Roms antikes Zentrum

Das Forum Romanum

Als sich mir im Jahre 2003 das erste Mal in meinem Leben dieser Blick offenbarte, konnte ich mir die ein oder andere Träne nicht verkneifen. Auch bei meinem vierten und letzten Aufenthalt im April 2018 war ich immer noch ergiffen. Wenige Orte, die ich bisher gesehen habe, sind so magisch wie das Forum. Caesar, Augustus, Cicero, mein Lateinunterricht und der Kampf mit korrekten Übersetzungen, Filme und Serien wie Rome oder Gladiator, das Forum war für mich immer präsent und Bestandteil meines Lebens. Es aber dann im Original zu sehen war/ist etwas ganz besonderes.

Für die Besichtigung heute sollte man allerdings einige Punkte beachten.

  1. Wenn möglich die Tickets bereits online für einen bestimmten Tag und Uhrzeit bestellen, wir hatten das 2018 nicht gemacht und über eine halbe Stunde in der prallen Sonne mit Anstehen verbracht.
  2. Das Kombiticket Forum-Palatin-Colosseum kaufen, das erspart viel weiteren Anstehaufwand
  3. Gut nachfragen, ob auch das Museum auf dem Palatin inkludiert ist, denn man kann am Museum selbst kein Ticket mehr kaufen.
  4. Vor dem Besuch des Forums aufs Klo gehen, denn die WC auf dem Forum sollte man nur im äußersten Notfall oder mit hoher Ekeltoleranz besuchen.

Da wir den Eingang zum Forum auf Höhe der Basilica dei Santi Cosma e Damiano genutzt haben, sind wir von der Piazza Venezia kommend zunächst die Via dei Fori Imperiali entlang gelaufen. Diese Straße war von Mussolini als Paradestraße angelegt worden und trennt heute die Kaiserforen vom Forum Romanum.

Vor allem das Trajansforum befindet sich immer noch in beeindruckendem Erhaltungszustand. Zwischen 107 und 143 n. Chr. entstand hier das jüngste der Kaiserforen, das mit seinen überdachten Ladenstraßen und Innenhöfen an moderne Einkaufspassagen erinnert. Durch den Bau der Via dei Fori Imperiali wurde ein großer Teil der noch erhaltenen Baustruktur der Kaiserforen beschädigt oder sogar ganz vernichtet, sodass das ursprüngliche Ensemble deutlich größer war als das, was man heute noch sehen kann.

Einen kurzen Blick sollte man auch auf die Trajanssäule werfen, die heute noch Ausdruck der enormen Kunstfertigkeit antiker Architekten und Handwerker ist. Das Relief zeigt Szenen der Dakerkriege 101-106 n. Chr. und die gesamte Säule ist innen hohl. Im Inneren verläuft nämlich eine Wendeltreppe bis zur Spitze in 35,1 m Höhe, die in der Antike einen tollen Blick über die Kaiserforen ermöglichte. Kleine Schlitze in der Säule lassen genug Licht ins Innere fallen, damit man den Aufstieg nicht im Dunkeln vollziehen muss.

Die weiteren Kaiserforen sind die des Caesar, des Augustus und das des Cocceius Nerva, die alle aber leider deutlich schlechter erhalten geblieben sind.

Sobald man sein Ticket hat und das Areal des Forum Romanums betreten hat, wird man Teil einer amorphen, nach Schweiß und Sonnencreme riechenden Masse, die sich meist recht rücksichtslos über die Hauptwege des Forums wälzt. Trotzdem verliert das Forum nur wenig von seiner Magie, wenn man dann vor der Kurie (Curia Iulia) steht, wo in der Antike der Senat tagte. Zwar wurde die Kurie unter Mussolini 1932-37 erst in den heutigen Zustand versetzt, allerdings hatte man damals versucht, die Optik des letzten Umbaus unter Kaiser Diocletian wieder herzustellen.

Als nächstes gelangt man zum Saturntempel, der auf der Rückseite des Kapitols das Forum dominiert. Der zwischen 501 und 498 v. Chr. erbaute Tempel ist nicht nur der zweitälteste Roms, sondern verwahrte in der Antike auch den Staatsschatz. Cicero quälte mich anlässlich der Übersetzung der Verschwörung des Catilina mit dieser Tatsache und ihren Folgen.

Weitere wichtige Gebäude wären u.a. der Triumphbogen des Septimius Severus (der jüngste der drei Triumphbögen des Forums), der Tempel Caesars (an der Stelle der Verbrennung seines Leichnames), der Tempel des Romulus oder der Tempel des Antoninus Pius und der Faustina.

Erst seit 2011 wieder zugänglich ist der Bereich des Tempels der Vesta und das Haus der Vestalinnen.

Der Tempel der Vesta war das zentrale Heiligtum Roms, zudem Männern nachts der Zutritt verboten war, wohl um die Keuschheit der Vestalinnen zu sichern. Im Inneren brannte das ganze Jahr das Heilige Feuer, dessen Verlöschen großes Unglück für die Stadt bedeutete. Direkt neben dem Tempel befand sich das Haus der Vestalinnen, in dem die Priesterinnen des Tempels lebten. Die ehemals zweigeschossige Villa verfügte über ein Heizsystem, Empfangsräume und eine Mühle.

Den Abschluss des Forums bildet der Triumphbogen des Kaisers Titus, der anlässlich seiner Siege über die Aufstände in Judäa und die Eroberung Jerusalems (Zerstörung des salomonischen Tempels/heute Klagemauer als letzter Rest) errichtet wurde.

Titusbogen

Nach dem Forum beginnt der Aufstieg auf den Palatin, den mythischen Gründungsort des alten Roms und seit der Zeit des Augustus Residenz vieler römischer Kaiser. Da das Areal des Palatin ziemlich weitläufig ist und nicht ganz so beliebt wie das Forum nimmt die Zahl der Touristen hier deutlich ab.

Neben den Resten einiger Tempel (Magna Mater/Kybele oder Apollon) findet man vor allem die Reste des gigantischen Palastes (Domus Augustana) von Kaiser Domitian (Sohn Vespasians und Bruder von Titus) mit seinem großen Gartenhof, der wegen seiner Form gerne als Stadion/Hippodrom bezeichnet wird. Das Museum des Palatins birgt viele Statuen, Mosaik- und Freskenfunde aus der antiken Geschichte des Areals, ist aber deutlich kleiner als das Kapitolinische oder das Vatikanische Museum. Daher vor allem für einen schnellen Eindruck, wenn man wenig Zeit hat, eine ideale Alternative.

Gerade auch die Blicke über Rom, die man auf allen Seiten des Palatins genießen kann, machen den Spaziergang durch das Areal zu einem lohnenden Erlebnis. So kann man gen Süd-Süd-Ost auch einen tollen Blick auf die Reste des Circus Maxiums werfen, von dem heute primär die Vertiefung im Gelände erhalten geblieben ist.

Vom Palatin, genauer aus dem Vigna Barberini, den ehemaligen Weinbergen der Familie Barberini (einflussreiche Renaissancefamilie in Rom) hat man einen grandiosen Blick auf das Colosseum und ist dabei aber fast völlig alleine.

Blick von der Vigna Barberini auf das Colosseum

Auch wenn man das Combi-Ticket hat muss man mittlerweile für den Eintritt ins Colosseum einige Wartezeit miteinplanen (knappe 15-20 Minuten in unserem Fall) und schiebt sich dann fast Körper an Körper durch dieses Wunderwerk antiker Baukunst.

Da auch das Colosseum während des Mittelalters als Steinbruch diente, ist heute von den ehemals marmornen Sitzreihen nichts mehr erhalten geblieben. Gerade aber der für den Touristen nicht zugängliche Bereich, mit seinen Hebebühnen, Flutungsanlagen und Schächten unterhalb des begehbaren Gebietes, macht das Colosseum zu einem Wunderwerk antiker Technik. Die wenigsten Besucher dürften sich aber dieser unsichtbaren Welt des Gebäudes bewusst sein.

Den Schluss der Tour durch die Antike bildet der in direkter Nähe zum Colosseum stehende Triumphbogen Kaiser Konstantins, der, da er die Religionsfreiheit im alten Rom eingeführt hatte, sich auch in christlicher Zeit großer Beliebtheit erfreute.

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