Vatikan

Piazza San Pietro und Petersdom

Der Vatikan ist der kleinste weltweit anerkannte souveräne Staat und beherbergt mit dem Petersdom die wichtigste Kirche der Christenheit (neben der Grabeskirche in Jerusalem) und mit den Vatikanischen Museen einen der wichtigsten Museenkomplexe der Welt.

Der Legende nach durch die Pippinische Schenkung 751/756 entstand der Kirchenstaat, der in der Folge in seiner größten Ausdehnung von Istrien bis in die Toskana reichte. Zwar gab es tatsächlich Gebietsabsprachen zwischen Pippin und Papst Zacharias, aber weder ist eine Pippinische Schenkung als Urkunde überliefert, noch konnte Pippin dem Papst etwas schenken, was zu dieser Zeit dem König der Langobarden bzw. Byzanz gehörte. Zudem finden sich seit den 730er Jahren Quellen, in denen das Papsttum territoriale Ansprüche formuliert, dabei aber nie eine fränkische Schenkung erwähnt. Zwar ist die Pippinische Schenkung keine klare Fälschung wie die Konstantinische Schenkung (Der Papst als angeblicher Oberherr über Rom, Italien und die westliche Reichshälfte), dürfte aber von den Päpsten den eigenen Interessen angepasst worden sein.

Schlange für den Besuch des Petersdoms

Um den Petersdon zu besuchen, sollte man nicht den Fehler machen, erst gegen 10:00 in der Früh am Petersplatz anzukommen. Denn dann passiert das, was man oben sieht. Man steht einmal um den gesamten Platz herum und es dauerte fast 1,75h bis wir endlich im Petersdom waren. Ganz wichtig hierbei ist angemessene Kleidung! Frauen im Minirock oder mit Spaghettiträgern sowie Männer mit ganz kurzen Hosen und/oder Muscleshirt werden am Eingang abgewiesen.

Der Petersdom ist eine der wenigen Kirchen in Europa, deren Altar nicht nach Osten (Jerusalem) sondern nach Westen ausgerichtet ist. Der heutige Bau entstand zwischen 1506 und 1626 an der Stelle mehrerer Vorgängerbauten über dem vermuteten Grab des Heiligen Petrus. Von Petrus, den die Kirche nachträglich zum Apostelfürsten machte, leiteten die Päpste, die zunächst lediglich die Bischöfe von Rom waren, ihren Führungsanspruch in der Christenheit ab. Deswegen kann man heute auch in der von Michelangelo geschaffenen Kuppel des Petersdoms den Spruch Tu es petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam (Du bist Petrus und auf diesem Fels werde ich meine Kirche erbauen) lesen.

Die Kirche ist so voll an Kunstschätzen, wichtigen Grabmälern und Statuen, dass es den Rahmen völlig sprengen würde, diese auch nur annähernd vollzählig aufführen zu wollen. Daher werde ich im Folgenden nur die mir persönlich wichtigsten und interessantesten nennen.

Gleich zu Beginn steht hier die Pietà von Michelangelo, die er 1499 im Alter von 24 Jahren vollendete. Nach einem Säureanschlag 1972 steht sie heute hinter Panzerglas und ist für mich eine der schönsten Figurengruppen, die je aus Marmor gemeißelt wurden. In der Kunstgeschichte gilt sie als eine der perfektesten bildhauerischen Kompositionen aller Zeiten.

Von den unzähligen Papstgrabmälern ist mir vor allem das von Gian Lorenzo Bernini entworfene Grab Alexanders VII. in Erinnerung geblieben, weil die Figur des Todes unter der Decke hervorkriechend ganz keck das abgelaufene Stundenglas der Lebenszeit in die Höhe reckt. Aber auch die letzten Stuarts oder Mathilde von Tuszien (Herrin der Burg Canossa 1077 beim berühmten Gang Heinrichs IV.) befinden sich im Petersdom.

Unterhalb dem ebenfalls von Bernini entworfenen Ziborium liegt dann der Legende folgend das Grab Petri.

Über die Via della Conciliazione erreicht man vom Petersplatz entlang vieler Botschaftsgebäude den Tiber und die Engelsburg. Urpsrünglich als Mausoleum für Kaiser Hadrian erbaut, nutzten die Päpste die Engelsburg als Zufluchtsort in Kriegs- und Krisenzeiten, weswegen es auch eine oberirdische Verbindung zwischen Papstpalast und Engelsburg gibt. Heute ist die Engelbsurg ein Museum, das wir uns aus Zeitgründen aber nicht auch noch anschauen konnten. Daher führte uns dann der Weg Punkt 14:00 zu den Vatikanischen Museen, weil wir genau für diese Uhrzeit Karten online reserviert hatten. Ich kann nur jedem Besucher wärmstens empfehlen, die Karten online zu reservieren! Ich war mittlerweile viermal in den Vatikanischen Museen und noch nie so enstpannt und ohne Anstehzeit wie beim letzten Besuch mit reservierten Karten.

Zunächst geht es durch die Statuensammlung der Antike, mit teils atemberaubend detaillreichen Figurengruppen, wie der des Nils in einem Seitenflügel. Dort ist man auch relativ alleine unterwegs, da die Beschilderung Sixtinische Kapelle einen anderen Weg vorgibt. Vor einer der berühmtesten Figurengruppen der Antike, der Laokoongruppe (Laokoon war ein Priester Trojas gewesen, der vor dem Trojanischen Pferd warnte und dann von einer Meerschlange mitsamt seinen Söhnen verschlungen wurde), kommen aber die Nachteile digitalen Massentourismuses voll zum Tragen. Mittlerweile gehen viele Gruppen mit Headsets durch das Museum, was zur Folge hat, dass keinerlei Bewusstsein für die Umgebung mehr besteht, man nur der Stimme im Ohr lauscht und buchstäblich über andere Menschen hinwegsteigt, diese aus dem Weg schubst oder voll in sie hineinläuft. Da es auch nicht nur eine Gruppe, sondern unzählige gibt, fühlt man sich als Individualtourist wortwörtlich an den Rand gedrängt.

Für mich persönlich ein ganz besonderes Highlight war die etruskische Sammlung. Über dieses so wichtige, aber wegen der fehlenden Quellenlage immer noch kaum erforschte, Volk der Etrusker gibt es nur wenige vergleichbare Orte um die Kultur dieser Zeit erleben zu können. Da man auch hier den Hauptpfad zur Sixtischen Kapelle verlassen musste, waren wir in den sieben oder acht Räumen der Austellung fast alleine unterwegs. Wenn man sich die Kunstfertigkeit der etruskischen Ausstellungsobjekte ansieht, kann man verstehen, warum die Römer so ein ambivalentes Verhältnis aus Bewunderung und Minderwertigkeitskomplex entwickelt haben.

Die Galerie der Landkarten

In der Galerie der Landkarten mit ihrer prachtvollen Decke des 16. Jahrhunderts hätte ich gerne mehr Zeit verbracht, aber der stetige Strom an Touristen hat ein zwischenzeitliches Stehenbleiben nahezu unmöglich gemacht.

Die von Raffael 1508 bis 1524 ausgemahlten Privaträume von Papst Julius II. sind ein weiterer Touristenmagnet des Rundganges. Auch hier empfiehlt es sich die Besichtigung entweder ganz in der Früh oder gegen Abend vorzunehmen, dann sind die Räume etwas leerer. Ganz besonders hilfreich sind in Stoßzeiten auch die Touristen, die sofort in der Tür stehen bleiben um möglichst den ganzen Raum fotografieren zu können…

Auch wieder vom Hauptpfad abweichend finden sich die Gemächer eines der berüchtigtsten Renaissancepäpste überhaupt. Der Spanier Rodrigo de Borja y Doms, besser bekannt als Alexander VI. Borgia, hat sich seine Privatgemächer von Pinturicchio ausmalen lassen, einem Maler der Renaissance, der erst seit dem 20. Jahrhundert zu den wichtigsten Malern seiner Zeit gezählt wird. Auch die Borgiagemächer sind wieder kaum frequentiert, sodass man wirklich in Ruhe die farbenprächtigen Malereien des späten 15./frühen 16. Jahrhunderts bewundern kann.

Von der anschließend besuchten Sixtinischen Kapelle mit ihren weltberühmten Fresken von Michelangelo ist es leider auf Strafe verboten, Fotos zu machen, weswegen ich hier leider nichts zeigen kann. Daher verweise ich ausnahmsweise auf wikipedia für einen Ersteindruck, da ich keine fremden Bilder verwenden möchte.

Auch Nachts verströmen der beleuchtete Petersdom oder die beleuchtete Engelsburg einen ganz eigenen Charme, der sich durchaus lohnt einmal zu erleben. Auf der anderen Seite des Tibers, nicht weit entfernt, in der Nähe der Piazza Navona kann ich aus eigener Erfahrung die Osteria del Pegno Roma (Vicolo di Montevecchio 8) empfehlen, die einfache aber gut zubereitete Küche der Region Latium und eine feine Weinauswahl zu moderaten Preisen bietet. Nur der Wirt kann manchmal etwas mürrisch sein, was mich als Augsburger (wir gelten auch als mürrisch und verschlossen) aber nicht großartig stört.

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