. In der spätromanischen Apsis (dem „jüngsten“ Bauabschnitt der Krypta) steht noch ein Altarblock des frühen 13. Jahrhunderts. Das dort aufgestellte hieratisch strenge, romanische Kruzifix auf dem Altar stammt wohl aus der Zeit des Einbaus der Krypta um 1160/70.

Die vielleicht bekanntesten Objekte des Naumburger Doms sind zwei der zwölf Stifterpaare im Westchor. Nach Uta, der Frau Ekkehards II. von Meißen wird in fast jedem Kreuzworträtsel gefragt. Da die Figuren knapp 150 bis 200 Jahre nach dem Tod der realen Personen angefertigt wurden, zeigen sie sicherlich nicht das tatsächliche Aussehen der Stifter, sondern entspringen der Fantasie des Naumburger Meisters der sie schuf. Umso außergewöhnlicher ist die starke Individualität der einzelnen Figuren, die sogar klar erkennbare Emotionen zeigen.

Noch beeindruckender in meinen Augen war der Lettner des Westchores, der in seinem Aufbau und der verwendeten Schmuckformen der kostbarste Lettner des Mittelalters in Deutschland ist. Die Ornamentik seiner (Säulen-)Kapitelle zählt zu den schönsten, die die frühe Gotik hervorgebracht hat. Sie orientieren sich vor allem an heimischen Pflanzen und die realen Vorbilder werden heute im Außenbereich des Doms angepflanzt und gezeigt, sodass man gut nachvollziehen kann, wo und wie sich der Naumburger Meister hat inspirieren lassen.

Man sollte sich auch unbedingt Zeit nehmen, einen Blick in die Domschatzkammer des Naumburger Doms zu werfen. Dort werden unterhalb der Westklausur sakrale Kostbarkeiten des Doms gezeigt. Von herausragender Qualität ist zum Beispiel die Johannesschale aus dem 13. Jahrhundert. Sie zeigt das abgeschlagene Haupt Johannes des Täufers realitätsnah und gehört zu den ältesten erhaltenen europäischen Beispielen dieser Art. Auch mehrere aus dem Umfeld von Lukas Cranach stammende Gemälde sind zu besichtigen, wobei gerade das Bildnis von Maria Magdalena (um 1518/19) in ihrer Anmut und Grazie ein ganz herausragendes Kunstwerk ist. Die Heilige ziert einen von zwei bemalten Flügeln des einstigen Hauptaltares vom Naumburger Westchor.

Bei Lukas Cranach ist es leider das Problem, dass er eine große Malschule in Wittenberg unterhalten hat und man heute nicht mehr für jedes Bild sicher rekonstruieren kann, ob es vom Meister persönlich oder von einem seiner Schüler gemalt wurde. Daher behilft man sich mit der Auszeichnung „aus dem Umfeld Lukas Cranach“.

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