Unbekanntes Rom 2, Trastevere und rund um den Aventin

Impression aus dem Trastevere

Auch beim Trastevere, dem ehemaligen antiken Transtiberium ist der Begriff „unbekanntes Rom“ natürlich relativ. Gemessen aber an den Massen auf dem Forum oder in der Innenstadt bekommt man hier noch den Eindruck eines wirklich bewohnten Stadtviertels, in dem ich als Tourist zu Gast bin und das nicht bereits völlig überrannt wurde. Wie alle Tage in Rom, die man wirklich dazu nutzen möchte die unzähligen Highlights dieser Stadt zumindest ansatzweise gesehen zu haben, sind bequemes Schuhwerk und eine gewisse Kondition unabdingbar. Da ich persönlich immer dazu neige lieber drei Kirchen als zwei Kirchen an einem Tag zu besuchen und dann natürlich noch dies und das auf dem Weg, weil man ja gleich vor Ort ist, war es ganz gut, dass meine Frau noch keinen Schrittzähler besaß. Allerdings konnte ich sie mit gefüllten Zucchiniblüten, Pizza und einem passablen Weißwein als Mittagessen für weitere Besichtigungen motivieren.

Zu Beginn gleich drei Orte, die man gesehen haben sollte, weil man in der Nähe ist. Die Tiberinsel, Santa Maria in Cosmedin und Santa Sabina all‘Aventino.

Beginnen wir mit Santa Maria in Cosmedin, den meisten Menschen wahrscheinlich eher als der Ort geläufig, wo sich die Bocca delle Veritá befindet. Das erkennt man auch ganz gut daran, dass die Schlange für das eine berühmte Foto mindestens zwanzig Minuten Wartezeit versprach, während in der Kirche außer uns beiden nur eine kleine weitere Gruppe Menschen war. Durch die Beseitigung der barocken und gotischen Einbauten im Jahr 1899 vermittelt die Kirche heute wieder den Eindruck, als sei seit 1123 die Zeit stehen geblieben. Vor allem die aufwendigen Kosmatenarbeiten der Säulen und des Fußbodens sind herausragende Zeugnisse dieser Kunstform. Über dem Altar des 8. Jahrhunderts erhebt sich heute noch das Ziborium von 1295, die Fresken des 12. Jahrhunderts gehören zu den bedeutendsten dieser Zeit in ganz Rom.

Ziborium (1295) in Santa Maria in Cosmedin

Als nächstes führte uns der Weg den Aventin hinauf, nicht etwa zum berühmtesten Schlüsselloch Roms, sondern zur Kirche Santa Sabina all’Aventino. Während man auf dem ganzen Aventin kaum einen Touristen sieht, steht vor dem grünen Tor des Hauptgebäudes des Malteserordens plötzlich wieder eine Menschenschlange. Kann man doch bei einem Blick durch selbiges genau auf die Kuppel des Petersdoms blicken. Kunst- und kulturhistorisch aber bei weitem beeindruckenderes findet man wenige Meter vorher in Santa Sabina. Ab 442 n. Chr. entstand hier eine der ersten dreischiffigen Basiliken der Christenheit mit Rundbögen.

Santa Sabina sull’Aventino

Im Kircheninneren sind noch Mosaikreste um das Jahr 432 erhalten, der Kosmaten-Fries oberhalb der Säulenreihen sowie das Ziborium und der Sarkophag mit den Reliquien von Sabina und Seraphia aus den 820er Jahren. In meinen Augen das absolute Highlight dieser Kirche ist aber ihre mit 28 Reliefplatten geschmückte Zypressenholztür, die um das Jahr 432 angefertigt wurde. Die noch erhaltenen 18 Platten sind somit Teil der wohl ältesten noch erhaltenen Kirchentüre Europas und eine der größten Kostbarkeiten der abendländischen Kunst. Allein wegen dieser Tür lohnt sich schon fast die gesamte Romreise.

Die Tür aus dem Jahr 432 mit frohem aktuellen Anlass

Und wenn man einen schönen Blick genießen will, ist es in meinen Augen deutlich zielführender in den an Santa Sabina angeschlossenen Park zu gehen. Von dort hat man dann nicht nur die Kuppel des Petersdoms im Blick, sondern einen Panoramablick über die gesamte römische Innenstadt, wie man ihn vergleichbar nur an ganz wenigen frei zugänglichen Orten genießen kann.

Panoramablick vom Park bei Santa Sabina mit Petersdom links

Nach diesem Abstecher auf den Aventin geht es dann über die Tiberinsel ins Trastevere weiter. Auf der Tiberinsel stand während der Antike das wichtigste Aeskulap-Heiligtum Roms und die Lage inmitten des Tibers erleichterte auch die Überquerung des Flusses durch zwei kleinere Brücken.

Blick auf die Tiberinsel

Für mich als Mittelalterhistoriker war ein Abstecher in die Kirche San Bartolomeo all’Isola unabdingbar, beherbergt sie doch einen kleinen Marmorbrunnen ungefähr aus dem Jahre 1000, der noch aus der von Kaiser Otto III. gegründeten Ursprungskirche herrührt und den Ort der Heilquelle des Aeskulaptempels zeigt. Auf der Rückseite ist Otto III. auch dargestellt. Nach einer Mittagspause mit für Ende April typischen Zucchiniblüten in unterschiedlicher Verarbeitung, stand die Erkundung des Trastevere auf dem Programm.

Dabei ist es sehr zu empfehlen auch mal nicht den direktesten Weg zu nehmen, sondern sich einfach auch ein bisschen treiben zu lassen, während man sich dabei langsam den beiden wichtigsten Kirchen des Viertels nähert. Zunächst führte uns der Weg nach Santa Cecilia in Trastevere. Die ursprünglich im 9. Jahrhundert von Papst Paschalis errichtete Kirche hat in meinen Augen leider stark unter den barocken und historistischen „Renovierungen“ gelitten, sodass das Kircheninnere heute ein wilder Mischmasch ist und von der Struktur des Ursprungs wenig sichtbar geblieben ist. Daher geht auch das prächtige Apsismosaik von 820 etwas unter. Dieses zeigt etwas, das man in Rom relativ häufig zu Gesicht bekommt. Einen Heiligen mit quadratischem und nicht rundem Nimbus, lebte doch Papst Paschalis zur Entstehungszeit des Mosaiks noch. Auch das Altarziborium von 1293 ist erwähnenswert.

Santa Cecilia in Trastevere
Apsismosaik von Santa Cecilia mit noch lebendem Heiligen links (Eckiger Heiligenschein)

Das wirklich besondere der Kirche ist jedoch nicht im Inneren zu finden, sondern unter der Kirche. Denn, und das ist das große Problem der Stadt, es gibt zu viele tolle Kirchen mit zu vielen außergewöhnlichen Mosaiken/Fresken/Ziborien/Grablegen etc., als dass man nicht nach einigen Tagen eine gewisse Abstumpfung der ganzen Pracht gegenüber erleben würde. Ich glaube nur die wenigsten Besucher Roms können dies verhindern.

Daher muss ich gestehen, dass mir die eintrittspflichtige Freilegung mehrerer römischer Häuser unter der Kirche am deutlichsten in Erinnerung geblieben ist. Neben San Clemente dürfte dies die beeindruckendste Ausgrabung dieser Art in Rom sein. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Ausgrabung noch nicht so bekannt ist wie viele andere Orte der Stadt. Somit kann man sich den Ort im eigenen Tempo ohne Hektik und Gedränge erschließen. Von Santa Cecilia führt uns der Weg dann über die Hauptstraße des Viertels (Viale di Trastevere) in den deutlich touristischeren Bereich, wo sich mit der Kirche Santa Maria in Trastevere ein weiter Fixpunkt des Gebietes befindet. Besonders bemerkenswert ist hier die Fülle an mittelalterlichen Mosaiken des 12. bis 14. Jahrhunderts, die sich vor allem im Apsisraum befinden.

Das Apsismosaik von Santa Maria in Trastevere

Da wir am selben Tag aber auch noch die Caracallathermen, die ich gesondert in einem weiteren Beitrag vorstellen möchte, besucht haben, drohte mir meine Frau anschließend mit Scheidung, wenn ich je wieder einen solchen laufintensiven Kulturtag wie diesen einlegen sollte.

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