Roms Zentrum 3

Palazzo Farnese

Der letzte Teil meiner Serie durchs römische Zentrum führt uns, wieder vom Vatikan beginnend, in den Bereich südlich des Corso Vittorio Emanuele II. Als erstes erreichen wir den Palazzo Farnese, der als eines der bedeutendsten Bauwerke der italiensichen Renaissance gilt. Am Bau waren u.a. Michelangelo, Antonio da Sangallo und Giacomo della Porta beteiligt, also die Crème de la Crème der damaligen Architektur.

Heute ist der Palast Sitz der französischen Botschaft und weite Teile der beeindruckenden Kunstsammlung der Farnese sind in Neapels Museen zu sehen. Sollten Teile des Palastes via Ausstellung o.Ä. besichtigbar sein, muss man die Chance unbedingt nutzen, denn die Fresken von Agostino und Annibale Carracci in der Galleria Farnese zählen zum Eindrucksvollsten, was der italienische Frühbarock zu bieten hat.

Vom Palazzo Farnese bietet es sich an nicht den direktesten Weg zum nächsten Stopp zu nehmen, sondern etwas die deutlich ruhigeren Gassen dieses Teils der Altstadt zu erkunden. Der Palazzo della Cancelleria oder die Galleria Spada wären hier als mögliche kurze Zwischenstopps zu nennen.

Denkmal für Giordano Bruno am Campo dei Fiori

Der Campo dei Fiori (Das Feld der Blumen) ist heute einer der beliebtesten Märkte Roms und gerade Abends ein viel frequentierter Kneipen- und Restaurantbereich. Der Philosoph, Dichter und Astronom Giordano Bruno wurde hier im Jahr 1600 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er hatte die Unendlichkeit des Universums postuliert und sich damit klar gegen das geozentrische Weltbild der Kirche positioniert. Erst 1966 wurden seine Schriften vom Index entfernt und erst im März 2000 wurde er von Papst Johannes Paul II. ganz rehabilitiert.

Der nächste größere Zwischenstopp auf dem Weg zum Kapitol liegt am Largo di Torre Argentina. Dieser Ausgrabungsbereich, der bei uns in Deutschland DIE Sehenswürdigkeit einer Stadt wäre, wird in Rom aber relativ wenig Aufmerksamkeit zu Teil. In der Ausgrabung sieht man die Reste von vier Tempeln aus der Zeit des 3. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. Während sich um einen der immense Verkehr der römischen Innenstadt lautstark und geruchsintensiv seinen Weg bahnt, wirkt die tieferliegende Ausgrabung wie eine kleine Oase. Zumal diese Heimat für unzählige Straßenkatzen Roms ist, die in der nahegelegenen und gleichnamigen Auffangstation eine geschützte (und besichtigbare) Heimat gefunden haben.

Schließlich erreichen wir die Piazza Venezia und das den Platz dominierende Monument für den ersten italienischen König Viktor Emanuel II. aus dem Haus Savoyen. Zwischen 1885 und 1927 wurde dieses in meinen Augen nicht besonders hübsche Monument errichtet, das von den Römern auch scherzhaft wegen seiner Form „Schreibmaschine“ genannt wird. Wie immer bei solchen Monumenten findet sich ein Grab des unbekannten Soldaten und der „Altar des Vaterlandes“ mit der ewigen Flamme, die jeden Tag von zwei Soldaten bewacht wird.

Man sollte aber aus einem ganz anderen Grund den Aufstieg auf die mittlere Ebene unternehmen: wegen des wirklich grandiosen Blicks über die Kaiserforen, das Marcellustheater und Richtung Colosseum! Die oberste Ebene kann man sich in meinen Augen, auch wegen der horrenden Preise für die Nutzung des Aufzuges, sparen.

Als letztes werfen wir noch einen Blick auf das angrenzende Kapitol, laufen aber am Fuße des Hügels noch an einer kleinen Ausgrabung römischer Wohnhäuser vorbei. Diese sog. Insula (röm. Wohnhaus) aus dem 2. Jahrhundert nach Christus verfügt neben dem Erdgeschoss über noch mindestens drei weitere Stockwerke (zum Teil unter dem heutigen Bodenniveau) und gibt einen guten Einblick in die Enge damaliger Wohnverhältnisse der antiken Millionenstadt. Während des Mittelalters entstand hier wohl eine kleine Kirche, worauf die Reste des kleinen Campanile und das Fresko eines Christus als Schmerzensmann mit den vier Evangelistensymbolen und dem Lamm Gottes hinweisen.

Anschließend erreichen wir das Kapitol, den zweitkleinsten der antiken Hügel Roms, aber das Herz des römischen Reiches. Hier stand der wichtigste Tempel der Stadt, geweiht dem Jupiter Optimus Maximus, der Juno Regina und der Minerva. An anderer Stelle auf dem Hügel lasen die Auguren ihre Vorzeichen, hier befand sich der tarpejische Felsen, von dem die zum Tode Verurteilten gestürzt wurden.

Heute steht hier das Rathaus Roms und in den kapitolinischen Palästen ist das nach dem Vatikanischen Museum wichtigste Museum der Stadt für Kunst untergebracht. Werke der Antike finden hier genauso Platz wie Gemälde von Tizian, Rubens oder Caravaggio. Der Platz selbst und der Konservatorenpalast wurden von Michelangelo entworfen bzw. erbaut, das monumentale Reiterstandbild zeigt den Philosophenkaiser Mark Aurel. Es ist der einzige von ehemals 22 solch monumentaler Reiterbildnisse, da man es aber fälschlicherweise für ein Standbild von Kaiser Konstantin hielt, überlebte es die Metallgier des Mittelalters und wurde nicht eingeschmolzen.

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