Das Heilige Grab von Gernrode

Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode

Eine der in meinen Augen schönsten Kirchen der Straße der Romanik findet man, nur 10 Kilometer von Quedlinburg entfernt, in Gernrode. Das dortige Frauenstift wurde zur Zeit König Otto I. (dem Großen) von Markgraf Gero 959 gegründet und bestand bis ins 17. Jahrhundert. Ab dem 13. Jahrhundert verlor das Stift zunehmend an Einfluss und viel seines ehemaligen Reichtums und Landbesitzes. Heute zeugt allein die Stiftskirche St. Cyriakus vom ehemaligen Wohlstand des Klosters und bietet einen der beeindruckendsten romanischen Innenräume Deutschlands.

Erstmals 961 erwähnt, befindet sich die Stiftskirche auf Grund der Restaurierungen des 19. Jahrhunderts wieder weitestgehend im romanischen Originalzustand des 10. Jahrhunderts. Allein das Westwerk (Westchor und Westapsis) wurden im 12. Jahrhundert grundlegend umgestaltet und erweitert. Die Wandmalereien der Apsis wurden erst unter Ferdinand von Quast Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der umfangreichen Restaurierungsarbeiten angebracht und gelten mittlerweile selbst als Denkmal.

Im westlichen Mittelschiff steht ein romanischer Taufstein von 1150, der Szenen des Lebens Christi zeigt. Ursprünglich befand sich der Taufstein aber in der abgerissenen Kirche von Alsleben und wurde erst 1865 nach Gernrode überführt. In der Vierung der Kirche befindet sich das 1519 errichtete Hochgrab Graf Geros, des Begründers von Gernrode. Die Figur Geros auf dem Grab stammt möglicherweise aus der Werkstatt von Tilmann Riemenschneider (Bildhauer und Holzschnitzer, einer der wichtigsten Künstler am Übergang zwischen Spätgotik und Renaissance in Deutschland), während die übrigen Figuren an der Seite keinen großen künstlerischen Wert besitzen.

Mit Abstand das wichtigste kunsthistorische Objekt der Kirche ist das Heilige Grab, das mit einer Entstehung um 1100 die älteste erhaltene deutsche Nachbildung des Heiligen Grabes in Jerusalem ist. Von besonderem kunsthistorischen Wert ist, dass sich hier der Übergang von ottonischer Plastik zur Bildhauerkunst der Romanik manifestiert. Die Reliefs zeigen alle Darstellungen aus dem Kontext der Grablegung und Auferstehung Jesu.

Gerade an der Westwand des Grabes ist der Figurenschmuck noch besonders prächtig erhalten geblieben. Um die in der Mitte stehende Figur der Maria Magdalena gruppieren sich oben links und rechts Johannes der Täufer und Moses, sowie mittig das Lamm Gottes. Darunter sieht man Fabelwesen umgeben von einem Rankenfries. Diese „Predigt aus Stein“ hat den „Opfersieg des Christus Gottes für uns Menschen“ als Thema.

Ich habe in meinem Leben schon mehr Kirchen gesehen als ich mich erinnern kann, aber kaum eine Kirche hat mich so beeindruckt wie Gernrode. Vor allem das Heilige Grab ist wirklich etwas völlig außergewöhnliches, das man unbedingt gesehen haben sollte.

Nach der Besichtigung haben wir noch einen Kaffee im wunderschönen und sehr gemütlichen Café Froschkönig direkt neben der Stiftskirche getrunken. Hätten wir es nicht mittags etwas übertrieben mit dem Essen… die Kuchen und Windbeutel sahen jedenfalls unheimlich lecker aus.

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